Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Ergebnisse einbringen

    07.09.2006, Prof. Hans Peter Peters, Jülich, Prof. Harald Heinrichs, Lüneburg
    Daniel Sarewitz hat in mehreren Punkten Recht: Wissenschaft kann politische Konflikte nicht entscheiden, Forschungsergebnisse lassen verschiedene Deutungen zu, Werte und Interessen spielen in der Forschung eine Rolle. Richtig ist auch, dass Wissenschaft Politik nicht ersetzen kann und nicht zum Konfliktschlichter taugt.
    Falsch ist jedoch die Schlussfolgerung, die Sarewitz daraus zieht, indem er Wissenschaftler zur politischen Abstinenz auffordert. Was wir brauchen, ist gute Politik, gute Wissenschaft und die richtigen Formen, um beides zu konsensfähigen Problemlösungen zu bündeln.
    Wie unsere Studie zur Beteiligung von Wissenschaftlern an der Klimadiskussion zeigt, sind viele Forscher bereit, sich in öffentliche politische Debatten einzumischen. Sie tun dies oft mit Bauchschmerzen, manchmal ungeschickt, gelegentlich aus egoistischen Gründen. Aber viele tun es auch in der Überzeugung, dass sie zwar keine fertige politische Lösung präsentieren, aber einen wichtigen Beitrag dazu leisten können.
    Wir finden es richtig, dass Wissenschaftler ihre Ergebnisse selbst in die politische Diskussion einbringen, statt dies Dritten zu überlassen und selbst vornehme Zurückhaltung zu üben.
  • Streng sachlich statt effekthascherisch

    07.09.2006, Dr. Richard Schmuck, Wuppertal
    Seit mehr als 30 Jahren werden Wirkungen von Stoffgemischen wissenschaftlich eingehend untersucht. Dabei wurden für einige Kombinationen auch synergistische oder potenzierende Wirkungen beobachtet, welche allerdings mechanistisch erklärbar sind und damit einem fachgerechten Risikomanagement unterworfen werden können.
    Beide Sachverhalte lässt David Biello unberücksichtigt. Hingegen werden die effekthascherischen Analogien von Ty-rone Hayes zwischen Kaulquappen in Gewässertümpeln und Föten in der Gebärmutter zitiert, die eine themengerechte Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Erkenntnisstand erschweren. In einer Gesellschaft, die technische Entwicklungen zunehmend nur nach dem Risikopotenzial bewertet, erfordern komplexe Sachverhalte mit ihrem hohen Verunsicherungspotenzial gerade von wissenschaftlich ausgerichteten Zeitschriften eine streng sachliche Themendarstellung.
  • Reduktionismus pur

    06.09.2006, Ullhen
    Wer die Art des Suchens nach einem Gegenstand (eine Fähigkeit, die vom Einzeller bis zum Menschen nachweisbar ist) gleichsetzt mit Bewusstsein, zeigt nicht nur Unkenntnis über dessen formale und kategoriale Qualitäten in neurophysiologischer und philosophischer Hinsicht. Er oder sie dokumentiert damit einen erkenntnisfeindlichen und leider nur reduktionistischen Ansatz mit stolzer naturalistischer Überheblichkeit.
    Schade um die Wissenschaft!
  • Erneuter Einsatz von DDT nicht zu verantworten

