Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Meine Lieblingssprache ist LOGO

    08.06.2007, Norbert Fornefeld, Lippstadt
    Zum Ende des Essays fiel mir ein, welche meine Lieblingsprogrammiersprache ist.

    Als Lehrer habe ich in den 1980er und 1990er Jahren mit LOGO gearbeitet. Ich wünsche mir jetzt allerdings eine zeitgemäße Version. Ein deutsches LOGO mit farbigen und durchnummerierten Klammern, farbigen Hervorhebungen von Schlüsselwörtern usw.
    Dieses neue LOGO sollte in einer funktionalen Sprache implementiert sein, nicht wie damals in einer imperativen Sprache (Turbo Pascal). Es sollte die Option bieten, dll-Dateien einzubinden, z. B. zum Rechnen mit sehr langen Ganzzahlen. Eventuell sollte es objektorientiert sein und einen UML-Editor aufweisen.

    Außerdem würde ich gern einen Artikel über eine Klassifizierung der gesprochenen Sprachen lesen. Darin sollten nicht die üblichen Verwandschaftsverhältnisse der Sprachen aufgeführt sein. Der Artikel sollte vielmehr nach ähnlichem Lautumfang, Klang und Aussprache, ähnlicher Wortbildung, Schachtelung, Verwendung bestimmter Wortarten, Nutzung von Modi und Tempora gegliedert sein. Hat die Sprache komplizierte Flexionsformen, ist sie agglutinierend oder isolierend? Ist sie weit verbreitet, sprachlich und schriftlich leicht erlernbar?
    Antwort der Redaktion:
    Zur Klassifizierung der gesprochenen Sprachen: Zu diesem Themenkreis haben wir das Sonderheft Evolution der Sprachen veröffentlicht, das immer noch lieferbar ist. Ich fürchte allerdings, dass Sie auf Ihre weiter gehende Frage in diesem Sonderheft keine Antwort vorfinden werden. Es gibt ein groß angelegtes Projekt, das sich einer Klassifizierung in Ihrem Sinne widmet: den "World Atlas of Language Structures" des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Vielleicht hilft Ihnen die Website http://www.eva.mpg.de/lingua/files/wals.html des Projekts weiter.
    Christoph Pöppe, Redaktion
  • 600-Seiter mit einer neuen physikalischen Theorie

    06.06.2007, Jörg Gäthje, Köln
    Sehr geehrter Herr Breuer,

    Sie schreiben "Einmal erhielt ich einen 600-Seiter mit einer neuen physikalischen Theorie. Der Autor würde mich an dem bei Publikation fälligen Nobelpreis mit 25 Prozent beteiligen. Die Adresse des Absenders war eine JVA in Berlin, ich lehnte ab."

    Welche Theorie wurde dort aufgestellt?

    Mit freundlichen Grüßen

    Jörg Gäthje
    Antwort der Redaktion:

    Sehr geehrter Herr Gäthje,



    von „Theorie“ zu sprechen war in dem erwähnten Fall – wie in den allermeisten ähnlich gelagerten – schon viel zu freundlich gesagt. Vielmehr sind das mehr oder weniger krause Kompilationen aus falsch verstandenem Elementarwissen aus der Physik, zusammengerührt mit reichlichen absurden Eigenzutaten. Die Unterlagen des bestimmten Herrn habe ich dazu gar nicht mehr, aber die Details sind auch nicht erwähnenswert.



    Ich will solche Elaborate nicht generell despektierlich kommentieren. Zumeist sind sie Produkte, die in intellektueller Isolation entstehen, ohne den Stand der Forschung auch nur zur Kenntnis zu nehmen – und meistens nicht einmal den Stand, wie er in der Grundvorlesung Theoretische Physik 1-4 gelehrt wird. Hier sehe ich also oft eher eine gewisse persönliche Tragik im Vordergrund als einen Beitrag zur Wissenschaft.



