Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Glauben als Denkprozess verstehen

    18.01.2008, Prof. Otto Schult, Jülich
    Trennt man zwischen Tatsachen, also allem, was mess- und somit quantifizierbar ist, einschließlich aller Naturgesetze und ihren mathematischen Beschreibungen einerseits und andererseits dem Glauben, den man naturwissenschaftlich - noch - nicht beweisen kann, dann lassen sich viele Missverständnisse und Streitpunkte aus dem Weg räumen.
    Man sollte auch sorgfältig klären, was mit jedem Wort gemeint ist. Das Verb "glauben" wird sehr unterschiedlich gebraucht: Glaubt ein Kind, hat es also einen Glauben, oder hält es das für richtig, was ihm die Eltern sagen?
    Falls man verstanden hat, dass "glauben" auch ein Denkprozess ist und jeder nur für sich denken kann, dann wundert man sich darüber, dass jemand mit dem Papst und den christlichen Kirchen Probleme hat.
    Wenn dann ein Physiker schreibt: "... in allen christlichen
    Glaubensgemeinschaften setzen sich zunehmend die Fundamentalisten durch", dann stellt er sich mit dem Wort "alle" auf die gleiche Stufe wie Bush, der von "der Achse des Bösen" sprach und, weil er pauschalisiert, sich selbst zum Fundamentalisten macht. In unserer Welt gibt es auch Muslime, Buddhisten, Hindus und andere Glaubensgemeinschaften. Gilt für diese "Die Kunst, den Zweifel auszuhalten" nicht?
  • Glaube und Aberglaube

    18.01.2008, Paul Morsbach, Berg
    Leider verschweigt uns Martin Urban, wie er Glaube von Aberglaube unterscheidet. Wenn man seinen Ausführungen folgt, und ich tue das überzeugt, entpuppt sich doch jeder Glaube als Aberglaube.
  • Diskussion ohne manipulative Vorgehensweise

    18.01.2008, Erdmute Wittmann, Remagen
    Der Physiker und Wissenschaftspublizist Martin Urban will in aufklärerischer Pose die Ursache der Leichtgläubigkeit aufdecken, dabei aber bedient er selber (leichtgläubig?) alte Klischees z.B. in der Art, wie er den Konflikt zwischen Galilei und Kardinal Bellarmin, der durchaus wissenschaftlichen Forschungen gegenüber aufgeschlossen war, darstellt. Schon Carl Friedrich von Weizsäcker hat darauf hingewiesen, dass die neuzeitliche Naturwissenschaft ihren eigenen historischen Mythos hat, und dies ist eben der Mythos Galilei. Die historisch-kritische Aufklärung dieses Mythos ist bereits geleistet, z.B. auch von dem Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend, aber offensichtlich hängt auch Herr Urban noch liebevoll an diesem Mythos, was mit seinen erkenntnisleitenden Interessen zu erklären ist.

    Ebenso suggeriert er, dass ein unfehlbarer Papst im Vatikan scheinbar bei jeder lehramtlichen Verlautbarung seine Unfehlbarkeit in Anspruch nehme, verschweigt aber absichtlich oder aus Unkenntnis, dass seit 1870 nur zweimal ein Papst in einer innerkirchlichen (!) Lehrfrage ex cathedra gesprochen und damit ein Dogma sanktioniert hat, dessen praktische Bedeutung gering ist und zum Verhältnis von Glauben und Wissenschaft gar nichts aussagt.

    Ich und sicher viele andere würden ja gerne der Zweifler Argumente hören und sich mit diesen ehrlich auseinandersetzen, denn der Artikel bietet noch mehr Stoff zur Diskussion, wenn diese Zweifler nicht selber so manipulativ vorgingen, wie es in jenem Artikel geschah.

