Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Ergänzung gefällig?

    03.04.2015, ricardicus
    Ich stimme Herrn Engel weitgehend zu und füge noch einen Aspekt an, der m.E. erklärt, woher (nicht wohin) Herr Fischer argumentiert. Einer der letzten Sätze in Herrn Fischers Artikel heißt: "Es war eine sehr riskante Zeit!" Im Bewusstsein der meisten Menschen, nicht nur in Deutschland, ist die inhaltliche Aussage dieses Satzes schon lange Jahre voll angekommen (2 WKe, Umweltverschutzung und Klimawandel, verschiedene Genozide (Ruanda, Kambodscha etc.), Konflikte ohne Ende (Vietnam, Afghanistan, Kaukasusregion, Israel und ganzer naher Osten samt Syrien und IS usw.usw.). All das prägt heute die öffentliche Meinung, die Herr Fischer als wenig risikobereit wahrnimmt. Aber man wird nicht Boss eines Großkonzerns oder erringt eine leitende Position in der Politik oder Wissenschaft ohne horrende Risikobereitschaft, d.h. die Entscheider denken zumeist viel risikofreudiger.
    Das Problem liegt m.E. woanders. Die Entscheidungen einzelner Bosse (von irgendwas) können heute weltweit gravierende Folgen haben, das war vor 100 Jahren in diesem Ausmaß undenkbar. Und diese Tatsache wird nicht angemessen berücksichtigt. Fragen mit globalen Auswirkungen werden auch heute immer noch viel zu oft nach Kriterien bzw. inneren Haltungen des 19. Jahrhunderts entschieden. Ich denke, wir brauchen eigentlich nicht mehr Risikobereitschaft um zu überleben, sondern eine neue Entscheidungskultur, die die Auswirkungen von Entscheidungen tatsächlich realisiert und ohne "Lügerei" bewusst macht.

    Ein sehr "schönes" Beispiel für ein risikobereites Hinwegsehen über die Realität ist die Haltung der Ölkonzerne, die sich jahrzehntelang mit Händen und Füßen gegen das Bewusstsein gewehrt haben, dass fossile Brennstoffe den Klimawandel befeuern. Da gab es von der Industrie bezahlte Gutachten über Gutachten, dass nicht sein könne, was nicht sein durfte....
    Aber sich so zu verhalten war in höchstem Maße unethisch, gemessen an den Auswirkungen. Wir sind gewohnt, Entscheidungen vor allem nach der zugrunde liegenden Motivation ethisch einzuordnen. Ich glaube, dass wir uns das nicht mehr lange werden leisten können. Wir sollten die absehbaren Auswirkungen noch viel stärker als heute in die Prä- und Postbewertung von Entscheidungen einbeziehen und das sollte auch äußerst dringlich in die moderne Ausbildung des Managements - egal welcher Couleur und Ebene - einfließen.
  • Sorgfalt?

    03.04.2015, Benjamin Kaiser
    Diese Übersicht enthält einige sehr peinliche Fehler....das ist einfach schlecht recherchiert:
    1. Krakatau hatte einen VEI von 6, nicht 7

    2. Tambora hatte einen VEI von 7, nicht 8. VEI 8 haben ausschließlich sog. "Supereruptionen" mit Tephraausstoß von mehr als 1000 kubikkm..Tambora hatte grade einmal 160.

    3. Laki ist ein Spaltensystem, das während einer Rifting-Episode entstand und wohl nicht noch einmal ausbrechen kann. Wenn überhaupt, kann es zum Vulkansystem des Grimsvötn gezählt werden. Der Laki ist ein alter erloschener Schlackenkegel, an dem kein Aubruch stattfand. Der Ausbruch heißt nur deshalb Laki, weil er in seiner Nähe stattfand.

    4. Die Caldera des Vesuv öffnet sich nicht Richtung Neapel. Es bräuchte einen schon sehr großen Ausbruch, um pyroklastische Ströme in die Stadt Neapel zu tragen. Möglich ist es aber.

