Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Rättisch

    11.01.2005, Rüdiger Biesold
    Zum wiederholten Mal ein Hinweis auf präadaptiv vorhandene Eigenschaften von homo. Wer sich aber mit den differenzierten Lautäußerungen von anderen Primaten, Ratten und noch einigen anderen Tieren beschäftigt hat, kann solche Ergebnisse weniger verwundert zur Kenntnis nehmen. Man muß sich eher wundern, warum solche Erkenntnis so lange Zeit braucht, bis sie wieder einen Stein aus der "Krone der Schöpfung" bricht.
    Man sollte aber in wissenschaftlichen Abhandlungen nicht einen Dialekt des Niederländischen für die Sprache verwenden; vielleicht lassen sich Ratten ja auch auf unterschiedliche Dialekte einer Sprache trainieren, aber das wäre die nächste Untersuchungsrunde.
  • DAS Jahrhundert der Hirnforschung?

    11.01.2005, Ingo-Wolf Kittel
    Davon sollen Neurowissenschaftler und gleich elf im Jahre Vier seines Bestehens und damit 96 - in Worten: sechsundneunzig! - Jahre vor seinem Ende überzeugt sein: Uns erwartet das Jahrhundert der Hirnforschung? Wenn da nicht etwas durcheinander geraten und verwechselt worden ist. Jedenfalls enthält DAS MANIFEST dieser Elfergruppe keine derartige Voraussage, noch hat m. W. irgendein anderer seriöser Wissenschaftler eine solche Voraussage jemals irgendwo abgegeben.

    Prognostische Potenz dieses Kalibers scheint nur Journalisten im Heidelberger Raum auszuzeichnen. Neben dem Referenten weist sie nämlich der Chefredakteur von Gehirn & Geist auf, seinem Studium nach Germanist und Physiker, in dessen Zeitschrift immer wieder zu- wenn nicht überspitze Behauptungen über Bedeutung und Reichweite der Hirnforschung zu finden sind. (...vielleicht aus marktstrategischem Kalkül; wenn man nämlich im Impressum der Zeitschrift den Berichterstatter als Mitglied seiner Redaktion aufgeführt findet, liegt nahe zu vermuten, dass diese Überzeichnungen einer abgesprochenen redaktionellen Linie entsprechen könnten, wenn sie nicht Zeichen subjektiver Begeisterung sind, von der allerdings zu fragen bleibt, wie sie durch Hirnforschung zu erklären ist...)

    Bereits im ersten Erscheinungsjahr von G&G wurde ja schon geunkt, in der - wenn man nicht gleich bis zu den Ägyptern und vor allem Hippokrates zurückblicken will: an die zweihundert Jahre betriebenen - Hirnforschung, von der man sich vor gut einem Jahrhundert schon einmal die Erklärung aller Fragen und Probleme, damals allerdings nur in der Psychiatrie erhofft hatte, 'bahne' sich wieder eine, dieses Mal jedoch gleich die größte wissenschaftliche Herausforderung, und natürlich des 21. Jahrhundert an. Gerade mal zwei Jahre später topt der Chef dies noch und meint in seiner Anmerkung zu der Ausgabe von spektrumdirekt vom 16. Oktober 2004, nach der vielzitierten 'Dekade des Gehirns' bereits das Jahrhundert der Hirnforschung ausrufen zu können, ja es in seinem ansonsten text- und zeitgleichen G&G-Editorial als solches sogar schon vorstellen zu dürfen. Denn offenbar hat er schier unglaubliche seherische Fähigkeiten und erkennt schon heute, dass sie sich auf ihrer Bahn 'anschickt', die Leitwissenschaft des 20. Jahrhunderts - die Physik - zu beerben und in die Rolle des Zugpferds für kulturelle und gesellschaftliche Umwälzungen zu schlüpfen.

    Mit der letzten Behauptung kolportiert er auf seine Weise Behauptungen eines ausgesprochen forschen 'Neurophilosophen'. Dieser hatte vor zwei Jahren in einem als Streitgespräch hingestellten gemeinsamen G&G-Interview mit einem wirklichen Hirnforscher, der ihm allerdings seltsamerweise nirgendwo widersprach, sondern im Gegenteil einträchtig unterstützte, unter dem martialischen Titel Frontalangriff auf unsere Menschenwürde(?!) in der schillernden Pose erhabender Autorität mit diagnostischem Scharfblick und dem Weitblick eines Propheten von geradezu alttestamentarischer Monumentalität dramatische Veränderungen bis zu den Grundlagen unserer Kultur als Folge der Hirnforschung - ja nun: entweder voraus- oder geweissagt, oder festgestellt oder aber als Konsequenzen bisheriger Interpretationen dort gewonnener Daten gefordert.