  • An seine Sache glauben

    18.01.2008, Rudi Klingl, Grafrath
    Wenn man " Wahrheit" als "irrtumslose Erkenntnis zu einer Sache oder einem Sachverhalt" mit klaren Grenzen der Aussagefähigkeit definiert, dann kann man ernstnehmbare Aussagen machen, die natürlich (meist durch Experimente) für jeden Menschen, der diese Möglichkeiten (und die dazugehörige Ausbildung) hat, verifizierbar sind. Nicht mehr, nicht weniger versucht ernsthafte Wissenschaft zu tun, wohlgemerkt unter Einhaltung von Grenzen. Das wäre eine für alle nachvollziehbare Wahrheit, genauer gesagt ein Ausschnitt davon, wegen der vorgegebenen Grenzen.
    Leider muss man auch an diese Wahrheit glauben, man muss glauben, dass die experimentellen Ergebnisse die gefundene Wahrheit (in der Wissenschaft meist eine Theorie oder "Lehrmeinung") in der richtigen Weise untermauern.
    Wie wir wissen, ist die Wissenschaftsgeschichte voll von über den Haufen geworfenen "Wahrheiten". Oft war nicht nur die Theorie falsch, sondern die dazugehörigen Experimente ebenso. Meist wird dann die alte Lehrmeinung durch eine neue ersetzt, inclusive neuer Theorie und dazugehöriger Experimente. (Als Beispiel könnte hier der Entwicklungsweg von der newtonschen Mechanik zu dem modernen Weltbild der relativistischen Mechanik gelten.) Die Erfahrung hat uns also getäuscht, aus welchen Gründen auch immer.

    Ebenso gut kann man eine ganz persönliche, sehr subjektive Wahrheit postulieren, also eine irrtumslose Erkenntnis innerhalb gewisser Grenzen, die man für sich oder für eine Gruppe von Menschen auf Grund bestimmter gemachter Erfahrungen für gültig hält. Religionen und spirituelle Menschen tun dies seit Urzeiten, vermutlich weil es solche Erfahrungen (Offenbarungen) tatsächlich gibt, auch wenn diese nicht zum Erfahrungshorizont des Herrn Urban gehören.
    Eine solche ganz persönliche Wahrheit wäre dann eine "subjektive irrtumslose Erkenntnis", die sich zum Leidwesen des Herrn Urban erdreistet, nicht wissenschaftlich verifizierbar zu sein. Also eine Wahrheit, die ich nicht mit Experimenten bestätigen oder widerlegen kann, weil sie ganz persönlich gemacht wurde. Die Religionsgeschichte ist voll von solchen "unwissenschaftlichen Wahrheiten", weshalb diese ja den Religionen und nicht der Wissenschaft zugeordnet werden.
    Ein Wissenschaftler würde hier also nicht weit kommen, weil hier seine Werkzeuge (Theorie + Experiment) die falschen wären.
    Das mag für einen eingefleischten Wissenschaftler schwerer Tobak sein: Es gibt sie, die Bereiche, welche durchaus ganz reale Wahrheit sein können, aber nicht durch die wissenschaftliche Experimentiermaschine mit dem Ergebnis von "richtig" oder "falsch" gedreht werden können. Wenn Herr Urban hier "Leichtgläubikeit aus Denkfaulheit" oder die Banalisierung durch "Fanatismus" feststellt, so mag das seine persönliche Erklärung sein, welche allerdings die Frage aufwirft, ob dies als Antwort für etwas genügt, was Menschen seit Jahrtausenden bewegt und prägt: die religiöse Wahrheit als Glaubenserfahrung.

    Woran man glaubt, ist also stets subjektiv, genauso beim Wissenschaftler wie auch beim religiös gläubigen Menschen. Fundamentalismus gibt es leider in beiden Lagern. Während die Wissenschaftler den Glauben an ihre Theorien (wer legt schon fest, ob eine Theorie wirklich stimmt?) einfordern und alle verdammen, die Zweifel anmelden (z.B. bei der Impftheorie), so gibt es auch Religionsfanatiker, deren subjektive Wahrheit gefälligst kritiklos für alle zu gelten hat. Der Unterschied ist hier so groß nicht, nur die Lager der Fanatiker sind völlig andere, weshalb sich auch die "persönlichen Wahrheiten" erheblich unterscheiden.

    Was macht nun den Glauben aus? Die häufigste mir bekannte Definition von Glauben ist ein "für möglich halten" einer Sache oder einer Hypothese, ohne jeden Versuch der Prüfung auf Richtigkeit, weshalb ein Wissenschaftler sich aus seiner Sicht zu 'Recht fragt, was das soll? Der Glaube wird aber auch anders definiert: als geistige Kraft, die sich die Erfüllung seiner selbst schafft, ganz ohne Zweifel (im Idealfall). Wo, bitte schön, soll hier ein Wissenschaftler ansetzen, mit der hier aufgeworfenen Frage, ob so eine Definition auch " Glaube" richtig definiert? Bei der "geistigen Kraft" etwa ? Oder bei der Prüfung, ob der "Zweifel" fehlt? Ich denke, das geht schlecht, weil hier ganz verschiedene Weltbilder und Denkweisen aufeinanderstossen. Aber warum soll die eine Denkweise weniger Berechtigung haben als die andere? Nur weil ich vielleicht (als Wissenschaftler oder als Gläubiger) gerade mit der anderen nichts anfangen kann?

