Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • sehr schwierig und widersprüchlich

    05.03.2005, Rüdiger Biesold
    Natürlich ist der erste Impuls, die armen Kinder und die armen Eltern. Das nächste Problem, wie kann man dazu Stellung nehmen, ohne in unpassende Schubladen wie Nazi-Euthanasie oder Rassismus geschoben zu werden.
    Gleichwohl ist die hohe Kindersterblichkeit nicht allein zu sehen und ein sehr vielschichtiges Problem.
    Es geht nicht darum, als Europäer sozusagen die Vorherrschaft der Europiden abzusichern. Aber es muß möglich sein, die demographischen Folgen zu bedenken; es muß bei wünschenswert besserer Vorsorge und Abbau der Kindersterblichkeit auch und gleichzeitig um Absenkung der Geburtenrate gehen. Die Gattung Homo vermehrt sich sonst in noch kürzeren Zeiten selbst zu Tode. Bei noch schneller ansteigender Menschenzahl als ohnehin schon werden die Ressourcen noch schneller erschöpft, Kriege deswegen noch selbstverständlicher und die schlichte Ernährung samt Verteilungsmöglichkeit funktioniert auch nicht mehr.
    Was also macht es für einen Sinn, jetzt Kinder überleben zu lassen und Eltern Leid zu ersparen, die sich dann in absehbarer Zeit auf mehr oder weniger menschliche Art umbringen oder anders nahezu pandemisch verdursten und verhungern und natürlich eine unglaubliche Menge von Artgenossen "mitziehen". Das kann man nicht erst fragen, wenn es zu spät ist. In manchen Teilen der Welt ist es bereits zu spät, denn dort sind die Verteilungskriege samt Völkermord bereits Tagesgeschäft.
  • Tod ist nicht vermeidbar!

    05.03.2005, Dr. Ekkard Brewig
    ... sondern kann nur aufgeschoben werden. Es ist heute eine Frage des Wollens und Könnens geworden, dies zu tun. Dies bürdet uns ethische Entscheidungen auf, die wir bei zunehmender Weltbevölkerung nicht mehr leisten können. Die Kinder, die wir heute "retten", treten in der nächsten Generation mit noch mehr Kindern in Erscheinung, die zu "retten" sind. Familienplanung und Trauerarbeit mögen für viele in diesem Zusammenhang ein Reizthemen sein, aber sie sind unvermeidbare Konsequenz von all jener Retterei, die in den vergangenen 100 Jahren stattgefunden hat bzw. stattfindet.
  • Mutig, aber nur die halbe Wahrheit

    05.03.2005, Rüdiger Biesold
    Es ist für einen Wissenschaftler in den heutigen USA sehr mutig, gegen die Regierungspolitik zu protestieren. Er muß befürchten, von der Zuteilung weiterer Forschungsgelder noch mehr ausgeschlossen zu werden; ein sehr großer Anteil von Forschungsmitteln der USA sind verdeckte Militärquellen (auch die NASA lebt zu erheblichen Teilen davon). Leute mit oppositioneller Grundhaltung kommen da leicht auf den Index; auf den Index von Sicherheitsdiensten kommen sie mit Sicherheit auch noch. Es darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden, daß auch versucht wurde Einstein aus den USA zu vertreiben, dessen Eigenständigkeit war schon zuviel.(Von der Herstellung des Massenvernichtungsmittels Atombombe hielt man ihn aus gleichen Gründen sowieso fern.)
    Aber auch dieser anerkennenswerte Mut ist nicht konsequent genug. Die geförderte Forschung für Milzbrand und ähnliches wird nicht (abgeschwächt: nicht nur) zur Abwehr von Bioterrorismus betrieben, da werden Biowaffen entwickelt. Alle bisher in den USA entdeckten Anschläge mit Anthrax enthielten Keime aus militärischen Forschungslabors eben der USA. Das beim Namen zu nennen und im Namen der US-Forschung dagegen zu protestieren wäre der notwendige Schritt.
  • Veranstalter?

