Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • DenkMal und Gödel'sche Paradoxien

    05.05.2006, Dr. Ulrich Heemann
    Liebe Mitarbeiter von spektrumdirekt,
    Ich habe mich vor einiger Zeit gedanklich mit der Gödel'schen Aussage zur Unvollständigkeit mathematischer Systeme beschäftigt und möchte Ihre Frage in DenkMal zum Anlass nehmen, meinerseits Anmerkungen hierzu abzugeben.

    Ich beginne mit dem Kreter, der behauptet, dass alle seine Landsleute lügen. Ich stelle dem die Aussage entgegen, dass einige Kreter lügen. Vor diesem Hintergrund wird die ursprüngliche Aussage völlig harmlos. Habe ich das Problem nur umgangen? Nein, denn die erste Aussage des Kreters ist in sich widersprüchlich und somit den üblichen Regeln der Logik entsprechend falsch. Die strenge logische Schlussfolgerung aus der Aussage des Kreters: Diese Aussage ist falsch (gelogen). Wenn sie gelogen ist, lügen nicht alle Kreter. Da diese spezielle Aussage gelogen ist, hat dieser Kreter (logischerweise) mit dieser Aussage gelogen, ohne damit die Logik insgesamt aufzuheben.

    Versuchen wir es also mit der schärferen Aussage:
    "Dieser Satz ist falsch.“ Er ist in sich widersprüchlich und kann in der Tat weder als falsch noch als richtig erkannt werden. Er ist zwar im formalen Gebäude der Logik konstruierbar wie der Satz: "Nachts ist es kälter als draußen.“ Oder: "Die gelbe Sprache hüpft durch die Logik.“ in der menschlichen Sprache konstruierbar ist, aber er kann wie die letzteren beiden Sätze als sinnlos betrachtet und somit abgetan werden. Man kann mit Holz ein wunderbares Haus bauen, aber das Holz erlaubt auch, dass man Balken diagonal durch alle Räume dieses Hauses baut. Da dieses wenig hilfreich ist, unterlässt man dieses.

    Habe ich jetzt das Problem umgangen? - Meines Erachtens nicht. Die Mathematik bemüht sich, ein in sich widerspruchsfreies Gedankengebäude aufzubauen. Das heißt aber auch, dass man alle in sich widersprüchlichen Aussagen als falsch oder sinnlos klassifiziert. Logische Widersprüche wurden bereits seit Jahrtausenden genutzt, um falsche Aussagen auszufiltern und damit zu verwerfen. Die besondere Problematik des Gödel'schen Satzes ist in der Tatsache begründet, dass auch solche Aussagen konstruiert werden können, die nicht eindeutig als falsch, aber dennoch als offensichtlich widersprüchlich erkannt werden - was man vorher wohl nicht genügend beachtet hatte.

    Doch droht damit die gesamte Mathematik unbeweisbar zu sein? Sollte etwa 1+1 nicht sicher gleich 2 sein? Sicher nicht!
    Ist damit die Gödel'sche Aussage falsch oder sinnlos? Ebenfalls Nein! Sicher existieren solche Konstrukte, und es macht Sinn, diese zu untersuchen. Aber sie sind immer Aussagen über sich selbst und damit isoliert, das heißt, sie beeinflussen andere Aussagen in keiner Weise. Zielrichtung mathematischer Untersuchungen zu diesem Thema könnten also Aussagen über die saubere Abgrenzung solcher Aussagen von widerspruchsfreien Aussagen oder Systemen sein. Siehe dazu auch das nächste Beispiel.

    Auch die Frage danach, wer den Barbier einer Stadt rasiert, der alle im Ort unters Messer nimmt, die sich nicht selbst rasierten, lässt sich leicht widerspruchsfrei klären. Ich möchte auch diese Geschichte logisch etwas strenger fassen, als es im DenkMal vorgelegt wurde: "Der männliche Barbier einer Stadt rasiert genau all die Männer dieser Stadt, die sich nicht selbst rasieren.“ Hier ist in der Tat ein Widerspruch gegeben mit der in der Mathematik einzig möglichen Schlussfolgerung: Diesen Barbier gibt es nicht! Damit entfällt auch die Frage danach, wer den Barbier rasiert.

