Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Unvermeidlicher Kollaps

    26.01.2008, Pfr. i.R. Reiner Vogels, Swisttal-Odendorf
    Vielen Dank für die kluge und realistische Gesellschaftsanalyse von Hartmut Rosa. Nicht zuletzt darin ist Rosa zuzustimmen, dass die eigentliche Triebfeder der ständigen technischen und gesellschaftlichen Geschwindigkeitssteigerung der Moderne das Verlangen der Menschen nach Intensivierung ihres Lebens ist. Letztlich ist es die unersättliche menschliche Lebensgier, die hinter den von Rosa analysierten Phänomenen steht.

    Allerdings ist diese unersättliche Lebensgier keineswegs, wie Rosa formuliert, die "moderne Antwort auf den Tod" (S 86), sondern es ist eine Antwort, die zu allen Zeiten gegeben worden ist. Diese Antwort ist geradezu eine anthropologische Konstante. Sie unterliegt nicht dem Gesetz des Wandels und der Beschleunigung. Man lese nur die "Satyrica" des Petronius oder besichtige das der Öffentlichkeit zugängliche "Geheimkabinett" des Nationalmuseums in Neapel. Dort sind Fundstücke aus Pompei und Herculaneum ausgestellt, die die enge Verbindung von Todesbewusstsein und zügelloser Lebensgier ungeschminkt und drastisch darstellen. Anders geworden gegenüber den Zeiten Roms ist nicht die Gier als Haupttriebkraft der Gesellschaft, sondern sind allein die größeren technischen und ökonomischen Möglichkeiten der Menschen.

    Recht hat Hartmut Rosa auch in der These, dass die Beschleunigungsspirale eines Tages im Kollaps enden wird. Allerdings erkennt er, wenn er von Ökokollaps, klimatischen oder nuklearen Katastrophen und Pandemien (S. 87) spricht, nicht, dass der Kollaps in Gestalt der die gesamte moderne Welt in ihrer Substanz bedrohenden demographischen Katastrophe längst begonnen hat.

    Das kann auch gar nicht anders sein: In einer Gesellschaft, in der alles immer schneller zu Gewinn und Lebensgenuss führen muss, sind Kinder ein Störfaktor: Das "Kapital" und die "menschlichen Ressourcen", die man in Kinder "investieren" muss, führen frühestens nach 20 Jahren zu einem finanziellen "Return". So lange wollen in einer Zeit der wirbelnden Beschleunigungsspirale immer weniger Menschen warten. Aus der demographischen Katastrophe folgt: Der Moderne wird es gehen wie dem antiken Rom. Ihr Kollaps ist unvermeidlich. Eine Gesellschaft, deren Hauptantriebskraft die unersättliche menschliche Lebensgier ist, ist eine Kultur des Todes. Oder mit der Bibel: "Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit." (1. Joh. 2, 17)
  • Bitte genauere Ausdrucksweise!

    25.01.2008, Dr. Klaus Büttner, Darmstadt,
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    den Autor dieses Artikels bitte ich um genauere Ausdrucksweise, wie sie nach meiner Ansicht einer Zeitschrift wie "Spektrum" eher angemessen ist als eine legere Alltagssprache. Folgendes ist mir aufgefallen:
    - es sind nicht Lampen mit Glühbirnen ausgestattet, sondern Leuchten mit Glühlampen
    - die Glühbirne ist nur die geläufigste Bauform der Glühlampen
    - statt "... verbraucht während 10 000 Betriebsstunden für etwa 100 Euro weniger Strom als EINE gleich helle Glühbirne.", (diese lebt ja nicht lange genug), sollte es heißen "... als gleich helle Glühlampen" (wobei deren Anzahl nur in die Gesamtkosten eingeht)
    - bei 40 Kilohertz wechselt die Polarität eher 80 000-mal pro Sekunde, damit 40 000 komplette Zyklen pro Sekunde zusammenkommen
    - die Lichtfarbe wird nicht nur bei Energiesparlampen in Kelvin angegeben
    - "Halogenlampen sind zwar Glühbirnen ...", ist das nicht schön formuliert?





