Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Menschenwürde antastbar

    27.05.2008, Reiner Vogels, Swisttal
    Urban Wiesing unterlaufen in seinem Essay drei entscheidende Fehler:

    1. Aus der Tatsache, dass verschiedene wissenschaftliche Philosophen und Ethiker und die Parlamente einiger zivilisierter Staaten eine liberale Position vertreten, schließt er, dass eine derartige Position legitim sei: "Man kann in der Frage, welchen Schutz Embryonen genießen, mit guten Argumenten unterschiedlicher Meinung sein." (S. 86) Dieser Schluss ist jedoch irrig: Wenn viele Menschen eine Sache für ethisch vertretbar halten, heißt das noch lange nicht, dass sie tatsächlich ethisch vertretbar ist. Im ausgehenden Mittelalter bedeutete die Erkenntnis, dass auch Konzilien irren können, einen großen Schub in Richtung Freiheit. Heute müssen wir diese Freiheit verteidigen, indem wir daran festhalten, dass selbst Inhaber von akademischen Lehrstühlen für Philosophie und Ethik und Parlamente zivilisierter Staaten irren können.

    2. Verbunden mit diesen Fehler, wenn auch nicht identisch mit ihm, ist der zweite Fehler: Wenn man in der Frage der Zuerkennung von Menschenwürde vom Phänomen unterschiedlicher Meinungen folgert, dass unterschiedliche Meinungen legitim seien - siehe Punkt 1 - gelangt man automatisch zu der Konsequenz, dass es am Ende die Gesellschaft mit ihren staatlichen Entscheidungsorganen ist, die über die vollständige oder abgestufte Zuerkennung der Menschenwürde zu befinden hat. Dies macht die Menschenwürde zu einem Gut, das dem einzelnen Menschen nicht von sich aus zukommt, sondern das ihm je nach politischen Mehrheitsverhältnissen ganz oder teilweise zugeteilt wird. Unantastbar ist in einem solchen Konzept die Menschenwürde nicht.

    Als die Väter und Mütter unseres Grundgesetzes in Art. 1 formulierten: "Die Würde des Menschen ist unantastbar", haben sie genau das ausschließen wollen. Menschenwürde ist nämlich ein vorstaatliches Grundrecht jedes Menschen. Der Staat hat es ihm nicht gegeben, er kann es ihm auch nicht aberkennen oder einschränken.

    3. Der dritte Fehler besteht im in sich widersprüchlichen und unlogischen Konzept eines "abgestuften Lebensschutzes" (S. 86ff): Es gibt in der Entwicklung eines Menschen von der befruchteten Eizelle bis hin (eventuell) zum Nobelpreisträger für Physik keine eindeutige Zäsur, an der man die Zuerkennung eines nicht mehr abgestuften, sondern vollständigen Lebensschutzes festmachen könnte. Folgerichtig ist es bisher auch noch keinem Vertreter des Konzepts eines abgestuften Lebensschutzes gelungen, einen plausiblen Zeitpunkt in der menschlichen Entwicklung zu nennen, von dem an der volle Lebensschutz greifen würde. Auch Urban Wiesing nicht! Sollte dieser Zeitpunkt die Geburt sein, oder der Zeitpunkt, an dem ein kleines Kind bewußt "ich" sagt? Sollte er die Schulreife, die Geschlechtsreife oder gar das Abitur bzw. der erfolgreiche Abschluss einer Berufsausbildung sein? Alle diese Entwicklungsstufen wären als Anlässe für die Zuerkennung vollständigen Lebensschutzes unplausibel und willkürlich. Das Konzept eines abgestuften Lebensschutzes ist daher in sich unlogisch und irrational. Es ist eine Einladung zur Willkür.