    02.09.2006, Prof. Dipl.-Intg. Dieter Wenzel, Braunschweig
    Im Falle der Malaria war bereits in den 60er Jahren (als ich sechs Jahre lang für die WHO in Zentralafrika tätig war)gesicherte Erkenntnis, dass der massive Einsatz von DDT (und anderen Insektiziden) nicht der richtige Weg zur Bekämpfung ist. An den damaligen diesbezüglichen Erfahrungen und Erkenntnissen hat sich seitdem nichts geändert. Und das kommt im Artikel viel zu kurz:
    1. Das Buch "Der stumme Frühling" hat nichts von seiner Richtigkeit eingebüßt. Der extensive Einsatz von nicht selektiven Insektiziden tötet eben nicht nur Moskitos, sondern viele andere, auch unschädliche Insekten und damit weitere Tiere, die in der Nahrungskette folgen. Dieser Effekt wird lediglich gemildert, wenn statt großflächiger Anwendung in der Landwirtschaft "nur" Moskitonetze und Innenflächen von Häusern und Hütten behandelt werden.
    2. DDT lagert sich im Knochengewebe des Menschen ein und reichert sich dort an mit entsprechenden gesundheitlichen Risiken. Der Hinweis auf die Anwendungsdichte bei Verwendung am Moskitonetz und im Wohnbereich ist - jedenfalls mit Bezug auf den Menschen - irreführend. Als Dosis gerechnet ergibt sich auf Baumwollfeldern: 1100 kg pro 100 ha entspricht 0,5 kg pro 500 qm. 0,5 kg auf die Hütteninnenwände (1... 2mal pro Jahr) entspricht etwa 0,5 kg pro 50 qm, das ist die zehnfache Dosis, der die Bewohner tagein tagaus ausgesetzt sind (denn sie verbringen ja nicht ihre Nächste auf den Baumwollfeldern).
    3. Die Entwicklung von Resistenz gegen DDT bei den Anopheles-Mücken war bereits (spätestens) 1967 als ernstes Problem bekannt. Deswegen auch die Forderung der WHO, die biologischen und genetischen Möglichkeiten der Anopheles-Bekämpfung weiter zu erforschen (nicht durch Gen-Manipulation mit ihren unbekannten Folgen!) und ganz wesentlich die Maßnahmen zur Beseitigung der Anopheles-Brutstätten, auch als Inhalt der gesundheitlichen Erziehung der Bevölkerung, voranzutreiben.
    Natürlich erfordern biologische und genetische Forschung und gesundheitliche Erziehung einen langen Atem und tragfähige Infrastrukturen. Aber ohne diese Anstrengungen ist der erneute Einsatz von DDT, und sei es in kleinerem Maßstab, nicht zu verantworten. Oder sollte etwa das eigentliche Ziel der Propagierung das beträchtliche Profitpotenzial bei der industriellen Produktion von DDT sein? Zwei Hinweise verstärken bei mir diesen Eindruck: "Präsident Bush hat 1,2 Milliarden US-Dollar dafür vorgesehen, um die Seuche in den nächsten fünf Jahren in Afrika zu bekämpfen" und der Literaturhinweis "What the world needs now is DDT".
    Ich kann nur hoffen, dass die erwähnte Roll-back-Malaria-Initiative etwas Sinnvolleres beinhaltet als ein Zurückrollen in die Fehler der 50er und 60er Jahre.
  • Nur noch acht Planeten? Wie uncool!

    28.08.2006, Dr. Wolf Müllenberg
    Ach, wie schön haben die Badenser von den Schwaben gelernt: Jetzt ist eine Entscheidung gefallen, die unwichtig genug ist, dass man sich breitgefächert darüber aufregen kann. "Wir sind dafür, dass wir dagegen sind!"
    Mit Grüßen
  • Na klar! Können Flüsse rückwärts fließen?

    28.08.2006, Dr. Wolf Müllenberg
    Sehr geehrte Herren Wissenschaftler,

    schon seit Jahren lese ich Ihre Artikel und die des Herrn Lingenhöhl. Ich finde es super geil, cool und wahnsinnig irre, dass Sie in Heidelberg so kosmopolitisch denken. Nur rund 600 Kilometer von Ihnen entfernt können Sie dieses Phänomen des bergauffließenden Flusses sogar zweimal am Tag erleben: Bei Flut fließt unsere alte Dame Elbe bis hinein in die Vierlanden, ca. 150 Kilometer von der Mündung entfernt, bergauf! Und wie am Amazonas: Nicht nur die Eingeborenen, auch die Zugereisten (wie ich) benutzen beim Segeln oder Motorbootfahen dieses Phänomen, um schneller weiter zu kommen und Energie zu sparen. Ganz schön plietsch, die Deutschen, was?
    Mit Grüßen
  • Kulturelles Gedächtnis bei Schimpansen viel vergesslicher?