  • Luther zur Theodizee

    24.01.2008, Gottfried Schottky, Stuttgart
    Im Leserbrief von Anna Schmitz und der Antwort des Rezensenten geht es um die Theodizee: Leid und Elend dieser Welt sei kein Argument gegen die Existenz Gottes, jedoch gegen die Existenz eines gütigen Gottes. Damit sind die Autoren (fast) so weit wie Martin Luther 500 Jahre früher.

    Luther sprach vom deus absconditus, vom verborgenen Gott: Das wahre Wesen Gottes – seine Güte – sei unerkennbar verborgen hinter der Mauer von Elend, Leid und Tod. So weit stimmt er mit den Kritikern überein. Freilich wusste Luther, dass in Jesus Gott selbst Leid und Elend mit den Menschen geteilt hat.Wenn Jesus sagen konnte: „Ich und der Vater sind eins“, können wir in ihm die Güte des Vaters sehen. Doch das ist jeweils ein persönlicher Schritt, keine abstrakte – vom Menschen absehende – Theorie. Und die Theodizee muss wohl in jeder Generation neu bewältigt werden.

  • Fundamentalistische Plagen bleiben unerwähnt

    23.01.2008, Prof. Ernst Schöberl, Dittelbrunn
    Mit seinen wiederholten, kräftigen und z. T. unsachlichen Seitenhieben auf die christlichen Religionen schwächt H. Urban seine gute Argumentation unnötigerweise ab. Auch der Vergleich der Saurier mit dem Menschen geht gründlich daneben, können die Saurier doch eine sicher zigmal längere Existenz auf der Erde nachweisen, als sie dem Menschen je beschieden sein wird.

    Leider blieben die schlimmsten fundamentalistischen Plagen unserer Zeit unerwähnt, der radikal fundamentalistische Islam, aber auch der nicht weniger schlimme hemmungslose Kapitalismus insbesondere der meisten internationalen Wirtschaftsunternehmen, der als Globalisierung verharmlost wird.




  • 2000 Jahre Gedankenarbeit großer Denker

    22.01.2008, Irmgard Stahnke, Bad Segeberg
    Was Martin Urban in diesem Artikel schreibt, ist dem Niveau Ihrer Zeitschrift nicht angemessen. Sein Thema verfehlt er eigentlich ganz. Worin besteht denn seiner Meinung nach die angemahnte Kunst? Seinen spöttischen Angriffen gegen 'Gläubige' stehen, was das Christentum betrifft, 2000 Jahre intensiver Gedankenarbeit z. T. großer christlicher Denker gegenüber, deren Gewicht zumindest als Kulturgut auch heute noch außerordentlich ist. Niemals sollte ein Naturwissenschaftler sich hinreißen lassen, das Phänomen zu missachten, selbst dann nicht, wenn es sich kindlich äußert. Urban vergisst hier, was er selber in seinem Text fordert: das wissenschaftliche Prinzip des Zweifelns an der eigenen Meinung. Andererseits schließt er sich auch dem Heer der Agnostiker an: Wahrheit wird er (der Mensch) nie erfahren! Dieses Thema jedoch mit Witzen zu garnieren und somit zu banalisieren, ist typisch journalistische Effekthascherei.
  • Rechen-Modelle

    22.01.2008, Hans Tappeiner
    Bei der Diskussion um das Thema Überalterung habe ich immer das Gefühl, dass hier etwas zu kurz gedacht wird, und es wäre durchaus interessant, würden die Experten hier einmal Rechenmodelle ansetzen: Niemand stirbt so schnell weg wie die Alten. Was wird dann sein? Was wird sein, wenn die heute wenigen, womöglich auf eine konstante Geburtenrate eingependelten, Jungen all das übernehmen, was wir ihnen hinterlassen? Viel Wohnraum, freie Straßen, eine Wirtschaft mit Überkapazitäten, ein Bildungssystem, das wir uns nicht mehr leisten wollen, Geldmengen, die nach Umsatz schreien usw. usf.
    Ich glaube, auch die Politik und ihre Experten sehen ziemlich alt aus, wenn sie glauben, in einer sich wandelnden Gesellschaft, die Systeme konstant auf Fortschritt und Wachstum weiterzuschreiben, ohne nachzudenken wohin.
  • Ich fand's klasse

    21.01.2008, Nicole, Mannheim
    Ich war am letzten Samstag in der Mumienausstellung, und ich war absolut begeistert! Ich finde, man hat sehr gute Arbeit geleistet! Bei dieser Ausstellung ist echt für jeden was dabei, und das ist auch gut so. Es gibt selten etwas, das mich so begeistert wie die diese Ausstellung!!! Nochmals ein großes Lob......!
    lg Nicole
  • GABA-Rezeptoren

    18.01.2008, Pascal Pucholt
    Hallo!

