Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • 2 Ebenen

    20.02.2007, Reino Kropfgans, 42119 Wuppertal
    Lieber Herr Professor Voland,
    jeder, der auf der Höhe der Zeit ist, was die wissenschaftliche Erkundung geistiger Schimären wie z. B. die der Ich-Konstruktion betrifft, kann Ihrer Einschätzung nur zustimmen. Innerhalb des Systems alltäglicher Selbstbehauptung ist Fortschritt nur die Möhre, die der Reiter dem Esel vor die Nase hält, um ihm ein Ziel zu suggerieren. Ergo ist die Fortschrittskonstruktion systemimmanent und keinesfalls kompatibel mit dem System des Absoluten, der Metaphysik und des sensorischen Vakuums.
    Aber genau dieser Eindruck entsteht bei der Lektüre, dass nämlich das eine „normale“ Bewusstseinsuniversum der Farben, Dualismen und sozialen Trennlinien gegen diesen anderen kosmisch schweigenden, weltlosen, ja transzendenten Raum abgeglichen oder gar ausgespielt werden soll. Sie sind offenbar überzeugt davon, „dass Menschen aus naturgeschichtlichen Gründen nicht in der Lage sind, ein Ende des evolutionären Wettrüstens zu verabreden“. Diese Gründe würden mich natürlich interessieren, zumal es immer „Aussteiger“ gegeben hat, die zumindest exemplarisch gezeigt haben, dass der gefürchtete Stillstand eine ebenso absurde Konstruktion darstellt wie die des Ichs oder die des Gewinnen-Müssens.
    Viele Philosophen haben sich in den letzten Jahren bekanntlich weg vom „luftleeren Raum“ hin zur Lebenswirklichkeit bewegt und so auch der interdisziplinären Vernetzung Rechnung getragen. Denkt man in dieser Richtung weiter, wird die Betrachtung von Fortschritt, Konkurrenz, Realität oder Glück sehr schnell politisch und es tauchen Begriffe auf wie Ethik, Macht, Gier, Bildung oder Lobbytum.
    Dass Zufriedenheit der Differenz bedarf, wage ich zu bezweifeln, wenn ich nur an die Zen-Mönche und –nonnen denke, denen ich begegnet bin: die sprühten vor Energie und Lebensfreude, weil sie sich dafür entschieden hatten, ihren Geist umzuformen. Sie hatten die Ebene gewechselt.
  • Kein Bock!

    16.02.2007, Dr. Karsten Tauber
    Netter Beitrag, allerdings hat der Redakteur schlampig die biologisch "korrekten" Begrifflichkeiten verwendet: es gibt keine "Hirschkühe" - das weibliche (in diesem Fall Wapiti)-Wild wird bei der Familie der Hirsche als "Tier" bezeichnet. Bsp. im Fall eines mehrjährigen weiblichen Stückes Rotwild handelt es sich um ein "Alttier", wohingegen ein weibliches Kalb entsprechend "Tierkalb" heißt. Das "männliche Pendant" dazu trägt als Vorsilbe "Hirsch-", z. B. "Hirschkalb". Gänzlich falsch ist auch die Bezeichnung "Bock" in Zusammenhang mit den Hirschartigen. Offensichtlich ist der Verfasser des Artikels auch ein "Anhänger der Bambi-Lüge" bzw. dieser zumindest aufgesessen (der Hirsch ist der Mann vom Reh, Hasen und Kaninchen sind ein und dieselbe Tierart, Jäger sind böse Mörder etc.). Eine bessere Recherche würde ich vor Artikelveröffentlichung begrüssen!

    Mit freundlichen Grüssen

    Dr. Karsten Tauber
    Antwort der Redaktion:



    Sehr geehrter Herr Tauber,



    herzlichen Dank für Ihre Hinweise. Hirschkuh und Hirschtier werden allerdings durchaus synonym verwendet - nur bei Jägern ist die Kuh unüblich. Der Bock allerdings ist wirklich falsch und wurde entsprechend verbessert.