    Allerdings gibt es erstaunlicherweise eine fast gleichbedeutende Aussage, die keinen logischen Widerspruch in sich hat: "Der männliche Barbier einer Stadt rasiert sich selbst und alle anderen Männer dieser Stadt, die sich nicht selbst rasieren.“
    Offensichtlich ist hier bei eigentlich gleicher implizierter Aussage gelungen, diese widerspruchsfrei zu gestalten. Eventuell gelingt es ja der Mathematik, allgemeinere Aussagen zur Art der widerspruchsfreien Formulierung zu finden. Dass eine andere Formulierung auch in der "klassischen“ Mathematik bereits logische Widersprüche lösen konnte, war z.B. bei der Definition der imaginären Zahl i zu beobachten: Während die Definition i = Wurzel(-1) zu logischen Widersprüchen führt ( --> 1 = -1), bleibt die Definition i * i = -1 widerspruchsfrei, und die erstere Aussage ist in der Mathematik schlicht verboten.
  • Der Begriff Super-GAU

    04.05.2006, Fritz Kronberg
    Bereits der Begriff Super-GAU ist idiotisch, weil GAU bereits ein Superlativ ist. Die, die ihn verwenden, ordnen sich dadurch bereits von selbst in die Riege der nicht an Fakten, sondern an ideologisch motivierter Polemik Interessierten ein, sind mithin nicht ernst zu nehmen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    F. Kronberg
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Kronberg,



    uns ist durchaus bewusst, dass der Begriff "Super-GAU" im engeren Sinne unlogisch ist. Fakt aber ist, dass dieser Begriff im Duden und auch im - ideologisch unverdächtigen - Lexikon der Physik zu finden ist:
    "GAU, größter anzunehmender Unfall, schwerster sicherheitstechnisch noch beherrschbarer Unfall in einem Kernkraftwerk; der Begriff Super-GAU umschreibt dagegen (nicht beherrschbare) Unfälle mit Kernschmelze, wobei ein Versagen aller Sicherheitssysteme angenommenen wird."



    Unsere Sprache wäre arm, wenn wir Worte, die sich bei genauer Betrachtung als unlogisch erweisen, verböten. Super-GAU ist mit einer eigenen Bedeutung in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen und hat von daher eine Existenzberechtigung.



    Das Pikante an der Sache:
    Benutzt wird er eher von Kernkraftgegnern für Ereignisse wie Tschernobyl im Sinn von "schlimmer als der größte anzunehmende Unfall". Für Kernkraftgegner aber ist gerade die Kernschmelze der größte anzunehmende Unfall - das Super wird damit überflüssig. Für Kernkraftbefürworter aber übertrifft eine Kernschmelze eigentlich den größten anzunehmenden Unfall - tritt diese auf wie in Tschernobyl, wäre in ihrem Vokabular das "Super" im Sinne von "Angenommenes überschreitend" also berechtigt. Dies aber nur am Rande.



    Mit herzlichen Grüßen



    Richard Zinken

    Chefredakteur spektrumdirekt
  • Super-GAU ist unsinnig

    04.05.2006, Rolf Schauder
    Sehr geehrter Herr Zinken,

    Ich muss Herrn Kronberg Recht geben. Eine Steigerung des Ausdrucks "Größter Anzunehmender Unfall" ist nicht möglich. Die Definitionen im Duden oder im Lexikon der Physik halte ich hier für falsch. Ein GAU muss nicht beherrschbar sein. Wenn ich mit dem Auto gegen die Wand fahre, ist das ein Unfall, den ich nicht mehr beherrschen kann. Und das ist sicherlich nicht das Schlimmste, was passieren kann.
    Es stimmt zwar, dass der Begriff Super-GAU in den allgemeinen Wortschatz übergegangen ist, allerdings möchte ich ihn der nicht-wissenschaftlichen Szene zuordnen. Wissenschaftlich seriöse Medien sollten ihn nicht benutzen - überlassen Sie den Begriff lieber der effekthascherischen Trivialpresse.
  • Ursächlicher Zusammenhang?

    03.05.2006, G. Tannhäuser
    Ob die Wirkungen des Passivrauchens für die Korrelation ursächlich sind, erscheint mir (überzeugter Nichtraucher) doch zweifelhaft: Rauchen ist ja auch ein soziales Phänomen und heute in Problemfamilien weitaus stärker verbreitet als im Bevölkerungs-Durchschnitt.
    M.E. sind die Effekte daher auch bzw. eher abhängig von der sozialen Herkunft (damit allerdings auch verbunden: Rauchen der Mütter in der Schwangerschaft) und dem zugehörigen Erziehungsstil, wie Körperstrafen, Angstmachen, Vernachlässigung, etc.
  • Sicher?