    5. Die Auswahl ist recht merkwürdig, und lässt viele der sog. "Decade-Volcanoes" völlig außer acht.

    Ich bin von Spektrum eigentlich besseres gewohnt.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Kaiser,

    mit 1. und 2. haben Sie vollkommen Recht: Die Eruption des Tambora Eruptionen lag auf dem VEI eine Stärke unter der angegebenen (die VEI des Krakatau wird allerdings nur indirekt erwähnt, nicht mit exakter Ziffer), die Angaben stammen aus einem Fließtext über die Ausbrüche, und ich bin leider peinlicherweise um eine Zeile verrutscht. Denn, wie Sie richtig schreiben, bleibt 8 den Supervulkanen vorbehalten. Ich habe den Fehler ausgebessert.

    Die Auswahl ist natürlich sehr willkürlich, das ist mir bewusst, weshalb ich nicht "Die 10 Risikovulkane" schreibe. Der Laki-Ausbruch kam in die Auswahl, weil er die europäischer Geschichte maßgeblich beeinflusst hat. Das Format ist so angelegt, dass die Texte nur sehr kurz sind. Dafür führen Links auf weitergehende Imnformationen. Fehler wie beim VEI sollten dennoch nicht stattfinden. Ich bitte das zu entschuldigen.

    Mit besten Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
    Redaktion Spektrum.de
  • buzzword "Drohne"

    03.04.2015, Peter
    Ist zwar total in , das Gedrohne, aber das Video zeigt im Grunde nichts vom Drohnenflug. Mogelpackung
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Peter,

    selbstverständlich zeigt das Video auch Sequenzen des Drohnenflugs - manche der Aufnahmen sind nur so entstanden. Oder meinten Sie einen der Abstürze? Das zeigt das Video natürlich nicht. Die 3D-Ansicht entstand ebenfalls mit Hilfe des Drohnenflugs.

    Was die Veröffentlichung anbelangt: Wir schalten die Texte aktiv frei, können aber als kleiner Verlag keinen Rund-um-die-Uhr-Dienst leisten, weshalb an den Feiertagen keine Freischaltung erfolgt, wenn es nicht einer freiwillig tut.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
  • Die Schlagzeile ist leider schlichtweg Unfug ...

    02.04.2015, Jürgen Vollmer
    Sorry, aber allein schon die Verwendung des Begriffes "Hitzewelle" für Temperaturen unter plus 30 Grad ist einfach daneben. SOLCHE sprachlichen und wissenschaftlich vollkommen unseriösen Überzeichungen sind es, deretwegen das Vertrauen in die Klimawissenschaften immer mehr schwindet. Auf der Strecke bleibt die seriöse Aufklärungsarbeit zur real existierenden "Fieberkurve" unserer Lebensräume!
  • Das Soja Moratorium erwähnt und dennoch gescheitert?

    02.04.2015, Thorsten S
    Wie sollte die EU an dem Soja vorbeikommen, das in dem Moratorium vertraglich gesichert ist? Zu mindest das gvSoja wird nur über diesen Zusammenschluss weltweit gehandelt, anderes Soja nehmen die führenden Sojaölproduzenten gar nicht an.
    Das das bei Organic-Soja anders ist, das zB im Bio-Laden landet mag ja sein, spielt aber wohl keine große Rolle.
    Zu dem wächst Soja nicht besonders im Regengebiet des Amazonas.

    In Deutschland wächst 100% der landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf ehemaligen Urwaldflächen, wir haben halt vor dem Zeitalter von Umweltschutzkonzernen alles (fast alles) abgeholzt.

    Das Bevölkerungswachstum in Brasilien hat mein Vorposter ja auch schon erwähn, dass sich gerade die ansteigende Landbevölkerung neue Ländereien verschafft ist auch nichts neues, die wollen auch von irgendetwas leben.
  • Wenig bekannte Supervulkane

    02.04.2015, Jared J. Myers
    Die im Artikel vorgestellte Rangliste der gefährlichen Vulkane scheint recht subjektiv zustande gekommen zu sein. Will man das tatsächliche Risiko eines Vulkans ermitteln, muss man seine Ausbruchswahrscheinlichkeit mit seiner voraussichtlichen Ausbruchsstärke multiplizieren, um zunächst die Größe "Gefahr" zu bekommen. Das "Risiko" ergibt sich wiederum, wenn man die Gefahr mit dem Wert der möglichen Schutzgüter und deren "Exposition" (Schadensintensität) multipliziert.