    Schön wäre es, wenn es weder in der Wissenschaft, noch in Religionen Fundamentalismus geben würde. Unschwer wäre dann weniger Arroganz und mehr Verständnis für die jeweilige "Wahrheit" da. Vielleicht käme dann auch die (dringend nötige) Einsicht, dass auch der Wissenschaftler an seine Sache glauben muss, nicht nur der Religionsangehörige, egal, um welche "Wahrheit" es gerade geht.





  • Kluge Entscheidung in Hamburg

    17.01.2008, J.Götz
    Hamburg hat von den unangenehmen Erfahrungen Dresdens gelernt und eine kluge Entscheidung getroffen. Dresden braucht die Brücke - die übrigens keine Autobahnbrücke ist, wie Herr A. Werner meint und die auch keine Hochstrassen hat. Die Bürger Dresdens haben sich mit klarer Mehrheit für die Brücke entschieden. Bei der Bewerbung um den UNESCO-Titel sind die Bürger hingegen nicht gefragt worden. Wir - meine Familie, Freunde, Kollegen - brauchen den Titel nicht. Er hat beispielsweise zur Konsequenz, dass die Errichtung eines Gartentores in einer Stadtrandsiedlung einer Genehmigung bedarf! Was für ein Schwachsinn! Nun versucht die unterlegene Minderheit mit allen Mitteln - Intrigen, Bedrohung von beauftragten Baufirmen - den Bau zu verhindern und scheut sich nicht, Tiere und Bäume zu missbrauchen. Von dieser Schutz-Hype haben wir die Nase voll! Der Knackpunkt ist jedoch, dass unter den Brückengegnern nicht wenige sind, die nach "Basisdemogratie" schreien. Der Bürgerentscheid zur Brücke ist eine demokratische Entscheidung. Ihn auszuhebeln stellt eine eklatante Verletzung demokratischer Prinzipien dar, die auf keinen Fall zugelassen werden darf.
  • Unangebrachter Sarkasmus

    16.01.2008, Dr. Siegfried Fussy
    Sehr geehrter Herr Osterkamp,

    der Ton, den Sie in dieser Übersicht anschlagen, ist ziemlich überheblich und ärgerlich: Soll das ein Beitrag für eine Satirezeitschrift sein oder eine Übersicht über rezente Forschungsergebnisse? Abgesehen davon, dass ich die erste besprochene Arbeit von der Problemstellung her durchaus interessant und nicht trivial finde, wären "No-Na-Ergebnisse" aus anderen Fachgebieten (vorige Ausgabe: "Rationale Bestecher" http://www.wissenschaft-online.de/artikel/939082 oder "Hohe Preise" http://www.wissenschaft-online.de/artikel/939065) mindestens ebenso eines sarkastischen Tones würdig - allerdings getrennt davon in einer eigenen Kolumne!

    Mit freundlichen Grüßen
  • Einige zusätzliche Anmerkungen

    16.01.2008, Klaus Kretschel
    1. Die blumige Geschichte zum Urlauberdilemma ist zwar nett zur Veranschaulichung, kann aber leicht auf falsche Fährten führen. Meine erste Assoziation war "Dieser diktatorische Versicherungsmensch kriegt's mit meinem Rechtsanwalt zu tun!", die zweite "Die meisten Menschen sind halbwegs ehrlich, also darf der angegebene Wert nur knapp über dem echten Wert der Vase liegen." (Ein kleiner Bonus für den Ärger ist erlaubt.)
    Inwieweit man sich bei späteren Überlegungen von solchen Assoziationen frei machen kann, ist schwer zu sagen.

    2. Wie schon in der Virginia-Studie festgestellt, ist das Verhalten der Mitspieler sehr stark von der Höhe des Bonus abhängig. Basu scheint sich darüber zu wundern, ich verstehe allerdings nicht wieso. Es ist doch bekannt, dass der "Durchschnittsmensch" lieber einen kleinen Verlust hinnimmt, der mit großer Wahrscheinlichkeit eintritt, als auf die Möglichkeit auf einen großen Gewinn verzichtet, der mit geringer Wahrscheinlichkeit eintritt. Das Paradebeispiel ist der Lottospieler, der wider besseres Wissen jede Woche von Neuem spielt.