    Fazit: Wenn man die Gesamtproblematik überblickt, erkennt man, dass es nur zwei konsequente und widerspruchsfreie Positionen gibt: Einmal die konsequent liberale Position, die die Menschenwürde als ein Gut definiert, das der Staat gewährt oder verweigert, und zweitens die Position des konsequenten Lebensschutzes von Anfang an. Ich möchte nicht in einem Staat leben, der je nach politischen Mehrheitsverhältnisse über die Zuerkennung von Menschenwürde bestimmt, und ich halte die zweite Position für die ethisch richtige. Fremdnützige bzw. tötende Forschung an menschlichen Embryonen bedeutet eine Verzweckung von Menschen ist daher in meinen Augen ethisch abzulehnen.
  • Grosser Unterschied von embryonalen und adulten Stammzellen

    27.05.2008, Dr. med. Christoph Kösters, Aachen
    Bei einem Gespräch über ethische Fragen der Stammzellforschung muss immer wieder auf die Unterschiede von embryonalen und adulten Stammzellen hingewiesen werden.
    1. Embryonale Stammzellen werden noch aus Embryonen gewonnen; die Hoffnung vieler Forscher liegt auf den Möglichkeiten der Reprogrammierung z.B.von Hautzellen in embryonale Stammzellen. Es gibt aber bis heute keine Thrapie, die einsetzbar ist.
    2. Adulte Stammzellen, die im Nabelschnurblut, in der Nabelschnur und in der Plazenta vorkommen, können einfach und ethisch unproblematisch gewonnen werden.
    Wichtig zu bemerken, dass mit Adulten Stammzellen schon Tausende Patienten weltweit behandelt worden sind. Man unterscheidet zwischen Allogenen Stammzellgaben (von Spendern) und Autologen (eigene Zellen). Im Fettgewebe, im Knochenmark und an vielen anderen Organen sind Adulte Stammzellen zu gewinnen.
    Mehr als 80 Krankheiten werden mit Adulten Stammzellen erfolgreich behandelt.
  • Madagaskar

    26.05.2008, Dr. Rudolf Bischoff
    Herrliches Erlebnis, so was erlebt man nicht alle Tage!
  • Warum soll der Fisch Wasser anheben?

    26.05.2008, Martin Bäker, Braunschweig
    Beim Abschnitt über das Schwimmen frage ich mich: Soll ich wirklich annehmen, dass ein Tiefseefisch nur schwimmen kann, indem er eine Bugwelle auf der Meeresoberfläche, 10000 Meter oberhalb, erzeugt? Und warum soll der Fisch überhaupt Wasser anheben, wo doch der beim Vorwärtsschwimmen entstehende Freiraum offensichtlich das verdrängte Wasser aufnehmen kann?
    Ein einfaches Experiment genügt schließlich, um diese Hypothese zu widerlegen: Man fülle ein Rohr komplett mit Wasser und setze einen Fisch hinein. Nach der konstruktalen Theorie wäre der arme Fisch bewegungsunfähig gefangen, da er kein Wasser verdrängen und keine Bugwelle erzeugen kann. Die Realität sieht anders aus.
    Antwort der Redaktion:
    Antwort des Autors Prof. Adrian Bejan:

    Dr. Bäker irrt aus zwei Gründen:

    Erstens ist sein Experiment keine Kopie oder Simulation des physikalischen Phänomens, auf welches das konstruktale Gesetz in diesem Artikel zutrifft. Dieses Phänomen ist die Evolution der Designs "Fisch" und "Schwimmen" als Fließsysteme für die Bewegung von Tiermasse auf der Erdoberfläche. Das Design für Fisch und Schwimmen entwickelte sich auf der Erde nicht in verschlossenen, isolierten Kapseln.
    Mit anderen Worten, statt einen Fisch zu fangen und einzusperren, könnte Dr. Bäker genauso gut ein batteriegetriebenes Spielzeug einsperren. Das Wasser wird gezwungen sein, eine Zeit lang umherzuschwappen (wobei Impuls auf die Behälterwände und von dort auf die Erde übertragen wird, die zum Ausgleich wenn auch unmerklich verschoben werden muss), bis die Batterie leer ist. Das ist nicht das natürliche Evolutionsphänomen des Fisch- und Schwimmdesigns auf der Erde.