    Den Variablen ist anzusehen, dass sie meist recht schwer bestimmbar sind. Im Falle Neapels und des Vesuvs kann es vielleicht alle 500 Jahre zu einem Ausbruch VEI 5 kommen, was eigentlich eine moderate Gefahr bedeutet. Allerdings ist durch die Nähe Neapels und deren starke Exposition ein recht hohes Risiko gegeben.
    Dagegen liegt z.B. der Uturuncu, der jüngste Teil einer Serie von vielleicht alle ca. 500.000 Jahre mit VEI 7 - 8 explodierenden Calderen an der Grenze Boliviens und Argentiniens, in einem Gebiet mit extrem dünner Besiedlung. Allerdings würde eine Eruption VEI 8 am Uturuncu die gesamte Erde für Jahre in einen Eruptionswinter hüllen und möglicherweise Bevölkerungszentren wie Buenos Aires, Lima, La Paz und Asunción unbewohnbar machen.
    Da der VEI dekadisch-logarithmisch ist, ergibt die Kombination VEI 8 alle 500.000 Jahre etwa die gleiche Gefahr wie VEI 5 / 500 Jahre. Allerdings würden die Exposition und der Wert der Schutzgüter den ganzen Kontinent und vielleicht die ganze Erde einschließen, so dass beim Uturuncu - wie auch bei verschiedenen ähnlichen Supervulkanen in Indonesien, Neuseeland, Rocky Mountains oder Anden - das Gesamtrisiko höher liegt als beim Vesuv.

    Wer sich von den Folgen der letzten Explosion der vorherigen Caldera in der Nähe des Uturuncu eine Vorstellung machen will, möge den folgenden Link aufrufen:

    https://www.google.de/maps/@-22.2077459,-66.672113,63905m/data=!3m1!1e3

    Das radial angelegte Entwässerungsnetz zeigt die Ausdehnung der Caldera plus eines Teils des randlich ausgeworfenen Tephra-Materials.
  • Globalisierungsgewinner

    02.04.2015, Wolf Polzin
    Auch Kaninchen und Hasen sollten unter das Investoren-Schutzgesetz fallen, erhöhen sie doch das Bruttosozialprodukt, indem sie beispielsweise "hunderte Wissenschaftler… tagein, tagaus" vor der Arbeitslosigkeit bewahren, wie man dem Artikel entnehmen kann. Auch die angesprochenen "Verheerungen" dürften sich im direkten Vergleich mit den Urteilen der Privat-Schiedsgerichte im Rahmen der diversen Freihandelsabkommen als eher bescheiden ausnehmen. Was das "Reproduktionsverhalten" angeht, sollten in diesem Vergleich keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. Hier stehen verlässliche wissenschaftliche Daten leider noch aus.

    Ganz anders sieht es hingegen beim Fressverhalten aus. "Wilde Kaninchen sind Konkurrenten der einheimischen Wildtiere, sie schaden der Vegetation und dem Boden. Ihre Auswirkungen werden in Dürrezeiten und nach Waldbränden oft noch schlimmer, denn dann fressen sie, was immer sie kriegen." Selten bin ich eine dermaßen zutreffende Beschreibung des globalen Neo-Liberalismus gestoßen. Wir sollten auf die Worte der Kanzlerin hören und einer marktkonformen Demokratie vertrauen. Diese Kaninchen und Hasen sind Globalisierungsgewinner par excellence. Eine Neiddiskussion sollten wir uns aus ethischen Gründen untersagen.

