Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Sicher?

    26.04.2006, Dr. med. Sabine Ladner-Merz
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich bin entsetzt, dass in einem Artikel in einer so seriösen Wissenschaftszeitung wie der Ihren Artikel erscheinen, die offensichtlich schlecht recherchiert sind. So hat der Verfasser im oben genannten Artikel nur die von der IAEO veröffentlichten Zahlen über die Tschernobyl-Opfer zitiert, nicht jedoch die von unabhängigen Institutionen, Ärzteverbänden und Nichtregierungsorganisationen veröffentlichten Zahlen von 50 000 bis 100 000 Toten (Studie der Gesellschaft für Strahlenschutz und der IPPNW). Auf diese Weise werden aus ärztlicher Sicht immer noch von Journalisten die tatsächlichen Folgen von Tschernobyl (auch hier in Deutschland, allein in Bayern 1000 bis 3000 zusätzliche Fehlbildungen bei Kindern!) grob fahrlässig verharmlost!

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. med. Sabine Ladner-Merz

    P.S.: Ich empfehle jedem, der vor 20 Jahren im Freien tätig war (z.B. Polizeibeamten), seine Schilddrüse untersuchen zu lassen, ich beobachte in letzter Zeit bei meinen Patienten eine (sicherlich nicht statistische) Zunahme von Schilddrüsen-Karzinomen!
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Frau Dr. Ladner-Merz,



    wie Sie sicherlich wissen, ist es bei diesem hoch emotional beladenen Thema sehr schwer, an stichhaltige Daten zu kommen. Viele Interessengruppen erstellen ihre eigenen Statistiken, in denen sie dann mehr oder weniger großzügig Opferzahlen angeben. Einmal werden ausschließlich die Personen gezählt, die unmittelbar an der Strahleneinwirkung verstorben sind, dann wieder alle Leute, die irgendwie an Krebs starben, oder es werden sogar Menschen hinzugerechnet, die Selbstmord verübten, weil man unterstellt, die Tschernobyl-Katastrophe hätte sie dazu getrieben. Zugleich vermischen viele Quellen die Zahl der Toten mit denen der Invaliden und geben sehr unterschiedlich hohe "Opfer"-Zahlen an. Die Größenordnung, die Sie nennen, war uns zumindest ebenso bekannt.



    Es war aber nicht Absicht des Artikels, möglichst genaue Ziffern zu liefern, sondern Positionen gegenüber zu stellen. Daher betitelten wir die im Text genannte Zahl von weniger als sechzig Personen - die übrigens ebenso von der WHO kommuniziert wird - als "offizielle Angabe". Doch gleich im anschließenden Satz merken wir ebenso an, dass andere Quellen - Mediziner wie Sie nämlich - mit einigen Tausend Toten rechnen. Wir denken, Ihren Berechnungen damit gerecht geworden zu sein.



    Ähnliche Betrachtungen zur Handhabung von Statistiken gelten übrigens auch für die Fragen, wie hoch die Kohlendioxid-Emissionen bei der Nutzung der Kernenergie wirklich sind, wie teuer der Strom aus Nuklearanlagen eigentlich genau ist sowie die Frage, wie lange Natur-Uran noch zur Verfügung steht. Auch da erhalten Sie je nach Argumentationsstrang sehr unterschiedliche Angaben. Oder wie im letzten Satz des Artikels angedeutet: Es bleibt genügend Raum für weiteren Disput.



    Mit freundlichen Grüßen

    Gerhard Samulat

    Autor des Beitrags
  • Kindergartenwissenschaft?

    25.04.2006, Matthias Paul Scholz
    Halten wir fest, welche Erkenntnisse der Artikel aufführt:

    1. Wenn wir ökonomische Entscheidungen treffen, sind Neuronen im Gehirn aktiv.
    2. Zu diesen Neuronen gehören auch solche in einem Areal, das mit emotionalen Entscheidungen bzw. deren Hemmung in Verbindung gebracht werden.

    Kurz gesagt: Wenn wir ökonomische Entscheidungen treffen, denken wir nach. Und Emotionalität bzw. deren Hemmung spielt dabei auch eine Rolle.

    "Demnach könnten krankhafte Störungen des Entscheidungsverhaltens ausgelöst werden, so spekuliert der Wissenschaftler, wenn diese Nervenzellpopulation durch Krankheit oder Unfall in Mitleidenschaft gezogen worden ist."

