Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • neue FCKW?

    04.12.2013, Nicola Helmich
    Unabhängig davon, dass ich bereits seit einer Weile auf die OLED-Technologie warte (seit ich in einem Radiobeitrag davon erfuhr), lese ich gerade zum ersten Mal die chemischen Hintergründe und stelle mir die Frage, ob wir auf diese Weise eine neue Generation der FCKW herstellen, die wiederum in Entwicklungsländern eingesetzt und schlecht entsorgt zu einer erneuten Belastung der Ozonschicht führen wird?
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Frau Helmich,

    ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, aber es handelt sich dabei um Feststoffe, keine Gase wie bei FCKW. Und bislang habe ich auch noch keinerlei Hinweise in diese Richtung gelesen - insofern sollte für die Ozonschicht keine Gefahr bestehen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
    Redaktion Spektrum.de
  • Da es keine allgemeinverbindliche Ethik gibt, muss alles was unsere Verfassung erlaubt auch erlaubt bleiben!

    03.12.2013, Kai Friedrichs
    Ich glaube nicht, dass es Ethikern um "Ethik" geht. Jeder, der sich damit beschäftigt hat, weiß, dass es keine allgemeinverbindliche Ethik gibt. "Ethikern" geht es in der Regel darum, dass sie anderen Vorschriften machen wollen. Es geht ihnen um Macht. Deshalb muss nicht nur Religionsfreiheit garantiert bleiben, sondern auch "Ethikfreiheit".

    Wer Sätze wie diesen formuliert "Damit die Selbstverpflichtung auf den Frieden erfolgreich nach innen gelebt wird, ist es unvermeidlich, dass sich die Angehörigen der Hochschule sowohl über das friedensethische Leitbild ihrer Hochschule verständigen als auch auf Institutionen und Verfahren einigen, in denen und mit denen strittige Fälle offen diskutiert werden können. Als Ergebnis dieses Prozesses können nicht erwünschte Forschungsziele und -projekte ebenso wie bestimmte Kooperationspartner ausgeschlossen werden." der weiß nicht, wie Hochschulgremien im Zeitalter der W-Besoldung funktionieren. Von den Bedingungen, unter denen ein "herrschaftsfreier Diskurs" gelingen könnte, entfernen wir uns immer weiter. Hier hilft nur eine strikte Einhaltung der Verfassung. Keine Mehrheit in welchem Hochschulgremium auch immer, darf die Grundrechte unserer Verfassung außer Kraft setzen. Damit habe viele "Ethiker" ein Problem.
  • Zentraler Irrtum

    03.12.2013, M. Ecker
    Der Schlußsatz "Um der missbräuchlichen Verwendung von militärisch nutzbaren Forschungsergebnissen entgegenzutreten, stehen mit dem Strafrecht, dem Kriegswaffenkontrollrecht und dem Außenwirtschaftsrecht wirkungsvolle Rechtsinstrumente bereit" ist leider objektiv falsch. Das Kriegswaffenkontrollgesetz hat nur eine sehr eingeschränkten Geltungsbereich, nämlich für die in ihm als Kriegswaffen definierten Waffen - die bilden aber nur einen sehr kleinen Ausschnitt der waffenfähigen Güter und Technologien. Das Außenwirtschaftsgesetz verfolgt die Intention, den Außenhandel zu fördern und folgt daher dem Ansatz "was nicht explizit verboten ist, ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht". Das Strafrecht schließlich wiederum bietet nur wenig eigene Ansätze in diesem Bereich.
    Zusammengefasst: Die "missbräuchliche Verwendung von militärisch nutzbaren Forschungsergebnissen" wird per se keineswegs verfolgt, außer in einigen Sonderfällen, in denen sie gegen ein supranationales Regime verstoßen, dem sich die Bundesrepublik angeschlossen hat und das justitiabel ist - oder wenn sie mit Patentverletzungen einher gehen.
  • Wie geht es jenseits des Standardmodells weiter?

    03.12.2013, Torsten Pieper
    Es ist unbestritten, dass das Standardmodell der Elementarteilchen-Physik bisher außergewöhnlich erfolgreich ist. Wenn man mal davon absieht, dass 25 sogenannte freie Parameter nicht von der Theorie beschrieben werden können.