    Etwas verwirrt war ich gerade, als ich Ihren Artikel gelesen habe. Sie schreiben:
    "Die Nebenwirkungen des Medikaments - etwa große Schläfrigkeit - resultieren dagegen durch eine Hemmung der dritten, so genannten alpha-1-Untereinheit des GABA-Rezeptors im Gehirn".
    Da GABA-Rezeptoren allerdings inhibitorisch sind, sollte doch eine Hemmung derselben eher die Wachheit fördern...
    Im Original-Artikel fand ich dann auch diesen Satz: "We show that their selective activation by the non-sedative ('alpha1-sparing') benzodiazepine-site ligand L-838,417 (ref. 13) is highly effective against inflammatory and neuropathic pain", was dann schon eher dem entspricht, was ich in der Vorlesung gehört hatte...

    Grüße
    Pascal Pucholt
    Antwort der Redaktion:
    Hallo Herr Pucholt,



    Sie haben Recht, das war in unserer Meldung falsch ausgedrückt. Tatsächlich resultieren die Nebenwirkungen der Medikamente durch die "Wirkung" auf, nicht aber durch die "Hemmung" der alpha-1-Untereinheit. Ich habe den Text verbessert.



    Auf die richtige Spur hatten die Forscher übrigens Knockout-Mäuse gebracht, denen die alpha-1-Untereinheiten (nicht aber alpha-2 und -3) schlicht fehlten; eine radikale Variante des zitierten "alpha-1-sparings". Bei solchen Tieren beobachteten die Wissenschaftler keine zu den Nebenwirkungen bei behandelten Menschen analogen Sekundäreffekte.



    Vielen Dank für Ihre Richtigstellung und Chapeau für Ihre Aufmerksamkeit bei Vorlesung und spektrumdirekt-Konsum!



    Beste Grüße

    Jan Osterkamp

    Redaktion spektrumdirekt
  • Glauben als Denkprozess verstehen

    18.01.2008, Prof. Otto Schult, Jülich
    Trennt man zwischen Tatsachen, also allem, was mess- und somit quantifizierbar ist, einschließlich aller Naturgesetze und ihren mathematischen Beschreibungen einerseits und andererseits dem Glauben, den man naturwissenschaftlich - noch - nicht beweisen kann, dann lassen sich viele Missverständnisse und Streitpunkte aus dem Weg räumen.
    Man sollte auch sorgfältig klären, was mit jedem Wort gemeint ist. Das Verb "glauben" wird sehr unterschiedlich gebraucht: Glaubt ein Kind, hat es also einen Glauben, oder hält es das für richtig, was ihm die Eltern sagen?
    Falls man verstanden hat, dass "glauben" auch ein Denkprozess ist und jeder nur für sich denken kann, dann wundert man sich darüber, dass jemand mit dem Papst und den christlichen Kirchen Probleme hat.
    Wenn dann ein Physiker schreibt: "... in allen christlichen
    Glaubensgemeinschaften setzen sich zunehmend die Fundamentalisten durch", dann stellt er sich mit dem Wort "alle" auf die gleiche Stufe wie Bush, der von "der Achse des Bösen" sprach und, weil er pauschalisiert, sich selbst zum Fundamentalisten macht. In unserer Welt gibt es auch Muslime, Buddhisten, Hindus und andere Glaubensgemeinschaften. Gilt für diese "Die Kunst, den Zweifel auszuhalten" nicht?
  • Glaube und Aberglaube

    18.01.2008, Paul Morsbach, Berg
    Leider verschweigt uns Martin Urban, wie er Glaube von Aberglaube unterscheidet. Wenn man seinen Ausführungen folgt, und ich tue das überzeugt, entpuppt sich doch jeder Glaube als Aberglaube.
  • Diskussion ohne manipulative Vorgehensweise