    Leider hinkt der Verweis auf Ostern. In biblischen Gefilden gab es nämlich gar keine Hasen und schon gar keine Kaninchen. Mit dem hebräischen Wort 'shaphan' war eigentlich der Klippdachs gemeint, der mit Elefanten und Seekühen verwandt ist.
  • Unnötiges Plädoyer

    02.04.2015, Bernhard Engel
    In unserer Gesellschaft steht die Ethik der Wissenschaft schon lange nicht mehr im Weg. Die wichtigsten Impulse in der Forschung kommen seit jeher aus der Industrie, und dort entscheidet nunmal der absehbare wirtschaftliche Nutzen über die finanzielle Ausstattung von Forschungsprojekten.

    Ist eine Forschung in einem Land nicht gesetzeskonform, dann verlegt die Konzernleitung diese Forschung ganz einfach in ein anderes Land.
    (Denken Sie die Medien oder die Konzerne haben interesse daran, Sie über den Standort Myanmar als internationales Zentrum für Genetik zu informieren ?)

    Apokalyptiker gab es auch schon immer. Schon immer. Das Phänomen ist so bekannt, daß ich mir sogar erlaube, auf eine Auflistung prominenter Beispiele zu verzichten.

    Das die Pharmakonzerne intelligent genug waren, um im Falle der Ebolaepidemie sofort zu erkennen, daß hier kein Gewinn zu generieren ist, (und der mediale Hype nichts als heiße Luft) und dementsprechend gehandelt haben, kann man der Konzernführung bestenfalls als Ergebniss eines zynischen, gewinnorientierten Verhaltenskodex ankreiden, keinesfalls als Mangel an Risikobereitschaft.
    (Sie werden doch nicht so naiv sein wollen zu glauben, daß der Verlust zehntausender afrikanischer Leben in der Pharmaindustrie irgendwelche Emotionen hervorgerufen hat? Nennen Sie es ruhig inhuman, Herr Fischer. Das ist es auch.)

    Die Lagerung gefährlicher Stoffe aller Art wird der Öffentlichkeit gegenüber niemals eingeräumt werden. Es wird fast überall auf einer "need-to-know" Basis operiert. Das ganze Konzept von Staatsgeheimnissen beruht darauf, dass bestimmte Informationen der Allgemenheit vorenthalten werden MÜSSEN !

    Unsere Gesellschaft hat einfach nicht den Willen, in die Lösung von Problemen zu investieren, die unsere Existenz nicht unmittelbar bedrohen. Deswegen haben wir auch Atombomben noch und nöcher, und noch nicht einmal ansatzweise Konzepte, wie die Beseitigung des Plastikmülls in den Ozeanen international koordiniert werden soll.
    (Wir haben gigantische Todeszonen in den Weltmeeren, so groß wie ganze Kontinente, bestehend aus schwimmenden Plastikmüll, und es wird nichts unternommen? Wie wollen Sie das mit Risikoscheue erklären ? Es ist Ignoranz, Herr Fischer, pure Ignoranz.)

    So wird ein Hut daraus, und nicht indem Sie eine Angst vor risikobehafteter Forschung als entscheidend für das schlechte Investitionsklima in manchen wissenschaftlichen Disziplinen konstruieren. Diese Angst gibt es traditionell in bestimmten Kreisen sicherlich, aber Sie hat uns seit der Aufklärung von nichts mehr abgehalten.("German angst, maybe?").


    mfg
    B.Engel

    P.S.
    Ich würde mich über eine E-mail als bestätigung, dass Sie meinen kleinen Kommentar gelesen haben sehr freuen, Herr Fischer, und danke im Vorraus für Ihre Aufmerksamkeit.
  • Auch was zum Titel

    02.04.2015, Moritz
    Bin ein bisschen irritiert, denn wenn ich den Text richtig verstehe, schneidet Hühnchen nur besser ab als vegetarisch, wenn man wenig Käse und wenig Milch zu sich nimmt. Also in einem Sonderfall, weil das eine mit dem anderen erstmal nicht viel zu tun hat. Die Überschrift suggeriert, dass wer Hühnchen isst statt Gemüse + Milch/Käse automatisch klimafreundlicher abschneidet.
  • Oberfläch, unsachlich und undifferenziert

    02.04.2015, S. Shephard
    T. Beer kann ich nur zustimmen. Die duch die Überschrift suggerierte Hauptannahme wird nicht einmal durch die ausgewählte Grafik belegt. Die hier abgebildete Grafik oder eine Grafik mit einem Balken für vegetarische Ernährung konnte ich auch nicht in der genannten Doktorarbeit finden, um die Annahme zu Überprüfen.

