Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Steinzeitdiät und sogenannte 'fleischlose Kost'

    10.06.2015, Steffen Seidel
    Grassamen waren in der Steinzeit als Nahrung oft genug ein nicht unwesentlicher Bestandteil. Zumindest in der Jahreszeit, in der die Gräser ihre Samen ausgebildet hatten. Die Grenze zu Biogetreide und alten Getreidearten wie Dinkel ist dann nicht besonders ausgeprägt. Der einzige Unterschied ist dann, dass wir das ganze Jahr über versorgt sind.
    Pestizidgetreide und vor allem die genmanipulierten Sorten sind natürlich etwas völlig anderes, das man meiden sollte.

    Auch ist die Diskussion über Fleischkonsum etwas daneben. Besonders Vegetarier und Veganer übersehen dabei, dass Fleisch nicht unbedingt das ist, was wir heute üblicherweise darunter verstehen. In der Steinzeit waren Fleischlieferanten meist Insekten (besonders Maden Raupen und Larven) aber auch z.B. Würmer. Diese wurden meist roh verzehrt. Kleingehackte Heuschrecken, in Öl eingelegt, mit Zwiebeln, wie ein Beefsteak bzw. eine Frikadelle geformt, soll sich geschmacklich kaum von 'heutigen' Produkten unterscheiden. Es gibt zwar eine Reihe von Veröffentlichungen wo es heute als gelegentliches Essen für arme Leute verunglimpft wird, aber vor 150 - 200 Jahren war das noch in der 'Mittelklasse' gar nicht so selten. (p.s. als Anekdote: selbst Karl May schreibt in seinen 'Durch die Wüste' ff. Bänden darüber. Ich glaube, das Rezept stammt daher.) Bei den noch nicht verwestlichten Ureinwohnern im südlichen Afrika, in Südamerika, Südostasien und besonders in Australien sind rohgegessenes Kleingetier nicht nur Delikatessen, sondern noch ein wesentlicher Nahrungsbestandteil. Dieser gehört halt zu einer ausgewogenen Ernährung unbedingt dazu. Allerdings darf man sich dann nicht wie die meisten Erwachsenen hierzulande schon vor Regenwürmern ekeln. (Das ist übrigens anerzogen, kleine Kinder ekeln sich nicht, nicht einmal, selbst so einen Wurm in den Mund zustecken.)

    Die Insektenstadien u.a. haben nicht nur einen sehr hohen Eiweißgehalt, sondern auch viele Vitamine und Spurenelemente. Egal wie sehr vegetarisch, das gehört schon ewig zu uns Hominiden dazu, schon bevor die Schimpansen eine eigene Art wurden. Andererseits, wenn wir etwas mehr bei unserer modernen Ernährung bleiben, werden die uns Amseln dankbar sein.

    noch ein p.s.: bis vor 30 Jahren waren in einer Graupensuppe üblicherweise noch winzig kleine Käfer. Da sie obenauf schwammen, wurden sie da aber bereits meist abgeschöpft. Früher wurden sie mitgegessen.

    Wir jammern wirklich auf sehr hohem Niveau!

  • Produktplatzierungen

    10.06.2015, Gretchen
    Ich verstehe die Kritik nicht ganz ( zumindest hinsichtlich Ernährung), denn Werbeagenturen und Vertriebsagenturen machen schliesslich nichts anderes nur im Sinne eines Grosskonzerns und nicht im Sinne (Gesundheit bestreffend) des Verbrauchers. Sie positionieren ihre Waren bestmöglich, dass der Konsument zum Kauf verleitet wird; es wird Werbung gemacht um Bedürfnisse zu wecken. Wenn zB keine Werbung für Süssigkeiten die auf Kinder abzielt verboten würde und diese auch nicht in "Kinderaugenhöhe" oder an der Kasse ausliegen würde, wären mit Sicherheit schon einige Kinder leichter.
    Ich möchte auch nicht bevormundet werden, aber Werbung beeinflusst einen schliesslich unterbewusst und auch wenn ich kein TV konsumiere bin ich ihr ausgesetzt. Man kann sich Werbung nicht entziehen. Warum sollte man dann nicht auch gesundheitsfördernde "Werbung" bzw Produktplatzierungen erlauben? Warum sollte man nicht Werbung schalten die das Bedürfnis nach frischen regionalen Lebensmitteln und Bewegung fördert?
    Wenn an der Kasse regionales Obst etc statt Schokoladenriegel ausliegen würden, würden die Verkaufszahlen der "Quengelware" sicher drastisch sinken.
  • "Spuren der Vergangenheit"