    18.01.2008, Erdmute Wittmann, Remagen
    Der Physiker und Wissenschaftspublizist Martin Urban will in aufklärerischer Pose die Ursache der Leichtgläubigkeit aufdecken, dabei aber bedient er selber (leichtgläubig?) alte Klischees z.B. in der Art, wie er den Konflikt zwischen Galilei und Kardinal Bellarmin, der durchaus wissenschaftlichen Forschungen gegenüber aufgeschlossen war, darstellt. Schon Carl Friedrich von Weizsäcker hat darauf hingewiesen, dass die neuzeitliche Naturwissenschaft ihren eigenen historischen Mythos hat, und dies ist eben der Mythos Galilei. Die historisch-kritische Aufklärung dieses Mythos ist bereits geleistet, z.B. auch von dem Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend, aber offensichtlich hängt auch Herr Urban noch liebevoll an diesem Mythos, was mit seinen erkenntnisleitenden Interessen zu erklären ist.

    Ebenso suggeriert er, dass ein unfehlbarer Papst im Vatikan scheinbar bei jeder lehramtlichen Verlautbarung seine Unfehlbarkeit in Anspruch nehme, verschweigt aber absichtlich oder aus Unkenntnis, dass seit 1870 nur zweimal ein Papst in einer innerkirchlichen (!) Lehrfrage ex cathedra gesprochen und damit ein Dogma sanktioniert hat, dessen praktische Bedeutung gering ist und zum Verhältnis von Glauben und Wissenschaft gar nichts aussagt.

    Ich und sicher viele andere würden ja gerne der Zweifler Argumente hören und sich mit diesen ehrlich auseinandersetzen, denn der Artikel bietet noch mehr Stoff zur Diskussion, wenn diese Zweifler nicht selber so manipulativ vorgingen, wie es in jenem Artikel geschah.

  • An seine Sache glauben

    18.01.2008, Rudi Klingl, Grafrath
    Wenn man " Wahrheit" als "irrtumslose Erkenntnis zu einer Sache oder einem Sachverhalt" mit klaren Grenzen der Aussagefähigkeit definiert, dann kann man ernstnehmbare Aussagen machen, die natürlich (meist durch Experimente) für jeden Menschen, der diese Möglichkeiten (und die dazugehörige Ausbildung) hat, verifizierbar sind. Nicht mehr, nicht weniger versucht ernsthafte Wissenschaft zu tun, wohlgemerkt unter Einhaltung von Grenzen. Das wäre eine für alle nachvollziehbare Wahrheit, genauer gesagt ein Ausschnitt davon, wegen der vorgegebenen Grenzen.
    Leider muss man auch an diese Wahrheit glauben, man muss glauben, dass die experimentellen Ergebnisse die gefundene Wahrheit (in der Wissenschaft meist eine Theorie oder "Lehrmeinung") in der richtigen Weise untermauern.
    Wie wir wissen, ist die Wissenschaftsgeschichte voll von über den Haufen geworfenen "Wahrheiten". Oft war nicht nur die Theorie falsch, sondern die dazugehörigen Experimente ebenso. Meist wird dann die alte Lehrmeinung durch eine neue ersetzt, inclusive neuer Theorie und dazugehöriger Experimente. (Als Beispiel könnte hier der Entwicklungsweg von der newtonschen Mechanik zu dem modernen Weltbild der relativistischen Mechanik gelten.) Die Erfahrung hat uns also getäuscht, aus welchen Gründen auch immer.