    Welch Überraschung!

    Mir scheint das Wissenschaft auf Kindergartenniveau zu sein - sind Binsenweisheiten wirklich einen ganzseitigen Artikel wert?

    Gruß
  • Spurenlesen

    21.04.2006, Dr. Boese Wolfgang
    Vielleicht bestand die ursprüngliche Funktion der VWFA doch nicht im Lesen von Schriftzeichen, sondern wurde bereits viele hunderttausend Jahre von unseren jagenden Vorfahren für das Lesen von Spuren verwendet. Um einen Abdruck im Sand einem Tier, das sich außerhalb des Gesichtsfeldes befindet, zuzuordnen, benötigt es ein gewisses Symbolverständnis und zumindest eine rudimentäre Fähigkeit zu Abstraktion. Es dürft wohl ein evolutiver Vorteil sein, aufgrund von Zeichen am Boden zu entscheiden, was man hinter dem nächsten Hügel zu erwarten hat und ob es sich überhaupt lohnt, der Spur nachzugehen oder Gefahr droht.
  • Antibiotika

    19.04.2006, Dr. Peter Altreuther
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    die Überschrift - weniger Antibiotika, weniger Resistenzen - stimmt immer, in der Humanmedizin und auch in der Tiermedizin. Die Resistenz von Campylobacter gegen Fluorochinolone auf deren Anwendung "in der Tiermast" zurückzuführen, ist vermutlich unzutreffend. Erstens wurden Fluorochinolone nie in der Tiermast als so genannte Wachstumsförderer eingesetzt, sondern nur in Krankheitsfällen als verschreibungspflichtige Arzneimittel.
    Zweitens wird in der Arbeit selbst darauf hingewiesen, dass im Falle der resistenten Proben aus dem nichtaustralischen Ausland nicht sichergestellt werden konnte, dass vor der Probenahme keine Behandlung erfolgt war; die erfolgt nämlich bei infektiösen Darmerkrankungen in Australien und leider auch anderswo immer mit Ciprofloxacin. Fluorochinolone aber haben die Eigenschaft, schon bei einmaliger Behandlung von Campylobacter-Infektionen resistente Stämme zu erzeugen - was bekannt und in der Arbeit auch erwähnt ist (Ref. 22).
    Richtig wäre es, bei infektiösen Darmerkrankungen zwischen E. coli, Salmonellen und Campylobacter zu unterscheiden - was auch aus dem klinischen Bild wahrscheinlich gemacht werden kann. Fluorochinolone sind bei E. coli und Salmonella spp. angezeigt, bei Campylobacter aber nicht die Mittel der Wahl. Das einfachste Makrolid (z.B. Erythromycin) hätte gewirkt, auch bei den gegen Fluorochinolone resistenten Campylobacter.
    Mit freundlichem Gruß
  • Unwissenschaftlich

    12.04.2006, Dr. med. Federico Cardona
    Die Interpretation von Nelson et al. geht weit über das hinaus, was ihre experimentellen Daten hergeben. Unabhängig davon, wie man zum untersuchten Phänomen steht, diese Arbeit disqualifiziert sich dadurch selbst.
  • Untauglicher Versuch der Erklärung

    12.04.2006, Alois Serwaty
    Niemand bestreitet ernsthaft die enge Verbindung zwischen Hirnfunktionen und dem Erleben einer Nahtoderfahrung. Aber sind deshalb Inhalte und Bedeutung von Außerkörper- und Nahtoderfahrungen geklärt? Die Auslösung besagt nichts über Ursachen und Bedeutung!

    Der Erklärungsversuch von K. Nelson u.a. ist ein weiterer untauglicher Versuch, das Phänomen der OBE/NTE auf neurophysiologischer und -psychologischer Basis zu erklären. Jede ernsthafte wissenschaftliche Bemühung, sich diesen Phänomenen zu nähern, ist zu begrüßen. Voreilige Schlussfolgerungen sind jedoch nichts anderes als der Versuch, ein materialistisches Weltbild aufrecht zu erhalten.

