Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Artikel nur auf den ersten Blick ausgewogen

    30.03.2008, Ullrich Martini, München
    Der Artikel "Energie und Klimawandel" von Konrad Kleinknecht wirkt auf den ersten Blick ausgewogen, bei genauerem Hinschauen ergeben sich doch ein paar Korrekturen und Anmerkungen:
    1) Laut VDN betrug die in 2007 von der Windenergie abgegebene Strommenge knapp 40 TWh oder 7,3% des Gesamtverbrauchs von 541 TWh. Im Artikel wird eine geringere Zahl von 2006 zitiert.
    Die Steigerung zwischen 2006 und 2007 beträgt fast 9 TWh. Da ist also fast ein Kernkraftwerk dazugebaut worden.
    2) Wenn die Kernkraftwerke wie in Szenario A ohne Zubau ein Drittel des Strombedarfes decken und nicht ein Viertel wie jetzt, muss stark Strom gespart werden. Das wäre begrüßenswert, würde aber auch dem Anteil der Regenerativen zugute kommen.
    3) Der Einstieg in die Brütertechnologie ist nicht unnötig, sondern indiskutabel gefährlich.
    4) Die 80000 neuen Windräder beziehen sich scheinbar auf eine veraltete Technologie. Mit der Ausbeute von 2007 (20%) und modernen 2MW-Rotoren (z.B. Enercon E-82) komme ich auf 40000 zusätzliche Windräder, und mit 5MW-Rotoren (z.B Multibrid M5000, speziell für den Offshore-Einsatz entwickelt) auf nur 16000 neue Windräder. Es ist plausibel anzunehmen, dass bis 2015 noch leistungsfähigere Rotoren am Markt sind, so dass auch meine Zahlen noch zu gross wären.
    Darüber hinaus gibt es den Ersatz kleiner Windräder durch neue, größere, das so genannte "repowering" und andere regenerative Energiequellen.
    5) Ich vermisse komplett die Diskussion, ob und wie man mit Hilfe eines modernen Hochspannungs-Gleichstromnetzes oder neuen Speichertechnologien wie adiabatischen Druckluftspeichern oder Redox-Flow-Batterien Lastspitzen oder Windflauten ausgleichen kann. Zum Beispiel könnte man mit einem solchen Netz Regenerativenergie aus Spanien, Skandinavien oder Nordadfrika importieren.
    5) Die EEG-Vergütung für On-Shore-Windenergie sinkt im Entwurf des EEG für 2009 auf 5 Cent, das ist weniger als der Betrag von 6-7 Cent, der derzeit an der Leipziger Strombörse verlangt wird. Die indirekte Subvention für die Windenergie läuft also aus, andere regenerative Energien werden folgen. Insbesondere die Photovoltaik hat noch riesige Entwicklungspotenziale. Im Licht der aktuellen Strompreise möchte ich auch die zitierten Erzeugungskosten für Strom aus Kohle- oder Kernkraftwerken von 3-5 Cent anzweifeln.
    6) Es wird im Szenario A unterstellt, dass die Stromkonzerne Extra-Gewinne aus einer Laufzeitverlängerung in erneuerbare Energien und Einsparmaßnahmen investieren würden. Ob das wirklich funktioniert, ist im Lichte des bisherigen Verhaltens der Konzerne doch schon zweifelhaft. Wie die Beispiele Brunsbüttel und Krümmel zeigen, muss man mit Ausfallzeiten rechnen, die dann als Argument verwendet werden könnten, um die Zahlungen auszusetzen.
    7) Schliesslich ist die Frage der Entsorgung von Atommüll weiterhin ungeklärt, und somit auch die Frage der Kosten der Entsorgung.
  • Entwicklung einer Maschine = Evolution der Kultur?