    Im Standard-Urlauberdilemma ist der Anreiz offensichtlich groß genug (der Bonus klein genug), sodass viele Leute das Maximum spielen: 55% in der Virginiastudie und selbst unter Spieltheoretikern (Hohenheimer Versuch) fast 20% (plus fast 50 % Werte zwischen 95 und 99).

    3. Die "vollkommen rationale" Strategie à la Hofstadter führt ebenfalls auf den Wert 100. Wie Sie erwähnen, führte sein Experiment zu (lediglich) 30% Teilnehmern, die dieser Strategie folgten, und wenn ich mich richtig erinnere, hat kein einziger von ihnen die korrekte Begründung dafür gegeben.

    Allerdings würde ich dieses Ergebnis positiver werten als Sie: Wenn ich die Maximalstrategie unter diesen Umständen spiele und annehme, dass die übrigen 70% eine nach Ihrem Artikel nahezu optimale Strategie spielen (Auszahlung ca. 94.5), bekomme ich als Auszahlung (3 * 5.5 - 7 * 2) / 10 = 0.25 mehr als sie (5.5 = 100 - 94.5). Unter den Spieltheoretikern würde ich Verlust machen, unter den Teilnehmern der Virginiastudie einen erheblich höheren Gewinn.

    Da diese Strategie aber nicht mit der Irrationalität der Mitspieler rechnet, ist sie zweifellos riskanter. Eine kleine Modifikation ist daher möglicherweise erfolgreicher: Ich spiele mit gewissen Wahrscheinlichkeiten 99 oder 100. Bei gleicher Gewichtung senkt das meine Auszahlung um 0.75 (gegen die identische Strategie beträgt meine Auszahlung in den vier gleich wahrscheinlichen Fällen 101, 100, 99 und 97, das macht im Erwartungswert 99.25). Verglichen mit den 94.5 ist das wenig Verlust. Eine höhere Gewichtung für 99 macht die Strategie agressiver, eine niedrigere macht sie kooperativer. Aggressiv gewinnt zwar gegen kooperativ, macht aber gegen gleiche Strategie mein Ergebnis schlechter.

    Die zunächst naheliegende Idee, 98 mit einzubeziehen, würde wieder auf die Iteration nach unten führen und muss daher verworfen werden. Außerdem kann ich mit 98 bestenfalls 100 erzielen, also auf keinen Fall einen höheren Gewinn erzielen.

    4. Leser M. Rummey wies darauf hin, dass das Verhalten der Spieler auch davon abhängt, wie sie ihre Mitspieler charakterlich einschätzen bzw. meinen, von ihnen eingeschätzt zu werden. In einem unbeeinflussten Umfeld würde ich jederzeit eine der unter 3. geschilderten Strategien spielen (wahrscheinlich 99). Würde allerdings "Spektrum der Wissenschaft" jetzt ein Turnier ansetzen, hätte ich Bedenken. Schließlich haben Sie sich ziemlich klar gegen Kooperation ausgesprochen (als sinnvolle Strategie), und für die meisten Leser dürften Sie als Autorität gelten, der sie folgen. Damit dürfte die Anzahl der Kooperationswilligen deutlich unter 30% liegen.

    Interessant wäre es, zwei Turniere zu spielen: Eines nach heutigen Voraussetzungen, ein zweites, in dem Sie eine Kooperationsstrategie befürworten.


    Es gäbe noch einiges mehr dazu zu sagen, über soziale Kontrolle, Fairness, die Erwartung oder Befürchtung, bei einem Gegenspieler möglicherweise doch eine Gelegenheit zur Revanche zu erhalten oder sie ihm geben zu müssen, usw. Aber das würde hier zu weit führen.

    Antwort der Redaktion:
    Das mit der Autorität höre ich gerne (glaube ich aber nicht wirklich – ich habe eher den Eindruck, unsere Leser ziehen es vor, selber zu denken). Aber dass ich mich gegen Kooperation ausgesprochen hätte? Bestimmt nicht, und Herr Basu schon gar nicht! Was ist herausgekommen? Nichtkooperativität im Urlauberdilemma ist im Effekt selbstschädigend und wird weitgehend nicht praktiziert, auch von professionellen Spieltheoretikern nicht. Das nenne ich nicht eine Empfehlung zur Nichtkooperativität. Sie ist halt rational im Sinne der Spieltheorie, und da ist das Problem. Aber das ist eher ein Problem der Spieltheorie.