    Besten Gruß



    Reinhard Breuer

  • Der Einfluss der Öllobby

    04.06.2007, R. Pietzsch, Schmalkalden
    Der Einfluss der Öllobby bei der Begriffswahl "Kraftstoffe der 3. Generation" ist nicht zu übersehen. Die Bezeichnung soll suggerieren, dass es sich um "bessere" Kraftstoffe als die der 1.Generation handelt. Dabei gilt als einziges Kriterium die Nettoenergiebilanz und nicht die Affinität zu mineralischen Kraftstoffen. Und die ist bei synthetischen Kraftstoffen miserabel. Um die erforderlichen hohen Drücke und Temperaturen beim Fischer-Tropsch-Verfahren zu erzielen, ist jede Menge Energie nötig. Außerdem beinhaltet das Synthesegas bereits ein hohen Anteil CO2, d.h. Kohlenstoff aus der Biomasse, der nicht mehr in die gewünschten Alkane umgewandelt werden kann. Dagegen ist zur Herstellung von Biodiesel und Bioethanol deutlich weniger Energie erforderlich, auch wenn Pimentel und Patzek das Gegenteil behaupten. Doch betrachtet man deren Veröffentlichungen fällt auf, dass z.B. zur Destillation Wasserdampf verwendet werden soll, obwohl es Vakuumdestillationsverfahren gibt, für die Umgebungswärme oder Solarwärme ausreicht. Vielleicht kennt man das in Amerika noch nicht. Außerdem werden in nicht einem Fall die gesamten Pflanzen bilanziert, sondern nur der öl- oder stärkehaltige Anteil. Der Rest der Pflanze, der z.B. zur Prozesswärmeerzeugung dienen könnte, verschwindet aus der Bilanz.
    Es ist ziemlich sicher, dass die gescholtene "1. Generation" von Kraftstoffen, voran Bioethanol in Form von E85 weltweit in Zukunft eine größere Rolle spielen wird, als die hochgelobte 3. Generation, wenn auch vielleicht nicht im Öllobbyland Deutschland.
  • Kleiner Schreibfehler

    03.06.2007, Rainer Siegle, Schwaikheim
    Auf S. 29 sollte es in der rechten Spalte im zweiten Absatz Philanthropin heißen.
  • Wichtige Aspekte fehlen

    02.06.2007, Dr. Volker Typke, Ulm
    Dies ist ein netter, lesenswerter Artikel, in dem jedoch wichtige Aspekte fehlen. So wird z. B. nicht erwähnt, dass für alle "wichtigen" Sprachen (also: Sprache weltweit eingesetzt und von "allen" Computer-Herstellern unterstützt) ein regelmäßiges Update durch die ISO vorgesehen ist, durch das den Entwicklungen der Informatik und der Hardware Rechnung getragen wird. So hat Fortran ca. 4 major upgrades durchlaufen, und das aktuelle Fortran (Fortran2003) hat nur noch geringfügige Ähnlichkeit mit dem Ur-Fortran von 1955; es ist vielmehr als voll objektorientierte Programmiersprache einzustufen.
  • Vesto Slipher

    01.06.2007, Wolfgang Steinicke, Umkirch
    In diesem Beitrag ist Ihnen auf S. 35 ein kleiner Fehler unterlaufen. Dort heißt es "... seines Kollegen Vesto Slipher vom Lick-Observatorium bei San Francisco ...".
    Slipher hat seine Messungen natürlich am Lowell Observatorium, Flagstaff, gemacht.
  • Irrtümer durch Fehlmessungen