    Da verwundert nicht, dass Hellseher mit derartigen Visionen Naheliegendes schlicht übersehen und von nüchternen - und ziemlich ernüchternden... - Reflexionen selbst von eigenen Kollegen auf Methoden und Begriffe, mit denen Hirnforscher arbeiten, kaum Notiz nehmen, sei es die 1998 publizierte kritische Bestandsaufnahme von Andreas K. Engel zum neurobiologischen Wahrnehmungsparadigma oder jetzt zuletzt das epochale Werk Philosophical Foundations of Neuroscience, das der australische Neurophysiologe Max R. Bennett in Zusammenarbeit mit dem Oxforder Philosophen Peter M. S. Hacker verfasst und 2003 publiziert hat. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Arbeiten sogar bewusst übergangen werden. Denn aus ihnen ergibt sich ein deutlich anderes Bild von der realen Bedeutung und Reichweite bisheriger Hirnforschung als Apologeten zu zeichnen suchen, deren Fantasie größer zu sein scheint als Kenntnis und Verständnis realer Gegebenheiten. Sogar ein wohl nicht zuletzt wegen seiner Tendenz zu großzügigen Verallgemeinerungen überall als Experte gefragter und auftretender Hirnforscher verbreitet - so z.B. in dem gerade im November 2004 erschienenen Suhrkamp-Büchl Hirnforschung und Willensfreiheit (es 2378, S. 67) - die Mär, dass in der die Hirnforschung bisher keine grundlegende Methoden- und Begriffskritik durchgeführt worden sei, was nebenbei bemerkt nicht gerade für einen entwickelte Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbstkritik unter Hirnforschern sprechen würde, wenn diese Angabe realistisch wäre (die außerdem die gesamte wissenschaftstheoretische Reflexion zur neurowissenschaftlichen Theoriebildung außer Betracht lässt, die etwa von philosophischer Seite viel länger schon angestellt worden ist).

    Selbstkritik scheint aber auch mehr als nötig, wie DAS MANIFEST in der Tat 'manifestiert': die genannten elf Verfasser - nach dem besagten Editorial bedeutende Neurobiologen und führende Neurowissenschaftler - schreiben dort z.B., dass ihre experimentelle Arbeit sich in entscheidenden Bereichen auf einem Niveau abspiele, das sie selbst mit dem von Jägern und Sammlern vergleichen; noch bemerkenswerter steht es um die Aussagekraft ihrer Untersuchungstechniken: nach ihrem eigenen Vergleich kann man damit soviel oder wohl treffender so wenig ergründen, wie aus dem Stromverbrauch eines Computers!

    Es erscheint deswegen ebenso wagemutig wie unglaubwürdig, eine Forschungsdisziplin auf einem derartigen Niveau als eine 'Herausforderung' zu bezeichnen, wenn man nicht sagen will, es sei eine Herausforderung, mit Methoden derart beschränkter Reichweite ein so komplizierteste Organ wie das Gehirn untersuchen zu müssen und erst recht, auf dieser Grundlage auch noch menschliches Handeln und Reagieren neurophysiologisch 'erklären' zu wollen. DAS MANIFEST ist da ganz deutlich: bis heute verstehen danach Hirnforscher noch nicht einmal in Ansätzen, nach welchen Regeln das Gehirn arbeitet, und mehr noch: Es ist überhaupt nicht klar, wie man dies mit den heutigen Mitteln erforschen könnte.

    Schon deswegen dürfte ausgeschlossen sein, dass sich schon bald - wenn überhaupt jemals... - allein aus neurophysiologischen und anderen neurobiologischen Befunden über medizinische und therapeutische Konsequenzen hinaus weiterreichendere Folgen für unsere Kultur oder sogar deren 'Grundlagen' ergeben oder auch nur ergeben könnten, von Auswirkungen dramatischer Art gar nicht erst zu reden! Von der Hirnforschung ist aufs erste und womöglich auf längere Zeit noch nicht einmal irgendetwas psychologisch wirklich Relevantes zu erwarten. Es ist vielmehr genau umgekehrt, worauf der Psychologe Dörner in seinem Kommentar zu dem MANIFEST
    Man muss wissen, wonach man sucht hinweist.

