Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Literaturhinweis

    12.09.2006, Werner Schulze, Bielefeld
    Im Kasten "Autor und Literaturhinweise" auf Seite 49 wird fälschlicherweise beim letzten Hinweis der Band 100 angegeben statt "Proceedings of the National Academy of Sciences USA, Bd. 98" (PNAS 98).
  • Erratum

    12.09.2006, Werner Schulze, Bielefeld
    Auf Seite 87 heißt es "Die Konzentrationen werden meist in parts per billion oder parts per trillion gemessen", also in milliardstel oder billionstel, nicht aber in billiardstel, Anteilen.
  • Was ist bei Helm UND Zopf?

    12.09.2006, Gero Rupprecht
    Wurde auch die Kombination "Zopf schaut unter dem Helm hervor" getestet? Wäre doch interessant, ob sich solch subtile Effekte auch kompensieren ...
    Antwort der Redaktion:



    Hallo Herr Rupprecht,



    nein, das wurde nicht untersucht. Dr. Walker schreibt:



    "Dear Antje,



    Sorry, no. The wig study was an after-thought and there wasn't time to test every aspect. It's an interesting question though! If the effects are additive we should expect about 5cm more space than an unhelmeted man...



    Ian

    Dr Ian Walker | Lecturer and Director of Studies (MRes)"



    Mit besten Grüßen

    Antje Findeklee, Redaktion spektrumdirekt
  • Zwang?

    08.09.2006, Werner Gradwohl
    In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass Reinigungsrituale auch bei Zwangsstörungen (OCD) vorkommen, wobei sie nicht immer einen Reinigungscharakter aufweisen, sondern manchmal nur phänomenologischer Natur sind. Die Ergebnisse können folglich nur bedingt als moralisch verursacht interpretiert werden!
    Mfg Amcoran
  • Haben Frauen eine Seele?

    08.09.2006, Markus Jordi
    Diese heutzutage rhetorische (das war nicht immer so) Frage passt wohl am besten zu der Frage, ob mit Hirnaktivitäten einer Wachkoma-Patientin Bewusstsein verbunden sei.

    Lassen Sie mich kurz ausholen: Arbeitet Ihr Computer weiter, wenn Sie den Stecker des Monitors ziehen?

    Wirklich sicher sein können Sie nicht, denn abgesehen von dem, was Sie auf dem Monitor sehen, hören Sie höchstens das Ventilatorgeräusch und das gelegentliche Rattern des Lesekopfs auf der Festplatte. Ob im Gehäuse des Computers drin sinnvolle Prozesse ablaufen und verständlichen Output produzieren, der umständehalber den Monitor nicht erreichen kann,
    wissen Sie nicht. Klar, ein Gehirn ist kein Computer, ein Arm ist kein Kran, und trotzdem helfen Analogien dieser Art dem Verständnis.

    Einen hinreichenden Beweis, dass mit neuronalen Vorgängen Bewusstsein verknüpft ist, wird man jedoch rein wissenschaftlich nie erreichen können. Die Wissenschaft ist ein Werkzeugkasten für die Außenwelt, und näheres über die Zusammenhänge von Neurologie und Bewusstsein wird man nur mittels statistischer Auswertung vieler Koinzidenzien erfahren können - die Entdeckung eines kausalen Zusammenhangs zwischen einem Vorgang der Außenwelt und einem Prozess der Innenwelt liegt definitiv ausserhalb der Möglichkeiten eines Werkzeugs zur Erforschung der Außenwelt, wie es die wissenschaftliche Methode nun einmal ist.

    Habe ich ein Bewusstsein, eine Seele?

    Selbstverständlich, denn hier sehe ich die Dinge wie einst Descartes: Ich denke, also bin ich.

    Wissenschaftlich objektiv nachweisen dagegen können wir einander niemals, ob wir ein Bewusstsein haben.

    Man müsste dazu die Innenwelt mit wissenschaftlichen Mitteln erreichen, und das ist per Definition ausgeschlossen.