    26.04.2006, Dr. med. Sabine Ladner-Merz
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich bin entsetzt, dass in einem Artikel in einer so seriösen Wissenschaftszeitung wie der Ihren Artikel erscheinen, die offensichtlich schlecht recherchiert sind. So hat der Verfasser im oben genannten Artikel nur die von der IAEO veröffentlichten Zahlen über die Tschernobyl-Opfer zitiert, nicht jedoch die von unabhängigen Institutionen, Ärzteverbänden und Nichtregierungsorganisationen veröffentlichten Zahlen von 50 000 bis 100 000 Toten (Studie der Gesellschaft für Strahlenschutz und der IPPNW). Auf diese Weise werden aus ärztlicher Sicht immer noch von Journalisten die tatsächlichen Folgen von Tschernobyl (auch hier in Deutschland, allein in Bayern 1000 bis 3000 zusätzliche Fehlbildungen bei Kindern!) grob fahrlässig verharmlost!

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. med. Sabine Ladner-Merz

    P.S.: Ich empfehle jedem, der vor 20 Jahren im Freien tätig war (z.B. Polizeibeamten), seine Schilddrüse untersuchen zu lassen, ich beobachte in letzter Zeit bei meinen Patienten eine (sicherlich nicht statistische) Zunahme von Schilddrüsen-Karzinomen!
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Frau Dr. Ladner-Merz,



    wie Sie sicherlich wissen, ist es bei diesem hoch emotional beladenen Thema sehr schwer, an stichhaltige Daten zu kommen. Viele Interessengruppen erstellen ihre eigenen Statistiken, in denen sie dann mehr oder weniger großzügig Opferzahlen angeben. Einmal werden ausschließlich die Personen gezählt, die unmittelbar an der Strahleneinwirkung verstorben sind, dann wieder alle Leute, die irgendwie an Krebs starben, oder es werden sogar Menschen hinzugerechnet, die Selbstmord verübten, weil man unterstellt, die Tschernobyl-Katastrophe hätte sie dazu getrieben. Zugleich vermischen viele Quellen die Zahl der Toten mit denen der Invaliden und geben sehr unterschiedlich hohe "Opfer"-Zahlen an. Die Größenordnung, die Sie nennen, war uns zumindest ebenso bekannt.



    Es war aber nicht Absicht des Artikels, möglichst genaue Ziffern zu liefern, sondern Positionen gegenüber zu stellen. Daher betitelten wir die im Text genannte Zahl von weniger als sechzig Personen - die übrigens ebenso von der WHO kommuniziert wird - als "offizielle Angabe". Doch gleich im anschließenden Satz merken wir ebenso an, dass andere Quellen - Mediziner wie Sie nämlich - mit einigen Tausend Toten rechnen. Wir denken, Ihren Berechnungen damit gerecht geworden zu sein.



    Ähnliche Betrachtungen zur Handhabung von Statistiken gelten übrigens auch für die Fragen, wie hoch die Kohlendioxid-Emissionen bei der Nutzung der Kernenergie wirklich sind, wie teuer der Strom aus Nuklearanlagen eigentlich genau ist sowie die Frage, wie lange Natur-Uran noch zur Verfügung steht. Auch da erhalten Sie je nach Argumentationsstrang sehr unterschiedliche Angaben. Oder wie im letzten Satz des Artikels angedeutet: Es bleibt genügend Raum für weiteren Disput.



    Mit freundlichen Grüßen

    Gerhard Samulat

    Autor des Beitrags
  • Kindergartenwissenschaft?

    25.04.2006, Matthias Paul Scholz
    Halten wir fest, welche Erkenntnisse der Artikel aufführt:

    1. Wenn wir ökonomische Entscheidungen treffen, sind Neuronen im Gehirn aktiv.
    2. Zu diesen Neuronen gehören auch solche in einem Areal, das mit emotionalen Entscheidungen bzw. deren Hemmung in Verbindung gebracht werden.

    Kurz gesagt: Wenn wir ökonomische Entscheidungen treffen, denken wir nach. Und Emotionalität bzw. deren Hemmung spielt dabei auch eine Rolle.