    10.06.2015, Paul R. Woods
    Vielen Dank für die Würdigung des Deltawerkes und die damit verbundene Leistung der Niederlande ("God schiep de zee en wij ons land")
    "Dieses Marschland" scheint das "Verdronken land van Saeftinghe" (Ertrunkenes Land von Saeftinghe) zu sein. Es befindet sich am östlichen Ende von Zeeuws Vlaanderen (der Teil Flanderns, der zur Provinz Zeeland gehört. Es wird absichtlich nicht eingedeicht, sondern dem Wechselspiel der Gezeiten überlassen. Und die Stadt Saeftinghe ertrank, weil eine Nixe gegen ihren Wunsch festgehalten wurde.
    Und die jüngste technische Einrichtung zur Sturmflutabwehr stellen die Schleussentore im Kanal ("Nieuwe Waterweg") von der Nordsee nach Rotterdam dar und dieser Kanal befindet sich in der Provinz Zuid-Holland, nicht in Zeeland.
  • Tägliche Notizen in Ton geritzt

    10.06.2015, Walter Weiss, Kassel
    Wir wissen inzwischen, dass die gefundenen Tontäfelchen nur tägliche Notizen waren und dass deren Inhalt dazu bestimmt war, nach Ablauf vielleicht einer Woche in größere Register eingetragen zu werden - dabei sind nur die Tontäfelchen erhalten und auch nur dort, wo ihr Aufbewahrungsort vor der Übernahme in die größeren Register gebrandschatzt worden ist; es war ja die Zeit der Seevölkerüberfälle, die die Stadtstaaten ständig brandschatzten. Es mussten die genannten Bedingungen zusammenkommen, um die Täfelchen zu brennen und zu erhalten. Die größeren Register sind niemals aufgefunden worden, sie waren offenbar auf Pergament oder Papyrus geschrieben und verbrannten natürlich.

    Die eine abgebildete Tafel ist eine von mehreren, auf denen namentlich benannte Personen als Beobachtertrupps für die Küste eingeteilt wurden - einschließlich eines (wohl berittenen) Boten, der die einzelnen an verschiedenen Plätzen positionierten Gruppen verband und wohl auch für die schnelle Benachrichtigung der Stadt eingesetzt war - alles, um einen Angriff der Seevölker rechtzeitig zu bemerken und dagegen die Stadt verteidigungsbereit zu machen. Tragisch: Offenbar kamen die Angreifer schon, bevor diese Befehle den einzuteilenden Beobachtern der Küste auch nur ausgehändigt worden waren, denn die Stadt brannte gleich nach dem Ausstellen der Befehle ab, so dass die in den weichen Ton geschriebenen Anweisungen hart brannten und bis heute erhalten blieben.

    Andere Täfelchen enthielten Listen der Nahrungsmittel, die Flüchtlingsfamilien aus anderen bereits überfallenen Städten ausgehändigt werden sollten. Wieder andere Täfelchen enthielten lange und sorgfältige Listen von Einrichtungsgegenständen und Möbeln einer Wohnung, die einem beförderten - heute würden wir wohl sagen - Beamten übergeben wurde, mit allen Beschädigungen, die einzelne Möbel hatten - wohl um festzuhalten, was dieser Beamte bei seinem Auszug wieder zurückgeben musste.
    Antwort der Redaktion:
    Es ist richtig, dass die Tontafeln nur kurzfristige Notizen darstellten (in meinen Vorlesungen bezeichne ich sie immer als die Post-its der Mykener) und die Informationen später auf andere Schreibmaterialien übertragen wurden. Das geschah aber sicher nicht wöchentlich, sondern wohl am Ende des Verwaltungsjahrs. Wir besitzen vage Hinweise, dass es sich bei diesem anderen Schreibmaterial um Papyrus gehandelt haben könnte (kleine beschriftete Tonklumpen, so genannte noduli, zeigen den Abdruck von Papyrus).
    Es ist auch richtig, dass die Tontafeln nur dort erhalten sind, wo sie durch den Brand, der den jeweiligen Palast zerstörte, gebrannt wurden. Freilich kann man kaum behaupten, dass die Seevölker ständig mykenische Paläste brandschatzten - wir wissen im Endeffekt ja nicht sicher, was den Untergang der mykenischen Palaststaaten verursachte.
    Die Darstellung der oka-Texte ist allzu dramatisch! Wir wissen nicht, ob es sich bei der Aufstellung dieser Küstenwache wirklich um eine Notfallmaßnahme gehandelt hat, wie immer wieder vermutet wurde, oder vielmehr um eine Routineaktion. Auch die Rekonstruktion, dass die letzten Befehle nicht mehr an die Truppen überbracht werden konnten, weil der Feind schon vor den Toren stand, entbehrt jeder Grundlage (und ist vielleicht davon beeinflusst, was wir über den Untergang von Ugarit zu wissen glauben).
    Ob in den Linear-B-Texten Flüchtlinge verzeichnet sind, wie vor einigen Jahrzehnten vermutet wurde, ist höchst fraglich (meiner Meinung nach ist das nicht der Fall).
    Bei den erwähnten Einrichtungsgegenständen handelt es sich um die so genannten Ta-Texte aus Pylos. Die dort aufgeführten Möbel stellen jedoch kaum das Mobiliar einer Wohnung dar (in diesem Fall müssten etwa auch Betten erwähnt sein!), sondern es handelt sich vermutlich eher um ein Kultinventar - darauf deutet auch das Verzeichnen von Beschädigungen (bei Gefäßen, nicht Möbeln!) hin.
  • Gut gemeint ist auch daneben