    Es sieht so aus, als hätte das von Ihnen vorgeschlagene zweite Turnier bereits stattgefunden, und zwar in Form des Preisausschreibens in der vergangenen Juli-Ausgabe. Die dort erzählte blumige Geschichte ("Ein romantischer Abend zu zweit") legt Kooperation nahe, und ein unerwartet hoher Anteil der Teilnehmer ist dieser Idee gefolgt. Lesen Sie demnächst die Auswertung in der Februarausgabe.



    Christoph Pöppe




    Wahrscheinlich habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt: Unter "kooperativer Strategie" verstand ich hier ausschließlich die Wahl 100. Und die haben Sie in Ihrem Artikel doch wirklich nicht favorisiert.

    Klaus Kretschel


    Stimmt. Christoph Pöppe
  • Autobahnbrücke durch Dresden

    16.01.2008, Andreas Werner
    Sie treffen mit Ihrem Artikel den Nagel auf den Kopf. Was in Dresden geschieht, spottet jeder Beschreibung. Ohne Rücksicht auf Verlust des Weltkultur- und Weltnaturerbes und ohne die Entscheidungen von 21 Verfahren in der Hauptsache abzuwarten, werden Tatsachen geschaffen, Hunderte von Bäumen abgeholzt, und das Weltnaturerbe an seiner sensibelsten, d.h. breitesten Stelle zerstört. "Für das Welterbe kann man sich nichts kaufen", so die FDP Dresden. Was vor kurzem Dirk Niebel/FDP der Bundesregierung vorgeworfen hat, findet sich genau so in Dresden: Seilschaften wie zu DDR-Zeiten, Hand in Hand jedoch mit Lobbyisten der Autoindustrie. Hier geht Unglaubliches vor sich. Bitte berichten Sie weiter aus Dresden!
  • Den Teufel spürt das Völkchen nie...

    15.01.2008, Dr. Andreas Heertsch, Arlesheim/CH
    ...und wenn er sie beim Kragen hätte“ (1)

    Der Physiker und Publizist Martin Urban läuft in seinem Essay „Die Kunst, den Zweifel auszuhalten“ Sturm gegen die Gläubigen und Fundamentalisten. Seine genüsslich ausgeteilte Häme übersieht allerdings einen weiteren, zentralen Fundamentalismus: Den Physiker Urban selbst, der _glaubt_, dass „eine nichtmaterielle, geistige Entität die materiellen Prozesse in unserem Gehirn“ nicht beeinflussen könne. Dieser Glaube an einen monistischen Materialismus ist selbstreferenziell: „Glaubet, so werdet ihr finden.“
    Könnte er sich das eigene Bewusstsein zum Erfahrungsfeld der Beobachtung machen, so würde er entdecken, dass er sein Gehirn nur als _Spiegel_ benutzt, um sich des Geistigen im Alltagsbewusstsein bewusst zu werden. Ehe dieses Feld jedoch zugänglich wird, muss sich _gerade_ der Wissenschaftler erst einmal mit vielen eigenen Ängsten auseinandersetzen(2). Beispielsweise mit dem Vorurteil, dass alles, was sich im eigenen Bewusstsein abspielt, subjektiv sei. Wer das nicht zulassen kann, der wird nur finden, dass es nichts zu finden gibt.

    „die Kunst, den Zweifel auszuhalten“ist also - wer hätte es gedacht? - beliebig vertiefbar.

    (1) Goethe, Joh. Wolfgang v.; "Faust I", Auerbachs Keller
    (2) Heertsch, Andreas; Geistige Erfahrung im Alltag, Stuttgart 2007, Kap. "Die Angst des Wissenschaftlers vor der Imagination"
  • Die Macht des Schicksals

    15.01.2008, Bernd Krause
    Glaubt die Menschheit eigentlich immer noch, dass sie unsterblich ist? Was ist an den Veränderungen des irdischen Klimas so "beunruhigend", außer dass die Species Mensch bedroht ist? Millionen von Tierarten sind bereits ausgestorben, weil sie den Veränderungen des Planeten Erde nicht gewachsen waren - und Millionen werden ihnen noch folgen. Der Mensch wird eine davon sein. Oder sind Kontinentaldrift und kontinuierliche klimatische Veränderungen seit dem Erscheinen des Homo sapiens sapiens auf dem "Blauen Planeten" etwa zum Stillstand gekommen...?
    Liebe Menschheit, finde Dich doch endlich damit ab, dass Du sterblich bist!
  • Iteriertes Urlauberdilemma