    Viele dieser Parameter sind Quellen-Ausdrücke, wie etwa die elektrische Ladung. Genau wie die klassischen Theorien können auch die Quantenfeld-Theorien ihre eigentliche Ursache nicht beschreiben und brechen ebenso, selbst wenn die Unschärfe-Relation berücksichtigt wird, an ihrem Ursprung zusammen. Es macht im Prinzip keinen Unterschied ob man von Ladung - elektrisch oder Farbe - oder Masse spricht.

    Der Begriff der Singularität aus der Allgemeinen Relativitätstheorie (ART) findet sich im (Punkt-)Teilchenbegriff der Quantenmechanik wieder. In der ART geht die Krümmung gegen Unendlich, in der Quantenelektrodynamik (QED) die Wechselwirkungsrate. Die Forscher behelfen sich mit künstlichen Cutoffs beziehungsweise Renormierungs-Verfahren. Dies funktioniert zwar, aber warum das so ist, weiß man nicht.

    Alle bisherigen Theorien sind in diesem Kontext ausschließlich als Wechselwirkungs-Theorien zu verstehen. Sie beschreiben auf verschiedene Weise, wie Kräfte vermittelt werden und das tun sie sehr gut. Aber mehr können sie ziemlich offensichtlich nicht. Die inneren Eigenschaften der Elementarteilchen (in erster Linie der Fermionen) entziehen sich hier der Beschreibung. Eine Theorie der inneren Eigenschaften der Teilchen fehlt im Grunde völlig.

    Eine Fortführung der bisherigen Vorgehensweise - eine Suche nach noch kleineren Elementarteilchen - erscheint mir daher erst mal ziemlich unattraktiv: Die Lösung der aktuell bekannten Inkonsistenzen würde allenfalls verschoben werden, da sie wiederum zu Punktteilchen führen.

    Hinzu kommt die Frage, wie stark Wechselwirkungen eigentlich werden können. In der QED startet man mit 1/137 (+Laufen), in der QCD geht die WW-Stärke im Extremfall gegen 1. Da eine Vereinheitlichung in Vereinheitlichen Theorien (Theorey of Everything, TOE) auf der Planckskala erwartet wird (ebenfalls a = E/E0->1,) bleibt kein Spielraum offen. Müsste eine einheitliche Substruktur von Fermionen und Bosonen, zum Beispiel in Form von Preonen, nicht zu einer neuen Kraft führen, die noch stärker ist??

    Ich finde es ist notwendig ein wenig von den ausgetretenen Pfaden abzuweichen, natürlich so, dass die Eichtheorie als Spezialfall erhalten bleibt. Es sollte zunächst einmal geklärt werden, in welchem Zusammenhang die Gravitation und die drei Wechselwirkungen des Standardmodells tatsächlich stehen. Das könnte bereits verstehen helfen, wie die Massen der Elementarteilchen zustande kommen beziehungsweise was Masse eigentlich ist.

    Das kann meiner Ansicht nach nur eine verallgemeinerte Quantengravitation leisten.

    Immerhin ist es möglich - zumindest im Bereich niedriger Energien - die Proportionalität zwischen Energie und Frequenz aus dem Verhalten von Gravitationswellen abzuleiten anstatt sie vorauszusetzen (im Grunde besitzen alle Elementarteilchen nur geringe Energie, verglichen mit der Planckmasse).

    Die String-Theorien agieren in Bereichen, die mit den Elementarteilchen scheinbar wenig zu tun haben. Vorhersagen konnten sie bislang nichts, was man messen könnte.
    Die Loop-Theorie kann immerhin das Singularitäts-Problem lösen, ist aber leider nicht zur Beschreibung der anderen Kräfte fähig.

    Vielleicht wäre ein Weg gangbar, welcher gewisse Grundannahmen beider Stile kombiniert? Gewissermaßen eine Theorie ähnlich einer String-Theorie mit "großen" Extra-Dimensionen (z.B. 10-13 Meter), aber nicht mit schwingenden Strings im Raum, sondern mit wellenartigen Anregungen der Geometrie des Raums selbst. Die heutigen Stringtheorien haben ja mit der ursprünglichen Kaluza-Klein-Theorie, was letzteres angeht, nichts mehr gemein.
  • Satire?