    Mit freundlichen Grüßen,



    Antje Findeklee
  • Erhöhtes Blickfeld ausschlaggebend

    15.02.2007, Raimund Leistenschneider, Sindelfingen
    Da irren Frau Wong und die von ihr erwähnten Forscher, dass „ausdauerndes Laufen“ in der Frühzeit des Menschen etwas mit der Jagd oder dem Auffinden von Aas zu tun hatten (S. 37). Ausdauerndes Laufen bedeutete damals nicht das, was es heute bedeutet – Langstreckenlauf, sondern die Fähigkeit, Strecken kontinuierlich auf zwei Beinen zu gehen, ohne zwischenzeitlich (wie bei heutigen Menschenaffen zu beobachten) einen Arm zur Fortbewegung zu Hilfe zu nehmen.

    Dass das Auffinden von Aas („schnelles Erreichen“) in keinem Zusammenhang zum dauerhaften Laufen und einem damit verbundenen Selektionsvorgang steht, wird dadurch verständlich, dass es für das Auffinden von Aas keine schnelleren Lebewesen als Vögel (Geier) gibt. Diese sind von Weitem sichtbar, wenn sie Aas ausgemacht haben. Hominiden hätten diese nur zu beobachten brauchen und dann verjagen müssen (groß genug dazu waren Hominiden), wie dies auch heute noch z.B. Raubtiere tun. Von der Logik ist allerdings davon auszugehen, dass Hominiden Aas eher nicht aufgesucht hatten, da davon ausgegangen werden kann, dass sie wussten, dass Aas (und Geier) Raubtiere anlocken, so wie dies heute noch der Fall ist.

    Warum sich der aufrechte Gang und damit das „ausdauernde Laufen“ entwickelt und selektiert haben, ist klar und bekannt. Der dauerhafte aufrechte Gang hat sich aus dem gleichen Grund entwickelt und selektiert, warum wir auch heute noch einen Ausguck z.B. auf Schiffen so hoch wie möglich machen – je höher die Augen (dauerhaft!) in der Umgebung liegen, desto mehr Fläche über die Zeit kann überblickt werden und je weiter. Dies war für die Hominiden, die die Waldlandschaft verlassen hatten und im Busch-/Grasland lebten, überlebenswichtig.

    Hominiden waren damals bevorzugte Beute von Raubtieren, da sie im Vergleich zu heute lebenden Graslandaffen, wie z.B. Paviane schwach waren und vor allem nicht über ein Gebiss verfügten (wie Paviane), mit dem sie ihre Angreifer hätten ernsthaft verletzen können. Auch gibt es genügend fossile Funde mit Bissverletzungen von Vormenschen. Ihre Überlebenschance bestand schlicht darin, die angreifenden Raubtiere durch dauerhaftes erhöhtes Blickfeld zu einem so frühen Zeitpunkt auszumachen, der es ihnen erlaubte, den nächst gelegenen Baum zum Schutz zu erreichen.

    Damit ist wohl auch die Streitfrage beantwortet, ob Hominiden auch noch auf Bäumen heimisch waren. Sie mussten es sein! Bäume waren ihr einziger Schutz vor Raubtieren und während ihrer Schlafphase (wie dies auch im Artikel erwähnt ist). Hominiden dürften, wie auch z.B. heute lebende Paviane, als Schutz vor Raubtieren in Bäumen geschlafen haben. Dazu bedarf es lediglich ausgeprägter Arme und Hände und keine Kletterbeine oder Greiffüße! Wären Hominiden reine Bodenlebewesen gewesen, hätten sie nicht überlebt. Sie wären aufgefressen worden – sie waren zu groß, um sich hätten im Grasland verstecken (tarnen) zu können, zu langsam, um den schnellen Jägern entkommen zu können und zu schwach (z.B. kein waffenähnliches Gebiss, oder die Kraft eines Gorillas), um sich verteidigen zu können
  • Zweifel