    Meine Erlebniswelt ist meine Innenwelt, welche sehr wohl von äußeren Dingen wie Körper und im speziellen dem Gehirn abhängig ist, aber zur Außenwelt verhält sich die Innenwelt wie die beiden Seiten einer Münze. Eine auf dem Tisch liegende Münze nur von oben durch die Lupe zu betrachten lässt Sie vieles erfahren, doch was genau auf der Rückseite dieser individuellen Münze eingeprägt ist, können Sie allenfalls aufgrund guter Kenntnis einer großen Menge von Münzen derselben Art vermuten. Über eine begründete Vermutung hinaus werden Sie nie kommen.

    Die wissenschaftliche Methode richtig anwenden, heißt auch: ihren Geltungsbereich kennen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Markus Jordi
  • Individuelle Duftstoffe mitentscheidend

    07.09.2006, Dr. Gerhard Rudolf, Bad Homburg
    Heute – nach der Hygienewut des 20. Jahrhunderts – weiß man dank biomedizinischer Forschung, dass die von den apokrinen Schweißdrüsen erzeugten individuellen Duftstoffe nicht nur »in grauer Vorzeit« eine Rolle bei der Partnerwahl spielten, sondern dies heute noch tun und mit darüber entscheiden, ob man »sich riechen kann« oder nicht. Auch ist inzwischen erwiesen, dass – im Gegensatz zu übertriebener Hygiene und Deodorants – die im Schweiß enthaltenen Substanzen zur Gesunderhaltung der Haut beitragen, selbst wenn man sich nicht wie die Ureinwohner Australiens mit seinem Achselschweiß einreibt.
  • Streng sachlich statt effekthascherisch

    07.09.2006, Dr. Richard Schmuck, Wuppertal
    Seit mehr als 30 Jahren werden Wirkungen von Stoffgemischen wissenschaftlich eingehend untersucht. Dabei wurden für einige Kombinationen auch synergistische oder potenzierende Wirkungen beobachtet, welche allerdings mechanistisch erklärbar sind und damit einem fachgerechten Risikomanagement unterworfen werden können.
    Beide Sachverhalte lässt David Biello unberücksichtigt. Hingegen werden die effekthascherischen Analogien von Ty-rone Hayes zwischen Kaulquappen in Gewässertümpeln und Föten in der Gebärmutter zitiert, die eine themengerechte Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Erkenntnisstand erschweren. In einer Gesellschaft, die technische Entwicklungen zunehmend nur nach dem Risikopotenzial bewertet, erfordern komplexe Sachverhalte mit ihrem hohen Verunsicherungspotenzial gerade von wissenschaftlich ausgerichteten Zeitschriften eine streng sachliche Themendarstellung.
  • Ergebnisse einbringen

    07.09.2006, Prof. Hans Peter Peters, Jülich, Prof. Harald Heinrichs, Lüneburg
    Daniel Sarewitz hat in mehreren Punkten Recht: Wissenschaft kann politische Konflikte nicht entscheiden, Forschungsergebnisse lassen verschiedene Deutungen zu, Werte und Interessen spielen in der Forschung eine Rolle. Richtig ist auch, dass Wissenschaft Politik nicht ersetzen kann und nicht zum Konfliktschlichter taugt.
    Falsch ist jedoch die Schlussfolgerung, die Sarewitz daraus zieht, indem er Wissenschaftler zur politischen Abstinenz auffordert. Was wir brauchen, ist gute Politik, gute Wissenschaft und die richtigen Formen, um beides zu konsensfähigen Problemlösungen zu bündeln.
    Wie unsere Studie zur Beteiligung von Wissenschaftlern an der Klimadiskussion zeigt, sind viele Forscher bereit, sich in öffentliche politische Debatten einzumischen. Sie tun dies oft mit Bauchschmerzen, manchmal ungeschickt, gelegentlich aus egoistischen Gründen. Aber viele tun es auch in der Überzeugung, dass sie zwar keine fertige politische Lösung präsentieren, aber einen wichtigen Beitrag dazu leisten können.
    Wir finden es richtig, dass Wissenschaftler ihre Ergebnisse selbst in die politische Diskussion einbringen, statt dies Dritten zu überlassen und selbst vornehme Zurückhaltung zu üben.
  • Reduktionismus pur