    03.12.2013, Ben Mirwald
    "Um der missbräuchlichen Verwendung von militärisch nutzbaren Forschungsergebnissen entgegenzutreten, stehen mit dem Strafrecht, dem Kriegswaffenkontrollrecht und dem Außenwirtschaftsrecht wirkungsvolle Rechtsinstrumente bereit."
    Ich bin geneigt nicht nur dieses Ende des Artikels sondern den ganzen Artikel als Satire aufzufassen. Argumentativ sagt ja Simon Meisch in seinem Gegenkommentar alles Wichtige. Bis auf ein Argument lassen sich ja alle Behauptungen von Herrn Kempen kinderleicht kritisieren oder widerlegen. Dieses eine würde auch nicht gegen Zivilklauseln sprechen, aber es lautet so: "Forschung unter Zivilklauseln lähmt die wissenschaftliche Neugier, da wegen der Dual-Use-Problematik die Gefahr besteht, große Teile der Forschung unter Generalvorbehalt zu stellen" -- so what, sage ich als friedliebender Mensch: Lieber eine teils gelähmte Forschung als ein ganz und gar quickfideler Militärforschungsapparat. Aber interessant ist schon: Das Karlsruher Kernforschungszentrum hatte jahrzehntelang eine Zivilklausel, doch schien und scheint nicht auf Krücken daherzukommen. Als Wissenschaftshistoriker kenne ich auch keine anderen Beispiele friedliebender und dadurch gelähmter Forschung. Persönlich würde mich ebenso eher die Aussicht demotivieren, an Militärforschung beteiligt zu sein, während meine Neugier durch eine friedliche Nutzung meiner Forschung beflügelt wird.
    Herr Kempen, belegen Sie daher doch diese und Ihre anderen Aussagen nachprüfbar. Soviel Wissenschaftlichkeit sollte man bei diesem Thema auch in einem Kommentar erwarten können.
  • Wie wäre das umgekehrte Experiment: Belohnung statt Angst?

    03.12.2013, Marcus Gröber
    Mir fiele als nächstes Experiment spontan folgendes ein: was passiert, wenn man das gleiche Protokoll mit den Nachfahren von Mäusen probiert, die zu dem entsprechenden Geruch eine positive statt eine negative Reaktion gelernt haben, also z.B. schmackhaftes Futter statt einem elektrischen Schlag bekommen?

    Sind die dann in der nächsten Generation auch ängstlich (weil ihre Nasen überempfindlich auf den ungewohnten Duftstoff reagieren, mit dem ihre Eltern trainiert wurden) - oder wurde tatsächlich ein spezifisches Verhalten erlernt, und sie verhalten sich in Anwesenheit des Geruchs weniger schreckhaft?

    In jedem Fall wäre das Ergebnis erhellend, auch wenn der erste Fall sicher die deutlich "langweiligere" Alternative darstellen würde, weil es sich dann "nur" um eine umweltgesteuerte Feinabstimmung der Expression bestimmer Gene handeln würde - aber selbst das wäre ja ein Effekt, den man bei der Analyse von Genexpressionsmustern besser im Hinterkopf haben sollte...
  • Die Verantwortung haben immer andere

    03.12.2013, Robert Orso
    Übersetzen wir das doch einmal von Politikersprech in Klardeutsch, denn die Argumentationen sind immer gleich:
    "Das schadet der Wirtschaft/Forschung" heißt "ich erwarte mir persönlich Nachteile"
    "Die .. müssen selbst entscheiden (dürfen) ob sie das wollen oder nicht" heißt "ICH will das machen, ohne dass mir wer drein redet"

    Das Problem bei dieser Argumentation ist, dass es daraus hinaus läuft, dass ein einziger Mensch mit bösen Absichten oder ohne Skrupel völlig legal großen Schaden anrichten kann, wir uns aber selbst bequem zurück lehnen und jammern können. WIR sind ja nicht verantwortlich, DIE waren das. Aber jetzt, wo der Schaden schon angerichtet ist könnte man doch .. oder müsste man nicht sogar ...

    Wir sind über das Stadium hinaus, in dem die meisten Forschungen und deren Ergebnisse "nett" oder "interessant" sind. Besonders nicht die, um die es hier geht. Wir forschen im innersten der Biologie, erfinden unsere eigene Evolution, rätseln, welche Kräfte unser Universum zusammen halten und wie man sie nutzbar machen kann.

    Unsere Gesellschaft ist keine ethische, moralisch unantastbare, in der jede neue Entdeckung aus purer Vernunft nur zu Erleuchtung und Vorteilen für Jedermann führt. Auch die bon Ihnen beschworenen ethischen Wissenschaftler sind keine unantastbaren Übermenschen. Es ist genau das Gegenteil der Fall. Jede, also wirklich JEDE Entdeckung wird umgehend dazu verwendet um militärische Überlegenheit und/oder wirtschaftliche Machtpositionen auszubauen, wenn das nur in irgend einer Weise möglich ist. Vorteile davon haben wenige, Nachteile viele. Manche mögen das für legitim halten.