    14.01.2008, Klaus Kretschel, Alling
    Da ich die Artikel erst jetzt gelesen habe, konnte ich leider nicht früher dazu beitragen. Christoph Pöppe fasst schön die Leserbriefe zusammen (die zum großen Teil auch meine Einwände wiederspiegeln), kommt dann aber wie auch einige Leser zu einem Ergebnis, über das ich mich sehr wundern muss und das in dieser Allgemeinheit falsch ist.

    Kurz ausgedrückt schreibt er, dass "Unberechenbarkeit rational ist" und die optimale Strategie eine Zufallsauswahl mit hohem Gewicht auf Zahlen zwischen ca. 90 – 95 ist, die einen Erwartungswert von gut 94 ergibt. Wieso ist niemandem aufgefallen, dass diese Aussage allen Untersuchungen der letzten Jahrzehnte zum Gefangenendilemma widerspricht? Danach muss eine erfolgreiche Strategie kooperativ, berechenbar und rachsüchtig sein. Das einfachste Beispiel, das sich in vielen Untersuchungen als sehr robust und erfolgreich erwiesen hat, ist "Tit for tat".

    Und wie sich nach kurzem Überlegen herausstellt, ist "Tit for tat" auch im iterierten Urlauberdilemma eine sehr gute, vielleicht sogar optimale Strategie. Sie beginnt mit 100 und spielt dann immer die Zahl, die der Mitspieler im letzten Zug gemacht hat. Jeder halbwegs intelligente Mitspieler wird sie nach wenigen Zügen erkennen und feststellen, dass er mit jeder Abweichung von der Kooperation 100 seinen Erwartungswert verringert. Somit erzielt sie gegen "rationale" Mitspieler einen Erwartungswert, der mit der Spieldauer asymptotisch gegen 100 geht.

    Selbstverständlich lässt sich leicht ein "Anti tit for tat" angeben, das gegen "Tit for tat" immer gewinnt, mit einem mittleren Vorsprung von etwa 3,9. Nur sinkt bei Anwendung dieser Strategie der eigene Erwartungswert leider auf ca. 52, und das ist nun mal nicht der Sinn der Sache. Mehr noch: Je größer man den mittleren Vorsprung wählt, desto kleiner wird der eigene Erwartungswert. (Einzelheiten erspare ich mir, lässt sich leicht nachrechnen. Auch Zufallsstrategien können gegen "Tit for tat" nur schlechtere Ergebnisse als "asymptotisch gegen 100" erreichen.)

    Fazit: "Tit for tat" zwingt seinen Mitspieler gewissermaßen zur Kooperation; nur destruktive Strategien können seinen Erfolg verhindern.

    Wie konnte Christoph Pöppe das entgehen? Ich vermute, er hat eine implizite Voraussetzung gemacht, die in der Realität nicht zutrifft, nämlich dass die Mitspieler kein Gedächtnis haben und die einzelnen Spielzüge damit voneinander unabhängig sind (auch sein letztes Beispiel "...immer 95" deutet darauf hin). In der Spieltheorie wird diese Voraussetzung m. W. häufig gemacht; hier ist sie aber falsch. Ein vollkommen rationaler Mitspieler ist kein Würfel, sondern hat ein Gedächtnis, und wenn das bereits im Gefangenendilemma berücksichtigt wurde, warum dann hier nicht?
    Antwort der Redaktion:
    Meine vermeintliche Denkblockade findet eine einfache Auflösung: Es geht nicht um das iterierte Urlauberdilemma, sondern um das Urlauberdilemma schlechthin! Die beiden Urlaubsreisenden haben sich zuvor nie gesehen und sehen sich hinterher nie wieder. Keiner von beiden hat einen Anlass, einen Vertrauensvorschuss zu geben, der sich später vielleicht auszahlt: Es gibt kein Später.



    Aber da findet doch eine Iteration statt, nämlich die iterierte Elimination dominierter Strategien? Schon – aber die spielt sich gänzlich im Kopf der Beteiligten ab. Es gibt nicht etwa mehrere Runden des Urlauberdilemmas.