    06.09.2006, Ullhen
    Wer die Art des Suchens nach einem Gegenstand (eine Fähigkeit, die vom Einzeller bis zum Menschen nachweisbar ist) gleichsetzt mit Bewusstsein, zeigt nicht nur Unkenntnis über dessen formale und kategoriale Qualitäten in neurophysiologischer und philosophischer Hinsicht. Er oder sie dokumentiert damit einen erkenntnisfeindlichen und leider nur reduktionistischen Ansatz mit stolzer naturalistischer Überheblichkeit.
    Schade um die Wissenschaft!
  • Erneuter Einsatz von DDT nicht zu verantworten

    02.09.2006, Prof. Dipl.-Intg. Dieter Wenzel, Braunschweig
    Im Falle der Malaria war bereits in den 60er Jahren (als ich sechs Jahre lang für die WHO in Zentralafrika tätig war)gesicherte Erkenntnis, dass der massive Einsatz von DDT (und anderen Insektiziden) nicht der richtige Weg zur Bekämpfung ist. An den damaligen diesbezüglichen Erfahrungen und Erkenntnissen hat sich seitdem nichts geändert. Und das kommt im Artikel viel zu kurz:
    1. Das Buch "Der stumme Frühling" hat nichts von seiner Richtigkeit eingebüßt. Der extensive Einsatz von nicht selektiven Insektiziden tötet eben nicht nur Moskitos, sondern viele andere, auch unschädliche Insekten und damit weitere Tiere, die in der Nahrungskette folgen. Dieser Effekt wird lediglich gemildert, wenn statt großflächiger Anwendung in der Landwirtschaft "nur" Moskitonetze und Innenflächen von Häusern und Hütten behandelt werden.
    2. DDT lagert sich im Knochengewebe des Menschen ein und reichert sich dort an mit entsprechenden gesundheitlichen Risiken. Der Hinweis auf die Anwendungsdichte bei Verwendung am Moskitonetz und im Wohnbereich ist - jedenfalls mit Bezug auf den Menschen - irreführend. Als Dosis gerechnet ergibt sich auf Baumwollfeldern: 1100 kg pro 100 ha entspricht 0,5 kg pro 500 qm. 0,5 kg auf die Hütteninnenwände (1... 2mal pro Jahr) entspricht etwa 0,5 kg pro 50 qm, das ist die zehnfache Dosis, der die Bewohner tagein tagaus ausgesetzt sind (denn sie verbringen ja nicht ihre Nächste auf den Baumwollfeldern).
    3. Die Entwicklung von Resistenz gegen DDT bei den Anopheles-Mücken war bereits (spätestens) 1967 als ernstes Problem bekannt. Deswegen auch die Forderung der WHO, die biologischen und genetischen Möglichkeiten der Anopheles-Bekämpfung weiter zu erforschen (nicht durch Gen-Manipulation mit ihren unbekannten Folgen!) und ganz wesentlich die Maßnahmen zur Beseitigung der Anopheles-Brutstätten, auch als Inhalt der gesundheitlichen Erziehung der Bevölkerung, voranzutreiben.
    Natürlich erfordern biologische und genetische Forschung und gesundheitliche Erziehung einen langen Atem und tragfähige Infrastrukturen. Aber ohne diese Anstrengungen ist der erneute Einsatz von DDT, und sei es in kleinerem Maßstab, nicht zu verantworten. Oder sollte etwa das eigentliche Ziel der Propagierung das beträchtliche Profitpotenzial bei der industriellen Produktion von DDT sein? Zwei Hinweise verstärken bei mir diesen Eindruck: "Präsident Bush hat 1,2 Milliarden US-Dollar dafür vorgesehen, um die Seuche in den nächsten fünf Jahren in Afrika zu bekämpfen" und der Literaturhinweis "What the world needs now is DDT".
    Ich kann nur hoffen, dass die erwähnte Roll-back-Malaria-Initiative etwas Sinnvolleres beinhaltet als ein Zurückrollen in die Fehler der 50er und 60er Jahre.
  • Na klar! Können Flüsse rückwärts fließen?