    Alois Serwaty
    Netzwerk-Nathoderfahrung
  • Nahtoderfahrungen sind mehr

    12.04.2006, Claus Speer
    Bei dieser hochspekulativen Schlussfolgerung wird nur ein schmaler Teilaspekt des Phänomens Nahtoderfahrung herangezogen. Wer mit einem Erklärungsversuch an die Öffentlichkeit treten will, muss auch alle anderen Aspekte im Blick haben. Einige Beispiele: Wie kann jemand ein Typenschild eines medizinischen Gerätes im OP-Saal genau beschreiben, obwohl dieses Schild für ihn gar nicht sichtbar war? Oder wie kann jemand bei einer Lebensrückschau exakt wiedergeben, welche schwere Komplikation es bei der eigenen Geburt gegeben hat, obwohl die Eltern dem Kind diese immer verschwiegen haben? Man war nämlich bereit gewesen, das Kind zu opfern, um das Leben der Mutter zu retten. Oder wie will man hirnphysiologisch erklären, wenn Gedanken und Gefühle anderer Personen aus längst vergangenen Jahren erlebt werden, obwohl deren Gedanken und Gefühle ganz anders waren, als man damals selbst geglaubt hatte? All diese Phänomene müssen von einer seriösen Forschung berücksichtigt werden, und der Forscher muss dann auch rechtzeitig den Mut zur Erkenntnis aufbringen, dass die heutige Wissenschaft zu einer Erklärung nicht mehr ausreicht.
  • Die Lachscremespeise

    11.04.2006, Matthias Paul Scholz
    Na na, Herr Zinken: "[...] wenn Nahtod-Erlebnisse durch plötzlichen Schlaf erklärbar werden.", schreiben Sie im Newsletter.

    Werden sie das denn?
    Im angeführten Artikel ist lediglich die Rede davon, dass "...etwa sechzig Prozent derer mit Nahtod-Erfahrungen ihre Schlaf- und Wachphasen nicht genau steuern" können - bleiben immer 40% andere (also fast die Hälfte).
    Weiterhin heißt es, "dass Menschen mit solchen Erlebnissen eine spezielle Anlage für so genannten intrusive REM-Phasen besitzen."


    Klingt für mich alles eher danach, dass das Ganze noch sehr im hypothetischen Möglichkeitsraum angesiedelt ist.

    Dennoch natürlich ein interessanter Denkanstoß - habe mich schon immer gewundert, dass Der Finstere Sensenmann hin und wieder so schlampig sein Handwerk verrichten soll. ;-)

    Gruß,
  • Etwas Verschlafener Artikel

    11.04.2006, Susanne Schoofs
    Nur (!) 60 Prozent der 55 Nahtod-Erfahrenen weisen also mangelhafte "Schlafsteuerung" auf.

    Fragen:
    1) Was ist mit den anderen 40 Prozent?

    2) Wie sieht im Vergleich dazu der Prozentsatz bei den
    Nahtod-Unerfahrenen aus?

    3) Da ich Schlafforschung nicht en detail verfolge: Was "steuert" die Schlafprozesse? Kann man überhaupt von "Steuerung" reden?

    Dann kann man im Artikel lesen:
    "Treten diese Schlafzustände bei Gefahr auf, könnten die dabei gesteigerte visuelle Aktivität und plötzliche Muskelentspannung Betroffene glauben lassen, vermeintliches Licht zu sehen und gleichzeitig tot zu sein."

    Bei Lebensgefahr also verfällt der Mensch plötzlich in einen Schlafzustand?

    Dass man sich unter masiver Lebensgefahr "entspannen" kann, ist nachvollziehbar, da viele Menschen dann bereit sind, die persönliche Kontrolle aufzugeben und / oder "einer höheren Macht" o.ä. zu überlassen. Dass man dabei in einen "anderen Bewußtseinszustand" (u.a. Gegenstand der Untersuchung) gelangen kann, ist auch nachvollziehbar. Dass dieses aber dem typischen Schlaf identisch bis ähnlich sein soll, ist doch sehr fragwürdig.

    Scheint es nicht wahrscheinlicher, dass man bei Gefahr durch blitzschnell erhöhten Adrenalinspiegel und dergleichen tendenziell "hellwach" ist?

    Und waren die anderen, nicht Nahtod-Erfahrenen auch schon mal in ihrem Leben in Lebensgefahr? Darüber erfährt man leider auch nichts.

    Ich finde, bevor man diese m.E. "billigen" Erklärungsversuche über ein hochspannendes Thema für die Öffentlichkeit aufbereitet, sollte man doch besser recherchieren. Und ggf. auch lausig schlechte Originalartikel kritisieren.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Frau Schoofs,



    auch wir fanden die Erforschung von Nahtod-Phänomenen als Thema interessant und haben unseren Lesern daher diesen neuen Forschungsansatz vorgestellt.