    Zweitens besagt die konstruktale Theorie nicht, was Dr. Bäker schreibt:

    Der Fisch wäre "bewegungsunfähig gefangen" und so weiter. Eine Theorie ist eine rein geistige Ansicht, wie ein allgemein-physikalisches Naturphänomen sein sollte. In der konstruktalen Theorie ist dieses Phänomen die "Erzeugung der Flusskonfiguration", die überall auftritt:
    Verästelungen in Lungen und Flussbetten, Skalierungsgesetze bei Turbulenz, Flussdesign, Tierdesign und soziale Dynamik usw. Die konstruktale Theorie besagt einfach, dass das "Phänomen" einem neuen Prinzip gehorchen sollte, dem konstruktalen Gesetz: "Damit ein endlich großes Fließsystem zeitlich überdauert (überlebt), muss seine Konfiguration sich zeitlich so entwickeln, dass es seinen Strömen immer besseren Zugang bietet."
    Die Analyse von Fisch und Schwimmen (und Laufen und Fliegen) in unserem Artikel zeigt, was im Lauf des "Zeichentrickfilms" der Designevolution geschehen sollte, nämlich das oben genannte konstruktale Gesetz.
  • Wohltat

    26.05.2008, Gert Meertens, Steinfurt
    Vielen Dank für diesen informativen Artikel! Eine echte Wohltat - gerade an Tagen, an denen es zum Phoenix andernorts nur die mehr oder minder geschickt übersetzten Worthülsen aus den NASA-Pressemitteilungen zu lesen gibt.
  • Ende des Wettbewerbs

    26.05.2008, Bianca Violet, Berlin
    Ich wollte mal fragen, wann genau der Einsendschluß für den Wettbewerb ist. Gibt es eine Uhrzeit? Kann man am 27.5. noch bis 24 Uhr Bilder hochladen?
    Antwort der Redaktion:
    Ja!
  • Vergebene Chance

    25.05.2008, Martin Simeth
    Schade.

    Wie zukünftige Astronomen zu Ihrem Wissen kommen ist für heute lebenden Wissenschaftler nicht vorhersagbar und sollte nicht auf die heute bekannten und im Artikel erwähnten Mechanismen reduziert werden.

    Diese Überlegungen bringen zudem keinerlei Erkenntissgewinn für die heutige Astronomie.

    Und da lag die vergebene Chance des Artikels:
    Herauszuarbeiten, welche Rückschlüsse wir HEUTE aus einem "Sichthorizont" der Entfernung x ziehen können.
    Sind wir bereits jetzt in einer Situation, wo aufgrund fehlender Sichtweite/Informationen akzeptiertes Wissen hinterfragt werden sollte ?

    Dazu hätten mich folgende Fragen interessiert:

    - Wie groß ist der Sichthorizont heute ? (Unter Berücksichtigung aktueller Daten über die beschleunigte Expansion des Universums.)
    - Gibt es bereits Teile außerhalb ? (Es sind bereits Quasare mit einer Rotverschiebung > 13 Milliarden LJ gefunden worden, die somit zeitlich nahe am Urknall liegen. Dies könnte bedeuten, es bisher gar keinen "Sichtverlust" gibt, wie er in Bild 1 suggeriert wird.)
    - Wie ließe sich ein vorhandener Sichthorizont nachweisen ?
    - Stimmt das geschätzte Alter des Universums von 14 Milliarden auch unter der Annahme eines vorhandenen Sichthorizonts von x Milliarden Jahren?

    Max Tegmark hat bereits August/2003 diese Thematik in SdW deutlich interessanter aufbereitet.

  • Nach allen Seiten gehen

    22.05.2008, Dr. Hubert Mayer, Payerbach
    Als Kind (ich bin Jahrgang 1921) brachte mich meine Mutter des öfteren in die Wiener Urania, die in den dreißiger Jahren Expeditionsfilme vor allem aus Afrika brachte. Über der Filmleinwand befand sich ein Spruch Goethes, welcher mich damals schon sehr beeindruckte:

    Willst du ins Unendliche schreiten,
    geh´ im Endlichen nach allen Seiten.

    Nachdem ich mich beruflich einigermaßen etabliert hatte, begann ich populär-wissenschaftliche Zeitschriften zu begutachten. Die meisten waren mir etwas zu populär und oft sehr spekulativ ausgerichtet. Andere waren für mein Interesse zu wissenschaftlich. Und so kam ich an Ihre Zeitschrift. Und sie entsprach vollkommen meinem Bemühen "nach allen Seiten" zu gehen.

    Seither habe ich alle Ausgaben erworben und nach (zeitlicher) Möglichkeit und Interessenschwerpunkten auch gelesen oder wenigstens überflogen.