    Tatsächlich sollte man sich als Wissenschaftler heutzutage ernsthaft überlegen, wie die möglichen Entdeckungen dieser Forschung GEGEN die Menschen und die Umwelt eingesetzt werden kann, denn eher früher als später WIRD genau das passieren. Ganz besonders gut sollte man darüber nachdenken, wenn das Militär daran interessiert ist, Geld dafür zu investieren. Das Militär ist von Natur aus nur daran interessiert, möglichst billig und effizient den "Gegner" zu eliminieren. Wobei "Gegner" allerdings je nach politischer Lage ein ziemlich verwaschener Begriff ist.

    Diesen zu erwartenden Nachteilen sollten die zu erhoffenden Vorteile gegenüber gestellt werden. Die Frage sollte dann lauten: Bin ich persönlich willens, diese Nachteile in Kauf zu nehmen und bin ich in der Position, diese Entscheidung für alle Menschen zu treffen? Gerade letzteres wird praktisch nie gemacht. Ist der Geist aber einmal aus der Flasche, bringt man ihn nicht mehr zurück. Die Entscheidung eines Einzelnen oder einer kleinen Gruppe bewirkt aber, dass künftig die gesamte Menschheit davon betroffen ist, mit allen möglichen Vorteilen, mit allen sicheren Nachteilen und für alle Zeiten. Eine einmal gemachte Entdeckung ist nie wieder rückgängig zu machen.

    Die Entdeckung der Radioaktivität, der Äquivalenz von Masse und Energie, die Struktur des Atomkerns - wunderbare Entdeckungen - haben uns die "friedliche Nutzung der Atomkraft" beschert und die Atombombe. Wobei bei ersterem noch nicht so sicher ist, ob sie nicht in Summe noch viel mehr Schaden angerichtet hat und noch anrichten wird als letztere.

    Wir leben in einer Kultur der "Nicht Verantwortung". Jeder ist nur für einen winzigen Teil verantwortlich, oder fühlt sich zumindest so. "Ich mache ja nur..". Allerdings bereitet jeder einzelne in seiner kleinen "nicht Verantwortlichkeit" den Boden für jemand anderen "nicht Verantwortlichen" der "auch nur.." macht. Jeder nur innerhalb legaler und moralisch vertretbarer Grenzen. Nichts, was explizit das Gewissen belastet. Jeder nur aus der puren Notwendigkeit, dem Rahmen der unmittelbaren Situation entsprechend angemessen und vertretbar. Jeder nur ein kleines Bisschen in die falsche Richtung, aber am Ende der Kette finden wir plötzlich ein Monster, das niemand haben will.

    Dann können wir wieder trefflich über die Verantwortung der jeweils anderen streiten. Die am Anfang der Kette mit "das wollten wir doch nie so haben", die am Ende mit "uns bleibt doch gar nichts anderes übrig".

    Ich bin kein betroffener Wissenschaftler, ich bin ein betroffener Mensch. Ich bin unheimlich wissensdurstig und verstehe Ihre Not, sich doch nicht bei der Forschung bremsen zu lassen, wirklich gut. Ich möchte aber nicht, dass SIE darüber entscheiden, ob ICH später mit den militärischen Segnungen Ihrer zukünftigen Entdeckungen konfrontiert werde. DAS möchte ich ganz bestimmt nicht. Ein Ethik Rat, der intensiv und AUSGIEBIG darüber berät, ob eine solche Forschung wünschenswert ist, ist genau das was ich mir wünsche. Sollte diese Beratung ergeben, dass es wünschenswert aber möglicherweise auch nachteilig sein kann, müssen ZEITGLEICHE Maßnahmen gesetzt werden, die eine - und sei sie noch so kleine - missbräuchliche Verwendung rasch und effizient unterbindet. Wenn das nicht sicher gestellt werden kann Hände weg!
  • Denkfehler entzaubert

    02.12.2013, Günter Woll, Quierschied
    Ich vermisse in diesem Artikel einen Hinweis auf die Tatsache, dass bei einer Überdosierung von Nährstoffen grundsätzlich mit Schadwirkung zu rechene ist. Dazu schicke ich Ihnen beiliegende Kopie aus Scheffer, Schachtschabel, Lehrbuch der Bodenkunde, 12. Auflage 1989. Das Diagramm bezieht sich zwar konkret auf die Pflanzenernährung, es wäre aber absurd anzunehmen, dass es sich bei der menschlichen Ernährung grundsätzlich andere Gesetzmäigkeiten gelten. ist man bei den Untersuchungen von richigen Werten für die optimale Dosierung der betreffenden Antioxidanzien ausgegangen? Was in iener posotven Insicht Wirkung entfaltet, mag in anderer Hinsicht schon schädlich sein.