    In der Tat klagten nur 60 Prozent der von Kevin Nelson und seinen Kollegen befragten Personen mit Nahtod-Erlebnissen über plötzlich auftretenden Traumschlaf während ihrer eigentlichen Wach-Phasen. Die anderen 40 Prozent waren zwar nahtoderfahren, hatten aber bisher keine solchen REM-Schlaf-Phänomene an sich beobachtet.

    Von den Vergleichspersonen hatten alle lebensbedrohliche Situationen erlebt, allerdings ohne Nahtod-Erlebnisse. Von ihnen berichteten nur 24 Prozent von plötzlichen REM-Phasen.



    Kontrolliert wird unser Schlaf durch unser Gehirn. Für den Schlaf-Wach-Rhythmus ist zum Beispiel das Hormon Melatonin verantwortlich, das in der Zirbeldrüse im Zwischenhirn gebildet wird. Je höher dessen Konzentration, desto müder sind wir. Seine Produktion ist vom Lichteinfluss abhängig: je dunkler, desto mehr Melatonin produziert die Drüse.



    Die Ursache für den REM-Schlaf liegt in der so genannten Brücke im Hirnstamm. Hier werden Botenstoffe wie Serotonin und Acetylcholin produziert, die Signale vom Hirnstamm an das Großhirn weitergeben. Wir träumen, weil unser Großhirn diese zufälligen Informationen genauso auswertet wie die Reizsignale, die im wachen Zustand dort eintreffen, so Schlafforscher J. Allan Hobson und Neurophysiologe Robert McCarley. So treffen "sinnlose" Signale auf gespeicherte Sinnesempfindungen, woraus sich der Trauminhalt ergibt.



    In der von mir beschriebenen Studie spekulieren die Forscher, dass die Betroffenen in der Gefahrensituation gleichzeitig Phänome des Wach-Seins und der Traum-Schlaf-Phase erlebt, sich also zeitgleich hellwach und gelähmt gefühlt hatten. Über das, was dabei im Gehirn abläuft, geben die Wissenschaftler leider keine Auskunft. Eine unkontrollierte Ausschüttung von Neurotransmittern ist meiner Ansicht nach aber durchaus denkbar - zumal man hier von Personen mit entsprechender Veranlagung ausgeht. Ganz sicher aber kann dies nur als erster Ansatz gewertet werden, Nahtod-Phänomene physiologisch zu erklären, und die Erforschung dessen ist keinesfalls abgeschlossen.



    Mit freundlichen Grüßen



    Cornelia Reichert
  • Nah-Tod

    11.04.2006, Peter Contra
    Ich halte diese Erklärung für bei den Haaren herbeigezogen. Ich habe selbst ein Außerkörpererlebnis gehabt, und bei mir war es nicht so, wie hier beschreiben. Außerdem gibt es genügend Statements von Personen, die solche Erlebnisse hatten und am Operationstisch lagen und Dinge beschreiben konnten, die sich im Operationsraum gar nicht ereignet hatten, sondern in Räumen, die weiter entfernt waren. Sie konnten Gespräche von Personen dort wiedergeben, die diese Personen im nachhinein auch bestätigten, obgleich sie diese ganze Zeit immer noch auf dem Operationstisch lagen und das Personal sich bemühte, sie am Leben zu erhalten.

    Es mag ja diese beschriebenen Phänomene bei Personen geben, aber das erklärt meine Erfahrung und die oben beschriebene nicht.

    Ähnlichkeiten erzwingen ja nicht Gleichheitsschlüsse zu rechtfertigen. Das ist ein Bereich, über den wir noch gar nichts wissen.
  • Ein Geschenk

    10.04.2006, Dr. Maria Maier-Stolte
    Die Vogelgrippe, ein Geschenk für Anton Pohlmann, Karl Latschenberger und ihresgleichen ...
    Danke für die klaren Worte von R. Zinken zur "Kleinvoliere". Man kann gar nicht genug tun, um gegen diesen Rückschritt in der Legehennenverordung zu protestieren.
    Mit freundlichen Grüßen
    M.Maier-Stolte
  • Der falsche Weg

    10.04.2006, Wagner Thomas
    Mich erstaunt es doch immer wieder, die Wege die eine Regierung einschlägt, nur um blinden Aktionismus zu betreiben, ohne wirklich einmal richtig nachzudenken. Ich denke ein gutes und selbstregulierendes System wäre es doch, wenn man ganz einfach keine Ersatzzahlungen für gekeulte Hühner leisten würde.