    15.02.2007, Gunter Tannhäuser
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies wirklich Gesetz wird.
    Wenn es richtig ist, dass jedes vierte bis fünfte Kind in Ehen nicht vom Familienvater gezeugt wurde, kann man sich vorstellen, was dann auf die Sozialkassen zu käme: Der Vater würde sich - insbesondere nach einer Scheidung - sicher weigern, für das Kind den Unterhalt zu bestreiten. Der leibliche Vater wäre vermutlich überwiegend nicht greifbar (und wenn doch, wäre evtl. seine derzeitige Ehe gefährdet). Für die Sozialkassen wäre das eine schwere finanzielle Bürde - welcher Politiker könnte das vertreten?
    Schlauer wäre vielleicht, was in der Sowjetunion einmal probiert wurde: Bei jeder Geburt automatisch einen Vaterschaftstest durchzuführen. Nur hätte dies in Kriegszeiten die Geburtenrate unerwünscht gesenkt ...
  • Veränderte Wirkung der Kräfte

    14.02.2007, Gunther Klug, Halstenbek
    "Gefühls"mäßig (zu mehr fehlt mir die Zeit) erwarte ich, dass die selbstregulierende Stabilität des Fahrrads leidet, wenn die Gabel des Vorderrads flacher angebracht wird und wenn die Gabel außerdem nach unten gebogen wird statt der üblichen Krümmung nach vorne bzw. oben.
    Als Ursache vermute ich eine dadurch veränderte Wirkung der Kräfte, die entstehen, wenn der Achse des Vorderrades eine senkrecht zu ihr stehende Drehbewegung aufgezwungen wird (Kreiselwirkung.
  • Fortschritt ist Teil der Evolution

    14.02.2007, Obermair, München
    Betrachtet man das Wort "Fortschritt", ohne es zu bewerten, so bleibt nur das "fort-schreiten" von einem alten in einen neuen Zustand. Ob dieser neue Zustand tatsächlich besser ist, hängt sicherlich von der Sicht jedes Einzelnen ab und wird unterschiedlich bewertet. Das Prinzip des Fortschreitens gehört jedoch zur Evolution, denn absoluter Stillstand ist gleichbedeutend mit dem Tod. Beide Prinzipien - Stillstehen und Fortschreiten - gehören zur Evolution und nur in einem Gleichgewicht zwischen beiden ist Leben möglich.
  • Mit der Aufklärung in die Zukunft

    14.02.2007, Klaus Deistung, Wismar
    Die Geisteswissenschaften hinterlassen auch den Mythos etwas „abgehoben“ zu sein – „das Volk“ versteht sie deshalb nicht so richtig. Wenn man eine Breite will, muss man auch „dem Volk aufs Maul schauen“, also volksnah sein. Und wenn man Herrn Seel folgt, dann soll es wohl auch eine Domäne der „Abgehobenen“ bleiben. Was bringt es aber dann der Gesellschaft? Das ist doch hier die Frage! - Oder, was will man hier erreichen? Im Aufruf zum Jahr der Geisteswissenschaften heißt es: „Symbolisch buchstabieren die Geisteswissenschaften das ABC der Menschheit von A wie Aufklärung bis Z wie Zukunft.“ - und dazu möchte ich meine Zustimmung ausdrücken.
    Unsere Orientierungen – der Aufruf bedeutet doch auch, dass es so wie bisher nicht weitergehen soll. Das lässt sich auf viele Bereiche der Wissenschaft... beziehen. Die Umweltpolitik ist die eine Seite, die Wirtschaft eine andere – aber beide hängen zusammen. Eine „Soziale Beschleunigung“ - denken wir nur an die jüngst veröffentlichte Situation der Kinder... sie stellen auch die künftige Generation von Wissenschaftlern – ist schon anzustreben.
    Die Zeit wird knapper!? Das ist relativ! In der Bibel sind Alter beschrieben (um 900 Jahre), die mit dem Sprichwort „alt wie Metusalem“ in unseren Sprachschatz eingegangen sind. Es handelt sich hier weder um andere Kalender noch haben sich die Schreiber verrechnet. Wenn wir hier in den von der Sprachwissenschaft übersetzten Schriften der Sumerer lesen, werden wir feststellen, dass es hier sogar um viel größere Zahlen geht, die die Menschen veranlassten, den Begriff von Unsterblichkeit zu prägen, dem auch der König Gilgamesch (als zwei-drittel Gott, Prof. Maul) nachgejagt ist.
    Und wenn Prof. Lesch feststellt: „Wir leben bedauerlicherweise nicht mehr im Zeitalter der Aufklärung.“ dann betrifft es auch die Nichtakzeptanz der Fakten aus den Keilschriften. Sie befassen sich auch mit Problemen unseres Sonnensystems – für die wir nach wie vor keine befriedigende Erklärung haben (vgl. a. Prof. Powell). Hier gibt es eine Menge Ansätze sowohl für die Geisteswissenschaften als auch für die Naturwissenschaften!
    Unsere Vergangenheit bietet uns hier einen Evolutionsschub für die Wissenschaft: Jetzt aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen!
  • Verbrauch an Kraftstoff plus Primärenergie