    29.03.2008, Daniel Schiller, Köln
    In der Spektrogrammmeldung "Kanus, Kultur und Darwin" aus 04/08 zeigt Paul R. Ehrlich, dass man den evolutionären Algorithmus auf die Entwicklung einer Maschine (Kanus der Polynesier) anwenden kann. Dies stellt er der Entwicklung von Schmuck (Ornamente an den Kanus) gegenüber und schließt daraus, dass man die Evolutionstheorie auch auf die kulturelle Entwicklung einer Gesellschaft anwenden könne. Geht das wirklich? Ich glaube nicht ...
    Eine funktionierende Maschine in einer Umwelt ist nichts anderes als ein Lebewesen, welches unter den Gegebenheiten der Umwelt optimiert/angepasst wurde. Natürlich kann man dann auch evolutionäre Algorithmen auf die Entwicklung der Technik anwenden (wird so ja im Operations Research gemacht). Die Technik entwickelt sich dann auch zum globalen Optimum hin und stabilisiert sich in diesem Zustand, wenn die Umwelt stabil bleibt.
    Aber wie kann man daraus schließen, dass sich auch Kultur (hier die Entwicklung von schmückendem Beiwerk) evolutionär entwickelt? Wo ist da die Optimierung? Wo ist der evolutionäre Druck? Wo ist die Fitnessfunktion? Man kann kulturelle Abhängigkeiten, Stammbäume und Entwicklungswege aufzeigen. Aber man kann daraus noch nicht auf Evolution schließen.
    Die in der Meldung dargestellte Schlussfolgerung ist aus meiner Sicht nicht haltbar.
  • Wissenschaft und Lehren

    27.03.2008, Friederike Goerigk aus Göttingen
    Ich beobachte es auch immer wieder, dass gerade Mathematik als Nebenfach so schlecht unterrichtet wird, weil die dort tätigen Professoren nie gelernt haben, didaktisch tätig zu sein. Es gibt allerdings auch rühmliche Ausnahmen. Ich habe noch nie verstanden, warum man in der Uni Lehre und Wissenschaft nicht trennt. Diejenigen, die lieber wissenschaftlich arbeiten, sehen die Lehre eh als notwendiges Übel. Nur so ist es zu erklären, dass von anfangs 500 Studenten in einer Vorlesung nur noch 20 sitzen...
  • Nur der Glaube kann erklären, was das Auge nicht erkennt

    27.03.2008, K. Hagemeyer, Leverkusen
    Welche messbaren (und am besten auch gemessenen) Effekte werden durch die Viele-Welten-Theorie quantitativ richtig und durch die "Kopenhagener" Quantenmechanik falsch beschrieben? Meines Wissens kein einziger, denn die Viele-Welten-Theorie verwendet überhaupt keinen anderen Formalismus. Oder irre ich mich da? Und eine Theorie, die selbst enthält, dass sie nicht nachweisbar ist, gehört meines Erachtens eher in den Bereich der Philosophie oder Religion (praestet fides supplementum, sensuum defectui).
  • Solarenergie ja - aber so nicht

    25.03.2008, Hans Neeracher, CH-4586 Kyburg-Buchegg
    Wann begreifen wir es endlich: Die billigste Energie ist die nicht verbrauchte. Gerade auch in den USA besteht ein riesiges Sparpotential ohne Komfortverlust. Im Artikel kein Wort dazu. Dafür wieder eine der Biotreibstoffproduktion auf fruchtbarem Ackerland ebenbürtige Wahnsinnsidee. Tröstlich: Es wird nur unnütze Wüstenlandschaft geopfert. Leider sind zentrale Energieversorgungsanlagen wunderbare Ziele für Terroristen. Da aber dank friedens- und demokratiestiftenden Bemühungen im Irak, Afghanistan und vielleicht auch dem Iran der Terrorismus bald der Vergangenheit angehören wird, besteht kein Grund zur Sorge. Solarenergie ja – aber dezentral genutzt auf den riesigen und immer noch wachsenden Dachlandschaften.
    Antwort der Redaktion:
    Über den "Solar Grand Plan" wird derzeit auch auf www.wissenslogs.de diskutiert.
  • Ausbildung von Mathematiklehrern

