Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Voreilige Schlußfolgerungen

    06.11.2006, Matthias Paul Scholz
    "Was viele Fußballfans schon immer ahnten, wird nun von einer britischen Studie bestätigt: Schiedsrichter tendieren dazu, in kritischen Situationen eher die Heimmannschaft zu begünstigen - vor allem, wenn es sich dabei um Favoriten handelt."

    Diese Interpretation des Faktums, dass "die grauen Mäuse eher Strafen hinnehmen [mussten] als die Edelkicker", erscheint mir dann doch etwas voreilig: Wie jedem Fußballgeneigten bekannt sein sollte, greifen fußballerisch weniger versierte Spieler (die eben gehäufter in den so genannten "Durchschnittsmannschaften" auftreten als im Kreise der "Edelkickern") öfters zu unfairen Mitteln als ihre hochklassigen Kollegen.

    Die Vermutung liegt hier nahe, dass sich die höhere Kartenzahl der "grauen Mäuse" eher in dieser Tatsache spiegelt denn in einer in einer angeblichen Parteilichkeit der Schiedsrichter für die Spitzenmannschaften.

    Interessant wäre wohl auch, erst einmal zu klären, ob Auswärtsmannschaften generell mehr Fouls begehen als Heimmannschaften (bekanntermaßen gilt die Verhinderung einer Niederlage eher als Aufgabe des Aufwärtsteams) und mithin ganz kanonisch zu einer höheren Kartenzahl gelangen - ganz ohne Bevorzugung durch den Schiedsrichter.
  • Die Grenzen nicht verwischen

    05.11.2006, Stefan Taube
    Glauben ist Privatsache, hier sollte Ulrich Kutschera gelassen bleiben. Letztlich sind nur die wenigsten Deutschen als Biologen tätig und daher dürfte ihr Verständnis oder Unverständnis von Evolutionsbiologie nur einen geringen Einfluss auf ihr tägliches Handeln haben - ähnlich wie die Kenntnis oder Unkenntnis der Relativitätstheorie. Etwas ganz anderes ist es, wenn von Biologie-Lehrern erwartet wird, den Schöpfungsmythos in ihrem Unterricht zu behandeln, denn dann handelt es sich schlichtweg nicht mehr um das Fach Biologie (siehe auch: 'Es hat keinen Sinn, die Grenzen zu verwischen' Spektrum der Wissenschaft (11 / 1999)).
    Wenn der Reli-Lehrer etwas anderes erzählt als der Bio-Lehrer, ist das eine Spannung, die durchaus wünschenswert ist, denn schließlich soll die Schule auf das Leben vorbereiten, das nur selten einfache Antworten parat hält.
  • Rechenstunde

    02.11.2006, Ernst Schäfer
    Im Artikel "Rechenstunde" vom 1. 11. 06 fiel mir folgender Satz auf:

    "Am lukrativsten zu Buche schlug der potenzielle Kohlenstoffspeicher, weshalb die Forscher die schon andernorts geäußerte Forderung unterstreichen, auch die Vermeidung von Abholzung sollte als Klimaschutzmaßnahme global angerechnet werden können."

    Es geht wohl nicht um den Kohlenstoffspeicher, sondern den Kohlenstoffdioxidspeicher.
    Aber - ist der Urwald wirklich eine Kohlenstoffdioxidspeicher? Der Urwald ist, wie der Name sagt, ein urtümlicher Wald, der schon seit hunderttausenden Jahren existiert, somit ein Ökosystem im Klimaxstadium ist. In einem solchen Klimaxstadium existieren Stoffkreisläufe im Gleichgewicht, d. h. es wird so viel Kohlendioxid durch Produzenten gebunden, wie in demselben Ökosystem durch Konsumenten erzeugt wird. Würde der Urwald mehr Kohlenstoffdioxid binden als erzeugen, würde dies eine Zunahme der Biomasse in diesem Ökosystem zur Folge haben. Dies steht aber im Widerspruch zur Tatsache, dass der Urwald ein Ökosystem im Klimaxstadium ist.

    Dass die großen Ökosysteme unserer Erde - wie Urwald oder Ozeane - tatsächlich aufgrund der gestiegenen CO2 Konzentration der Atmosphäre vermehrt CO2 binden können und damit an Biomasse zunehmen werden, ist eher anzuzweifeln.

    Somit ist obiges Zitat folgendermaßen richtig zu stellen:
    Die Abholzung des Urwaldes führt zwar zur Erhöhung des CO2 Gehaltes der Atmosphäre, der bestehende Urwald kann aber höchstwahrscheinlich nicht das anderorts aus fossilen Brennstoffen vermehrt erzeugte CO2 binden!