    14.02.2007, Dietrich Reister
    In dem Artikel über die Hybridfahrzeuge (S. 100) wird behauptet, dass diese "durch ihren geringeren Verbrauch ... weniger Kohlendioxid" ausstoßen. Ergänzend wird auf S. 99 eine Tabelle gezeigt, aus der in Spalte 7 genau das Gegenteil hervorgeht, wenn man die CO2-Emissionen der Hybride mit gängigen Modellen der gleichen Fahrzeugklasse vergleicht.

    Würden sich die Autoren die Mühe machen, auch das z. T. erhebliche Mehrgewicht der angeführten Hybride mit gleichwertigen Fahrzeugen zu vergleichen, dann würden sie als Physiker selbst erkennen, warum das so ist und auch in Zukunft bleiben wird. Schließlich schleppen die Hybride zwei komplette Antriebssysteme mit, die somit entsprechend höhere Fahrwiderstände und höheren Energieverbrauch erzeugen. Es kommt schließlich im Sinne der Klimaauswirkung auf die CO2-Gesamtbilanz für den Verbrauch an Kraftstoff plus Primärenergie für die Erzeugung der elektrischen Energie an.
  • Vorratsdatenspeicherung

    13.02.2007, Gilbert R. Röhrbein
    Der Artikel zeigt grob, was mit gespeicherten Verbindungsdaten alles gemacht werden könnte und schon gemacht wird. Dabei wird aber von Laborbedingungen ausgegangen, die so nicht existieren.

    Zuerst einmal, was wird gespeichert? Das in Deutschland in diesem Jahr kommende Äquivalent nennt sich Vorratsdatenspeicherung, was auch in einer EU-Verordnung verlangt wird. Damit wird dann den Ermittlungsbehörden, den Geheimdiensten (und wer weis wem noch) das Wissen geliefert, wer mit wem, wann, wo, wie und wie lange telekommuniziert hat. Das kann über ein Telefon sein, meist jedoch über IP (Internet, und außerdem wird irgendwann das Telefon durch VoIP ersetzt) und wenn das Gesetz ganz restriktiv ausgelegt wird, fallen auch nicht auf IP basierende Netze darunter. Diese Daten sollen mindestens sechs Monate lang gespeichert werden. Heute ist es noch so, dass diese Daten so schnell wie möglich gelöscht werden müssen.

    Nun hat man also die Telekommunikationsdaten von 80 Millionen Bürgern der letzten sechs Monate griffbereit. Wenn man bedenkt, dass Telekommunikation automatisch geschieht, also Computer mit Computern sprechen, und dass wir in eine Zukunft blicken, in der alles nur Erdenkliche vernetzt ist (Haushaltsgeräte, RFID-Lesegeräte, Autos usw.), dann sehen wir, dass wir mit den Daten, die wir gesammelt haben, den Tagesablauf eines jeden Bürgers rekonstruieren könnten.

    Man könnte nun das Cliquengeflecht analysieren und nach gefährlichen Mustern schauen, die auf Planung eines Terroranschlags hindeuten, um einen Terroranschlag zu verhindern. Das jedenfalls wird uns ständig erzählt. Zu diesem Zweck bekommen wir diese Vorratsdatenspeicherung.
    Ich möchte jetzt nicht auf die Gefahren eingehen, die sich aus diesem Datensammelsurium für ganz normale, unschuldige Bürger ergeben. Wie schnell sich eine Demokratie in einen Überwachungsstaat, in ein System von Wenigen mit großer Macht, ändert, sollten wir ja in der Geschichte erfahren haben.