    Hirnforschung ist auf die Psychologie angewiesen, damit in dieser Forschung erhobene Befunde überhaupt sinnvoll interpretiert werden können! Deswegen könnten Hirnforscher paradoxerweise am ehesten die psychologische Forschung fördern: da sie präzise psychologische Konzepte benötigen, denen sie die Daten ihrer Registrierinstrumente zuordnen können, üben sie Druck, ja vielleicht sogar 'heilsamen Zwang' auf die wissenschaftliche Psychologie zur Fortentwicklung ihrer Begriffe, Konzepte und Theorien aus. Auf diese Weise würden Hirnforscher zum wissenschaftlichen Fortschritt der Psychologie und damit vielleicht - indirekt - zur Klärung und Präzisierung unseres eigenen Selbstverstehens führen und so zur Entwicklung eines wissenschaftlich tragfähigen, 'anthropologischen' Selbstverständnisses oder 'Menschenbildes'.

    Das wäre sicher auch schon was - und nach langer Zeit der Vorherrschaft eher spekulativer Konzepte etwa aus psychoanalytischer Tradition gewiss auch ein Fortschritt. (Und Vorarbeiten dazu gibt es sogar auch schon, und zwar seit 1998: in dem Buch Philosophische Grundlagen der Psychologie des in Essen lehrenden Psychologen und Philosophen Dirk Hartmann!)


  • Welche Folgen in Birma??!!

    08.01.2005, Sigrid Mehrke
    Ich finde es erschreckend, dass in den Medien Birma überhaupt nicht erwähnt wird! Es hat doch dort sicherlich auch Verluste und Schäden gegeben. Es kann doch nicht sein, dass ein ganzes Volk Privatbesitz einer menschenverachtenden Clique ist, deren Anpruch von den Politikern (was ja weniger wundert), aber auch von den Medien einfach so stillschweigend respektiert wird.
    Haben Sie denn Informationen?
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Frau Mehrke,




    die Meldungen aus Myanmar (Birma) sind widersprüchlich und finden sich tatsächlich nur dann und wann in den Zeitungen. Die Regierung des Landes nennt nur etwa 90 Todesopfer und wenige hundert Obdachlose als direkte Folgen der Tsunamis. Das betroffene Gebiet liegt im Südosten des Landes, wird gegenüber Ausländern überwiegend abgeriegelt, und auch Hilfsorganisationen erhielten anfänglich keinen Zugang.




    Italienische Medienberichte, die auf den Schilderungen christlicher Missionare und von Birmesen im Exil beruhten, sprachen letzte Woche entgegen der offiziellen Verlautbarungen von vielen tausend Opfern in Birma. Das Rote Kreuz und "Ärzte ohne Grenzen" bestätigten allerdings die Zahlen der Regierung. Sie gehen tatsächlich von nur relativ wenigen Opfern aus.




    Dies mag erstaunen, denn das Gebiet grenzt nördlich an das katastrophal getroffene thailändische Khao Lak an. Myanmar könnte aber aus verschiedenen Gründen den verheerenden Folgen der Flutwellen entgangen sein: Einen beträchtlichen Teil der Wucht des Wassers dürften die vorgelagerten, dünn besiedelten Inseln der birmesischen Küste geschluckt haben, sodass sie auf dem Festland nicht mehr mit der Wucht ankamen wie an exponierten Stellen. Auch ist dieser Küstenabschnitt generell weniger dicht bevölkert als jener im benachbarten Thailand und wird zudem von Touristen nicht frequentiert. Schließlich wurde dieser Teil Myanmars in weit geringerem Umfang umgestaltet wie die thailändische Küste. Anstelle von ausgedehnten Hotelanlagen oder Garnelenzuchtbetrieben finden sich hier noch gesunde Mangrovenbestände, die ebenfalls die Wirkung von Tsunamis abschwächen können.