    Die Konsequenzen:
    Urwald bestehen lassen und(!) die Verbrennung fossiler Energiestoffe einschränken!
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Schäfer,



    Sie haben natürlich ganz Recht damit, dass es sich um die "Speicherung" von Kohlendioxid handelt, der Ausdruck "Kohlenstoffspeicher" ist aber durchaus üblich, da dies ja in Form von Kohlenstoff in Biomasse stattfindet. Und wie wir schon häufiger bei spektrumdirekt berichtet haben, ist die Hoffnung, Wälder könnten als derartige Speicher zumindest vorübergehend steigenden Kohlendioxid-Konzentrationen entgegen wirken, längst stark geschmälert.



    Es geht den Autoren aber auch nicht darum, dass die Wälder vermehrt Kohlendioxid "binden" sollen, also an Biomasse zulegen, sondern tatsächlich um die Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen, wie sie durch Abholzung entstehen würden. Deshalb fordern sie, dass Maßnahmen, durch die (zuvor geplante) Abholzungen vermieden werden, ebenfalls als klimawirksame Maßnahmen im Sinne des Kyoto-Protokolls anzurechnen seien - wie Aufforstung (deren Sinn ja durchaus umstritten ist).



    Mit besten Grüßen,



    Antje Findeklee, Redaktion spektrumdirekt
  • Klimawandel

    01.11.2006, Ekkard Brewig
    Überspitzt ausgedrückt: Die Spezies Mensch verhält sich (aus welchen Gründen auch immer) so, wie Hefepilze in einer Nährlösung. Erst wenn diese verbraucht ist, stirbt die Kultur. Bleibt die Frage, ob der Niedergang nicht bereits eingeläutet wurde. Die Rettung könnte dann ziemlich automatisch dadurch erfolgen, dass sich 9/11-tel der Menschheit gegenseitig vernichtet.
  • Wissenschaft!?

    31.10.2006, Michael Pechmann
    Ist das der Stil eines Wissenschaftlers, der die Evolution des Lebens über die 3,7 Milliarden Jahre* im Blick hat? (*Sarah Simpson, URSPRUNG DES LEBENS, SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT APRIL 2004)
    Mir klingt so etwas eher nach „Glaubenseiferer“. Wo bleibt hier die Gelassenheit des Wissenschaftlers? Wenn die Evolution sich so abgespielt hat, wie sie die Evolutionsbiologie seit 1942 lehrt, brauchen wir keinen „Glaubenskrieg“ entfachen, die Wahrheit bestätigt sich selbst. Der Frau Kultusministerin kann man ruhig Beifall zollen, würde sie sich mit ihrer Forderung durchsetzen, wäre ein Feld eröffnet wo schon die Kinder sich mit dem Wesen des Mythos und dem Wesen der Wissenschaft auseinander setzen könnten. Dann würden vielleicht auch künftige Evolutionsbiologen wissen, dass die Evolution des Christentums nicht erst 2000 Jahre alt ist, und der Mythos einer personellen Schöpfergestalt 10 bis 12000 Jahre alt ist. Da kann man doch Verständnis dafür erwarten, dass eine erst 62 jährige Lehrmeinung nicht gleich überall das alt-hergekommene ersetzen kann.

  • Ein Kinderrecht: Tabakrauchfreie Atemluft

    31.10.2006, Birgit Kübler
    Alle Kinder haben ein Recht auf Fürsorge und Schutz seitens der Eltern, der Gesellschaft und des Staates. Das geht aus Artikel 6, Absatz 2 und Artikel 20 a des Grundgesetzes hervor, ganz zu schweigen von Artikel 1, 2 und 3. Das Strafgesetzbuch § 223 ff und § 225 sollten ebenso die Kinder vor Zwangsberauchung schützen. Kinder sind kein Eigentum, sondern ein Darlehen, womit man verantwortungsbewußt umgehen muss. Die Eltern und alle Verantwortliche haben eine Fürsorgepflicht, aber kein Schädigungsrecht. Politiker, die geschworen haben, Schaden vom Volke abzuwenden, und trotzdem mit der Tabakindustrie über Leichen gehen, deren Ministereid ist nichts als ein Meineid. Genauso wie Verwahrlosung (falsche Kleidung, kein Essen und keine Getränke, keine Schule usw.) von Kindern nicht toleriert werden kann, kann auch nicht toleriert werden, dass Heranwachsenden erheblichen Schaden zugefügt wird, auch die Eltern haben kein Schädigungsrecht. Es ist ein Armutszeugnis, dass man überhaupt über so etwas Selbstverständliches diskutieren muß. Bereits vor zwölf Jahren habe ich über die Gefährlichkeit des Passivrauchens bei Kindern im KURSBUCH KINDER gelesen. Bei anderen Gefahren wird sofort gehandelt, aber wenn es ums Rauchen geht, wird geschwiegen. Wenn man Ihre Artikel gelesen hat, weiß man warum. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir uns um das Wohlergehen unserer Kinder kümmern und den tabakindustriefreundlichen Politikern die rote Karte zeigen. Vielen Dank für Ihren hervorragenden Artikel und auch vielen Dank an Herrn Peter Thelen, der auch alles auf den Punkt gebracht hat.