    31.05.2007, Paul Kalbhen, Gummersbach
    Wenn man schon den Absolutheitsanspruch vertritt, keine einzige Reliquie der Christenheit sei echt, so sollte man doch berücksichtigen, dass auch die Naturwissenschaft Irrtümern - hier Fehlmessungen - unterliegen kann, so beim angeführten Turiner Grabtuch (TG) im Jahre 1988: Die Radiokarbonmethode darf nur bei organisch "reinen" Stoffen angewandt werden und führt bei "verschmutzten" Materialien zur verkürzten Altersbestimmung! So beim TG (Datierung ins 13./14. Jahrhundert), dessen Proben Umwelteinflüssen wie Weihrauch, Kerzenruß und sogar Brandspuren ausgesetzt waren, wodurch der ursprüngliche Kohlenstoffanteil (Konzentration) des zerfallenden C 14 - Isotops verfälscht wurde.
    Für die Echtheit des TG spricht vielmehr - das ist freilich noch kein Beweis -, dass ein Gremium unabhängiger, internationaler Wissenschaftler bei dessen Analyse zahlreiche Übereinstimmungen mit bekannten Fakten aus der Zeit Christi festgestellt hat, wie etwa: Pollenkörner im Gewebe und Texturen des Tuchgewebes aus dem damaligen Raum Palästina, Abdrücke römischer Münzen, Kreuzigung durch Handgelenke statt durch Handteller, Konvergenz zu den Passionsberichten der Evangelien. Übrigens handelt es sich beim Abbild auf dem TG um den nicht erklärbaren "Negativabdruck" eines menschlichen Körpers, der wiederum erst im fotografischen Negativ "positiv", also real, erscheint.
  • Methanogene Blattbesiedler übersehen

    29.05.2007, Dr. Gero Benckiser, Gießen
    Der Artikel von den Physikern Keppler, Röckmann, die ihre Ergebnisse vor geraumer Zeit in Gießen vortrugen, erwähnt mit keinem Wort, dass Mikroorganismen zahlreich die Phyllosphäre von Pflanzen besiedeln. Darunter dürften sich auch methanogene Bakterien befinden, die bei der Umwandlung von CO2 oder Acetat in CH4 Energie gewinnen und als Folge Methan freisetzen. Pflanzen versuchen den stomatären Bereich vor mikrobieller Besiedelung zu schützen, um ein Eindringen in den interzellulären Bereich zu verhindern. Dies gelingt weitgehend aber nicht immer vollständig. Methanogene Blattbesiedeler könnten daher durchaus für sie günstige Lebensumstände vorfinden und Methan, das die Autoren dem pflanzlichen Metabolismus zu schreiben, an die Atmosphäre abgegeben.

  • Danke

    28.05.2007, Dr. Karl Vörckel, Grünberg
    Lange habe ich nichts mehr gelesen, wo etwas derart Kompliziertes derart fasslich dargestellt wird.
    Danke
  • Der Krieg ist längst verloren

    27.05.2007, Winfried Wolf, Tornesch
    Der vom Autor beschriebene Krieg der Programmiersprachen findet so schon seit Jahren nicht mehr statt. Die heute üblichen Programmier-Projekte sowie auch die Vorgehensweisen beim Programmieren unterscheiden sich stark von denen früherer Zeiten. Der Großteil des Programmierens besteht heute im Entwurf von Bedienungsoberflächen; Algorithmen und Datenstrukturen spielen meist eine untergeordnete Rolle.
    Inzwischen ist man als Programmierer in der Regel in erster Linie an ein Produkt gebunden: eine komplette Programmier-Umgebung, die wiederum eine feste Bindung zu einer Hardware- und einer Betriebssystem-Plattform hat.
    Extremes Beispiel ist die DotNet-Technologie von Microsoft: Ob man nun in C# oder Basic.Net programmiert, ist angesichts des Lernaufwands der Basis-Technologie fast egal, so unterschiedlich die Ursprungs-Sprachen auch mal waren. Der Programmierer geht damit eine starke Bindung zur Microsoft-Produktpalette ein, die der zu einer Programmiersprache weit übersteigt.
    Produktiv eingesetzte Programmiersprachen werden schon lange nicht mehr im universitären Bereich entwickelt, so schade das auch sein mag. Sicherlich liegt das nicht daran, dass es schon zu viele Sprachen gibt. Neue, plattformübergreifende Programmier-Konzepte, die moderne Rechner- und Betriebssystemarchitekturen berücksichtigen (z. B. Multi-Prozessor-Systeme), sind eigentlich dringend nötig.
  • Leben im All