    10.06.2015, Bernhard Keim
    Grundsätzlich gut gemeinte Kampagnen laufen dann in die falsche Richtung wenn sie dazu übergehen Verhalten nicht nur zu korrigieren, sondern zu stigmatisieren. Dass eigentlich so ziemlich alles, was im Übermaß betrieben oder konsumiert wird schädlich ist, ist eigentliche eine Allerweltsweisheit. Zuviel Salz, Alkohol, Rauch und Fett schaden. Dasselbe trifft aber auch für Sport zu und wer jeden Tage vier Liter gesunden Karottensaft trinkt, läuft auch Gefahr an einer Zirrhose zu erkranken. Ohne Salz kommt der Körper nicht aus und Zucker braucht er auch. Kampagnen suggerieren allerdings, dass es am Besten ist auf alles zu verzichten und nicht mehr nur das rechte Maß zu finden. An dieser Stelle infantilisieren sie nicht nur, sondern klopfen den Menschen mit der moralischen Keule das Gehirn weich. Ich habe kein Problem mit gesundheitlicher Aufklärung als solcher, doch würde ich es begrüßen, wenn diese das rechte Maß verkünden und nicht Extreme propagieren würde.
  • Hoffung für Pollenallergiker

    10.06.2015, Georg Weidmann
    "Offenbar verbrauchen sich die – inzwischen käuflich erhältlichen – Filter aber und müssen regelmäßig erneuert werden."

    WO sind die Filter käuflich erhältlich? Ware für pollengeplagte Allergiker ein sehr hilfreicher Hinweis, gerade auch für Personen, die keine Medikamente einnehmen dürfen. Besten Dank.
    Antwort der Redaktion:

    Lieber Herr Weidmann,

    die Filter sind über die Website der oben genannten Herstellerfirma zu beziehen.

    Mit besten Grüßen,
    jd/Red.

  • Leider einige sachliche Fehler

    10.06.2015, Albert
    Walcheren ist nicht _Teil_ Zuid-Bevelands. Die Verbindung der beiden Inseln hat mit dem Deltaplan nach 1953 nichts zu tun, sondern entstand im Jahr 1871. Die Befreiung Zeelands dauerte sehr viel länger als eine Woche, auch die alliierten Bombardements der Deiche waren nicht sofort erfolgreich.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Josse,

    vielen Dank für Ihre Zuschrift. Ja, ich gebe zu, der Abschnitt über Walcheren ist missverständlich formuliert. Die Befreiung Zeelands dauerte länger - gemeint war, dass sich die Wehrmacht innerhalb weniger Tage von Walcheren zurückzog, nicht aus der kompletten Region. de Kraker schreibt, dass die Bombardierung bereits nach dem ersten Tag erfolgreich war. Tatsächlich fanden noch zwei weitere Bombardierungen statt.