    23.08.2006, Gerhard Pahl
    Diese These halte ich für falsch.
    Man denke an unser lückenhaftes Wissen über menschliche Hochkulturen des Altertums, an verlorene Erfahrungen, die Nutzung von Heilpflanzen bei Naturvölkern oder entsprechende mittelalterliche europäische Kenntnisse betreffend. Und ein Werkzeug wie etwa ein Rechenschieber wird in absehbarer Zeit von keinem Zeitgenossen mehr hergestellt oder bedient werden können.
  • Wegwerfprodukt

    18.08.2006, Sebastian Althapp
    Das neue Transporterkonzept der NASA zum Mond wirft bei mir doch einige Fragen auf. So wird sich der Ablauf der Mission von der vor 50 Jahren nicht sonderlich unterscheiden - außer das das Material und die Crew getrennt in einen Orbit geschossen werden, wird wieder ein Lander, ein Orbiter und eine Rückkehrkapsel Teil der Ausrüstung sein. Zudem ist die Rückkehrkapsel wiederverwendbar. Auf dem Weg zurück, wird der Lander-Kopf (der Fuß steht auf dem Mond) und der Orbiter verglühen.

    Warum lässt man den Orbiter und Lander-Kopf nicht einfach als unbemannten Satellit bis zur nächsten Mission um den Mond kreisen? Man müsste doch bloß die Kapsel mit Treibstoff und neuem Lander-Fuß ausstatten, und man könnte wieder starten. Wäre das nicht viel billiger und schneller?
  • Definition Sommerloch?

    17.08.2006, H. Schiller / Hannover
    ich möchte auf die Antwort der Redaktion erwidern:

    1) Eine "besondere Form der Berichterstattung" (außer seiner Platzierung in der "Sommerloch-heute"-Rubrik) kann ich bei dem Wrestling-Artikel nicht erkennen. Der Artikel ist völlig neutral, selbst das "beeinträchtigen kann" ist vermutlich aus der Originalstudie übernommen.

    2) Mit "Sommerloch" assoziiere ich in erster Linie, dass UNWICHTIGES berichtet wird (siehe hierzu auch den Wikipedia-Artikel "Sommerloch"). Anzunehmen, dass Meldungen dieser Rubrik allein durch ihre Rubrizierung automatisch auch als methodisch unsauber/bedenklich gekennzeichnet wären, halte ich für unrealistisch und gefährlich.

    3) Ich würde mir in einer Wissenschaftszeitung etwas mehr "aufklärerischen Eifer" wünschen, gerade in solchen Fällen aufzuzeigen, dass und welche methodischen Fehler vorliegen. Das schließt ja einen humorigen Stil nicht aus.

    4) Ihre Formulierung "wie wenig (sic!) hinter manch anderen 'Ergebnissen' stecken kann" deutet für mich an, dass Sie selbst evtl. nicht scharf genug zwischen nur unWICHTIGEM und unRICHTIGEM trennen.

    Ihr weiterhin eifriger Leser
  • Kleine Konfektionsgrößen machen schlank!

    16.08.2006, H. Schiller / Hannover
    Wieder so ein Fall, in dem in eine festgestellte Korrelation zweier Eigenschaften A, B unberechtigt ein ursächlicher Zusammenhang à la A verursacht B hineininterpretiert wird.

    Ich würde mir wünschen, dass solche "Ergebnisse" schon in ihrer Berichterstattung als unwissenschaftlich hinterfragt werden!
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Schiller,



    die Redaktion ist sich bei der Interpretation des "Ergebnisses" mit Ihnen völlig einig. Genau deshalb hinterfragen wir es ja - durch die besondere Form der Berichterstattung in unserer Rubrik "Sommerloch - Nachrichten, über die wir sonst nicht berichten würden".



    Meldungen mit ähnlich zweifelhaftem Resultat flattern uns allerdings täglich auch im Winter auf den Schreibtisch. Wir sind der Meinung, dass die Mühe der vielen Wissenschaftler, die aussagekräftigere Arbeiten veröffentlichen, auch einmal gewürdigt werden sollte, indem wir im Sommer vergleichsweise klarmachen, wie wenig hinter manch anderen "Ergebnissen" stecken kann.