    Es ist heute nicht gerade unüblich, dass Lebensmittel mit Vitaminen angereichert sind. Ich frage mich schon lange, ob da nicht manche Menschen trotz GDA ein gesunde Überdosierung abbekommen. Viele Verbraucher denken bei den "gesunden" Zusatzstoffen vermutlich: "Je mehr, desto beser!" Ich würde sagen, dieser Denkfehler wird in Ihrem Artikel entzabert.
    Antwort der Redaktion:
    Vielen Dank für Ihre Leserzuschrift. Sie fragen, ob die Forscher dort die optimale Dosierung der betreffenden Antioxidantien beachtet haben.

    Das Problem der richtigen Dosierung gibt es natürlich immer, wenn man die physiologische Wirkung von Antioxidanzien untersucht. Deshalb haben die Forscher es bei den meisten im Artikel geschilderten Experimenten umschifft. Sie haben nicht etwa Antioxidanzien verabreicht, sondern stattdessen antioxidativ wirkende Enzyme ausgeschaltet. Das führt im Körper zu einem Anstieg der Konzentration reaktionsfreudiger Atome und Moleküle. Unter diesen Umständen beobachteten sie bei den Versuchstieren keine Verkürzung der Lebensdauer, im Gegenteil, die manipulierten Tiere lebten manchmal sogar länger als nicht manipulierte. Das ist ein indirekter Beleg: Würden reaktionsfreudige Spezies schaden, so müsste ein Anstieg ihrer Konzentration zu negativen Effekten führen. Da er das in den Versuchen nicht tat, schaden reaktionsfreudige Spezies offenbar nicht (immer) – was im Umkehrschluss bedeutet, dass der Nutzen von Antioxidanzien, die den reaktionsfreudigen Spezies entgegenwirken, in Frage steht.

    Bei einigen der im Artikel beschriebenen Experimente wurden allerdings tatsächlich Antioxidanzien verabreicht, so bei den Experimenten Siegfried Hekimis an Fadenwürmern. Die Dosierung kann ich Ihnen ad hoc nicht nennen, doch auch bei diesem Experiment fällt auf, dass Tiere, die KEINE Antioxidantien erhielten ALS AUCH überdurchschnittlich viele reaktionsfreudige Superoxide bilden, überdurchschnittlich lange lebten.

    Antioxidanzien wurden ferner verabreicht bei der im Artikel zitierten Studie Omenn, G.S. et al.: Risk Factors for Lung Cancer and for Intervention Effects in CARET, the Beta-Carotene and Retinol Efficacy Trial. In: Journal of the National Cancer Institute 88, S. 1550–1559, 1996 Die Dosierungsangaben und eine Diskussion der Ergebnisse finden Sie in dem Artikel.
  • Die diskrepante Wissenschaft

    02.12.2013, Roland Maier
    Meinen Glückwunsch an das Nobelpreiskomitee für den Mut zu dieser Entscheidung. Noch nie zuvor wurde mit der Zusammensetzung der Laureaten so deutlich die Situation der Wirtschaftswissenschaften dokumentiert. Die drei Vertreter von völlig konträren Herangehensweisen zur Vorhersage
    von Aktienkursen unterschieden sich zum einen in der Einschätzung der Marktteilnehmer ­– rational denkend oder vom Bauchgefühl getrieben –, zum anderen wurde eine rein statistische Methode favorisiert.

    Es ist nicht das einzige Thema, zu dem es gerade in den Wirtschaftswissenschaften völlig unterschiedliche Meinungen gibt (hier vereinfacht dargestellt):

    - Braucht der Kommerz viel oder wenig Regulierung? Soll der Einfluss des Staates auf die Wirtschaft und vor allem auf die Banken erweitert oder reduziert werden? Sollte man eher den Behörden oder den Marktmechanismen vertrauen?