    Spielen wir doch einfach mal den Fall durch, dass ein Massenbetrieb für seine an H5N1 erkrankten Hühnervögel keinen einzigen Euro sehen würde, aber der Verkauf eines an H5N1 erkrankten Tieres zu jahrelanger Haftstrafe führen würde (vorsätzliche Tötung). Wäre ich Geflügelzüchter, ich würde alles daran setzen, dass ich nur gesunde Hühner habe und dass mir ja kein anderer Vogel irgendwie in meinen Betrieb rein kommen könnte, wüsste ich doch genau, dass dies sonst mein finanzieller Ruin wäre.

    Das System würde sich selbst regulieren, nach den ganz normalen Gesetzen der Marktwirtschaft. Der Bauer würde jedes neu gekaufte Huhn erst einmal getrennt in Quarantäne halten. Die Eingänge hätten doppelte Türen und Netze, und Lüftungsanlagen wären gleichfalls mit undurchdringlichen Netzen gesichert. Lässt man nicht die notwendige Sorgfalt walten, so riskiert man seine Existenz.

    Welchen Grund sollte ein Landwirt momentan haben, genau diese Sorgfalt zu Tage zu legen, bekommt er doch den ganzen Schaden bezahlt. Niemals hätte er so viele Hühner auf einmal verkaufen können und so viel Geld in der Hand gehabt. Zudem finde ich es unsinnig, in Nachbarbetrieben innerhalb einiger Kilometer alle Hühnervögel gleichfalls zu töten. Erstens verbreitet sich das Virus nicht über die Luft und zweitens würde es genügen, den Betrieb erst einmal zu beobachten, ob Tiere an H5N1 sterben. Wenn ja, dann kann man immer noch alle Tiere schlachten. Ein Ausfuhr- und Verkaufsverbot würde meiner Ansicht nach vorerst reichen. Blinder stumpfsinniger Aktionismus!
  • Hilfe die Maikäfer kommen!

    10.04.2006, Katrin Brudnitzki
    Sehr geehrte Damen und Herren!

    Neu zugezogen, stellte ich fest, dass die Anwohner in unserem Wohngebiet schon seit Jahren mit Engerlingen in ihrem Rasen kämpfen. Die Grundstücke liegen in Seenähe, der Grundwasserspiegel ist hoch und somit haben wir ständig mit Moos zu kämpfen.
    So wird auch nach dem Vertikutieren fleißig Gras gesäht. Das frische Gras oder auch die Wurzeln werden gern von den Engerlingen gefressen. Was kann man tun? Wo gibt es diesen Pilz und was kostet er? Nun sollten die Maikäfer sich ja eigentlich im letzten Herbst verpuppt haben und sollten nun auch Ende April schlüpfen. Diese sind dann in Trauben und den Dachfirsten anzutreffen. Kann man nicht hier auch schon etwas tun? Das man zum Beispiel dafür sorgt, dass die Maikäfer sich nach dem Schlüpfen gar nicht erst unter den Dachfirsten sammeln mögen?

    Vielen Dank im voraus für Ihre Information!

    Mit freundlichen Grüsse

    Brudnitzki
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Frau Brudnitzki,



    Ihre Anfrage bezüglich der Engerlinge im Rasen wurde von der Spektrum-Redaktion an uns, das Institut für biologischen Pflanzenschutz der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, weitergeleitet.

    Zu Ihrem Problem muss man als erstes sagen: Nicht jeder Engerling im Rasen ist ein Maikäfer-Engerling. Es gibt noch einige andere, den Rasen schädigende Blatthornkäfer-Arten, zum Beispiel Junikäfer und Gartenlaubkäfer, die sich alle sehr ähneln und die nur von Fachleuten auseinandergehalten werden können, gegen die aber der in dem Spektrum-Artikel beschriebene Pilz, Beauveria brongniartii, gar nichts ausrichten würde. Aufgrund des von Ihnen beschriebenen Flugverhaltens würden wir eher auf Junikäfer schließen.