    Was Sie über das iterierte Urlauberdilemma schreiben, bin ich bereit, Ihnen auf der Stelle zu glauben. Das Urlauberdilemma ist ja ein bis ins Absurde erweitertes Gefangenendilemma; da verwundert es nicht, dass die iterierten Versionen eine gewisse Ähnlichkeit miteinander haben, bis hin zu Tit for Tat als der kanonischen Strategie.



    Christoph Pöppe

  • Kernaussage nicht schlüssig

    13.01.2008, Dr. Reinhard Born, Immenstaad
    Der Autor zeichnet ein sehr undifferenziertes Bild von gläubigen (=naiven) Menschen und Wissenschaftlern (=Intellektuelle). Auch Menschen, die an einen Gott glauben, denken nach und leben im Zweifel! Insofern halte ich die Kernaussage des Aufsatzes (Menschen glauben, weil sie sonst die Ungewissheit ihres Daseins nicht ertragen), für nicht schlüssig. Könnte es vielmehr sein, dass der Mensch, der ja ein irrationales Wesen ist, die aus der Ratio hergeleiteten Erkenntnisse als nicht so bedeutend einstuft, wie Wissenschaftler annehmen? Schließlich hilft dem sinnsuchenden Menschen weder eine Stringtheorie zur Erklärung des Ursprungs, noch die Erkenntnis, dass wir nur ein unsinniges Zufallsprodukt sind. Der Trend zu mehr Religiosität könnte bedeuten, dass die Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnis, seit der Aufklärung höchstes Ziel menschlichen Strebens, nicht mehr absolut als solches angesehen wird!
  • Mit der Farbe verbunden

    11.01.2008, Patricia Meier
    Diese Phänomene sind für Nicht-Synästhetiker schwer vorstellbar. Die Empfindungen sind wohl auch nicht bei allen gleich oder gleich stark.

    Meine Erfahrung zeigt, dass die Buchstaben nicht direkt eingefärbt erscheinen, also nicht aus dem Text hervorstechen, sondern mit einer bestimmten Farbe verbunden sind. Eher vergleichbar mit einem Wort, das automatisch mit einem Bild assoziiert wird (z.B. Paris mit seinem Wahrzeichen, da sieht man im Text nicht statt des Wortes ein Bildchen, das den Eiffelturm zeigt)

    Deshalb überraschen mich die Resultate der Studie nicht im geringsten.

    Gruß
    P. Meier
  • Zweifel aushalten oder beseitigen

    11.01.2008, Ronald Sinda Wessobrunn
    Es stimmt, dass es scheinbar ein Problem ist, Wahrheit zu definieren. Wie in dem Artikel schon erwähnt, fragte schon Pontius Pilatus damals hoch philosophisch, „Was ist Wahrheit?“ Und in der Tat, auf diese Frage alleine, gibt es keine schnelle Antwort. Ähnlich, wenn 10 Personen mit unterschiedlich langen Hölzern behaupten, für sie hat dieses Holz die richtige Länge. Vergleichbar ist es mit dem Begriff Religion. Viele haben eine Religion, die für „sie“ die beste ist. Ist das Wahr? Was soll man da Zweifeln? Eindeutiger wird es allerdings, wenn man sich auf etwas bezieht, z.B. die 10 Personen, auf das metrische System. Jeder sagt, sein Holzstab ist genau 1m lang. Da alle Stäbe unterschiedlich lang sind, sind Zweifel an dem Wahrheitsgehalt natürlich angebracht. Sobald man sich aber auf etwas bezieht, ist es möglich herauszufinden wer diesem Bezugssystem, der Wahrheit, am nächsten kommt. Das bedeutet natürlich, mit dem Bezugssystem sehr gut vertraut zu sein oder zu werden. Wenn sich z.B. eine Kirche auf die Bibel bezieht, ist mit einer genauen Erkenntnis derselben überprüfbar, wer sich daran hält oder wer nicht. Wer an deren Früchten erkennbar ist, hat diese Wahrheit. Die Bibel verlangt nicht blind, ohne Zweifel zu glauben. (Der „Witz“ in dem Artikel, von dem Rabbi der nicht lügen kann, ist nicht lustig, da jeder der das liest, sich freut, ein Paradoxon entdeckt zu haben. Damit wird aber der Rabbi automatisch zu einem Lügner verurteilt ohne dabei die fundamentalsten Regeln der Wahrheitsfindung anzuwenden.) Hier in der Bergpredigt Mat 7:16-20 wird diese der Wahrheitsfindung dienliche Regelschleife beschrieben. Wer kennt aber die Bibel schon so gut, um sie so anwenden zu können? Ob die Bibel nun selbst die Wahrheit enthält, ist wieder ein anderes Thema. Warum sagt z.B. Jesus in Mat 11:25 „Ich preise dich öffentlich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du diese Dinge vor den Weisen und Intellektuellen verborgen und sie Unmündigen geoffenbart hast.” Es ist also nicht leicht und nicht nur mit Mühe verbunden zu entscheiden, wo Zweifel angebracht sind oder wo man lernen und vertrauen sollte. Das bedeutet, nicht leichtgläubig zu sein. Scheinbar ist diese Fähigkeit nicht alleine den Weisen und Intellektuellen gegeben. Man braucht daher nicht in zwei Welten leben. Sonst muss man in seinem Leben immer den Zweifel aushalten, ob es nicht doch eine Wahrheit gibt. Ich denke, es sollte einen Artikel geben, nicht mit dem Titel „Die Kunst den Zweifel auszuhalten“ sondern, „Die Kunst zu erkennen, wann Zweifel vernünftig sind und wann man aktiv werden soll.“ Wenn sich jemand diese Mühe gemacht hat, mit dem ist natürlich keine „Diskussion“ mehr darüber möglich, das ist richtig, aber zu jeder Zeit eine Disputation.