    - Brauchen wir niedere Löhne, weil dann die Unternehmen wettbewerbsfähig werden und dies letztlich allen zugute kommt, oder brauchen wir hohe Löhne, damit die Kaufkraft steigt, wovon die Unternehmen wieder profitieren würden?

    - Soll den überschuldeten EU-Ländern ein rigoroser Sparzwang auferlegt werden, um deren Defizite in den Griff zu bekommen, oder wird durch das Sparen deren Wirtschaft ruiniert, was wiederum die Defizite vergrößert?

    Die Liste ließe sich fortführen. Die jeweils konträren Standpunkte sind durchwegs alle berechtigt. Was den ersten Punkt betrifft, so lässt sich mit einem gesunden Misstrauen sowohl gegenüber den Behörden als auch den Marktmechanismen beiden Positionen etwas abgewinnen. Auch die anderen Anschauungen sind innerhalb eines jeweils eigenen Blickfeldes völlig folgerichtig. Solange aber nur zwei (oder mehr) Fraktionen auf ihren jeweiligen speziellen Sichtweisen beharren, wird wohl kaum etwas Vernünftiges entstehen. Die unterschiedlichen Vorstellungen müssten unter Einbeziehung aller gesellschaftlicher Aspekte zusammengefasst werden. Naturwissenschaftliche Theorien werden im Allgemeinen durch Vergleich der quantitativen Voraussagen mit den tatsächlich eingetretenen Werten validiert. Ohne diese Kontrolle würde es keine Vereinheitlichung der Lehrmeinungen geben. Problematisch ist es auch dort, wo konkurrierende Theorien zwar Werte angeben, wo aber alle einer Überprüfung nicht standhalten. Alte oberflächliche Vorstellungen blieben erhalten. In der Ökonomie hat jedenfalls auch ein Ereignis wie die Finanzkrise, welches die Theorien eigentlich auf eine harte Probe stellte, kaum zu einer Konsolidierung geführt.

    Offensichtlich sind die Einigungsprozesse in den Wirtschaftswissenschaften besonders schwierig. Börsennotierte Aktien gibt es immerhin seit etwa 300 Jahren. Das Interesse an zuverlässigen Prognosen dürfte ähnlich alt sein. Es sieht jedoch nicht so aus, als ob daraus so schnell etwas werden könnte. Vielleicht auch zum Glück. Denn speziell hier stellt sich auch die Frage, ob solide Vorhersagen überhaupt sinnvoll und wünschenswert sind. Sie hätten direkten Einfluss auf die Kursentwicklungen die sie ja prognostizieren sollten. Was hätte das für Auswirkungen?
  • Methylierung rückgängig machen?

    02.12.2013, Michael
    Die Frage ist dann, wie man die Methylisierung wieder verändern kann, um so Angstpatenten zu helfen. Da gab's doch vor einiger Zeit schon mal ein Mäuse-Experiment dazu, kann mich aber an Genaues nicht mehr erinnern.
  • Was für ein Sammelsurium!

    02.12.2013, Harald Immel, Maisach-Gernlinden
    1. Für die Autoren endet die Genetik offensichtlich mit den "mendelschen Merkmalen" (S. 36). Alles andere ist Epigenetik, wobei angeblich "Gesellschaftliche Verhältnisse ... genetische Strukturen ... verändern" (S. 36). Das ist nicht richtig! Im Folgenden ist auch nur noch von einer Änderung der "Aktivität bestimmter Gene" die Rede (S. 37 u. .). Das ist richtig, aber eben reine Genetik, ganz ohne "Epi-".

    2. Statistik spielt eine große Rolle und selbst ein "Datenbestand" von 20 500 Personen kann unzureichend erscheinen (S.42). Da wüsste man doch zu gerne Bescheid über die quantitative Basis der Abbildung auf S. 39. Um Himmels willen: Wie viele missbrauchte Suizidopfer standen denn zur Verfügung?

    3. Sehr richtig die Bemerkung: "Ein wenig ähnelt das soziale Umfeld einem Habitat in der Biologie" (S. 41) Aber: Spielt tatsächlich nur in menschlichen Gemeinschaften die "Stellung in der Gesellschaft" eine Rolle (S. 42)? Noch nie etwas von den Strukturen in einem Löwenrudel oder auf einem Affenfelsen gehört, vom Alphamännchen bis zum letzten Jungtier?