    Wenn Sie allerdings sicher sind, dass es sich um Maikäfer handelt - etwa weil Sie regelmäßig, vermutlich alle drei Jahre (je nachdem, wo in Deutschland Sie zuhause sind) einen Käferflug beobachten -, wäre prinzipiell dieser Pilz als natürlicher Gegenspieler des Maikäfers eine Möglichkeit zu seiner Bekämpfung. Nun ist in Deutschland für kaum einen Einsatzbereich ein Pflanzenschutzmittel gegen Maikäfer zugelassen. Lediglich im Weinbau darf NeemAzal-T/S gegen die Käfer des Feldmaikäfers gespritzt oder gesprüht werden.

    Leider ist eine Zulassung für Beauveria-brongniartii-Produkte, wie sie in der Schweiz und in Österreich bestehen, in absehbarer Zeit für Deutschland nicht zu erwarten. Die Gründe hierfür sind vielfältig, unter anderem waren in den letzten Jahren die Nachfrage und der Wille zum Einsatz biologischer Mittel in den Bereichen, in denen Maikäfer schädigen, in Deutschland nicht groß genug, die Kosten für eine Zulassung dagegen aber sehr wohl, sodass es sich für keine der zumeist kleinen Firmen gelohnt hätte, eine solche zu beantragen.

    Was Sie trotzdem tun können, sind mechanische Bekämpfungsmethoden oder Vermeidungsstrategien. Sie könnten die Käfer, wenn sie denn schon in Trauben unter den Dachfirsten hängen, absammeln und töten (einfrieren ist vielleicht eine relativ schonende Methode). Sie können außerdem die potenziellen Eiablageflächen so gestalten, dass sie für den Maikäfer nicht attraktiv sind, das heißt sie brach lassen. In Ihrem Fall hieße das, dass Sie mit der Neuaussaat von Rasen bis nach dem Flug warten. Eine weitere Möglichkeit ist, die Eiablage zu lenken, indem Sie auf nur einer Fläche (bei Wiesen) den Bewuchs kurz halten und sonst nicht mähen. Anschließend, also in den folgenden Jahren, können Sie auf dieser Fläche durch intensive Bodenbearbeitung die Engerlinge abtöten. Vermutlich kostenintensiver wäre es, die betroffenen Flächen durch Netze vor einer Eiablage zu schützen. In den Jahren zwischen den Flügen wirkt eine Bodenbearbeitung, z.B. fräsen, immer in der warmen Zeit (Juni-Oktober), wenn die Engerlinge sich direkt unter der Grasnarbe befinden.

    Im Übrigen hat das Moos im Rasen vermutlich nichts mit der Seenähe zu tun, sondern hängt mit einer Beschattung der Fläche und der, bei Rasenanlage häufig vorbereitend aufgebrachten, Torfauflage zusammen. Moos ist zumeist ein Hinweis auf eine Versauerung.



    Wir hoffen, diese Ausführungen sind Ihnen hilfreich.



    Mit freundlichen Grüßen

    im Auftrag
  • Rheinland-Pfalz

    08.04.2006, Dr. Karl-Heinz Klär
    Lieber Herr Zinken,

    erlauben Sie mir festzustellen, dass das Land Rheinland-Pfalz am 7. April 2006 im Bundesrat der Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung NICHT zugestimmt hat. Die Gründe, die Frau Staatsministerin Margit Conrad in ihrer Rede vor dem Plenum des Bundesrats für die Ablehnung anführte, würden Ihnen bekannt vorkommen.

    Beste Grüße!

    Dr. Karl-Heinz Klär
    Staatssekretär, Bevollmächtigter des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und für Europa
  • Sie sind Samen

    05.04.2006, Holger Schoening
    Hallo
    Der Nutzen der Faulen für die Kolonie scheint mir offensichtlich.
    Ich gehe davon aus, dass innerhalb einer Kolonie alle Individuen eng miteinander verwandt sind. Die Kolonie muss sich aber auch reproduzieren und nicht nur erhalten. Fremde Kolonien sind wahrscheinlich weit weg, und für die Kontaktaufnahme bedarf es viel Energie.
    So sind die Faulen wahrscheinlich nichts anderes als fette Samenkörner, die das Genom der Kolonie reproduzieren.
    Auch zum Nutzen der Fleißigen, weil sie ja nah verwandt sind mit den Faulen.
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