    Ebenso gut kann man eine ganz persönliche, sehr subjektive Wahrheit postulieren, also eine irrtumslose Erkenntnis innerhalb gewisser Grenzen, die man für sich oder für eine Gruppe von Menschen auf Grund bestimmter gemachter Erfahrungen für gültig hält. Religionen und spirituelle Menschen tun dies seit Urzeiten, vermutlich weil es solche Erfahrungen (Offenbarungen) tatsächlich gibt, auch wenn diese nicht zum Erfahrungshorizont des Herrn Urban gehören.
    Eine solche ganz persönliche Wahrheit wäre dann eine "subjektive irrtumslose Erkenntnis", die sich zum Leidwesen des Herrn Urban erdreistet, nicht wissenschaftlich verifizierbar zu sein. Also eine Wahrheit, die ich nicht mit Experimenten bestätigen oder widerlegen kann, weil sie ganz persönlich gemacht wurde. Die Religionsgeschichte ist voll von solchen "unwissenschaftlichen Wahrheiten", weshalb diese ja den Religionen und nicht der Wissenschaft zugeordnet werden.
    Ein Wissenschaftler würde hier also nicht weit kommen, weil hier seine Werkzeuge (Theorie + Experiment) die falschen wären.
    Das mag für einen eingefleischten Wissenschaftler schwerer Tobak sein: Es gibt sie, die Bereiche, welche durchaus ganz reale Wahrheit sein können, aber nicht durch die wissenschaftliche Experimentiermaschine mit dem Ergebnis von "richtig" oder "falsch" gedreht werden können. Wenn Herr Urban hier "Leichtgläubikeit aus Denkfaulheit" oder die Banalisierung durch "Fanatismus" feststellt, so mag das seine persönliche Erklärung sein, welche allerdings die Frage aufwirft, ob dies als Antwort für etwas genügt, was Menschen seit Jahrtausenden bewegt und prägt: die religiöse Wahrheit als Glaubenserfahrung.

    Woran man glaubt, ist also stets subjektiv, genauso beim Wissenschaftler wie auch beim religiös gläubigen Menschen. Fundamentalismus gibt es leider in beiden Lagern. Während die Wissenschaftler den Glauben an ihre Theorien (wer legt schon fest, ob eine Theorie wirklich stimmt?) einfordern und alle verdammen, die Zweifel anmelden (z.B. bei der Impftheorie), so gibt es auch Religionsfanatiker, deren subjektive Wahrheit gefälligst kritiklos für alle zu gelten hat. Der Unterschied ist hier so groß nicht, nur die Lager der Fanatiker sind völlig andere, weshalb sich auch die "persönlichen Wahrheiten" erheblich unterscheiden.

    Was macht nun den Glauben aus? Die häufigste mir bekannte Definition von Glauben ist ein "für möglich halten" einer Sache oder einer Hypothese, ohne jeden Versuch der Prüfung auf Richtigkeit, weshalb ein Wissenschaftler sich aus seiner Sicht zu 'Recht fragt, was das soll? Der Glaube wird aber auch anders definiert: als geistige Kraft, die sich die Erfüllung seiner selbst schafft, ganz ohne Zweifel (im Idealfall). Wo, bitte schön, soll hier ein Wissenschaftler ansetzen, mit der hier aufgeworfenen Frage, ob so eine Definition auch " Glaube" richtig definiert? Bei der "geistigen Kraft" etwa ? Oder bei der Prüfung, ob der "Zweifel" fehlt? Ich denke, das geht schlecht, weil hier ganz verschiedene Weltbilder und Denkweisen aufeinanderstossen. Aber warum soll die eine Denkweise weniger Berechtigung haben als die andere? Nur weil ich vielleicht (als Wissenschaftler oder als Gläubiger) gerade mit der anderen nichts anfangen kann?

    Schön wäre es, wenn es weder in der Wissenschaft, noch in Religionen Fundamentalismus geben würde. Unschwer wäre dann weniger Arroganz und mehr Verständnis für die jeweilige "Wahrheit" da. Vielleicht käme dann auch die (dringend nötige) Einsicht, dass auch der Wissenschaftler an seine Sache glauben muss, nicht nur der Religionsangehörige, egal, um welche "Wahrheit" es gerade geht.