    In den letzten Jahren ist durch das Internet allerdings eine gewisse Konkurrenz aufgetreten und ich selektiere auch etwas mehr, konzentriere mich auf Astronomie und Evolution. Molekularbiologie und Raumfahrt deckt das Internet etwas breiter ab.

    Aber ich freue mich immer noch, wenn zum Monatsende das neue Heft im Briefkasten liegt.

    Es gäbe noch viel zum Heft zu sagen, aber das würde den Rahmen sprengen. So möchte ich nur noch betonen, dass Ihre Zeitschrift mir die Möglichkeit gibt, nach wenigstens einigen Seiten zu gehen und mir ein wenig von dem vermittelt, "was die Welt im Innersten zusammenhält" - und mein Denken einigermaßen jung hält.

    Mit den besten Wünschen für Ihre Zeitschrift
    und dem Anliegen, dass Sie jede Verflachung vermeiden können.

    Hubert Mayer
  • Mittel gegen Hepatitis-B-Erreger

    21.05.2008, Prof. Dr. W. H. Gerlich, Gießen
    Der kurze Beitrag ist sehr interessant, jedoch enthält er zwei wesentliche Fehler. Das Forscherteam um Jörg Petersen, Maura Dandri (Hamburg) und Stephan Urban (Heidelberg) hat erfolgreich eine neuartige Wirksubstanz gegen Hepatitis B Virus in Mäusen untersucht. Da das Virus nur Lebergewebe von Menschen oder Primaten infiziert, war es nötig in die Mäuse humanes Lebergewebe zu implantieren. Um die Abstoßung des menschlichen Lebergewebes durch die Maus zu unterbinden, mussten immundefiziente Mäuse verwendet werden. Naturgemäß zeigen diese Mäuse dann auch keine Immunabwehr gegen das Virus. Diese ist aber bei Maus, und auch Mensch, Voraussetzung für die Entstehung einer Hepatitis, d. h. einer Leberentzündung, und der daraus resultierenden Gelbsucht. Die Tiere der unbehandelten Kontrollgruppe haben also nach Infektion das Virus zwar vermehrt, entwickelten aber keine Gelbsucht, wie fälschlich in dem Kurzbericht behauptet.
    Man mag nun diesen Fehler noch hinnehmen, nicht aber den nächsten Satz "Hepatitis B ist derzeit nur durch eine Lebertransplantation zu behandeln". Seit knapp 30 Jahren wird Interferon zur Therapie der chronischen Hepatitis B mit nachweisbarem, wenn auch begrenztem Erfolg eingesetzt. Seit etwa 12 Jahren gibt es Nukleosid-, bzw. Nukleotid-Analoga, die die reverse Transkriptase des Hepatitis B Virus und somit seine Replikation z. T. sehr wirksam hemmen. Diese häufig eingesetzten Mittel können aber die Infektion, ähnlich wie bei HIV, nicht ausrotten, so dass es unter der notwendigen Dauertherapie zur Resistenzbildung kommen kann. Wegen dieser Problematik besteht weiterhin Bedarf an neuen Mitteln, insbesondere bei solchen Hepatitis Patienten, die wegen einer fortgeschrittenen Leberzirrhose eine Leber-Transplantation benötigen. Lipopeptide, die die Anheftung eines Virus an ihre Zielzelle hemmen sind meines Wissens bislang nicht als Therapeutika verwendet worden. Insofern war es angebracht, dass Spektrum der Wissenschaft über diese wichtige Publikation berichtet hat und es ist den Erfindern zu wünschen, dass die Substanz Eingang in die klinische Anwendung finden kann.

  • Orang-Utans

    21.05.2008, Kurt Breuer
    Ich freue mich das es Dr. Willie Smitz gibt, es sollte sich alle über seine Arbeit freuen, die gerne atmen. Schade das ich nicht helfen kann :-(
  • Fiktion als Wissenschaft

    20.05.2008, Raimund Leistenschneider
    Es ist doch erstaunlich, wie oft sich das Bild in der Wissenschaft wiederholt, dass der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lebende Mensch sich einzig und allein in der Möglichkeit sieht, zum “Verständnis der wahren Natur“ (S. 25) zu gelangen. Wir sind offensichtlich in der menschlichen Selbstschätzung so sehr gefangen, dass wir den Blick für das Außerhalb verloren haben. Daran kann auch die Tatsache, dass es sich bei der beschriebenen Betrachtungsära um kosmische Zeitspannen handelt, nichts Grundlegendes ändern. Die für sich in Anspruch genommene Einzigartigkeit bleibt.