    Weiter wird hier der smart vegetarian gar nicht erwähnt, sondern sich nur auf den Carnivor (in diesem Artikel auch als "Normalesser" gekennzeichnet. Alles andere is demenstprechend also unnormal? Solche Kistenbezeichnungen sind vllt bei Bild und Spiegel ok, aber bei einem "wissenschaftlichen" Artikel schlicht unangebracht. Differenzieren bitte z.B. " der Großteil der deutschen Bevölkerung müsste die Ernährung umstellen") konzentriert. Generell sollte man bei solchen Vergleich mehr differenzieren und die Bestandteile des Speiseplans genauer untersuchen und nicht immer so plakativ Carnivore, Vegetarierer und Veganer gegeneinanderstellen. Eine klimafreundliche Ernährung ist sicher komplexer als diese drei Ernährungsformen.

    Schade das ein so interssantes und wichtiges Thema hier so oberflächlich und unsachlich behandelt wird.
  • Hübsche Gedankenspiele

    02.04.2015, Manfred Stibaner, Dreieich
    Den Artikel habe ich mit Interesse gelesen, obwohl mir die Darstellung als Techniker doch sehr spekulativ vorkommt. Eine Fragestellung am Schluss des Textes allerdings scheint mir leicht zu beantworten: "Woher stammt das Vorläuferuniversum unsres Weltalls?" Ist doch ganz einfach: Dieses Vorläuferuniversum entstand bei einem Urknall, verursacht durch ein fünfdimensionales Loch ein einem höheren Universum …
    Und wo das wohl herkommt? Ernsthaft gesagt - mehr als hübsche Gedankenspiele kann ich darin nicht erkennen.
  • Co2 - goldenes Kalb oder Mondkalb

    02.04.2015, Peter
    Damit allein ließen sich ihre Treibhausgasemissionen mehr als halbieren.

    Nein, die Treibhausgasemissionen des Essers steigen nach der Umstellung auf vegane Kost vermutlich an, so wie die von Pflanzenfressern generell eher höher sind.

    Solange z.B. die ach so günstig und ressourcenschonend herstellbaren Sojaprodukte nur teuer angeboten werden, werden vielle Billifleischesser einen Teufel tun, die auch nur zu probieren.
  • Kritische Hinterfragung