    25.03.2008, Lutz Klebe, Dipl.-Phys. und Mathematiklehrer, Reutstr. 16, 7
    Herr Pöppe kolportiert die vorherrschende Meinung von Leuten, die anscheinend u.a. für die Ausbildung von Mathematiklehrern zuständig sind, über eben diese künftigen Mathematiklehrer. Leider geht er mit keinem Wort darauf ein, dass hier ein großes Missverständnis, eigentlich sogar ein Skandal vorliegt.
    Wenn Professoren, und um solche handelt es sich ja wohl bei den Rednern einer Eröffnungskonferenz, Lehrer als "schlechtere Wissnschaftler" bezeichnen, dann ist das skandalös. Um mit Gertrude Stein zu sprechen: Ein Lehrer ist ein Lehrer ist ein Lehrer! Ein Lehrer ist eben zunächst einmal überhaupt kein Wissenschaftler. Genau daran krankt nämlich die Lehrerausbildung: Da sind Leute tätig, die sich für ganz tolle Wissenschaftler halten und die Ausbildung von Lehrern für unter iher Würde erachten.
    Wissenschaftler sein und Lehren können sind ganz verschiedene Dinge. Nicht umsonst wird eine Doppelbegabung wie Richard Feynman, der exzellenter Wissenschaftler war und hervorragender Lehrer, noch heute so geschätzt.
    Andererseits berichtet im selben Heft ab Seite 38 Professor Zeilinger, dass er keine einzige Vorlesung über Quantenmechanik besucht habe. Ja warum wohl nicht? Weil es eben kaum gute Professoren in der Lehre gibt.
    Wenn die Zukunft des Mathematikunterrichts wirklich so düster ist wie Herr Pöppe schreibt, dann liegt das eben nicht an den angeblich so unfähigen künftigen Mathematiklehrern, sondern z.B. auch an den Professoren, die vor lauter Überheblichkeit nicht willens und fähig sind, die Freude an der Mathematik an ihre Lehramtsstudenten weiterzugeben.
    Allerdings glaube ich, dass die Ursachen für die Schwierigkeiten, die weite Teile der Bevölkerung mit der Mathematik haben, doch tiefer liegen, als die zitierten Eröffnungsredner glauben machen wollen.
    Antwort der Redaktion:
    Das Missverständnis ist ganz Ihrerseits, und die Redner der Eröffnungspressekonferenz würden Ihren Thesen wahrscheinlich von ganzem Herzen zustimmen. Nicht die Professoren sind es, die die Lehrer für minderwertige Wissenschaftler halten, sondern die Studienanfänger selbst. Mit dem Effekt, dass diejenigen, die sich schwach fühlen, eher Lehrer werden und die Starken eher Wissenschaftler. Dabei würde man gerade unter den Lehrern die guten Leute dringend benötigen. Diesen Mechanismus eines sich selbst erfüllenden Vorurteils zu durchbrechen sind Danckwerts und Beutelspacher ja gerade angetreten.

    Ja, es gibt gute Wissenschaftler, die als Lehrer nicht taugen, und umgekehrt. Dann sollen die einen halt Wissenschaftler werden und die anderen Lehrer, und alle sind glücklich; da gibt es wenig zu streiten. Aber so ein Entweder-Oder ist es ja meistens nicht. Es geht um Leute, die vielleicht einen guten Industriemathematiker abgeben würden, aber einen noch besseren Lehrer – und sich trotzdem für das erstere entscheiden, weil "man seine Begabung nicht als Lehrer verschwenden soll". Die gilt es für das Lehrerstudium zu begeistern.