    "Demnach könnten krankhafte Störungen des Entscheidungsverhaltens ausgelöst werden, so spekuliert der Wissenschaftler, wenn diese Nervenzellpopulation durch Krankheit oder Unfall in Mitleidenschaft gezogen worden ist."

    Welch Überraschung!

    Mir scheint das Wissenschaft auf Kindergartenniveau zu sein - sind Binsenweisheiten wirklich einen ganzseitigen Artikel wert?

    Gruß
  • Spurenlesen

    21.04.2006, Dr. Boese Wolfgang
    Vielleicht bestand die ursprüngliche Funktion der VWFA doch nicht im Lesen von Schriftzeichen, sondern wurde bereits viele hunderttausend Jahre von unseren jagenden Vorfahren für das Lesen von Spuren verwendet. Um einen Abdruck im Sand einem Tier, das sich außerhalb des Gesichtsfeldes befindet, zuzuordnen, benötigt es ein gewisses Symbolverständnis und zumindest eine rudimentäre Fähigkeit zu Abstraktion. Es dürft wohl ein evolutiver Vorteil sein, aufgrund von Zeichen am Boden zu entscheiden, was man hinter dem nächsten Hügel zu erwarten hat und ob es sich überhaupt lohnt, der Spur nachzugehen oder Gefahr droht.
  • Antibiotika

    19.04.2006, Dr. Peter Altreuther
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    die Überschrift - weniger Antibiotika, weniger Resistenzen - stimmt immer, in der Humanmedizin und auch in der Tiermedizin. Die Resistenz von Campylobacter gegen Fluorochinolone auf deren Anwendung "in der Tiermast" zurückzuführen, ist vermutlich unzutreffend. Erstens wurden Fluorochinolone nie in der Tiermast als so genannte Wachstumsförderer eingesetzt, sondern nur in Krankheitsfällen als verschreibungspflichtige Arzneimittel.
    Zweitens wird in der Arbeit selbst darauf hingewiesen, dass im Falle der resistenten Proben aus dem nichtaustralischen Ausland nicht sichergestellt werden konnte, dass vor der Probenahme keine Behandlung erfolgt war; die erfolgt nämlich bei infektiösen Darmerkrankungen in Australien und leider auch anderswo immer mit Ciprofloxacin. Fluorochinolone aber haben die Eigenschaft, schon bei einmaliger Behandlung von Campylobacter-Infektionen resistente Stämme zu erzeugen - was bekannt und in der Arbeit auch erwähnt ist (Ref. 22).
    Richtig wäre es, bei infektiösen Darmerkrankungen zwischen E. coli, Salmonellen und Campylobacter zu unterscheiden - was auch aus dem klinischen Bild wahrscheinlich gemacht werden kann. Fluorochinolone sind bei E. coli und Salmonella spp. angezeigt, bei Campylobacter aber nicht die Mittel der Wahl. Das einfachste Makrolid (z.B. Erythromycin) hätte gewirkt, auch bei den gegen Fluorochinolone resistenten Campylobacter.
    Mit freundlichem Gruß
  • Unwissenschaftlich

    12.04.2006, Dr. med. Federico Cardona
    Die Interpretation von Nelson et al. geht weit über das hinaus, was ihre experimentellen Daten hergeben. Unabhängig davon, wie man zum untersuchten Phänomen steht, diese Arbeit disqualifiziert sich dadurch selbst.
  • Untauglicher Versuch der Erklärung

    12.04.2006, Alois Serwaty
    Niemand bestreitet ernsthaft die enge Verbindung zwischen Hirnfunktionen und dem Erleben einer Nahtoderfahrung. Aber sind deshalb Inhalte und Bedeutung von Außerkörper- und Nahtoderfahrungen geklärt? Die Auslösung besagt nichts über Ursachen und Bedeutung!

    Der Erklärungsversuch von K. Nelson u.a. ist ein weiterer untauglicher Versuch, das Phänomen der OBE/NTE auf neurophysiologischer und -psychologischer Basis zu erklären. Jede ernsthafte wissenschaftliche Bemühung, sich diesen Phänomenen zu nähern, ist zu begrüßen. Voreilige Schlussfolgerungen sind jedoch nichts anderes als der Versuch, ein materialistisches Weltbild aufrecht zu erhalten.