    Mit freundlichen Grüßen




    Daniel Lingenhöhl
  • Passivrauchen und intellektuelle Fähigkeiten

    06.01.2005, Peter Altreuther
    Vorsicht mit Schlussfolgerungen bei statistischen Tests.
    Die Originalarbeit ist sehr interessant. Sie zeigt zwar, dass kognitive Fähigkeiten signifikant von der Höhe der Cotinin-Spiegel abhängen; sie nimmt aber auch in den Blick, dass es noch andere Einflußgrößen geben könnte, die mit der "Qualität der Umgebung", Ethnizität, Erziehungsstatus der Eltern etc. zusammenhängen und deren Einfluss nicht untersucht wurde, was ausdrücklich erwähnt wird. Andere Schädigungen sind gleichfalls erwähnt, aber in ihrem Einfluss auf die Ergebnisse nicht bewertet: So ist die Cotininkonzentration auch mit einer höheren Bleikonzentration im Blut korreliert, die, wie auch das häusliche Umfeld, kognitive Fähigkeiten beeinträchtigt. Da der Einfluss der Umgebungsfaktoren nicht beurteilt werden kann, ist die einseitige Korrelation mit dem Rauchen durch diese Arbeit nicht bewiesen.
    ...übrigens, ich bin Nichtraucher!
  • Die paar Euro ist es mir wert!

    03.01.2005, Marianne Kolberg
    Ihren Newsletter und evtl. die dahinter stehenden Artikel zu lesen ist für mich die angenehmste Einstimmung auf den Arbeitstag (zusammen mit einer Tasse Kaffee) - und das werde ich mir auch weiterhin leisten.
  • Brot für die Welt durch "High-Tech" Farmen.

    30.12.2004, Anton Rudig
    Interessanterweise wurde in diesem Artikel ein Vergleich der diversen Hektarerträge "fortschrittlicher" US-Farmen mit denen von in Mitteleuropa vorherrschenden kleineren, eher naturnahe Landwirtschaft betreibenden Betrieben vermieden. Ein solcher hätte manche Aussage in diesen Artikel in richtigem Blickwinkel erscheinen lassen, da ein solcher zu Gunsten der letzteren, soweit sie nicht durch extreme topographische oder klimatische Bedingungen benachteiligt sind, ausgefallen wäre.
    Am Hunger in der "dritten Welt" ist,sieht man von Naturkatastophen ab - die "hightech"Monokulturen reagieren auf solche bedeutend sensibler - weniger auf rückständige Bewirtschaftung, sondern mehr auf den Entzug der meist besten Produktionsflächen durch diverse Plantagen, in denen nicht Nahrungsmittel zum Wohle der heimischen Bevölkerung, sondern für den Bedarf für die "entwickelte" Welt und zum Wohl bestimmter Multis und ev.noch für die oberen Hundert des betreffenden Staates produziert wird.
  • Wie ermittelt man in diesem Fall Risiko-Werte?

    22.12.2004, Ting Chen
    Mir ist nicht klar, wie man in diesem Fall ermittelt hat, dass zum Beispiel das Weglassen von Wein eine Risikoerhöhung von 25% bringen soll. So weit ich verstanden habe, ist das Rezept erst im letzten Jahr "erfunden" worden, und innerhalb eines Jahres kann man bereits solchen Angaben machen, das halte ich für unglaubwürdig.
  • Todesursache oder Sterbeursache?