    27.05.2007, Winfried H. Aderhold, Bad Berleburg
    Es ist noch gar nicht so lange her, da standen gestandene Wissenschaftler vor uns und sagten, die Erde sei der einzige bewohnte Planet im Universum. Dies anthropozentrische Denken hat sich ja nun wohl doch etwas gewandelt, nachdem mittlerweile viele Planeten entdeckt wurden, - ob lebensfeindlich für unsere Spezies oder nicht.
    Ich habe mich immer gefragt, wie der "vernunftbegabte Mensch" bei der Milliardenzahl der Galaxien und Himmelskörper so naiv-arrogant sein kann. Die zwingende Logik wäre doch zu sagen: Es kann nicht sein, dass wir allein sind.
    Ich freue mich über jeden kleinen Schritt, welche die Wissenschaft in diese Erkenntnis-Richtung geht. Hoffentlich erlebe ich noch (ich bin 69 Jahre alt) den Tag, an welchem Leben im All gefunden wird, an das ich immer geglaubt habe.
  • Kritikpunkte zu "Die Fortschrittsillusion"

    26.05.2007, Markus Koppensteiner,Wien
    1)
    Eine klare Begriffsdefinition wäre hilfreich, denn schließlich gibt es im allgemeinen Sprachgebrauch viele Arten von Fortschritt. Den technischen, den gesellschaftlichen, den medizinischen und so weiter. Da man in derart vielen Kontexten von Fortschritt spricht, ist der Begriff nicht klar umrissen, und die verschiedenen Arten von Fortschritt untereinander möglicherweise nur bedingt vergleichbar. Einen biologischen Fortschritt mag es nicht geben, aber das lässt nicht automatisch den Schluss zu, dass auf keiner Ebene Fortschritt passiert. Sicherlich wirkt die biologische Evolution auf die kulturelle ein. Um daraus schließen zu können, dass auch auf kultureller Ebene kein Fortschritt stattfindet, müsste die Biologie die Kultur vollständig determinieren, und das erscheint doch unrealistisch.

    2)
    Der Autor fordert einen archimedischen Punkt, von dem aus man Fortschritt objektiv messen kann. Solange es den nicht gibt, soll man von keinem Fortschritt sprechen. Nur weil man etwas nicht messen kann, heißt das nicht, dass es nicht existiert. Wenn ich keine Waage zur Verfügung habe, um einen Gegenstand abzuwägen, kann ich nicht belegen, dass der Gegenstand fünf Kilogramm wiegt. Ich kann aber auch nicht sagen, dass er keine fünf Kilogramm wiegt. Im Übrigen ist auch Evolution nicht messbar. Sollen wir deshalb nicht mehr darüber sprechen?
    Wenn alle Erkenntnis jenseits von Messungen subjektiv ist und deshalb jedweder Fortschritt eine Illusion darstellt, dann ist alles, was der Autor sagt und schreibt ebenfalls eine Illusion. Jeder der diese Logik konsequent weiterverfolgt, müsste irgendwann zu dem Schluss kommen, dass er/sie selbst auch eine Illusion ist. Ob das stimmen kann?

    3)
    Wenn man annimmt, dass das Gehirn über einen sehr langen Zeitraum von der Evolution geformt wurde, dann muss man davon ausgehen, dass es gewisse objektive Wahrheiten in der Welt in ausreichendem Maße abbildet. Im Prinzip lässt sich das Gehirn auch als Messapparat betrachten, es benutzt lediglich andere Messgrößen.
    Aus der Tatsache, dass dem Gehirn bei der Interpretation der Welt Fehler unterlaufen, kann man nicht schließen, dass alle seine Leistungen Illusionen sind.
    Nur weil ich feststelle, dass ich mit meinem Lineal keine Atome abmessen kann, sind nicht alle meine Messungen falsch, die ich mit dem Lineal durchführe. Dass die Sonne aufgeht, ist gewiss eine Illusion, aber in einem Ausschnitt der Realität ein brauchbares Modell.
    Farben sind verschiedene Wellenlängen von Licht. Physiker messen die Wellenlänge in Nanometer. Das Gehirn misst in verschiedenen Farbtönen. Das ist vielleicht ungenauer, aber doch ausreichend zuverlässig. Kaum jemand würde behaupten, dass eine in Zoll abgemessene Länge eine Illusion ist, und dieselbe Länge in Zentimeter, die objektive Wahrheit.