  • Kluge Entscheidung in Hamburg

    17.01.2008, J.Götz
    Hamburg hat von den unangenehmen Erfahrungen Dresdens gelernt und eine kluge Entscheidung getroffen. Dresden braucht die Brücke - die übrigens keine Autobahnbrücke ist, wie Herr A. Werner meint und die auch keine Hochstrassen hat. Die Bürger Dresdens haben sich mit klarer Mehrheit für die Brücke entschieden. Bei der Bewerbung um den UNESCO-Titel sind die Bürger hingegen nicht gefragt worden. Wir - meine Familie, Freunde, Kollegen - brauchen den Titel nicht. Er hat beispielsweise zur Konsequenz, dass die Errichtung eines Gartentores in einer Stadtrandsiedlung einer Genehmigung bedarf! Was für ein Schwachsinn! Nun versucht die unterlegene Minderheit mit allen Mitteln - Intrigen, Bedrohung von beauftragten Baufirmen - den Bau zu verhindern und scheut sich nicht, Tiere und Bäume zu missbrauchen. Von dieser Schutz-Hype haben wir die Nase voll! Der Knackpunkt ist jedoch, dass unter den Brückengegnern nicht wenige sind, die nach "Basisdemogratie" schreien. Der Bürgerentscheid zur Brücke ist eine demokratische Entscheidung. Ihn auszuhebeln stellt eine eklatante Verletzung demokratischer Prinzipien dar, die auf keinen Fall zugelassen werden darf.
  • Unangebrachter Sarkasmus

    16.01.2008, Dr. Siegfried Fussy
    Sehr geehrter Herr Osterkamp,

    der Ton, den Sie in dieser Übersicht anschlagen, ist ziemlich überheblich und ärgerlich: Soll das ein Beitrag für eine Satirezeitschrift sein oder eine Übersicht über rezente Forschungsergebnisse? Abgesehen davon, dass ich die erste besprochene Arbeit von der Problemstellung her durchaus interessant und nicht trivial finde, wären "No-Na-Ergebnisse" aus anderen Fachgebieten (vorige Ausgabe: "Rationale Bestecher" http://www.wissenschaft-online.de/artikel/939082 oder "Hohe Preise" http://www.wissenschaft-online.de/artikel/939065) mindestens ebenso eines sarkastischen Tones würdig - allerdings getrennt davon in einer eigenen Kolumne!

    Mit freundlichen Grüßen
  • Einige zusätzliche Anmerkungen

    16.01.2008, Klaus Kretschel
    1. Die blumige Geschichte zum Urlauberdilemma ist zwar nett zur Veranschaulichung, kann aber leicht auf falsche Fährten führen. Meine erste Assoziation war "Dieser diktatorische Versicherungsmensch kriegt's mit meinem Rechtsanwalt zu tun!", die zweite "Die meisten Menschen sind halbwegs ehrlich, also darf der angegebene Wert nur knapp über dem echten Wert der Vase liegen." (Ein kleiner Bonus für den Ärger ist erlaubt.)
    Inwieweit man sich bei späteren Überlegungen von solchen Assoziationen frei machen kann, ist schwer zu sagen.

    2. Wie schon in der Virginia-Studie festgestellt, ist das Verhalten der Mitspieler sehr stark von der Höhe des Bonus abhängig. Basu scheint sich darüber zu wundern, ich verstehe allerdings nicht wieso. Es ist doch bekannt, dass der "Durchschnittsmensch" lieber einen kleinen Verlust hinnimmt, der mit großer Wahrscheinlichkeit eintritt, als auf die Möglichkeit auf einen großen Gewinn verzichtet, der mit geringer Wahrscheinlichkeit eintritt. Das Paradebeispiel ist der Lottospieler, der wider besseres Wissen jede Woche von Neuem spielt.

    Im Standard-Urlauberdilemma ist der Anreiz offensichtlich groß genug (der Bonus klein genug), sodass viele Leute das Maximum spielen: 55% in der Virginiastudie und selbst unter Spieltheoretikern (Hohenheimer Versuch) fast 20% (plus fast 50 % Werte zwischen 95 und 99).

    3. Die "vollkommen rationale" Strategie à la Hofstadter führt ebenfalls auf den Wert 100. Wie Sie erwähnen, führte sein Experiment zu (lediglich) 30% Teilnehmern, die dieser Strategie folgten, und wenn ich mich richtig erinnere, hat kein einziger von ihnen die korrekte Begründung dafür gegeben.

    Allerdings würde ich dieses Ergebnis positiver werten als Sie: Wenn ich die Maximalstrategie unter diesen Umständen spiele und annehme, dass die übrigen 70% eine nach Ihrem Artikel nahezu optimale Strategie spielen (Auszahlung ca. 94.5), bekomme ich als Auszahlung (3 * 5.5 - 7 * 2) / 10 = 0.25 mehr als sie (5.5 = 100 - 94.5). Unter den Spieltheoretikern würde ich Verlust machen, unter den Teilnehmern der Virginiastudie einen erheblich höheren Gewinn.