    Alois Serwaty
    Netzwerk-Nathoderfahrung
  • Nahtoderfahrungen sind mehr

    12.04.2006, Claus Speer
    Bei dieser hochspekulativen Schlussfolgerung wird nur ein schmaler Teilaspekt des Phänomens Nahtoderfahrung herangezogen. Wer mit einem Erklärungsversuch an die Öffentlichkeit treten will, muss auch alle anderen Aspekte im Blick haben. Einige Beispiele: Wie kann jemand ein Typenschild eines medizinischen Gerätes im OP-Saal genau beschreiben, obwohl dieses Schild für ihn gar nicht sichtbar war? Oder wie kann jemand bei einer Lebensrückschau exakt wiedergeben, welche schwere Komplikation es bei der eigenen Geburt gegeben hat, obwohl die Eltern dem Kind diese immer verschwiegen haben? Man war nämlich bereit gewesen, das Kind zu opfern, um das Leben der Mutter zu retten. Oder wie will man hirnphysiologisch erklären, wenn Gedanken und Gefühle anderer Personen aus längst vergangenen Jahren erlebt werden, obwohl deren Gedanken und Gefühle ganz anders waren, als man damals selbst geglaubt hatte? All diese Phänomene müssen von einer seriösen Forschung berücksichtigt werden, und der Forscher muss dann auch rechtzeitig den Mut zur Erkenntnis aufbringen, dass die heutige Wissenschaft zu einer Erklärung nicht mehr ausreicht.
  • Nah-Tod

    11.04.2006, Peter Contra
    Ich halte diese Erklärung für bei den Haaren herbeigezogen. Ich habe selbst ein Außerkörpererlebnis gehabt, und bei mir war es nicht so, wie hier beschreiben. Außerdem gibt es genügend Statements von Personen, die solche Erlebnisse hatten und am Operationstisch lagen und Dinge beschreiben konnten, die sich im Operationsraum gar nicht ereignet hatten, sondern in Räumen, die weiter entfernt waren. Sie konnten Gespräche von Personen dort wiedergeben, die diese Personen im nachhinein auch bestätigten, obgleich sie diese ganze Zeit immer noch auf dem Operationstisch lagen und das Personal sich bemühte, sie am Leben zu erhalten.

    Es mag ja diese beschriebenen Phänomene bei Personen geben, aber das erklärt meine Erfahrung und die oben beschriebene nicht.

    Ähnlichkeiten erzwingen ja nicht Gleichheitsschlüsse zu rechtfertigen. Das ist ein Bereich, über den wir noch gar nichts wissen.
  • Die Lachscremespeise

    11.04.2006, Matthias Paul Scholz
    Na na, Herr Zinken: "[...] wenn Nahtod-Erlebnisse durch plötzlichen Schlaf erklärbar werden.", schreiben Sie im Newsletter.

    Werden sie das denn?
    Im angeführten Artikel ist lediglich die Rede davon, dass "...etwa sechzig Prozent derer mit Nahtod-Erfahrungen ihre Schlaf- und Wachphasen nicht genau steuern" können - bleiben immer 40% andere (also fast die Hälfte).
    Weiterhin heißt es, "dass Menschen mit solchen Erlebnissen eine spezielle Anlage für so genannten intrusive REM-Phasen besitzen."


    Klingt für mich alles eher danach, dass das Ganze noch sehr im hypothetischen Möglichkeitsraum angesiedelt ist.

    Dennoch natürlich ein interessanter Denkanstoß - habe mich schon immer gewundert, dass Der Finstere Sensenmann hin und wieder so schlampig sein Handwerk verrichten soll. ;-)

    Gruß,
  • Etwas Verschlafener Artikel

    11.04.2006, Susanne Schoofs
    Nur (!) 60 Prozent der 55 Nahtod-Erfahrenen weisen also mangelhafte "Schlafsteuerung" auf.

    Fragen:
    1) Was ist mit den anderen 40 Prozent?

    2) Wie sieht im Vergleich dazu der Prozentsatz bei den
    Nahtod-Unerfahrenen aus?

    3) Da ich Schlafforschung nicht en detail verfolge: Was "steuert" die Schlafprozesse? Kann man überhaupt von "Steuerung" reden?

    Dann kann man im Artikel lesen:
    "Treten diese Schlafzustände bei Gefahr auf, könnten die dabei gesteigerte visuelle Aktivität und plötzliche Muskelentspannung Betroffene glauben lassen, vermeintliches Licht zu sehen und gleichzeitig tot zu sein."