    Christoph Pöppe
  • Antwort an Herrn Pfr. i.R. Reiner Vogels

    23.03.2008, Ingo-Wolf Kittel, Augsburg
    Wir beide haben offenbar an völlig Verschiedenes gedacht, Herr Vogels! Dabei meinte ich, sogar auf ganz Unstrittiges verweisen zu können. Wenn ich nämlich richtig informiert bin, wird doch weithin und wie von selbst verständlich angenommen, dass Religiosität psychohistorisch aus der Ahnenverehrung (und dem daraus folgenden Animismus) hervorgegangen ist. Werden denn nicht schon die ältesten prähistorischen Gräberfunde gemeinhin als Zeichen oder gar "Beweise" für religiöses Denken aufgefasst?

    Allerdings ist mir das als Psychologe immer schon ausgesprochen eigenartig vorgekommen: als wenn es nicht den leisesten Hauch der Möglichkeit gäbe, dass ein Bedecken von Toten ggf. mitsamt ihrer Habe mit irgendwelchen Materialien einschließlich Erde (dass vor 100-200.000 Jahren schon Begräbnisse im heutigen Sinn durchgeführt wurden, ist wohl kaum anzunehmen!) nicht aus irgendwelchen anderen Gründen oder Motiven heraus zustande gekommen sein könnte, etwa zu ihrem Schutz und das aus Respekt, Hochachtung oder schlichter: aus natürlicher emotionaler Anhänglichkeit!

    Der letztgenannte, psychologisch einfachste Zusammenhang ist jedenfalls vor über 2000 Jahren noch im Alten Testament gesehen worden; denn im "Buch der Weisheit" (14, 15ff) dort wird sehr einfach, einleuchtend und in staunenswerter Kürze die Entstehung der Idolatrie aus schlichter elementarer Liebe erklärt. Die Herstellung von Idolen, die Archäologen bekanntlich tatsächlich in "gewaltiger Anzahl und Vielfalt" (J. Jaynes) gefunden haben, wird in der mir zur Verfügung stehenden Bibelübersetzung (von Hamp u.a., Pattloch, Aschaffenburg 1961) in Vers 16 übrigens ausdrücklich als "gottlose Sitte" bezeichnet, eine "Sitte", die nach der wörtlichen Bedeutung des Ausdruckes "gottlos" also noch frei von Gottesvorstellungen gewesen ist oder zumindest davon frei gewesen sein könnte... Weitaus erstaunlicher ist dabei aber noch etwas anderes: nach den weiteren Versen 17ff scheint damals noch ein Wissen davon vorhanden gewesen zu sein, dass die zur "Sitte" gewordene Gewohnheit der Herstellung von Abbildern geliebter Menschen im Weiteren auch auf andere herausragende, geachtete, geschätzte oder imponierende Menschen wie Anführer, Herrscher, Könige usw. ausgedehnt wurde!

    Exakt zu demselben Ergebnis ist auf anderer und wesentlich breiterer Grundlage vor gut drei Jahrzehnten (und möglicherweise ohne Kenntnis dieser Bibelstelle, die er nirgendwo erwähnt), auch der verstorbene Princeton-Psychologe Julian Jaynes gekommen. Seine Ergebnisse hat er in seinem epochalen Buch "The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind" (dt. 1988/1993) vorgelegt (Kurzdarstellung hier). -

    Ich kenne keine anderen Angaben der Bibel, die jemals von der heutigen Wissenschaft derart gut bestätigt worden sind.
  • Revolutionärer US-Solarplan?