    Hilft uns nun dieses Verfahren im ohnehin schon umstrittenen Kampf gegen Terrorismus? Nein. Und das wird es auch nie können.
    Telekommunikationsverbindungen werden automatisch, d.h. von Computern aufgebaut. Man könnte nun Software laufen lassen, die nach bestimmten Mustern Verbindungen erzeugt und Daten für einen bestimmten Zeitraum sendet. Und das nur um den Verbindungsgraphen zu stören. Es können beliebige Scheinverbindungen im Verbindungsgraphen entstehen. Es gibt Software, die Telekommunikation ermöglicht, ohne dass der Sender je erkannt werden kann. Diese Software ist ursprünglich dafür gedacht in totalitären Systemen mit brutaler Zensur ohne Gefahr Informationen zu veröffentlichen. Und es ist ein Leichtes mit Hilfe dieser Software den Sozial-Netz-Analysten durch die Finger zu gehen. Beispiele wären Freenet oder vielleicht noch TOR.

    Aber man brauch ja nicht mal so technisch zu werden um die Unmöglichkeit eines solchen Verfahrens anzudeuten. Wo ist der Unterschied zwischen dem Telekommunikationsverkehr einer Terrorzelle, die kurz vor der Ausführung eines großen Anschlags steht, zu dem eines Bürgerrechtsvereins, der kurz vor der Ausführung einer wichtigen Demonstration steht? Möglich, dass die Terrorzelle Ruhe bewahrt, weder hektisch noch oft in Verbindung tritt. Möglich, dass der Verein in heller Aufregung ist und die Mitglieder einander in kurzen Abständen anrufen, mal kurz, mal lang mit einander reden. Oder vielleicht auch umgedreht? Welche Gruppe wird denn nun vom Verfassungsschutz eher überwacht? Es läuft darauf hinaus, dass jeder überwacht und jeder verdächtigt wird und das darf in einem Rechtsstaat nicht geschehen.

  • Unklare Definition

    13.02.2007, Gradwohl Werner, Wien
    In dem interessanten Artikel fehlen leider klare Definitonen. Fortschritt wird überwiegend mit Glück, Zufriedenheit (alles psychologische Kategorien) gleichgesetzt. Auch ist Fortschritt kein linearer Prozess, er unterliegt Schwankungen, Rückschlägen und ist zeitlich und lokal immer begrenzt. Ihn deshalb zu illusionieren ist voreilig.

    Evolution ist auch nur bestmögliche Anpassung an Umweltbedingungen. Da sich diese ändern, kann evolutionärer Fortschritt immer nur begrenzt sein.
    Die begrenzte Komplexitätszunahme als Folge der Selbstorganisation ist kein unmittelbarer Fortschritt. Dieser entsteht ja erst aus der Funktion des Komplexes (entweder in evolutionärer Nützlichkeit oder Datenverdichtung). Da eine Informationszunahme nicht zwingend mit (lokaler) Entropieabnahme einhergeht, hängt die Datendichte von der Codierungseffizienz der Funktionen ab. Diese mag zwar genetisch seit Langem konstant sein (da sie ziemlich optimal ist), aber auch der genetische Code musste sich zuerst entwickeln. Und die Individuen selbst haben ihre Anpassungskapazität durch informationsverarbeitende Systeme weiter erhöht, und für diese sogar nützliche Datensätze aufgezeichnet. Solche Meme (die zweifellos auch viel Rückschritt enthalten) sind m. E. ein Teil des Fortschritts. Wie in einigen Leserbriefen bereits erwähnt geht es um weitere Vereinfachungen (Code-Optimierung), und die optimale Ausnützung der maximalen Datendichte.
    Diese nimmt stetig zu, was zweifellos Fortschritt ist, zumal die Sinnhaftigkeit der Daten zusätzlich langsam ansteigt.
  • Wissenschaft statt Sensationslust