    Weiterhin gute Information und viel Spaß mit unserem Angebot,

    mit einem Augenzwinkern,



    Ihre spektrumdirekt
    -Redaktion
  • Widersprüchlich

    09.08.2006, Marc Menrad
    Herr Baykal äußert sich in seinem Artikel zwar einerseits betrübt darüber, dass in dem von ihm beschriebenen Fall die Wissenschaft zu einem Gegenstand der Politik gemacht wird, scheut aber andererseits selbst auch nicht davor zurück, sich ähnlicher Mittel zu bedienen - wenn auch in umgekehrter Form:
    Oder wie sollen seine Äußerungen hinsichtlich der Aufnahme der Republik Zypern in die EU - welche er als "verheerenden Fehler" bezeichnet - sonst verstanden werden?
    Ist etwa eine Wissenschaftszeitung das geeignete Medium zur Geißelung des politischen Gegners?

    Hier wäre wohl etwas weniger Scheinheiligkeit angebracht. Die Besetzung Nordzyperns durch die Türkei ist illegal und verstößt gegen das Völkerrecht. Das darf in diesem Zusammenhang nicht außer Acht gelassen werden. Und solange dieser Zustand anhält, sind die Zyprioten gut beraten, gegen alles und jeden vorzugehen, der bewusst oder unbewusst und auf welche Weise auch immer diese Illegalität als gegeben akzeptiert und damit indirekt legitimiert.
  • Doping

    05.08.2006, Kronberg
    Tja, und dann gibt es noch die Möglichkeit, gesundheitlich unbedenkliche Grenzwerte festzulegen und dem Sportler freizustellen, wie er die errreicht, ansonsten kommt die Schutzsperre (siehe Sachenbacher). Das würde eine Menge Fliegen mit einer Klappe schlagen, u. a. auch den Ausgleich des unfairen Vorteils ermöglichen.
  • Vermehrungsfaktor

    04.08.2006, Karl Bednarik
    Hallo an die Redaktion,

    Singles haben einen wesentlich geringeren Vermehrungsfaktor pro Generation, als die Angehörigen von Großfamilien und deren Nachkommen.

    Daher führt ein Mehr an Singles auf lange Sicht zu einer Verringerung der Bevölkerungsdichte und daher zu geringerer Umweltbelastung und zu geringerem Ressourcenverbrauch.

    Da schon jetzt der größte Teil unseres Bruttosozialproduktes von Maschinen, Computern und Robotern erzeugt wird, ist auch das Argument falsch, dass irgend jemand unsere Pensionen erarbeiten muss.

    Mit freundlichen Grüssen,
    Karl Bednarik.

  • Jupiter statt Sonne

    03.08.2006, Stephan Schreyer
    Ha! Ich kann schlaumeiern: Braune Zwerge haben bis ca. 75 JUPITER-Massen. Bin ich jetzt im Fernsehen ... ?
    Antwort der Redaktion:
    Auf jeden Fall im Internet ;-). Und sorry für den Fehler ...



    Mit freundlichem Gruß,

    Jan Osterkamp
  • Falsche Zahlen

    03.08.2006, Gruber Gerhard
    Ich bin wohl von der Ausbildung Geisteswissenschafter (Theologe) aber müsste es nicht heißen bei den Massen der braunen Zwerge: 0,13 bis 0,75 Sonnenmassen (bin fleißiger Spektrumleser ;) )
    mfg
    Gerhard Gruber
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Gruber,



    Hut ab vor Ihnen, allen Geisteswissenschaftlern, Theologen und den vielen weiteren aufmerksamen Lesern. Tatsächlich hätte es statt "Sonnenmassen" besser gleich "Jupitermassen" heißen müssen. Das habe ich nun nachträglich erledigt.



    Apropos: Die Grenze zwischen Braunem Zwerg und "echtem" Stern wird meist als 0,075 (!) Sonnenmassen angegeben. Der Umrechnungsfaktor in "Jupiters" stimmt dann: Unsere größter Planet des Sonnensystems bringt knapp ein Tausendstel Sonnenmassen auf die Waage.



    Weiterhin viel Spaß beim Spektrumlesen und Entschuldigung für meine Flüchtigkeit,



    mit herzlichem Gruß,

    Jan Osterkamp
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