    02.04.2015, Horst van Bremen, Lemgo
    Das Magazin "Der Spiegel" hat das Vorhaben der EU, das Human Brain Project mit einer Milliarde Euro zu fördern, in der Ausgabe 6/2013 als „Aufruf zur Verschwendung“ bezeichnet. Die Idee des Henry Markram, das menschliche Gehirn binnen zehn Jahren im Computer zu simulieren, wurde als völlig aussichtslos eingeschätzt. In der Ausgabe 12/2015 legt "Der Spiegel" nach und fordert: „Schluss mit dem Unfug von der Hirnsimulation.“ Markram hat ausgerechnet die Neurowissenschaftler gegen sich aufge-bracht und versucht nun, sein Hirnforschungsprojekt ohne Hirnforscher durchzuziehen.
    Nahezu zeitgleich hierzu veröffentlichte "Spektrum der Wissenschaft" in der Ausgabe 3/2015 einen Artikel zweier am Human Brain Project beteiligter Wissenschaftler. Dieser Artikel liefert ungewollt, aber eindrucksvoll die dem Spegel-Leser fehlende inhaltliche Argumentation gegen dieses Vorhaben nach. Eingangs geben die Forscher zu, dass es noch nicht einmal bei einem Fadenwurm gelungen ist, sein Verhalten aus dessen kümmerlicher Ausstattung mit 302 Neuronen herzuleiten. Es sei „noch viel aussichtsloser, beim Menschen aus neurobiologischen Prozessen auf Handlungen zu schließen“ [von Gedanken usw. ganz zu schweigen] – um dann genau das zu propagieren. Sie wollen die elektrische Aktivität von „Tausenden oder Millionen von Neuronen“ aufzeichnen und sich dann schrittweise zum menschlichen Gehirn hochhangeln.
    Interessant sind in diesem Artikel die teils versteckten Konjunktive, zum Beispiel: „Solche bahnbrechenden Methoden [gemeint sind diese Aufzeichnungstechniken, keine echten Methoden] verknüpfen dann vielleicht die einzelnen feuernden Neuronen mit Kognition: mit Wahrnehmungen, Gefühlen, Entscheidungen und letztlich dem Bewusstsein selbst“. Mit „vielleicht“, „denkbar“, „vermutlich“, „könnten“, „dürften“ etc. wird argumentativ immer wieder das steile Kliff zwischen den vorgeschlagenen elementarsten Beobachtungen und dem höchst komplexen Forschungsobjekt verschleiert. Das ist intellektuell unredlich. Man kann es aber auch wie Hamlet kommentieren: „There is method in this madness.“

    Besonders schlimm wird es, wenn die Autoren behaupten, Wissenschaftler könnten auf Grund des Studiums neuronaler Netze „Krankheiten wie Alzheimerdemenz oder Autismus leichter diagnostizieren“ … und Mediziner könnten daraufhin „die spezifischen Veränderungen im Hirn nachvollziehen und versuchen, wieder eine normale Funktion herzustellen“. Das ist ganz klar Scharlatanerie, keine Wissenschaft mehr. Den Autoren fehlt offenbar völlig die Ehrfurcht vor ihrem Forschungsobjekt, dem komplexesten Gebilde im ganzen uns bekannten Universum.