    Da diese Strategie aber nicht mit der Irrationalität der Mitspieler rechnet, ist sie zweifellos riskanter. Eine kleine Modifikation ist daher möglicherweise erfolgreicher: Ich spiele mit gewissen Wahrscheinlichkeiten 99 oder 100. Bei gleicher Gewichtung senkt das meine Auszahlung um 0.75 (gegen die identische Strategie beträgt meine Auszahlung in den vier gleich wahrscheinlichen Fällen 101, 100, 99 und 97, das macht im Erwartungswert 99.25). Verglichen mit den 94.5 ist das wenig Verlust. Eine höhere Gewichtung für 99 macht die Strategie agressiver, eine niedrigere macht sie kooperativer. Aggressiv gewinnt zwar gegen kooperativ, macht aber gegen gleiche Strategie mein Ergebnis schlechter.

    Die zunächst naheliegende Idee, 98 mit einzubeziehen, würde wieder auf die Iteration nach unten führen und muss daher verworfen werden. Außerdem kann ich mit 98 bestenfalls 100 erzielen, also auf keinen Fall einen höheren Gewinn erzielen.

    4. Leser M. Rummey wies darauf hin, dass das Verhalten der Spieler auch davon abhängt, wie sie ihre Mitspieler charakterlich einschätzen bzw. meinen, von ihnen eingeschätzt zu werden. In einem unbeeinflussten Umfeld würde ich jederzeit eine der unter 3. geschilderten Strategien spielen (wahrscheinlich 99). Würde allerdings "Spektrum der Wissenschaft" jetzt ein Turnier ansetzen, hätte ich Bedenken. Schließlich haben Sie sich ziemlich klar gegen Kooperation ausgesprochen (als sinnvolle Strategie), und für die meisten Leser dürften Sie als Autorität gelten, der sie folgen. Damit dürfte die Anzahl der Kooperationswilligen deutlich unter 30% liegen.

    Interessant wäre es, zwei Turniere zu spielen: Eines nach heutigen Voraussetzungen, ein zweites, in dem Sie eine Kooperationsstrategie befürworten.


    Es gäbe noch einiges mehr dazu zu sagen, über soziale Kontrolle, Fairness, die Erwartung oder Befürchtung, bei einem Gegenspieler möglicherweise doch eine Gelegenheit zur Revanche zu erhalten oder sie ihm geben zu müssen, usw. Aber das würde hier zu weit führen.

    Antwort der Redaktion:
    Das mit der Autorität höre ich gerne (glaube ich aber nicht wirklich – ich habe eher den Eindruck, unsere Leser ziehen es vor, selber zu denken). Aber dass ich mich gegen Kooperation ausgesprochen hätte? Bestimmt nicht, und Herr Basu schon gar nicht! Was ist herausgekommen? Nichtkooperativität im Urlauberdilemma ist im Effekt selbstschädigend und wird weitgehend nicht praktiziert, auch von professionellen Spieltheoretikern nicht. Das nenne ich nicht eine Empfehlung zur Nichtkooperativität. Sie ist halt rational im Sinne der Spieltheorie, und da ist das Problem. Aber das ist eher ein Problem der Spieltheorie.



    Es sieht so aus, als hätte das von Ihnen vorgeschlagene zweite Turnier bereits stattgefunden, und zwar in Form des Preisausschreibens in der vergangenen Juli-Ausgabe. Die dort erzählte blumige Geschichte ("Ein romantischer Abend zu zweit") legt Kooperation nahe, und ein unerwartet hoher Anteil der Teilnehmer ist dieser Idee gefolgt. Lesen Sie demnächst die Auswertung in der Februarausgabe.



    Christoph Pöppe




    Wahrscheinlich habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt: Unter "kooperativer Strategie" verstand ich hier ausschließlich die Wahl 100. Und die haben Sie in Ihrem Artikel doch wirklich nicht favorisiert.

    Klaus Kretschel


    Stimmt. Christoph Pöppe