    19.03.2008, Johannes Stankowski
    Ken Zweibel, James Mason und Vasilis Fthenakis und ihr "Revolutionärer US-Solarplan" – "So wird Öl überflüssig" – Was ist daran revolutionär? Das ist ein alter Hut!! Die Sahara hat eine Fläche von 9 Mio Quadratkilometern, 1 Prozent davon = 90.000 Quadratkilometer. Jeder Quadratkilometer hat 1 Mio Quadratmeter, auf jedem Quadratmeter können 1000 Watt "geerntet" werden. Also 90.000 x 1 Mio x 1 kW = 90 Terawatt = 90 Billionen Watt, reicht aus, um die gesamte Menschheit mit Energie zu versorgen, inkl. Heizung, Autos, allem drum und dran. Das predigen die Naturwissenschaftlter schon seit 50 Jahren, jetzt kommt der Spiegel, und tituliert diese simple Tatsache als revolutionär. Gehen Sie in die ZDF-Mediathek und geben Sie den Suchbegriff "Andasol" ein, ein Solarkraftwerk in Spanien. Das ist ein Beispiel dafür, wie brutal
    wir von den Energiekonzernen "verarscht" und ausgebeutet werden, und nichts anderes.
    Man könnte im großen Stil eine kWh Solarstrom locker unter 5 Eurocent herstellen, daraus Wasserstoff produzieren und den in alle Welt transportieren, den Beweis trete ich an. Auch die beschriebene Umstellungsfrist bis 2050 ist nicht revolutionär, sondern eher das Gegenteil. Da der Verbraucher sowieso zahlt, könnte man die Umstellung innerhalb von 10 Jahren schaffen, aber das ist nicht gewollt. Selbst eine Umstellung bis 2018 wäre nicht revolutionär, sondern eigentlich eine Selbstverständlichkeit, angesichts der Tatsache, dass das Klima umkippt und die nächsten Generationen dafür zahlen müssen. Ich frage mich ehrlich gesagt, wie lange die Leute noch schlafen, bis sie endlich merken, was für eine
    "Megaschweinerei" abläuft.
    Antwort der Redaktion:
    Über den "Solar Grand Plan" wird derzeit auch auf www.wissenslogs.de diskutiert.
  • Energie-Input-Output Rechnung?

    18.03.2008, Ole Fischer, Pagazzano
    Eine Menge Text und sicherlich eine gute Idee, die theoretisch sogar funktionieren könnte,

    ABER:

    sogar ein grobes Überschlagen der benötigten Energiemenge für

    - das Bauen der Infrastrukturen, die für die Herstellung der benötigten Komponenten erforderlich sind
    - die Förderung, den Transport und die Umwandlung der benötigten Rohmaterialien
    - die Herstellung der benötigten Komponenten
    - den Transport derselben zu den ausgewählten Bauplätzen
    - das Bauen der Anlagen

    wird schnell zeigen, dass die Anlagen für eine lange Zeit arbeiten müssten, um überhaupt "Energie-neutral" zu werden.

    Ganz abgesehen davon, dass all das für die obigen Aspekte benötigte Öl einfach nicht mehr verfügbar ist - als Beispiel sei nur genannt, dass Shell heute bekannt gegeben hat, dass die noch im Jahr 2007 genannten Ölreserven der Firma halbiert werden müssen. Den anderen Ölfirmen geht es nicht besser.

    ...und die erklärten Ölreserven im Mittleren Osten?
    Die hatten sich während der Ölkrise in allen Golfanrainerstaaten über Nacht verdoppelt, als die OPEC sich entschlossen hatte, die Förderquoten für die einzelnen Mitgliederstaaten anhand ihrer erklärten Reserven zu berechnen...

    Eine unabhängige Überprüfung der dortigen erklärten Reserven ist nie genehmigt worden...
  • Erderwärmung und Erdwärme?

    15.03.2008, R. Kuhnke, München
    Vieles läßt sich unter der Annahme einer Hohlwelt erklären, aber wie ist es mit der Strahlung der klitzkeinen Sonne, die an ihrer kleinen Oberfäche 6000 K heiß ist? Das würde wohl mit der Erwärmung der Erdoberfläche nicht so recht klappen. Auch das Gravitationsfeld im Innern einer Hohlkugel macht Probleme. Und wohin wird eigentlich die Wärme abgeführt, die nachweislich unterhalb des Bodens produziert wird? Was ist außerhalb der Kugel?
  • Muttermilch