    Es verbietet sich aus Platzgründen, in einem Leserbrief dieses Machwerk einzeln auseinanderzunehmen. Nach über 45 Jahren Informatik weiß ich allerdings nicht, ob ich über die vorgeschlagene Anhäufung von vielen Petabyte gemessener Neuronenaktivitätsmuster lachen oder weinen soll. Wie aus diesen Datenmengen, vor denen unsereinen höchster Respekt befällt, auch nur der Hauch eines brauchbaren Auswertungsergebnisses hervorgezaubert werden soll, bleibt völlig rätselhaft. Es wäre vergleichsweise einfach, aus dem Geflacker von Leuchtdioden, die mit dem Prozessorkern eines sehr einfachen Rechners verbunden wären, die Struktur des Betriebssystems und die Programmierfehler in den dort laufenden Applikationen zu ermitteln. Jedem Informatiker ist aber klar, dass ein solcher Ansatz völlig hirnrissig und aussichtslos wäre. Um so mehr gilt das für die Prozesse im Gehirn, deren Komplexität um viele Größenordnungen über derjenigen liegt, die wir heutzutage programmierend bewältigen können.
    Ich sehe die derzeitigen Vorschläge, Gehirne zu simulieren oder sogar bioelektrisch aufzurüsten, aus den folgenden Gründen als unbrauchbar an:
    • Jede Simulation setzt voraus, dass das zu Simulierende vollständig verstanden wurde. Davon kann bei keinem Gehirn die Rede sein, ja nicht einmal beim Fadenwurm. Ist es nicht Simulation, so ist es bestenfalls Imitation wie bei den hochtrabend „neuronale Netzwerke“ genannten Imitaten – aber was lehrt uns die?
    • Die Simulation eines Gehirns in einem Rechner setzt voraus, dass es darin eine Software gibt, die sich von der Hardware abtrennen läßt. Wenn aber die Software die Hardware ist und umgekehrt, wie soll diese Trennung stattfinden?
    • Angenommen, diese Simulation sei dennoch möglich. Dann benötigt sie mindestens einen konsistenten Startpunkt, an dem alle simulierten Neuronen mit ihrer Aktivität einsetzen, um richtig zusammenzuarbeiten. Wie sollen diese Initialisierungsdaten ermittelt werden? Eigentlich müsste man bei der embryonalen Gehirnentstehung ansetzen, um sich über die Fötalphase, Kindheit und Jugend dem erwachsenen Gehirn zu nähern …
    • Die Simulation würde ein Gehirn erschaffen, das keinerlei Wahrnehmung seiner Umgebung besäße und dessen Körper am Hals querschnittsgelähmt wäre – es sei denn, es würden auch alle Sinne sowie die gesamte Aktivität im Rückenmark und in den peripheren Nerven zutreffend simuliert. Dennoch hätte die Simulation bis dahin nur einen Homunculus erschaffen, der unter dem Locked-in-Syndrom unendlich leiden würde.
    • Daher müsste dieses Gehirn in Interaktion mit einer simulierten Umwelt treten, also ein „reales“ Leben führen und seinen Tod antizipieren – der allerdings jederzeit durch die Beendigung der Simulation eintreten könnte. Die Angst davor, nachdem dieses Gehirn seine tatsächliche Nichtexistenz verstanden hat, würde alle Forschungen an seinen „Wahrnehmungen, Gefühlen, Entscheidungen und letztlich dem Bewusstsein selbst“ zu Müll degradieren. Dies wäre die Situation eines zum Tod Verurteilten, der jederzeit hingerichtet werden kann. Was passiert, wenn die Simulation aus dem Ruder läuft? Wir betreten hier eindeutig das Gebiet der Sciencefiction.
    • Final ist keineswegs auszuschließen, dass die so gewonnenen „Erkenntnisse“ völlig wertlos wären, weil aus der simulierten Neuronenaktivität auf keinem denkbaren Weg auf diejenigen Vorgänge geschlossen werden kann, die uns zu Menschen machen.
    • Die naheliegendste technische Analogie zu einem menschlichen Gehirn scheint zu sein, dass es aus etwa 100 Milliarden einfacher, aber unterschiedlicher Prozessoren besteht, die in unbekannter Weise miteinander verschaltet sind, neue Verbindungen auf- und alte abbauen, sterben (ausfallen) und durch neue ersetzt werden, die sich in das Zusammenspiel perfekt selbst eingliedern. Der Versuch, solch ein Netzwerk auf einem System mit einer - bestenfalls – fünfstelligen Anzahl von Prozessoren zu simulieren, kann derzeit und in absehbarer Zukunft nicht gelingen. Dazu fehlen sämtliche Voraussetzungen.
    Von "Spektrum der Wissenschaft" erwarte ich, dass solchen Artikeln eine kritische Stimme beigesellt wird, die deren Schwächen aufdeckt und dazu anregt, über die richtige Allokation von Forschungsmitteln nachzudenken. Eine hinausgeworfene Milliarde – was könnte damit alles an wirklich Sinnvollem bewirkt werden? Ein Jammer!
  • Die Schlagzeile könnte natürlich auch lauten...

    02.04.2015, Erik G.
    "Vegane Ernährung ist am klimafreundlichsten" oder "70% der Ackerflächen dienen der Ernährung von Rindern". Richtig ist: Die generelle Reduktion des Fleischkonsums bringt dem Klima mittelfristig mehr als der Anspruch, die Zahl der Veganer zu erhöhen. Außerdem wäre interessant, inwiefern sich eine traditionelle vegane Kost in der Klimabilanz von jener unterscheidet, die auf die inzwischen zahlreich erhältlichen veganen Fleischersatzprodukte zurück greift.
  • Verdreht Studien mit irren Annahmen

    02.04.2015, T.Beer
    Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fleischesser auf weißes Fleisch umsteigt UND gleichzeitig mal eben alle Milchprodukte sein lässt, ist gleich null. Das ist ein utopischer Vergleich!!
    Ärgerlich ist, dass die Überschrift etwas völlig anderes suggeriert....