    28.08.2006, Dr. Wolf Müllenberg
    Sehr geehrte Herren Wissenschaftler,

    schon seit Jahren lese ich Ihre Artikel und die des Herrn Lingenhöhl. Ich finde es super geil, cool und wahnsinnig irre, dass Sie in Heidelberg so kosmopolitisch denken. Nur rund 600 Kilometer von Ihnen entfernt können Sie dieses Phänomen des bergauffließenden Flusses sogar zweimal am Tag erleben: Bei Flut fließt unsere alte Dame Elbe bis hinein in die Vierlanden, ca. 150 Kilometer von der Mündung entfernt, bergauf! Und wie am Amazonas: Nicht nur die Eingeborenen, auch die Zugereisten (wie ich) benutzen beim Segeln oder Motorbootfahen dieses Phänomen, um schneller weiter zu kommen und Energie zu sparen. Ganz schön plietsch, die Deutschen, was?
    Mit Grüßen
  • Nur noch acht Planeten? Wie uncool!

    28.08.2006, Dr. Wolf Müllenberg
    Ach, wie schön haben die Badenser von den Schwaben gelernt: Jetzt ist eine Entscheidung gefallen, die unwichtig genug ist, dass man sich breitgefächert darüber aufregen kann. "Wir sind dafür, dass wir dagegen sind!"
    Mit Grüßen
  • Kulturelles Gedächtnis bei Schimpansen viel vergesslicher?

    23.08.2006, Gerhard Pahl
    Diese These halte ich für falsch.
    Man denke an unser lückenhaftes Wissen über menschliche Hochkulturen des Altertums, an verlorene Erfahrungen, die Nutzung von Heilpflanzen bei Naturvölkern oder entsprechende mittelalterliche europäische Kenntnisse betreffend. Und ein Werkzeug wie etwa ein Rechenschieber wird in absehbarer Zeit von keinem Zeitgenossen mehr hergestellt oder bedient werden können.
  • Wegwerfprodukt

    18.08.2006, Sebastian Althapp
    Das neue Transporterkonzept der NASA zum Mond wirft bei mir doch einige Fragen auf. So wird sich der Ablauf der Mission von der vor 50 Jahren nicht sonderlich unterscheiden - außer das das Material und die Crew getrennt in einen Orbit geschossen werden, wird wieder ein Lander, ein Orbiter und eine Rückkehrkapsel Teil der Ausrüstung sein. Zudem ist die Rückkehrkapsel wiederverwendbar. Auf dem Weg zurück, wird der Lander-Kopf (der Fuß steht auf dem Mond) und der Orbiter verglühen.

    Warum lässt man den Orbiter und Lander-Kopf nicht einfach als unbemannten Satellit bis zur nächsten Mission um den Mond kreisen? Man müsste doch bloß die Kapsel mit Treibstoff und neuem Lander-Fuß ausstatten, und man könnte wieder starten. Wäre das nicht viel billiger und schneller?
  • Definition Sommerloch?

    17.08.2006, H. Schiller / Hannover
    ich möchte auf die Antwort der Redaktion erwidern:

    1) Eine "besondere Form der Berichterstattung" (außer seiner Platzierung in der "Sommerloch-heute"-Rubrik) kann ich bei dem Wrestling-Artikel nicht erkennen. Der Artikel ist völlig neutral, selbst das "beeinträchtigen kann" ist vermutlich aus der Originalstudie übernommen.

    2) Mit "Sommerloch" assoziiere ich in erster Linie, dass UNWICHTIGES berichtet wird (siehe hierzu auch den Wikipedia-Artikel "Sommerloch"). Anzunehmen, dass Meldungen dieser Rubrik allein durch ihre Rubrizierung automatisch auch als methodisch unsauber/bedenklich gekennzeichnet wären, halte ich für unrealistisch und gefährlich.

    3) Ich würde mir in einer Wissenschaftszeitung etwas mehr "aufklärerischen Eifer" wünschen, gerade in solchen Fällen aufzuzeigen, dass und welche methodischen Fehler vorliegen. Das schließt ja einen humorigen Stil nicht aus.

    4) Ihre Formulierung "wie wenig (sic!) hinter manch anderen 'Ergebnissen' stecken kann" deutet für mich an, dass Sie selbst evtl. nicht scharf genug zwischen nur unWICHTIGEM und unRICHTIGEM trennen.

    Ihr weiterhin eifriger Leser