    Bei Lebensgefahr also verfällt der Mensch plötzlich in einen Schlafzustand?

    Dass man sich unter masiver Lebensgefahr "entspannen" kann, ist nachvollziehbar, da viele Menschen dann bereit sind, die persönliche Kontrolle aufzugeben und / oder "einer höheren Macht" o.ä. zu überlassen. Dass man dabei in einen "anderen Bewußtseinszustand" (u.a. Gegenstand der Untersuchung) gelangen kann, ist auch nachvollziehbar. Dass dieses aber dem typischen Schlaf identisch bis ähnlich sein soll, ist doch sehr fragwürdig.

    Scheint es nicht wahrscheinlicher, dass man bei Gefahr durch blitzschnell erhöhten Adrenalinspiegel und dergleichen tendenziell "hellwach" ist?

    Und waren die anderen, nicht Nahtod-Erfahrenen auch schon mal in ihrem Leben in Lebensgefahr? Darüber erfährt man leider auch nichts.

    Ich finde, bevor man diese m.E. "billigen" Erklärungsversuche über ein hochspannendes Thema für die Öffentlichkeit aufbereitet, sollte man doch besser recherchieren. Und ggf. auch lausig schlechte Originalartikel kritisieren.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Frau Schoofs,



    auch wir fanden die Erforschung von Nahtod-Phänomenen als Thema interessant und haben unseren Lesern daher diesen neuen Forschungsansatz vorgestellt.



    In der Tat klagten nur 60 Prozent der von Kevin Nelson und seinen Kollegen befragten Personen mit Nahtod-Erlebnissen über plötzlich auftretenden Traumschlaf während ihrer eigentlichen Wach-Phasen. Die anderen 40 Prozent waren zwar nahtoderfahren, hatten aber bisher keine solchen REM-Schlaf-Phänomene an sich beobachtet.

    Von den Vergleichspersonen hatten alle lebensbedrohliche Situationen erlebt, allerdings ohne Nahtod-Erlebnisse. Von ihnen berichteten nur 24 Prozent von plötzlichen REM-Phasen.



    Kontrolliert wird unser Schlaf durch unser Gehirn. Für den Schlaf-Wach-Rhythmus ist zum Beispiel das Hormon Melatonin verantwortlich, das in der Zirbeldrüse im Zwischenhirn gebildet wird. Je höher dessen Konzentration, desto müder sind wir. Seine Produktion ist vom Lichteinfluss abhängig: je dunkler, desto mehr Melatonin produziert die Drüse.



    Die Ursache für den REM-Schlaf liegt in der so genannten Brücke im Hirnstamm. Hier werden Botenstoffe wie Serotonin und Acetylcholin produziert, die Signale vom Hirnstamm an das Großhirn weitergeben. Wir träumen, weil unser Großhirn diese zufälligen Informationen genauso auswertet wie die Reizsignale, die im wachen Zustand dort eintreffen, so Schlafforscher J. Allan Hobson und Neurophysiologe Robert McCarley. So treffen "sinnlose" Signale auf gespeicherte Sinnesempfindungen, woraus sich der Trauminhalt ergibt.



    In der von mir beschriebenen Studie spekulieren die Forscher, dass die Betroffenen in der Gefahrensituation gleichzeitig Phänome des Wach-Seins und der Traum-Schlaf-Phase erlebt, sich also zeitgleich hellwach und gelähmt gefühlt hatten. Über das, was dabei im Gehirn abläuft, geben die Wissenschaftler leider keine Auskunft. Eine unkontrollierte Ausschüttung von Neurotransmittern ist meiner Ansicht nach aber durchaus denkbar - zumal man hier von Personen mit entsprechender Veranlagung ausgeht. Ganz sicher aber kann dies nur als erster Ansatz gewertet werden, Nahtod-Phänomene physiologisch zu erklären, und die Erforschung dessen ist keinesfalls abgeschlossen.



    Mit freundlichen Grüßen



    Cornelia Reichert
  • Ein Geschenk

    10.04.2006, Dr. Maria Maier-Stolte
    Die Vogelgrippe, ein Geschenk für Anton Pohlmann, Karl Latschenberger und ihresgleichen ...
    Danke für die klaren Worte von R. Zinken zur "Kleinvoliere". Man kann gar nicht genug tun, um gegen diesen Rückschritt in der Legehennenverordung zu protestieren.
    Mit freundlichen Grüßen
    M.Maier-Stolte