    So wissen wir nichts, weder theoretisch, geschweige denn praktisch, über ¾ der Energie des Universums, der dunklen Energie und so gut wie nichts über weitere 20% (dunkle Materie). Von der dunklen Energie wissen wir lediglich, dass sie sich (u.a.) als eine Art Antischwerkraft auswirkt. Aus dem (Teil-) Wissen von ca. 5% des Universums erstellen die Autoren nun Szenarien über die Entwicklung des Universums über die nächsten 100 Billionen Jahre und präsentieren dies als Ergebnis wissenschaftlicher Studien.

    Die Autoren geben an, die Szenarien beruhen auf Rechenmodellen mit der “kosmologischen Konstanten“, womit sie die dunkle Energie meinen. Weiter im Bericht ist zu erfahren, dass das Universum vor 6 Mrd. Jahren in die zweite beschleunigte Phase (aufgrund der dunklen Energie) überging, in der es sich heute noch, mit zunehmender Beschleunigung, befindet. Ist dem so (gilt immerhin als gesichert), dann kann es sich niemals um eine “kosmologische Konstante“, wie z.B. die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum handeln, sondern um eine kosmologische Variable, deren Größe (nimmt zu) und ggf. Eingenschaft(en) sich über kosmologische Zeitspannen spürbar ändern. Die Abbildung in S.d.W. 10/05, S. 83 verdeutlicht dies auch. Aufgrund unseres minimales Wissens und der Berufung auf eine Konstante, die gar keine ist und deren Wesen wir nicht kennen, sind die vorgestellten Szenarien rein spekulativ und dem Bereich Fiktion zuzuordnen.

    Weiter beschäftigen sich die Autoren mit der Ewigkeit (S. 26), in Anbetracht derer die Zeitspanne von 100 Mrd. Jahren “recht kurz“ sein soll. Der Begriff „Ewigkeit“ ist jedoch der Mathematik und Religion vorbehalten, die Physik kann damit nichts anfangen – ist dort nicht beschreibbar. Dies kann auch nicht verwundern, da die Physik keine Zeit kennt – sie gibt es dort nicht (die Zeit und deren Größe hat der Mensch als Betrachtungshilfe, mit der er sich zurechtfinden kann, eingeführt, die Natur kennt keine Zeit). Die Physik kennt „lediglich“ Zustände und die sich im jeweiligen Zustand einstellenden physik. Gleichgewichte, bzw. Wechselbeziehungen.

    Auf S. 30 in der Auflistung links ist zu entnehmen, dass in 6 Mrd. Jahren (20 Mrd. Jahre nach dem Urknall) die Andromeda-Galaxie mit der Milchstraße kollidiert. In S.d.W. 05/06, S. 11 (“Kosmischer Crash“) steht jedoch, dass dies bereits in 2 Mrd. Jahren stattfindet – Aussage der Max Planck Gesellschaft vom 03.03.2006. Was stimmt denn nun?

    Auf S. 29 ist zu lesen, dass “Quasare (vermutlich) von schwarzen Löchern mit Energie gespeist werden.“ Dies ist natürlich blanker Unsinn und widerspricht auch der Definition im Kasten auf S.28. Wenn, wie bekannt, schwarze Löcher „Gravitationsfallen“ sind und alles in sich hinein aufsaugen und nichts wieder nach außen lassen (die Hawking-Strahlung, die auf Quanteneffekten beruht, nicht berücksichtigt), so können schwarze Löcher Quasare auch nicht mit Energie versorgen. Evtl. haben die Autoren gemeint, dass schwarze Löcher dies indirekt tun, z.B. über ihren Drehimpuls, dann müssen die Autoren aber präziser sein.

    Wer, wie die Autoren (direkt oder indirekt) für sich in Anspruch nimmt, einzig zum Verständnis der wahren Natur zu gelangen, der sollte auch versuchen, dies auszufüllen.
  • Trapez und Rechteck

    20.05.2008, Karin Vrana
    Ich dachte immer, dass ein Rechteck wegen der vier rechten Winkel eben diesen Namen trägt.
    Ich denke, dass ist auch der typische Unterschied zum Trapez!
    Antwort der Redaktion:
    Ein Rechteck ist ein Viereck mit vier rechten Winkeln – soweit richtig.