    04.03.2005, Hubertus Feldmann
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    es wäre nett, wenn Sie zu solchen Artikeln wie dem o.g. auch einen Link zu dem Veranstalter plazieren könnten.

    Mit freundlichen Grüßen
    Hubertus Feldmann
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Feldmann,



    den Link auf die Veranstaltung und damit auch den Veranstalter finden Sie in der linken Spalte unter "Im Internet":



    Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.



    Mit besten Grüßen,



    Antje Findeklee, Redaktion
  • Sensation mit Fragezeichen

    04.03.2005, Rüdiger Biesold
    Es war schon länger bekannt, daß Homo bereits auf der erectus-Stufe die Insel Flores als Verbreitungsgrenze erreicht haben könnte. Daß eine Art als Inselpopulation auch verzwergen kann, ist ebenfalls nicht neu (z.B. Elephanten von heute italienischen Inseln). Die Artabgrenzung innerhalb von Homo ist problematisch, kein rezenter Mensch weiß, ob sich die verzwergte Form fruchtbar mit anderen (seien es nun erectus oder sapiens) kreuzen konnte. Wenn das ein Einzelfund bleibt, ist ein Artstatus noch problematischer; es könnte auch ein genetischer Einzelfall sein.
    Bleibt die interessante Frage, ob dieser Fund nun eine länger überlebende Abkunft von erectus oder eine Sonderform von sapiens ist; sensationell ist das nicht.
    Die Fundlage der Entwicklung von Homo ist immer noch sehr lückenhaft und auf Inseln (die verstecken sich bisweilen aus Biotop-Gründen auch in geschlossenen Landmassen) mögen noch manche Überraschungen der Entdeckung harren. Nach der überwiegenden Meinung der einschlägigen Wissenschaft ist der kulturfähige Mensch mit Neandertalensis und Sapiens mindestens zweimal entstanden, das könnte bei isolierten Entwicklungen in einem großen Verbreitungsgebiet schon bei erectus auch noch öfter geschehen sein. Auch unter diesem Gesichtswinkel ist das zwar aufregend, aber nicht sensationell; den Ursprung von sapiens aus Afrika ändern solche Funde bisher nicht.
  • Sprachfähigkeiten deutscher Kinder lassen nach

    03.03.2005, Markus Hartung
    Allerdings sollte auch nicht vergessen werden:
    Sprache entwickelt sich.
    Die Deutsche nicht ausgenommen.
    Wir reden und schreiben auch nicht mehr so wie vor zweihundert Jahren .
    Dementsprechend sind Änderungen in Grammatik und Schreibweise meiner Meinung nach oft genug akzeptabel, auch wenn Sie heute für uns ungewohnt oder befremdlich sind. Denn so ist Entwicklung zum Teil nun mal: Ausprobieren!

    Mit freundlichen Grüßen
  • Wer hat hier ein Problem?

    02.03.2005, Dr. Gilbert Brands
    Wenn 5% der Kinder mit steigender Tendenz unter dieses Phänomen fallen, dann haben wohl eher diejenigen ein grundsätzliches ethisches Problem, die das als "behandlungswürdigen genetischen Defekt" bezeichnen und Kinder bedenkenlos unter Drogen setzen, statt sich um schulische oder pädagogische Alternativen zu bemühen. Wenn mit Medikamenten der "Normmensch" erzogen werden soll, können wir uns auch gleich die ganze Diskussion um Klonen von Menschen ersparen - das wäre dann nämlich die sauberere Lösung.
  • Aufhellung eines schwarzen Loches

    28.02.2005, Rüdiger Biesold
    Genau das braucht Wissenschaft; ich bin fest davon überzeugt, daß sogar die Mehrzahl von Erkenntnissen eher "Nicht-Erkenntnisse" sind. Würden diese veröffentlicht (und vielleicht sogar belohnt), würde das nicht nur viele Ressourcen einsparen, es würde auch Fälschern ihr Handwerk zumindest erschweren.
    Es muß eben auch in Kauf genommen werden, daß dabei wohl auch ein paar Denkmale vom Sockel fallen. Hoffentlich bringt auch spektrumdirekt sehr viele diese Art Nachrichten.
  • Nur bei Kindern?