    4. Die Quintessenz der eigenen Forschung ist in der Tabelle auf S. 42 zusammengefasst und führt - laut Unterschrift - zu dem umwerfenden Ergebnis, dass Handikaps (genetische und gesellschaftliche) sozial kompensiert werden können durch "gebildete Eltern, die sich in der Schule ihrer Kinder engagieren, und eine gute Schule". Um zu solch bahnbrechenden Erkenntnissen zu gelangen, bedarf es zweifellos nicht der am Schluss bombastisch geforderten neuen Organisation des gesamten Wissenschaftsbetriebs (S.45). Sollte es aber doch dazu kommen, dann bitte wenigstens ohne Beteiligung der Autoren!
    Antwort der Redaktion:
    Zu 1.: Entscheidend ist, was man unter genetischen Strukturen versteht. Geht es nur um die Basensequenz, hat Prof. Immel Recht. Umfasst der Ausdruck aber auch die Art, wie das fadenförmige DNA-Molekül im Zellkern aufgewickelt ist und welche chemischen Gruppen daran angebracht sind, dann trifft die Aussage in dem Artikel sehr wohl zu. Angesichts der großen Bedeutung der neuerdings erkannten Mechanismen zur Genregulation und der Existenz eines eigenen Histonkodes dafür scheint es gerechtfertigt, das Gebiet durch ein „Epi-“ von der herkömmlichen Genetik zu unterscheiden.
    Zu 2.: Es handelte sich um je zwölf Suizidopfer mit und ohne Missbrauchserfahrung in der Kindheit sowie zwölf bei einem Unfall verstorbene Personen als Kontrolle. Die Untersuchung ist in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Neuroscience“ erschienen (http://www.nature.com/neuro/journal/v12/n3/full/nn.2270.html).
    Zu 3.: Natürlich gibt es auch im Tierreich soziale Strukturen. Aber deren Komplexität reicht nicht annähernd an die beim Menschen heran.
    Zu 4.: Der Artikel beschreibt nicht nur die eigenen Ergebnisse der Autoren, die man als wenig überraschend ansehen mag, sondern eine Vielzahl weiterer Befunde anderer Wissenschaftler. Der Schlusssatz bezieht sich auf die Gesamtheit der angeführten neuen Erkenntnisse.
  • Abschreckende Rezension mit wenig Begeisterung

    02.12.2013, Peter Stark
    Ich kann die Kritik der Autorin nicht ganz nachvollziehen. Das Buch ist das auf dem deutschsprachigen Markt beste zu diesem Thema. Der Autor mag zwar von dem Thema angetan sein, das tut dem Buch aber keinen Abbruch. Ich habe das Gefühl, dass die Rezensentin frustriert ist, in dem Buch keine Fehler gefunden zu haben. Stattdessen listet sie irgendwelche Worte und Formulierungen auf, die sich ihrer Meinung ein- oder zweimal zu oft in dem Buch wiederfinden. Wie armselig! Wenn man schon auf dieses Mittel der Kritik zurückgreifen muss, dann spricht dies eher für den Autor des Buches und gegen die Rezensentin.
    FÜNF AMAZON-Sterne für dieses tolle Buch.
    Peter (Saarbrücken)
  • Warum schon bei Preonen anhalten?

    02.12.2013, Walter Weiss, Kassel
    Sollten Preonen denkbar sein - warum könnten sie dann ihrerseits nicht auch noch aus mehreren Bestandteilen zusammengesetzt sein? Und so fort: warum könnte es nicht sogar eine endliche - oder unendliche - weitere Untergliederung geben?

    Es sind die Entwicklungen in der Forschung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten gerade in dieser Materie ungeheuer spannend.
  • Antwort auf den Kommentar von Jutta Paulus

    29.11.2013, Martin Ballaschk (SciLogs: Detritus)
    Hallo Frau Paulus,

    es ist sicher richtig, dass Daten aus Sprague-Dawley-Ratten auch von Monsanto für Toxizitätsstudien herangezogen werden. Wenn ich mich recht erinnere, sind diese Untersuchungen dann aber auf 90 Tage begrenzt – hier macht die Wahl des Rattenstamms Sinn. Ein Hauptkritikpunkt ist ja, dass die Studie nicht als Kanzerogenitätsstudie taugt, aber gerade die Tumorbilder so gehypt wurden (siehe die Bilder auf Seite 4226, ohne Kontrolle!). Dass man die Studie über die 90 Tage hinaus fortführte, weil man unerwartet toxische Effekte beobachtete, ist mehr als fadenscheinig: Über viele Jahre hat Séralini versucht, toxische Effekte nachzuweisen – und jetzt sollen sie ihn überrascht haben? Unglaubwürdig. Viel wahrscheinlicher und in einer Linie mit Séralinis jahrelanger Lobbyarbeit erscheint mir, dass man es von vornherein auf diesen Befund angelegt hat, um diesen äußerst medienwirksam in Szene zu setzen.