    Ein Trapez ist ein Viereck mit zwei parallelen Seiten. Ende der Definition. Es ist nicht verboten, dass es außerdem vier rechte Winkel hat. Also: Ein Rechteck ist ein Spezialfall eines Trapezes. (Umgekehrt natürlich nicht.)

    Anders ausgedrückt: Ein Rechteck unterscheidet sich von irgendeinem Trapez dadurch, dass es vier rechte Winkel hat. Gleichwohl ist es ein Trapez.

    So etwas kommt übrigens auch im täglichen Leben vor. Ein Schwabe unterscheidet sich von irgendeinem Deutschen (unter anderem) dadurch, dass er "fruschdrierd" statt "frustriert" zu sagen pflegt. Gleichwohl ist ein Schwabe ein Deutscher. Nur in der Mathematik kommt einem das irgendwie merkwürdig vor.

    Christoph Pöppe
  • Lieber Bescheidenheit als Aprilscherze

    20.05.2008, Otto Schult, Haubourdinstr. 4, 52428 Jülich
    Kosmische Spekulation oder Wirklichkeit?

    In ihrem Artikel über "Das Kosmische Vergessen" schreiben die Autoren "Doch was in der Physik wirklich zählt, sind natürlich direkte Beobachtungen" und im letzten Absatz "Bescheidenheit scheint in jedem Fall angebrachter als Selbstzufriedenheit". Beiden Aussagen wird der wissenschaftlich interessierte Laie voll und ganz zustimmen. Wie versteht er aber als Relativitätstheorie-Amateur IN KÜRZE, dass sich die Galaxien "schneller voneinander entfernen, als sich das Licht bewegt"? Und, wenn dann "Wissenschaftler in 100 Milliarden Jahren in den Himmel blicken" sollen, drängt sich die Frage auf, wie lange uns die Sonne dazu Zeit lässt.
    Bislang fehlt uns jede direkte Beobachtung außerirdischen Lebens. Warum üben die Autoren dann nicht Bescheidenheit? Oder war ihr Aufsatz ein später Aprilscherz? Spekulation ist etwas für die Börse, aber nicht für die Physik und auch nicht für die Kosmologie! Phantasie, die sich an der Realität orientiert, ist erlaubt. Wann liefern uns die Multi-Universen- Freaks endlich solide Beweise für deren Existenz? Und wo sind solide Beweise im Artikel über das kosmische Vergessen?
    Antwort der Redaktion:
    Zumindest die Frage nach der Möglichkeit, ob sich Galaxien mit Überlichtgeschwindigkeit voneinander entfernen können, sei hier beantwortet: Sie können. Sie bewegen sich zwar nicht entsprechend schnell durch den Raum, das verbietet Einstein. Doch wenn sie nur weit genug voneinander entfernt sind, liegt so viel Raum zwischen ihnen, der sich im Rahmen der kosmischen Expansion ausdehnt, dass sich ihr Abstand ständig vergrößert. (Auch ohne ihr "Zutun" übrigens: Die betrachteten Galaxien müssen dabei keinerlei Eigenbewegung im Raum aufweisen.) Sie bewegen sich also nicht durch den Raum, sondern werden vom expandierenden Raum gewissermaßen voneinander fortgerissen. Dagegen hätte auch Einstein keine Einwände.
  • Madagaskar

    19.05.2008, Ilka
    Endlich wieder mehr Info aus Madagaskar! Es ist so spannend zu lesen, wie die Tage in Kirindy vergehen! Ich hoffe, die Fotsy-Minuten überwiegen ...
  • Oh ja!

    19.05.2008,
    Ach, wie gut kann ich das alles nachvollziehen! Vielen Dank, Lennart, dafür, dass du es verstehst, solche Alltagssituationen inklusive der damit verbundenen Emotionen so punktgenau und nachempfindbar zu schildern!

    Es ist eine wahre Freude, deine Berichte zu lesen; ich warte jedes mal gespannt auf den nächsten!

    Viele Grüße in den Wald
    Janna
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