    13.02.2007, Dr.Bernhard Reddemann
    Finden Sie nicht auch, dass manche "Erkenntnisse" wie eingerollte Dimensionen, Wurmlöcher, "Viele Welten" auch in Spektrum zu apodiktisch vorgetragen werden? Wäre es nicht besser, solche Artikel mit entsprechenden Einschränkungen zu begleiten?
    Ich fürchte, je unglaublicher, oder besser phantastischer, solche Ideen vorgetragen werden, umso glaubhafter werden mystische und irrationele Entwicklungen wie "Creative Design" etc.
  • Gesundheit und Macht

    11.02.2007, Klaus Deistung, Wismar
    Es gibt ganz wenige Vorsatzfälle im medizinischen Dienst – die im Beitrag geschilderten gehören mit Sicherheit nicht dazu. Selbst in unserem Land werden Menschen krank, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen selbst in Krankenhäusern, es gibt Operationsfehler – aber keinen Vorsatz. Es wurden auch Beispiele dokumentiert, wo durch „falsche“ Blutspender – sie hätten lt. Gesetz nicht spenden dürfen, die Überwachung war nicht optimal – es zu einzelne AIDS-Fällen kam.
    Kein Arzt und keine Schwester wird nach bestem Wissen und Gewissen hunderte Kinder anstecken wollen – weder zu Hause, noch im Ausland. In Entwicklungsländern ist teilweise selbst sauberes Wasser schon ein lösbares Problem.
    In einem Fernsehbeitrag wurde festgestellt, dass die von Libyen geforderte Summe genau der entspricht, die sie selber vor Jahren im Lockerbie-Fall zu zahlen hatte.
  • Insektenfreiheit

    09.02.2007, Lucia Tieni Bern CH
    Ich finde, dass gewisse Menschen keinen Respekt vor Tier und Natur haben, denn warum sollte sonst ein Mensch so etwas mit einem Insekt tun, nur um zu sehen, wie es in extremer Vergrößerung aussieht?
    Das ist schon krank, egoistisch, und tierquälerisch. Warum lassen die Forscher nicht einfach dieTiere in ihrem natürlichen Umfeld leben.
    Wenn wir nicht anfangen, Natur und Tier zu respektieren und zu schützen, werden wir nicht lange überleben.
  • Wortwahl

    09.02.2007, Dr. Peter Jauernig, Wien
    Mit Bestürzung habe ich Ihr Editorial gelesen, in welchem Sie das Wort "Gutmensch" verwendet haben.

    Abseits von inhaltlichen Differenzen sollte es doch in der Wissenschaft möglich sein, zivilisiert zu diskutieren und Standpunkte auszutauschen. Das Wort "Gutmensch" ist eine unschöne Wortkreation und wird hier in Österreich von Rechtsradikalen und Rechtspopulisten verwendet, wenn sie nicht sogar von ihnen geprägt wurde.

    Ich hoffe sehr, dass Sie nicht aus dieser Ecke kommen, - zumal ja Ihre Aussagen sonst vergleichsweise moderat ausfallen -, und die Verwendung dieses Wortes eine Entgleisung war.

    Im Übrigen finde ich, dass die Geschichte von den verendeten Tieren jedweder Objektivität entbehrt und Ausgewogenheit auch nur im Ansatz vermissen lässt.
  • Aufprall ist kein Vergleich

    07.02.2007, Horst Marschall, Bristol (UK); Erich Marschall, Nussloch (D)
    Sehr geehrte Redaktion,

    auf Seite 54 des Februar-Heftes vergleicht Kip Hodges in seinem sehr anschaulichen Artikel über die Entwicklung des Himalaya die noch immer andauernde Kollision der beteiligten Kontinente Indien und Eurasien mit dem langen Bremsweg von Öltankern und Güterzügen. Explizit macht er die Massenträgheit der indischen Platte für das Kollisionsgeschehen verantwortlich. Der Vergleich mit dem Öltanker ist ein häufig verwendeter; vor allem in Vorträgen und Artikeln, die sich an ein allgemeineres Publikum wenden, jedoch auch in Grundvorlesungen der Geologie an mancher Hochschule. Der Vergleich ist jedoch nicht zulässig und physikalisch falsch, wie sich anhand einer einfachen Rechnung zeigen lässt:

    Die kinetische Energie eines Körpers ist Ekin=1/2mv2.
    Der indische Kontinent hat in etwa die Form eines gleichschenkligen, rechtwinkligen Dreiecks mit 3000 km Kantenlänge. Die Mächtigkeit der Lithosphäre beträgt ca. 100 km, wonach sich das Volumen zu etwa 4,5.1017 m3 berechnet.
    Die Multiplikation mit der ungefähren Dichte von Gesteinen der Lithosphäre von 3000 kg/m3 ergibt eine Masse von 1,35.1021 kg.
    Die Geschwindigkeit von driftenden Platten beträgt in etwa 10 cm pro Jahr, dass sind 3,2.10-9 m/s.
    Die kinetische Energie beträgt also Ekin=0,5.1,35.1021 kg .(3,2.10-9 m/s)2 = 6800 J oder 6,8 kJ.

    Die kinetische Energie des größten Öltankers "Jahre Viking" beträgt bei voller Ladung (560.000 t) und voller Fahrt (15,8 Knoten = 8,1 m/s) ungefähr 37 Millionen Kilojoule.

    Um den geringen Energiebetrag der indischen Platte zu veranschaulichen, soll er in Bezug zur Hebung des Himalaya gesetzt werden. Die potentielle Energie, die notwendig ist, um ein Stück Granit auf die Höhe des Mt Everest zu heben (8848 m), berechnet sich nach der Formel Epot = m.g.h. Unter Vernachlässigung von Deformation und der Erzeugung von Reibungswärme soll die kinetische Energie vollständig in potentielle Energie umgewandelt werden; es gilt also Ekin=Epot. Die Masse des Gesteins, das auf die Spitze des Everest gelangen kann, ist demnach m=6800/(9,81.8848) kg = 78 g. Dies entspricht einem Granit-Würfel der Kantenlänge 3 cm.

    Offensichtlich ist also der Beitrag der kinetischen Energie der driftenden Platten zur Entstehung von Kollisionsgebirgen praktisch gleich Null. Das Beispiel zeigt in hervorragender Weise, wie sehr uns die Intuition in der Abschätzung physikalischer Prozesse täuschen kann, wenn es um nichtlineare Prozesse geht. Schon die Handhabung der Beziehung "Energie ist proportional zum Quadrat der Geschwindigkeit" übersteigt, wenn wir ehrlich sind, unser Vorstellungsvermögen.

    Nun könnte man darüber hinaus einen Blick auf die Impulserhaltung werfen, da der Impuls linear zur Geschwindigkeit wächst, und in unserem Beispiel für die indische Platte etwa 4,3.1012 Ns beträgt. Das entspricht dem Impuls von ziemlich genau 1000 Öltankern aus dem oberen Beispiel - nicht eben beeindruckend im geologischen Maßstab. Der Stoß der beiden Platten, Asien und Indien, ist ein unelastischer Stoß , d.h. die beiden Körper bewegen sich nach der Umwandlung der kinetischen Energie in Verformungsarbeit, potentielle Energie und Wärme mit einer gemeinsamen Geschwindigkeit als ein Körper weiter. In diesem Fall ist die Relativbewegung beendet, und der Himalaya fällt der Erosion zum Opfer. Wie wir oben gezeigt haben, wird die geringe kinetische Energie der indischen Platte jedoch schon abgebaut, wenn in China der erste Sack Reis umfällt. Damit sollten sich nach den Gesetzen der Trägheit die beiden Kontinente gemeinsam sehr langsam weiter nach Norden bewegen, aber es sollte kein Gebirge entstehen.

    Der Grund für die immense Deformation der Kruste und die Fortbewegung der Platten ist also nicht mit der Trägheit der Masse zu erklären. Vielmehr bewegen sich die Patten aus dem gleichen Grund weiter, aus dem sie sich schon vor der Kollision bewegt haben: der konvektierende Mantel unter ihnen schiebt sie vorwärts und der abtauchende ozeanische Teil der Platten zieht sie vorwärts.