    14.03.2008, Jörg Dornemann, Mülheim
    Erst wollte ich gar nicht und dann nicht auch mit einer Metapher antworten, da mir bewusst ist, dass unsere Diskussion in ähnlicher Form schon seit sehr vielen Jahren/Jahrhunderten ernsthaft und kontrovers geführt wird. Auch wir könnten diese Debatte, wahrscheinlich ohne je zu einem Konsens zu kommen, über mehrere Jahre weiterführen. Dennoch - oder gerade deshalb - hier meine (mit einem Schmunzeln verfasste) Interpretation Ihrer Metapher: Wenn Sie den übrigen Naturwissenschaften die Kontrolle über den Stoffwechsel des Säuglings überlassen, mögen Sie die Muttermilch für die Mathematik beanspruchen (auch dieser Ansatz hinkt natürlich).
    Jörg Dornemann
  • Klimawandel und gesunder Menschenverstand

    14.03.2008, Norbert Rommerskirchen, Querstraße 1h, 1900 Großröhrsdorf
    Vorweg: Ich bin ein einfacher Mensch und leider kein Meister des geschliffenen Wortes. Dennoch möchte ich an dieser Stelle als Mitglied dieser Weltgemeinschaft auch einmal meine Meinung kund tun, auch wenn diese - auf's ganze bzw. wesentliche bezogen - nun einmal unerheblich und unwichtig ist. Dennoch würde ich mich sehr freuen, wenn Sie meinen Leserbrief veröffentlichen würden, auch wenn dieser den Zorn des einen oder anderen Technokraten oder Zahlenjongleurs hervorrufen sollte. Aber auch Provozieren kann in dem einen oder anderen Fall zum Nachdenken und auch zu neuen Erkenntnissen führen.

    Zu erst einmal ein Lob an Ihre Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft", welche ich schon seit einigen Jahre von Ihnen beziehen darf und auch sehr gerne "studiere". Ich lese Ihre Zeitschrift gerade deshalb, weil ich nicht alles sofort verstehe, aber es bereitet mir eine große Freude, über den einen und anderen Artikel - auch über einen längeren Zeitraum hinweg - nachzudenken. Dies dient u.a. auch dazu, mein Gehirn zu schulen, damit ich nicht einroste und auch weiterhin "open minded" und somit empfänglich für neue Aspekte bleibe.

    Doch nun zu meinem eigentlichen Anliegen:

    Immer wieder erscheinen in Ihren Ausgaben verschiedene interessante Artikel zum Thema "Klimawandel". Darin werden häufig die anthropogenen Einflüsse auf das Klima diskutiert und häufig auch mit dem Argument relativiert, daß man ja noch Zahlen und Meßergebnisse benötige, um eine "sichere" Aussage über die Tragweite des menschlichen Verhaltens eben auf dieses Erdklima treffen zu können. Dazu nun meine Meinung: Schon seit Jahrzehnten werden Zahlen und Fakten zu diesem Thema zusammengetragen, ausgewertet und - jedenfalls teilweise - auch veröffentlicht.

    Unabhängig von dem Streit zwischen manchen "Wissenschaftlern" bleiben für mich jedoch auch wesentliche Aspekte bei dieser Diskussion unbeachtet: 1) Der gesunde Menschenverstand. 2) Intuition. 3) Lebenserfahrung. Diese genannten Punkte sind ganz erhebliche Eigenschaften, die unser (Über-)Leben auf diesem Planeten überhaupt erst für diese uns gegebenen Zeitspanne ermöglichen.