    4)
    Es ist nicht klar, ob der „evolutionäre Wettlauf“ dergestalt auf die menschliche Psyche durchschlägt, dass das Gehirn immer Entscheidungen trifft, die zu besseren Anpassungen führen. Wir trachten uns von unseren Konkurrenten abzuheben. Dies muss aber nicht notwendigerweise in einem Fitnessgewinn münden. Nicht immer ist ein „Höher, Schneller, Weiter“ von Vorteil. Der Autor selbst gesteht ein, dass es Fälle von regressiver Evolution gibt. Dies steht aber in einem deutlichen Widerspruch zu einem „Höher, Schneller, Weiter“.

  • Ist Östrogen ein männliches Geschlechtshormon?

    24.05.2007, Liane Mayer
    Jetzt bin ich aber wirklich verwirrt!
    Ich dachte immer, Östrogen sei ein weibliches Geschlechtshormon, aber wenn ich den Artikel aufmerksam durchlese, kommen mir Zweifel. Da ist dauernd von der Wirkung des Östrogens die Rede, aber was den Tieren eingegeben wird, wird als "männliches Geschlechtshormon" bezeichnet. Und es steht nirgends, dass ihnen sonst irgendetwas gegeben wurde. Kann man also aus der Gabe von männlichem Geschlechtshormon Schlüsse auf die Wirkung von Östrogen ziehen? Oder bin ich da einem Druckfehler aufgesessen?
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Frau Meyer,



    vielen Dank für Ihre Zuschrift. Erlauben Sie mir bitte aus Zeitgründen für unseren Autor Herrn Jahn in die Bresche zu springen, der gerade seinen Kurzurlaub genießt.



    In seinem Text finde ich tatsächlich eine Passage, die nicht ganz richtig ist: Seinen Satz "... wie [die Forscher] jetzt herausgefunden haben, verläuft diese Steuerung bei den Weißfußmäusen verblüffend einfach." In Wahrheit sind die beschriebenen Mechanismen, da gebe ich Ihnen gerne Recht, natürlich ziemlich verwirrend.



    Primär gilt auf jeden Fall, was Herr Jahn so formuliert: "Bekanntermaßen beeinflusst ein komplexes Zusammenspiel der Hormone wie Testosteron und Östrogene das Aggressionsverhalten von Säugetieren". Beide Geschlechtshormone kommen (in unterschiedlichen Mengen) in beiden Geschlechtern vor und wirken daher, so die unwidersprochene Lehrmeinung, wohl auch gemeinschaftlich. Weil das so ist, mussten die Autoren auch die Menge beider (!) Geschlechtshormone in ihren Versuchstieren genau kennen und kontrollieren, um über den Einfluss anderer Faktoren (hier der Tageslichtlänge) entscheiden zu können. Daher verwendeten die Forscher Mäuse, die selbst weder eigenes Testosteron noch Östrogen produzierten (sie waren kastriert, ein Blockademedikament neutralisierte zudem Östrogen, das in geringen Mengen auch außerhalb der Keimdrüsen gebildet werden kann).