    28.02.2005, Rüdiger Biesold
    Kinder lernen Sprache nicht nur im häuslichen Umfeld oder in Schule und Kindergarten. Ist es in diesen Bereichen bisweilen schon bedenklich schlecht um die Sprache bestellt, ist ein Umfeld aus Werbesendern und sog. Boulevardzeitungen mehr oder weniger katastrophal. Dort werden Sätze willkürlich verstümmelt und unverständliche bzw. völlig überflüssige fremdsprachige Wendungen eingebaut; in den etwas seriöseren Medien nimmt dieser Blödsinn unüberseh- und hörbar zu. Eine weitere Quelle für die Reduktion sprachlicher Fähigkeiten ist die spezielle SMS-Verstümmelung gepaart mit Spielekonsolen.
    Wenn auf diesen Feldern nicht endlich angesetzt wird, kann man phantasievolle und geistreiche Kommunikation in wenigen Jahren nicht nur auf Deutsch völlig vergessen.
    Laut dem Urteil eines Oberlandesgerichtes kann die Einbürgerung eines Ausländers verweigert werden, wenn er einen Zeitungsartikel in Deutsch nicht lesen und auf Deutsch wiedergeben kann. Wenn man das konsequent zu Ende denkt, kann in wenigen Jahren ein bedeutender Teil der deutschen Bevölkerung ausgewiesen werden; die verantwortlichen Redakteure von Sprachverhunzern sollte man am besten gleich als Voraustrupp losschicken.
  • Goldgräberspekulationen

    23.02.2005, Rüdiger Biesold
    Es mag schon sein, daß auf dem Mars Wasser zu finden ist; aber die ewige einseitige Interpretation irgendwelcher möglicher Anzeichen als Tatsache für vorhandenes Wasser erinnert eher an die Goldgräbermentalität früherer Zeiten. (Zum Goldwaschen braucht man allerdings Wasser.)
    Die behauptete "Eichung" von Meteoreinschlägen ist so präzise wie der ebenfalls behauptete uhrähnliche Ablauf genetischer oder sprachlicher Veränderungen. Selbst auf dieser Grundlage ist die Darstellung eines Alters von 5 Millionen Jahren des angeblichen Sees unhaltbar; wenn denn der Interpretation als gefrorener See gefolgt werden kann, kann bestenfalls von "seit 5 Millionen Jahren gefroren" gesprochen werden. Die Einschlagkrater sprechen nicht unbedingt für Eis. Zu erklären wäre auch, wieso sonst (fast) alles Wasser verschwand, dieses große wassergefüllte Becken aber erhalten blieb und dann vor 5 Millionen Jahren zufror.
    Wissenschaft muß sicher um Gelder für weitere Forschungsprojekte werben, aber doch nicht mit Spekulationen, die zu Tatsachen verbogen werden. So etwas ist unredlich, nicht wissenschaftlich; Wissenschaft sollte sich auch nicht an die Mentalität herrschender Politikerkasten anpassen. Ein Pferdemarkt mit Roßtäuschern ist jedenfalls nicht auf dem Mars.
  • Zurück zum Jäger

    23.02.2005, Jürgen E. Walkowitz
    Grundsätzlich halte ich den Rückschritt vom Bauern zum Jäger für nicht machbar. Der aus Hinterindien aufgeführte Fall, wäre aber eine denkbare Variante, da es sich ursprünglich um ganz wenige handelt, die diesn Schritt gingen. Interssanter ist die leider mit zu wenig Hintergrund versehene Version die neuseeländische Südinsel betreffend. Hier habe ich erhebliche Zweifel. Aber wie gesagt: So lange man nicht beurteilen kann ob diese Leute vorher tatsächlich Bauer waren muß man skeptisch bleiben. Für Europa schließe ich die Bauer zu Jäger Variante nachdrücklich aus.
  • Lavaströme auf dem Mars