    Der gesunde Menschenverstand sagt mir, daß es aus den verschiedensten Gründen (u.a. auch durch den Energieerhaltungssatz, Massenerhaltungssatz, die Gesetze der Thermodynamik etc. pp.) für unser Erdklima nicht unerheblich sein kann, wie wir Menschen uns auf diesem Planeten verhalten (unwiederbringlicher Verbrauch der Ressourcen wie z.B. Erdöl, Vernichtung der Wälder, Verschmutzung des Trinkwassers etc). Intuitiv weiß ich, daß dieses Verhalten unabdingbar Konsequenzen auf unseren Lebensraum (Klima, Tier- und Pflanzenwelt, Artenvielfalt, das Gleichgewicht des Ökosystems etc. pp.) haben muß. Denn dies zeigt mir meine Lebenserfahrung, daß Mensch nicht an einem Teil dieser Welt etwas ändern kann, ohne daß dies nicht unabdingbar Konsequenzen für den anderen Teil dieser Welt haben wird.

    Wir können noch weitere Jahrzehnte Zahlen, Meßergebnisse und Fakten sammeln, um das menschliche Ausmaß an der Klimaveränderung zu ergründen. Doch eine Frage darf an dieser Stelle erlaubt sein: Was ist, wenn sich dann - z.B. nach weiteren 30 Jahren - herausstellt, daß es eben doch genau dieses menschliche (Fehl-)Verhalten war, was zu dieser Veränderung geführt hat? Haben wir dann nicht weitere, nie weder gut zu machende, 30 Jahre unwiederbringlich verloren? Vielleicht ist es dann für uns zu spät! Wir dürfen den gesunden Menschenverstand, unsere Intuition und unsere Lebenserfahrung nicht vollständig ausblenden.
  • Packung von Kugeltetraedern

    13.03.2008, Ulrich Seyffert, In der Hohl 1, 57632 Seifen
    Stimmt vielleicht doch! Denn vor mir liegen sie auf dem Tisch: 10 Kugeltetraeder in verschiedenen Farben. Liegen ist nicht der richtige Ausdruck. Angetreten sind sie wie die Zinnsoldaten, Abwechselnd 3 Kugeln nach oben, 1 nach unten, und dann abwechselnd umgekehrt. Nahtlos eng aneinander geschmiegt bilden sie eine bildschöne Keplerpackung.
    Haben Sie grad mal ein paar Kugeltetraeder zur Hand? Packen Sie 1 links, 1 rechts bei einer Kugel, setzen die 2 Dreiecke aufeinander, und jetzt verdrehen um 1/6, einrasten. Zusammenkleben. Eine schiefe Säule ist entstanden, begrenzt von 6 Rauten aus je 2 Dreiecken. Machen Sie sich mehrere davon. Aneinander, übereinander , nebeneinander ... bilden sie die Keplerpackung.
    Antwort der Redaktion:
    Stimmt alles – beweist aber nicht die Keplervermutung. Wieso nicht?

    Das Kugeltetraeder ist die platzsparendste Anordnung der vier Kugeln, die es enthält; stimmt. Die platzsparendste Methode, Kugeltetraeder aneinanderzuklatschen, ist die von Ihnen beschriebene, die die Keplerpackung erzeugt – stimmt auch, obgleich ich nicht sicher bin, dass der Beweis so einfach ist. Aber selbst daraus folgt noch nicht die Keplervermutung! Es ist mit dieser Argumentation noch nicht ausgeschlossen, dass es sparsame Kugelpackungen gibt, die nicht in lauter getrennte Kugeltetraeder zerlegbar sind. Natürlich gibt's die nicht, das hat Hales ja gerade bewiesen, also kann ich auch nicht mit einem Gegenbeispiel aufwarten. Aber der Beweis von Hales ist eben durch Ihre Argumentation nicht entbehrlich geworden.