    Birgit Kübler
  • Eine Masse Energie

    28.10.2006, Horst Wetzel
    Sehr geehrter Herr Samulat,

    mit einem wippenden Rucksack kann mann keine Energie erzeugen oder gewinnen! "Energieerzeugen" wird umgangssprachlich oft verwendet, wenn an Stromerzeugung(Elektroenergie) gedacht wird. Aber die ofte Wiederholung dieses Ausdrucks, führt dazu, dass viele vergessen, was sie in der Schule von der Energieerhaltung gelernt haben.
    Ob der Mensch nun in eine Pedale tritt oder einen Rucksack wippen läßt, um Strom zu erzeugen - ganz egal - erst müssen seine Muskeln chemische Energie aus der Nahrung in mechanisch umwandeln. Das ist auch nicht leichter, wenn der Rucksack wippt!
    Energieerzeugung nach E=m*c^2 kann technisch nur im Kernreaktor genutzt werden.
  • Gefühle beherrschen die Justiz?

    28.10.2006, Dr. Ekkard Brewig
    Wut und andere Gefühle sind schlechte Ratgeber für Gerichte - egal wo! Vor Gericht geht es um Motiv und Beweis, und nach dem Bericht entsteht der Eindruck, dies sei nicht der Fall. Das Motiv, Libyen destabilisieren zu wollen, ist absurd und typisch für die pathogene Furcht vor Verschwörungen.
    Beweise sind in erster Linie Fakten. Erst wenn diese nicht vorliegen, müssen Zeugenaussagen her. Was aber ist von einer Justiz zu halten, bei der Aussagen von Zeugen mit offensichtlichem Interessenskonflikt mehr wiegen, als wissenschaftliche Fakten? Wenn Menschen in derart unklarer Situation von staatlicher Seite ermordet werden, dann werden wir wissen, was von diesem Land und seiner Justiz zu halten ist.
  • Gesetzestreue Moral?

    26.10.2006, Dominique Boursillon
    Sehr geehrte Damen und Herren!

    Mehrwertsteuerzahlungen als moralisches Handeln zu bezeichnen ist ja schon beinahe unmoralisch ... Man darf nicht gleich alles in einen Topf werfen: Kriminell ist, wer nach dem geltenden Strafgesetz kriminell handelt. Dies muss mit moralisch verwerflichem Handeln nicht übereinstimmen. Und nicht alles was moralisch verwerflich ist, ist auch kriminell. Wir folgen nur dem Beispiel unserer Vorbilder aus Politik und Wirtschaft. Das hat nicht viel mit Egoismus zu tun, sondern mehr mit Zugehörigkeit. Daran ist doch nichts verwerflich, oder?

    In diesem Sinne verbleibe ich
    mit freundlichen Grüßen
  • Notlügen in der Klimadebatte

    25.10.2006, Reiner Vogels, Swisttal-Odendorf
    Als Notlüge, so Titz, werde es von "Klimaaktivisten" gerechtfertigt, wenn "aktuelle Wetterkapriolen" als Folgen der Erderwärmung dargestellt werden, obwohl dies wissenschaftlich fragwürdig sei. Man muss sich natürlich fragen, ob es noch mehr derartige "Notlügen" in der Klimadebatte gibt.