    Ob eine Retraktion gerechtfertigt war, wird wahrscheinlich noch eine Weile kontrovers diskutiert werden. Es sind sich aber wohl alle einig, dass die Daten nicht die Schlussfolgerungen stützen und die Arbeit so nie hätte veröffentlicht werden – ein Versagen des Peer-Review-Systems. Ich will das nicht beurteilen, freue mich aber, dass Anti-Gentechnik-Demonstranten sich nicht mehr die gräßlichen Rattenbilder auf die Transparente drucken können, ohne sich lächerlich zu machen.

    Zu Glyphosat: der Fund von Glyphosatrückständen mit einer hinreichend sensitiven Methode ist nicht völlig unerwartet. Immerhin ist Glyphosat zugelassen und es sind Rückstände in Nahrngsmitteln zu erwarten, insbesondere durch die Sikkation von konventionell angebautem Getreide (was auch immer von dieser Praxis halten mag, sie sorgt für hohe Glyphosat-Belastungen und wird sogar von der DLG sher kritisch gesehen). Es ist immer noch die Frage nach der Dosis entscheidend, und meines Wissens gibt es keine Belege dafür, dass Glyphosat *nicht* der klassischen Dosis-Wirkungsbeziehung folgt. In Séralinis Paper sehen wir keine dosisabhängigen Effekte durch Glyphosat, im Gegenteil wirkt es offenbar lebensverlängernd auf männliche Ratten, wenn man seiner Argumentation folgt! Niemand scheint das bemerkt zu haben oder besonders herauszustellen, obwohl hier ein vergleichsweise starker Effekt auftritt. Sie könenn das leicht anhand der Figure 2 nachvollziehen.

    Für Häufung von Missbildungen und Krebsfällen konnte ich bislang keine verlässlichen Zahlen finden, falls Sie welche haben, lassen Sie es mich bitte wissen. Nehmen wir aber an, diese Zahlen belegen diesen Zusammenhang statistisch signifikant. Dann hätte man immer noch das Problem, diese Effekte auf Glyphosat einzuengen – immerhin werden in diesen Anbauregionen noch andere Chemikalien eingesetzt und man hat keinen Überblick über eventuelle Verunreinigungen in Pestiziden.

    Zur unabhängigen Reproduktion der Studie: Arjo et al. Transgenic Res (2013) 22:255 nennen einige Literaturstellen, darunter eine (japanische) 104-wöchige Studie von Sakamoto (2008), die mit transgenem Soja gefüttert wurden und auf ein Review von Chelsea Snell et al. Food Chem Toxicol 50: 1134. Séralinis Ergebnisse schlagen eindeutig aus der Art. Ich würde es auch begrüßen, wenn jemand versuchte, Séralinis Ergebnisse zu reproduzieren, aber es tut mir auch ein wenig um die Tiere leid.

    Viele Grüße
  • Geoengineering ist genau so schwierig wie globale Emissionsreduktion

    29.11.2013, Martin Holzherr
    Alle Länder müssen ihre CO2 Emissionen reduzieren, damit die Emissionen global zurückgehen.
    Auch zum Geoengineering - das per definitionem ein globales Engineering ist - müssen alle Länder zustimmen. Bei arktischem Geoengineering mindestens aber die Artkisanrainer. Die im Arktisrat versammelten Länder werden aber einem arktischen Geoengineering nie und nimmer zustimmen, denn auf nichts warten sie mehr als auf das permanente Abschmelzen des Sommereises. Denn das erlaubt ihnen die Ausbeutung von arktischem Erdöl und Erdgas und die Einrichtung von arktischen Schiffsrouten, welche die Fahrzeit von Asien nach Europa stark verkürzen.
    Mit ihrem Vorschlag zum arktischen Geoengineering leben sie also gefährlich. Oder wollen sie dass es ihnen gleich ergeht wie Alexander Walterowitsch Litwinenko.