    Dann gaben sie den Tieren per Implantat kontrollierbare, immer gleiche Mengen von Testosteron (ohne dieses Hormon funktioniert das ganze System "aggressive Versuchsmaus" gar nicht mehr - es muss also tatsächlich, wie Sie schreiben, "den Tieren eingegeben werden"). In diesem Mäusen fehlte dann also nur noch das Östrogen - und genau darauf zielte der Versuch ab: Ändert dieses Fehlen des "weiblichen Geschlechtshormons" etwas? In diesem Fall muss der Schluss gezogen werden, dass allein das Östrogen Aggressionsverhalten moduliert. Oder gibt es einen weiteren Faktor, der unabhängig vom "weiblichen" Geschlechtshormon wirkt (und, natürlich, der ebenfalls beteiligten, hier aber wegen immer gleicher Konzentration nicht für Änderungen im Aggressionsverhalten verantwortlich zu machenden "männlichen" Geschlechtshormone)?



    Dies war, wie Sie dem Text entnehmen können, der Fall: Die Tageslichtlänge entscheidet zusätzlich über Genaktivitäten, die in den Zellen über Östrogene aktiviert werden können. Weil dies so ist, entscheidet nicht nur das Vorhandensein oder Fehlen des weiblichen Geschlechtshormons darüber, wie aggressiv die Tiere sich geben. Weitere Details finden Sie wieder im Text.



    Ich hoffe, Ihre Verwirrung zerstreut zu haben,
    freundliche Grüße nach Wien



    Jan Osterkamp (Redaktion)
  • Das gesellschaftliche Problem dahinter

    23.05.2007, Nils Birschmann, SRH Holding, Heidelberg
    Sehr geehrter Herr Pöppe,

    trotz persönlicher Betroffenheit habe ich Ihren Artikel über EUROBOT mit einigem Genuss gelesen. Es macht natürlich Spaß, ambitionierte Amateure und ihre unvollkommenen Kisten beim Scheitern zu beobachten.

    Ihre mit leichter Hand geführte ironische Feder in allen Ehren, in einem Punkt verstehe ich Sie nicht: Inwieweit sorgt Pressearbeit für die Zuschauer? Glücklicherweise geben noch nicht alle Medien der Vorabmeldung den Vorzug, sondern warten, bis es wirklich etwas zu schreiben gibt.

    Über EUROBOT bei uns haben Radio Regenbogen, SWR, RNZ, RNF, campus tv, Mannheimer Morgen und zur Krönung Spektrum der Wissenschaft berichtet. Das nennen Sie schlechte Pressearbeit?

    Dass es kaum Werbung gab, die Zuschauer angelockt hätte, das stimmt. Dafür reicht bei so einem Amateurwettbewerb das Budget nicht. Und leider sorgt der deutsche Hang zum Schlechtreden auch dafür, dass bei Amateurwettbewerben ohne Promis kaum noch jemand erscheint.

    Von einem Qualitätsmedium wie Spektrum hätte ich mir allerdings erhofft, dass Sie die Geschichte hinter der Geschichte aufzeigen. Die Schwierigkeiten deutscher Teams bei EUROBOT und das mangelnde Interesse sind weitere Hinweise auf ein gesellschaftliches Problem: den Ingenieursmangel. Wir engagieren uns in Wettbewerben wie EUROBOT, ELROB, unserem eigenen Satellitenprojekt HeidelSat u.a., um junge Menschen wieder für Technik zu begeistern.

    Schlechtreden ist leicht. Kritik um der Kritik willen ist destruktiv. Es geht darum, an der Basis etwas für die Wissenschaft zu tun und dabei gezielt Amateure einzubinden.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn wir dafür bei anderer Gelegenheit Ihr wirklich geschätztes Medium gewinnen könnten! Im Herbst nehmen unsere Hobby-Satelliten-Bauer z.B. Funkkontakt mit der ISS auf.

    Beste Grüße
    Nils Birschmann
    Leiter Kommunikation
    SRH Holding
    Heidelberg



    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Birschmann,

    gut, nennen wir das, was ich Pressearbeit genannt habe, korrekter "Öffentlichkeitsarbeit". Dass "Spektrum" vom Veranstalter nicht informiert wurde, sondern nur dadurch, dass ich auf der Mailingliste eines beteiligten Teams stehe - na ja. Die Medien mit der größeren Verbreitung haben Sie ja zweifelsohne erreicht.