    Im übrigen sollte man bei der Diskussion über solche Notlügen ihre wirtschaftliche Bedeutung nicht übersehen: Im vergangenen Jahr hat es in der Karibik viele Hurricanes mit zum Teil katastrophalen Folgen (New Orleans) gegeben. Mancher Rückversicherungsgesellschaft hat es die Bilanzen verhagelt. Damals haben in Fernsehnachrichten seriöser Sender wissenschaftliche Meteorologen (nicht bloß "Klimaaktivisten") erklärt, die Häufung der Wirbelstürme sei auf die Klimaänderung zurückzuführen. Besagte Rückversicherungsgesellschaften haben das freudig aufgegriffen und diese wissenschaftlichen "Notlügen" als Steilvorlage für eine deutliche Anhebung der Versicherungsprämien genutzt. In diesem Jahr nun dürfte die Ernte eingefahren werden. Wie es aussieht, werden die Rückversicherungen Gewinne in mehrstelliger Millionenhöhe einfahren können.
  • Schaade

    25.10.2006, Michael Pechmann
    Schaaade der Link "Stammesgeschichte der Pferde" funktioniert nicht. Es ist doch sehr interessant wie dieses Ergebnis in das Entwicklungsbild passt.
    Antwort der Redaktion:
    Guten Tag Herr Pechmann,



    da ist uns tatsächlich ein veralteter Link durchgegangen - wir haben ihn durch einen aktuellen ersetzt. Entschuldigen Sie den Lapsus,



    mit freundlichen Grüßen,



    die Redaktion
  • Amüsant

    24.10.2006, Björn Brezger, Konstanz
    Amüsant, dass gerade ein Artikel über Programmieren mit einem logischen Fehler endet: statt "Unter den Aachener Preisträgern war nur eine(r) weiblich" sollte es wohl doch eher heißen "Unter den Aachener Preisträger(inne)n war nur eine weiblich".
  • Wirklich richtig entschieden?

    18.10.2006, Axel Kilian
    Im August erwähnte das Editorial, dass der Beitrag von Thomas Bruss »Die Kunst der richtigen Entscheidung« von der »European Mathematical Society« ausgezeichet wurde. Dies war Anlass für mich, den Artikel vom Juni 2005 noch einmal in die Hand zu nehmen.

    Folgt man dem Autor, so wäre es gemäß der auf S. 80 aufgeführten Formel "optimal, bei der ersten Sechs ab dem fünftletzten Wurf zu stoppen". Damit sei die Wahrscheinlichkeit, dass danach keine weitere Sechs kommt, minimiert.

    Nun mein Einwand: kommt im fünftletzten Wurf eine Sechs und ich stoppe, so ist doch die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer der vier nächsten Würfe noch eine Sechs wird, 1-(5/6)^4=0.5177. In dieser Situation ist also meine Entscheidung sicher suboptimal. Oder habe ich etwas nicht verstanden?
    Antwort der Redaktion:
    Thomas Bruss behauptet zwar, dass es optimal ist, bei der ersten Sechs nach dem fünftletzten Wurf zu stoppen. Aber damit minimiert er nicht die Wahrscheinlichkeit, dass danach keine weitere Sechs kommt, sondern die Wahrscheinlichkeit zu verlieren; und das ist etwas anderes.



    Nehmen wir an, im fünftletzten Wurf kommt eine Sechs, und wir stoppen nicht. Dann verlieren wir, wenn keine Sechs mehr kommt; wir verlieren aber auch, wenn noch mehr als eine Sechs kommt (weil wir dann nämlich bei der ersten Sechs stoppen, und das war immer noch nicht die letzte). Das Einbeziehen dieser Möglichkeit hebt die Wahrscheinlichkeit zu verlieren, wahrscheinlich sogar über 50 Prozent. (Ich gebe zu, es war mir zu mühsam, das nachzurechnen.)



    Auch das ist nicht das Entscheidende. Es kommt darauf an, dass das Risiko zu verlieren bei der Strategie "ab dem fünftletzten Wurf stoppen" geringer ist als bei der Strategie "ab dem viertletzten Wurf stoppen". Das kann man wahrscheinlich auch mit herkömmlichen Methoden durchrechnen – aber eben mühsam und wenig erhellend. Deswegen der Odds-Algorithmus …



    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Ruhe in Frieden!

    18.10.2006, Florian Modler, Sarstedt
    Ich habe die Artikel von Herrn Genz immer sehr gerne gelesen und geschätzt. Die Art seines Schreibens war immer anregend und beeindruckend. Dies werde ich vermissen.
    Ich wünsche seinen Angehörigen und Freunden viel Kraft und Unterstützung in der nun kommenden schweren Zeit der Trauer.
    Und ich wünsche Herrn Genz eine friedvolle Ruhe im Gottesreich.

    Ein sehr trauriger
    Florian Modler
  • Excellenz-Uni

    15.10.2006, Pauker
    Herzlichen Glückwunsch allen Entscheidungsträgern, dass sie sich nicht von einzelnen wichtigtuerischen Politikern haben beeinflussen lassen!