    21.12.2004, Dr. med. Helmut Hudler, FA f. Pathologie
    Bei allen Überlegungen zur Todesursache muss immer wieder eines bedacht werden: an welchem Punkt der zum Tode führenden Kausalkette die untersuchte Erkrankung zu finden ist. Und im Falle der Sepsis liegen die Verhältnisse eindeutig so, dass ma sie als den letztendiglich den Tod auslösenden, letzten Kausalfaktor ansehen kann.
    Die Todesursache Sepsis darf also nicht auf gleicher Ebene gesehen werden wie etwa Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Leberzirrhose oder Diabetes etc. Hierbei handelt es sich um Grundkrankheiten, die, wenn der Patient dann massiv geschwächt ist, den Bakterien die Tür öffnen und ihnen den Sieg über den Körper ermöglichen (wenn man Fälle von plötzlichem Herztod bei Infarkt ausklammert). Auch die Sache mit der "Infektion", die der Spesis vorausgeht, darf nicht so eindimensional dargestellt werden, denn aus der gewählten Formulierung könnte der Unkundige ableiten, die Sepsiserreger kämen von außen in den Körper hinein. Tatsächlich ist dies aber nur in einem gewissen Prozentsatz der Fall. In mindestens der Hälfte der Fälle stammen Infektionserreger bekanntlich aus der körpereigenen Flora, gegen die eine sonst funktionierende Abwehrbarriere im Krankheitsfall zusammenbricht - denken wir hier auch an die vielen Fälle von austretendem Darminhalt nach insuffizienter Anastomose bei Darmoperationen, die, wenn sie chirurgisch oder konservativ unsanierbar sind, irgendwann in einer tödllichen Sepsis enden, denken wir auch an die vielen Fälle schlechter Organdurchblutung bei diabetischer Gefäßkrankheit, die zum Beispiel Beingangrän mit nachfolgender Sepsis verursacht, denken wir an Fälle von Urosepsis bei behindertem Harnabfluss etc.
    Die Sepsis stellt somit die eigentliche, letztendiglich zum Tod führende Folgekrankheit bei zahlreichen Grundkrankheiten dar und darf daher in einer Statistik nicht mit diesen verglichen werden.
  • noch eine mögliche Ursache

    21.12.2004, Rüdiger Biesold
    Der Südosten Grönlands könnte in seiner Eisbilanz auch davon "profitieren", daß der Golfstrom schwächer geworden ist und daher diese Ecke weniger erwärmt, folglich kann auch mehr Eis liegen bleiben bzw. gebildet werden.
    Die Aussage der einschlägigen Forscher ist doch, daß bei fortschreitender Klimaerwärmung das nordatlantische Stromsystem zusammenbricht, was dann erst einmal zu einer Eiszeit in Europa führt.
    Ist die Eiszunahme im Südosten Grönlands gar das bereits gegebene Startsignal dafür? Fröhliche weiße Weihnacht allerseits!
  • Gib mir Dein Geld und halte den Mund

    21.12.2004, Rüdiger Biesold
    Das ist exakt das Problem der diskutierten Änderung bei den Zuständigkeiten im föderalen Aufbau der BRD. Die Länder wollen Bundesgeld, verweigern aber dem Geldgeber Mitsprache; eine wenig zu durchsichtig.
    Der Verweis auf die USA mit ihren unversitären Fremdfinanzierungen ist zudem einseitig. Die privaten Geldgeber (in den USA steckt dahinter häufig das Militär) reden natürlich mit und geben Ziele eindeutig vor, das ist keineswegs immer zum Vorteil der Forschung. Über diesen Mechanismus verschwinden besonders unliebsame Ergebnisse sehr effektiv in den Panzerschränken. Die Position von "Lancet" und anderen in der Frage der Veröffentlichung auch negativer Ergebnisse zielt sehr genau in dieses schwarze Loch der Forschungspolitik.
  • Nonsens

    21.12.2004, Rüdiger Biesold
    Also wirklich, nur weil einer Wissenschaftler ist, ist doch nicht alles wissenschaftlich, was er von sich gibt; als phantasiereicher Beitrag in irgendwelchen Werbesendern mag das noch durchgehen.
    Von den gesellschaftlichen Zusammenhängen der Lebenszeit von "Ötzi" haben wir keine Ahnung. An der Mumie konnte festgestellt werden, daß die Todesursache ein Pfeilschuß war, womöglich nach (verlorenem) Nahkampf oder von einer weiteren Person verursacht. Schon die Behauptung "Mord" ist nicht beweisbar, vielleicht war es ein Nachbarschaftskrieg und "Ötzi" ist auf einem Vorposten angegriffen worden und gefallen. (Tucholsky und seine Einschätzung von Soldatentätigkeit lassen wir hier außen vor.)
    Selbst das unterstellte Methusalem-Alter ist nicht haltbar. Man weiß zwar aus diversen Knochenfunden, daß das Durchschnittsalter der Menschen in dieser Zeit deutlich unter dem erreichten Lebensalter von "Ötzi" lag, man weiß aber auch, daß es einzelne Individuen auf noch deutlich höhere Lebensalter schafften.
    Schließlich ist der Rückschluß auf frühere persönliche Eigenschaften dieser Mumie zu ihrer Lebenszeit glatte Nonsens-Spekulation und gehört nicht in Wissenschaftsmeldungen.
  • Geheimnisse einer trivialen Flüssigkeit