    Christoph Pöppe
  • Nur eine Hilfswissenschaft

    13.03.2008, Jörg Dornemann, 45472 Mülheim
    Die Naturwissenschaften – selbst die Mathematik – leben zumindest in ihren Grundformen von Beobachtung, Idee und Interpretation. Für viele Naturwissenschaften ist die Mathematik (nur) eine Hilfswissenschaft, oder aber wo sind die mathematischen Formulierungen der Resultate z. B. der Taxonomen oder der Vulkanologen? Die Naturwissenschaften leben also mit der Mathematik, aber nicht von ihr. Oder sind Chemie, Biologie und Geowissenschaften (jeweils im weitesten Sinne) in den Augen der Mathematiker gar keine Naturwissenschaften? Das wäre ganz schön überheblich, oder?
    Antwort der Redaktion:
    Legen wir – auch wenn man darüber streiten könnte – Ihre Einteilung der Wissenschaften in Beobachtung, Idee und Interpretation zu Grunde, dann wäre die Rolle der Mathematik vornehmlich, wenn auch nicht ausschließlich, in der Interpretation zu finden. Und da bin ich in der Tat davon überzeugt, dass die Naturwissenschaften – vielleicht nicht in ihren Urformen, aber sicher in ihrer gegenwärtigen Ausprägung – von der mathematischen Modellierung leben wie der Säugling von der Muttermilch. (Ja, es gibt künstliche Surrogate, aber die taugen nicht viel …) Das gilt auch für die Taxonomie, die für ihre Stammbaumanalyse massiv auf Mathematik zurückgreifen muss, und für die Vulkanologie, die zunehmend mathematische Mittel zur Einschätzung und Vorhersage der Verhältnisse unter dem Erdboden in Anspruch nimmt.

    Christoph Pöppe
  • Warnung vor Missbrauch der Wissenschaft

    13.03.2008, Dr.-Ing. Adalbert Rabich, Dülmen
    Der Rezensent spricht von Vermischung von Wissenschaft und Politik und davon, dass Laien sich nach dem Inhalt schwerlich eine Meinung zum Thema bilden können.
    Leider ist es heute häufig so, dass die Wissenschaft als Magd der Politik missbraucht wird, obwohl für den Maßstab der in der höheren Rechtsprechung übliche "Stand der Wissenschaft" benutzt werden sollte, d. h. der objektive, verfügbare Erkenntnis- und Wissensstand mit höchstem Niveau. Und dabei kann es nicht sein, dass einzelne "Wissenschaftler" oder Gruppen von Wissenschaftlern bestimmen, was der Stand ist. Der Gummi-Begriff der herrschenden Meinung kann gerade im Klimabereich verführen, die entgegenstehenden Kritiker einfach zu negieren oder sie abzuqualifizieren. Das Umweltbundesamt gesteht in seinem Report zum Klimaschutz, dass die Endfassungen der Meinungsbildung auf dem Mammut-Kongress IPCC nur über einen Kompromiss zustande kommen und dass einige Teilnehmer sich dort nicht wiederfinden. Für einen mit Schlussfassungen von Kommissionen Vertrauten ist das nichts Neues. Das Institut für Qualitätssicherung in Stoffsystemen, TU Freiberg kann keine kritische Haltung der Metereologen und Klimaforscher zur Frage der Verlässlichkeit der den Modellen zugrunde gelegten Daten feststellen, und warum? Entspricht die Probenahme dem neuesten Stand der Technik?

    Das Umweltministerium hat einen Beirat, der als sachverständig operiert, aber dem es offensichtlich in der Zusammensetzung an Ausgewogenheit und Objektivität fehlt. Hier sollte man sich streng an die Regeln für eine Normenherstellung halten, d. h., auch "Abweichler" sollten beim Zustandekommen mitwirken. Das Risiko einer Verschiebung der Dringlichkeiten in den politischen Aufgaben durch ein Betonen parteipolitischer Zielsetzungen wird dem Zustand unserer Welt und den tatsächlichen globalen Prozessen nicht gerecht, wenn die naturwissenschaftlich basierten Erkenntnisse nicht fundamentiert sind.
    Dem Spektrum der Wissenschaft sollte Lob gezollt werden, weil es das Vermengen von geistigen Ideen und realen Fakten zur Sprache bringt und zu wissenschaftlichen Diskussionen anregt. Das lässt hoffen.
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