    Sie haben völlig Recht, dass die Insel bereits 1871 über einen Damm mit Zuid-Beveland verbunden wurde. Weitere Einpolderungen fanden laut de Kraker später statt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
  • 6 Millionen Jahre Geschichte stehen auf dem Spiel

    09.06.2015, Dieter Thomas Tietze
    Als Mensch(envorfahren) sich von Schimpansen(vorfahren) trennten, begann auch der einzigartige Weg der Weidenammer - unabhängig von der Schwesterart in dieser Gattung, aus der acht heutige Arten hervorgingen (http://www.senckenberg.de/files/content/forschung/publikationen/vertebratezoology/vz65-1/13_vertebrate_zoology_65-1_paeckert_et_al_135-150.pdf).
  • Begrifflich unlösbares Problem

    09.06.2015, Walter Weiss
    Dem Rezensenten sei Dank für diese offensichtlich sehr gute Übersicht des Inhalts dieses Buchs: man merkt sehr schnell, dass das Werk wieder nichts anderes als tausende andere ist, die Dinge und Vorgänge 'erklären' wollen, die begrifflich gar nicht verstanden werden KÖNNEN. Unser Denkapparat erlaubt uns nur, solche Dinge/Vorgänge zu VERSTEHEN, die sich im Bereich unserer körperlichen Sinne bewegen - alles jenseits dieses Bereichs kann man nur BERECHNEN, also in die Form mathematischer Formeln bringen. Ungeachtet des Umstands, dass inzwischen ganze Bibliotheken existieren, die sich mit dem genannten begrifflich unlösbaren Problem befassen, hat hier wieder einmal ein Physiker (meistens gegen Ende seines Forscherlebens) einen neuen, natürlich wieder untauglichen, Versuch unternommen.
    Ich danke, wie gesagt, dem Rezensenten, denn sein Bericht erleichtert mir die Entscheidung: Dieses Buch werde ich nicht erwerben und nicht lesen.
  • ..Auch Katzen schauen.......

    08.06.2015, Gerd Ryck Ludwig
    Dem kann ich nur zustimmen!
  • Biodiversität – Der Zauber der Natur

    08.06.2015, IsabellR.
    Bio-Pionier Werner Lampert sagt es wunderschön: In der Biodiversität spiegelt sich der Zauber der Natur wider. http://blog.wernerlampert.com/2015/06/biodiversitaet/

    Ich hoffe, die Weideammer kann gerettet werden.
  • Tomatensaft-Geschmack plötzlich von Lärmpegel abhängig?

    07.06.2015, Kosta
    In einer früheren Studie des Fraunhofer-Instituts hatte man angeblicherweise eine Beziehung mit dem Luftdruck aufklären können:
    http://www.zeit.de/lebensart/essen-trinken/2010-02/tomatensaft-flugzeug-beliebtheit

    Im allgemeinen würde man durch Hinweise auf frühere Studien einen Artikel auf Spektrum.de mehr Glaubwürdigkeit schenken.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Leser,

    ein guter Punkt! Ich habe den Link und die Information nun noch im Text nachgefüttert.

    Viele Grüße,
    Jan Osterkamp,
    Redaktion Spektrum.de

  • je auffälliger desto giftiger

    06.06.2015, dom semper
    wenn der käfer ohne sorgen durch die gegend lümmelt oder
    wenn er auffällig gefärbt ist, also nicht in die umgebung passt
    ist er eher giftig, weil er sich (bzw seine ahnen) nie sorgen machen musste von einem tier auf die speisekarte gesetzt zu werden - wegen seine Giftigkeit-Unverträglichkeit
  • Es wäre interessant,

    06.06.2015, ricardicus
    den Grund für dieses Verhalten zu wissen: Meine Vermutung ist, dass Menschen, die sich besonders davor fürchten, Ungerechtigkeiten ausgesetzt zu sein und zu erleben, ein besonderes Interesse an Machtpositionen entwickeln, um sich sicherer fühlen zu können. So herum wäre das ein sinnvoller und nachvollziehbarer Zusammenhang.

    Aber die These müsste man natürlich testen, z.B. indem man bei Menschen mit besonderer Furcht vor Ungerechtigkeit (davon gibt es eine ganze Menge) das Interesse an der Vorstellung einer eigenen Machtposition erfragt - im Vergleich zu einer Gruppe, in der die Leute keine besondere Furcht vor Ungerechtigkeit haben (auch davon gibt es viele).
  • Selbsterfahrung

    06.06.2015, Andreas Vogt
    Was Vögel wissen, müssen Menschenkinder erst lernen.
    An den Geschmack eines Marienkäfers erinnere ich mich noch genau. Und ich sehe das Gesicht meines kleinen Neffen vor mir, der, nach dem Verzehr eines Kartoffelkäfers meinte: "Schmeckt gar nicht nach Kartoffel"