    20.12.2004, Rüdiger Biesold
    Die Versuche an ein weiteres Geheimnis des Wassers zu kommen sind höchst interessant. Nur fragt sich der gemeine Zuschauer, woher will man denn wissen, ob der Laserstrahl nun ein freies Valenzelektron oder ein anderes erwischt hat. Möglicherweise erklärt das die Streubreite der Ergebnisse viel besser, weil da vielleicht alle möglichen Elektronen drin vorkommen.
    Wasser bewahrt seine Geheimnisse; jedenfalls noch!
  • Ein wenig Problematik

    15.12.2004, Rüdiger Biesold
    Netzwerkstrukturen aufzudecken ist wichtig, aber die sind nicht immer positiv. Aus häufig gewürdigten Institutionen lassen sich auch Abhängigkeiten herauslesen; mit anderen Worten handelt es sich dabei um gezielte oder gar eingeschränkte Forschungsmöglichkeit, die sich nur unter dem Mantel von Förderung versteckt. Dabei sind natürlich die nicht genannten (z.B. militärische) Förderungsquellen am Interessantesten und am kompliziertesten nachzuvollziehen.
    Zusätzlich problematisch ist die Möglichkeit sich durch gegenseitige Dankesadressen wichtiger zu machen, als man ist bzw. es dem Stand der Forschung entspricht. Bei der Zitatenauswertung sind solche Übungen bereits untersucht und teilweise aufgedeckt worden.
    Wenn schon eine Bewertung sinnvoll sein soll, dann müssen solche Operationen auf Gegenseitigkeit möglichst herausgefiltert werden.
  • Evolution von Gesichtern

    15.12.2004, Rüdiger Biesold
    Manche evolutionswidrigen Ausdrücke lassen sich auch nur schwer eliminieren. Paranthropus verdankt seinen massigen Schädel nicht seiner Vorliebe für schwer aufschließbare Pflanzenkost, Evolution lernt nicht durch Gebrauch! Eher war der massige Schädel präadaptiv da, ermöglichte den Aufschluß der Gräser und verschaffte so seinem Träger einen Vorteil.
    Wenn es einen solchen Druck nicht gibt, bildet sich eben kein einheitlich spezielles Merkmal heraus; bei unseren Verwandten Bonobo und Schimpanse sind die Gesichter auch recht unterschiedlich. Bei solchen Wesen spielt dann wohl eher die Partnerauswahl die entscheidende Rolle; aber da sind die Ansichten buchstäblich sehr unterschiedlich. Das findet entfernte Parallelen in der Laubengestaltung bei den Laubenvögeln; auch die sind sehr unterschiedlich und warten auf den passenden Geschmack einer Partnerin. Hoffentlich müssen künftige Generationen des Menschen nicht mit von Müttern modisch entschiedenen Zwangsgesichtern herumlaufen; eine Ausgestaltung von PID als Schönheitschirurgie der Zukunft erlaubte dies jedenfalls. Noch 'ne schöne neue Variante von Welt.
  • Nur der Vogelstammbaum

    14.12.2004, Rüdiger Biesold
    Die Untersuchungen geben einen Hinweis, aber wegen eines analysierten Gens ist das womöglich noch ein wenig verfrüht. Auch bei Genen gibt es Konvergenzen, die mögliche Verwandtschaften vortäuschen. Ebenso muß damit gerechnet werden, daß zufällig ein Gen benutzt wird, was wegen der unregelmäßigen Entwicklung von Mutationen eine entferntere oder Nicht-Verwandschaft nahelegt, die es so auch nicht gibt. Der Stammbaum der Vögel muß allerdings nicht umgeschrieben werden, denn wir haben gar keinen natürlichen Stammbaum. Es sollten dabei auch nicht nur genetische Analysen entscheidend sein; notwendig ist eine Würdigung von genetischem und anatomischem Aufbau unter Berücksichtigung der fötalen Entwicklung.
    Dieses Problem stellt sich auch nicht nur bei Vögeln. Die angenommenen Verwandtschaftsverhältnisse bei Reptilien, Insekten, Pflanzen und noch so einigen Organismen sind ebenso zweifelhaft. Da ist noch Arbeit für Jahrzehnte zu leisten; hoffentlich haben wir noch genügend Zeit, bevor ein großer Teil ausgestorben ist.
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