    Aber zu Ihrem Hauptpunkt: Es geht mir nicht darum. mich über das traurige Bild dieser Nationalausscheidung zu mokieren, Schadenfreude zu verbreiten und "Kritik um der Kritik willen" zu üben. (Habe ich auch nicht getan ...) Im Gegenteil. Dass dieses beeindruckende Maß an Kreativität sich nicht in einem entsprechenden Erfolg niedergeschlagen hat (und mit Erfolg meine ich nicht "besser sein als die anderen", sondern "viele Dosen einsammeln und abliefern"), gibt auch dem zuschauenden Journalisten Anlass zum Nachdenken. Noch sehe ich die Ursache nicht in der allgemeinen Geringschätzung des Ingenieurberufs und einem entsprechenden Mangel an "Ingenieurkultur" in Deutschland. An guten Ideen hat es ja wirklich nicht gemangelt. Vielleicht war die Aufgabe für die Amateure, an die sie sich richtete, wirklich zu schwer.

    Natürlich wäre aus diesem Anlass ein Nationenvergleich (z. B. bei der Endausscheidung in Frankreich) interessant. Leider kann ich da nicht mal eben an einem Samstagnachmittag hinfahren.


    Freundliche Grüße

    Christoph Pöppe
  • Kohlendioxid vs Methan

    23.05.2007, Prof. Dr. Walter Langel, Greifswald
    Zwei Fragen zu dem Artikel:

    - Sie stellen fest, dass "Die Kohlenstoff-Aufnahme.. um höhstens vier Prozent verringert" wird. Falls das bedeutet, dass die Stoffmengen von aufgenommenem CO2 und abgegebenem CH4 im Verhältnis 100:4 stehen, so würden Bäume wohl erheblich weniger zum Klimaschutz beitragen, als bisher angenommen. Da Methan offensichtlich je Mol zehnmal so effektiv als Treibhausgas ist als Kohlendioxid, reduziert sich der Treibhauseffekt durch die CO2-Aufnahme nur um (100-4x10)%=60% des bisher angenommenen Wertes. Dies ist doch eine signifikante Konsequenz für Aufforstungsprogramme und hätte m.E. klar herausgestellt werden müssen. Außerdem dürfte Methan eine längere Lebensdauer in der Atmosphäre haben als Kohlendioxid, was die Situation noch ungüstiger macht.

    -Sie stellen fest, dass in "anderen Perioden der Erdgeschichte" "durch extrem hohe Kohlendioxidkonzentration...die pflanzliche Biomasse damals drastisch zugenommen haben" könnte. Genau diesen Aspekt vermisse ich bei der gegenwärtigen Klimadiskussion. Es muss angenommen werden, dass die Photosynthesesysteme auch in unserer Zeit auf das erhöhte CO2-Angebot mit höherem Umsatz reagieren. Dazu scheinen aber weder quantitative Untersuchungen vorzuliegen, noch wird dieser Effekt, der die Zunahme des CO2-Gehalts in der Atmosphäre längerfristig dämpfen sollte, in den in der Öffentlichkeit diskutierten Klimaszenarien berücksichtigt.
    Antwort der Redaktion:
    Antworten von Frank Keppler


    Zu Frage 1: Die von uns im Bericht angebenen 4 Prozent als Maximalwert - die Spanne reicht von 1 bis 4 Prozent - berücksichtigen alle bekannten "Treibhauspotentiale", also auch die Gedankengänge von Herrn Langel, und stellen somit den gesamten Klimaeffekt dar.


    Zu Frage 2. Die Rolle der Biosphäre im globalen Kohlenstoffhaushalt und die Veränderungen der Biosphäre durch erhöhte Kohlendioxidkonzentrationen werden seit einiger Zeit verstärkt erforscht und zunehmend bei den Klimaberechnungen berücksichtigt. Als gutes Beispiel ist hier die Entwicklung von Modellen zu nennen, welche die Beziehung zwischen der Biosphäre und der Kohlendioxid-Aufnahme durch Kohlendioxid-Senken darstellen.