  • Ideologen kreisen um sich selbst

    10.01.2008, Reiner Vogels, Swisttal-Odendorf
    Die Antwort von Martin Urban auf den Leserbrief von Heinz-Dieter Zutz ist wie auch sein Artikel selbst schon ein klassisches Beispiel dafür, dass manche ideologisch fixierten Religionskritiker und Atheisten nur um sich selbst kreisen und den kritischen Dialog mit Andersdenkenden scheuen. Offensichtlich hindern Ängste sie daran, sich den Argumenten ihrer Kritiker zu stellen. In einer Art letztlich nur psychologisch zu erklärenden Projektion werfen sie dann den von Ihnen als "Fundamentalsten" beschimpften Andersdenkenden vor, mit ihnen könne man nicht diskutieren, ja ein Dialog mit ihnen sei geradezu gefährlich.

    Diese Haltung führt dazu, das sie am Ende nur noch um sich selbst kreisen, nur noch mit denen sprechen, die ihre Ansichten teilen, und sich in ihren Gesprächen mit Gleichgesinnten nur noch gegenseitig bestätigen, wie klug sie doch seien und wie naiv, irrational oder unaufgeklärt die anderen.

    Solche Gesprächszirkel verkommen am Ende zu reinen In-group-Veranstaltungen, deren einziger Effekt auf Außenstehende die Erzeugung totaler Langeweile ist. Religionssoziologisch entwickeln sie sich zu sektiererischen Kleingruppen am Rande der Gesellschaft.

    Ich kann "Spektrum der Wissenschaft" nur davor warnen, sich zu einem publizistischen Forum für derartige In-group-Zirkel zu machen. Es kann ja nicht im Interesse der Redaktion liegen, im Wettbewerb um die langweiligste Zeitschrift der Welt einen der vorderen Plätze zu belegen.

    Wir Christen werden zwar offen sein für ernsthafte Gesprächsangebote, wir werden uns aber keinen Gesprächen aufdrängen und uns schon gar nicht in die In-group-Zirkel der Ideologen hineinzudrängen versuchen. Statt dessen werden wir weiter unsere Gemeinden aufbauen und die Ideologen sich selbst überlassen. Die christlichen Kirchen haben in den 2000 Jahren ihrer Geschichte bisher immer siegreich am Grabe ihrer Gegner gestanden. Sie werden auch die Sekten der Atheisten und fundamentalistischen Religionskritiker überleben.

    Als Nietzsches Zarathustra vom Berg herabstieg und im Wald einen Menschen traf, der von sich sagte, dass er Gott lobe, wunderte er sich, dass dieser Mensch so hinterwäldlerisch sei, dass er noch nicht begriffen habe, dass Gott tot sei. Wenn ich heute die religionskritischen Beiträge im Spektrum der Wissenschaft lese, wundere ich mich, das es immer noch gebildete Zeitgenossen gibt, die es noch nicht mitbekommen haben, dass der Atheismus längst tot ist.