    23.02.2005, Peter Mayer
    Ich denke, dass man bei Interpretationen wie "was bei einem Lavastrom ungewöhnlich wäre" sehr vorsichtig sein sollte. Der Mars ist nicht die Erde. Die geringere Gravitation und die dünnere Atmosphäre lässt vielleicht auch Lavaströme sich anders verhalten als auf der Erde.

  • Evolution?

    22.02.2005, Rüdiger Biesold
    Der Begriff der Evolution ist ohne Zusatz biologisch zu verstehen. Unter diesem Gesichtswinkel ist der Begriff hier aber fehl am Platz. Von einem soziologischen Rückfall auf eine frühere Kulturstufe könnte man in diesem Fall sprechen, folgt man der aufgezeigten Stufenentwicklung.
    Von der Vergleichbarkeit linguistischer und genetischer Untersuchungsergebnisse zu sprechen ist bei einem Unterschiedsfaktor von 10 auch ein wenig gewagt. Allerdings haben beide Wissenschaften keine geeichten Ablaufuhren, die Zeitfaktoren sind daher sehr verschwommen und möglicherweise je nach Gewichtung der Einzelergebnisse dennoch vergleichbar (das sollte nur verdeutlicht werden).
    Die erzählte Geschichte mit der Aussetzung könnte durchaus einen realen Hintergrund haben, nur nicht mit Kindern. Eine Ausstoßung einer Kleingruppe kommt ab und an vor, das kann an Krankheiten oder schwerwiegenden Vergehen liegen oder es fanden sich Leute zu einer Familie zusammen, denen das nicht gestattet war und die deshalb möglicherweise auch flüchteten. In diesem Fall wäre eine Rückkehr zur Jäger- und Sammlerkultur auch logisch, diese unstete Lebensweise erschwert möglichen Verfolgern die Auffindung und Flucht ist ohne größere materielle Verluste auch viel leichter.
    Wenn man zudem den Kern des Märchens von Hänsel und Gretel bedenkt, wäre der Verfälschungsfaktor ähnlich.
  • Geburtstag?? Jubiläum!!

    21.02.2005, H. Schiller, Hannover
    Was soll diese alberne Metapher vom "Geburtstag" des - ähm - Himmelskörpers?

    Wenn überhaupt, sollte man - gerade in einer "Wissenschaftszeitung" - von dem 75-jährigen Jubiläum seiner Entdeckung sprechen!!
  • Definitionsproblematik

    18.02.2005, Rüdiger Biesold
    Ob ein um die Sonne kreisender Körper nun ein Planet oder ein Planetoid oder nur ein Brocken ist, ist nicht klar zu definieren. Allein die Größe ist es nicht, denn nicht nur Pluto, auch Merkur ist kleiner als Monde. Die irreguläre Umlaufbahn von Pluto ist auch kein durchschlagendes Argument; es könnte ein eingefangener Körper sein, aber auch eine durch Kollision veränderte Umlaufbahn.
    Bei der Benennung des Entdeckers wird es vollends kompliziert. Wenn man den heutigen (aus meiner Sicht falschen) Sprachgebrauch für Extrasolare Planeten berücksichtigt, müßte der Berechner der mutmaßlichen Position von Pluto als Entdecker gelten; schließlich sind bisher alle extrasolaren Planeten ausschließlich aus Bewegungsstörungen des jeweiligen Zentralgestirns errechnet und werden dennoch als "entdeckt" bezeichnet.
    Wissenschaft ist ein kompliziertes Geschäft, der Sprachgebrauch sollte etwas näher an der Exaktheit der Instrumente liegen.