Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
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  • Schwache Argumente

    21.08.2015, Gradwohl Werner
    Die üblichen schwachen Argumente der Verfechter einer wie auch immer gearteten Willensfreiheit.

    Fehlende Willensfreiheit schließt Verantwortlichkeit nicht aus (sie wird dadurch sogar bestärkt).
    Wie viel wir vom Akt einer willentlichen Entscheidung bewusst wahrnehmen, sagt nichts darüber aus wie freiwillig dieser zustande

    gekommen ist.

    Das Gedankenexperiment über Frau Jill mit der Sensorkappe zeigt die Unmöglichkeit eines freien Willens.
    87 Prozent vertraten dennoch eine (nicht näher spezifizierte) Willensfreiheit.
    Mindestens 12 Prozent vertraten die Meinung eine solche Technik würde den freien Willen infrage stellen.
    Diese sollten sich überlegen, was Jills Gehirn eigentlich tut.
    Denn eine solche Sensorkappe kann es nicht geben, da der einzige Automat, der die Handlungen (und Gedanken) von Jill vorraussagen

    könnte, ihr Gehirn selbst ist.

    "Anscheinend fanden sie nicht, dass Jills Gehirn ihr etwas aufzwingt – und sie keinen freien Willen hat –, sondern dass der

    Hirnscanner einfach nachweist, wie der freie Wille im Gehirn arbeitet."

    Das sind eindeutig Argumente einer dualistischen Anschauung.
    Willensfreiheit im engeren Sinn ist ohne dualistische Annahmen nicht erklärbar.

    "...Wenn das Gehirn für alles zuständig ist, gibt es für den bewussten Geist nichts zu tun."

    Der bewusste Geist wird ja durch das Gehirn und seine Tätigkeit ausgedrückt (und nicht bloß repräsentiert).
    Und für das Gehirn gibt es mehr als genug zu tun.
  • Philosophische Argumente?

    21.08.2015, Dieter Freundlieb
    Ich finde es schade, dass bisher keiner der Foristen sich mit den philosophischen Argumenten auseinander gesetzt hat, von denen ich einige hier eingebracht habe und die in der relevanten philosophischen Debatte zur Willensfreiheit vielfach vorgetragen worden sind.

    Allerdings findet man in der Diskussion unter einigen Hirnforschern immer wieder die Redeweise, dass bei Entscheidungsprozessen ein Ich ('Wir') den Hirnprozess beeinflussen kann. Selbst Hirnforscher, die fest an ein naturalistisches Weltbild glauben, tun das gelegentlich. Sie setzen also die Existenz einer Instanz (das Ich oder ein Selbstbewusstsein) voraus, das keinen Sinn ergibt, solange man es wiederum als nichts weiter versteht, als naturwissenschaftlich beschreibbare Prozesse in einem Gehirn. Nur scheinen sie das nicht zu bemerken. Ihre Argumentation ist fehlerhaft, weil sie nur Überzeugungskraft haben kann, wenn sie etwas als existierend voraussetzt, das es in einer naturalistisch verstandenen Welt gar nicht geben kann. Das meinte ich mit dem Ausdruck 'performativer Selbstwiderspruch'.

    Egal wie fortgeschritten die neurophysiologische oder sonstwie naturwissenschaftlich verstandene Beschreibung von Gehirnprozessen ist, die einer Behauptung bei ihrem Aussprechen unterliegen, es läßt sich daraus niemals ablesen, ob sie wahr oder falsch, wahrscheinlich wahr oder wahrscheinlich falsch ist. Die gesamte Wissenschaft lebt aber davon, dass sie beansprucht, mehr als beliebiges BlaBla zu sein. D. h., sie beansprucht Erkenntnisse über die Welt zu liefern. Dazu braucht man kognitive Normen und nicht nur bloße Fakten. Für eine solche Normativität ist in einer Welt naturwissenschaftlich erhobener Fakten und Theorien aber kein Platz. Aus Fakten folgen keine Normen. Das kann man schon bei David Hume nachlesen. Es wäre das, was man den naturalistischen Fehlschluss nennt.

    Die Besonderheit des menschlichen Geistes, begründete Urteile, zum Beispiel über die Wahrheit und Falschheit von Behauptungen, abgeben zu können, kann innerhalb eines naturalistischen Weltbilds nicht verständlich gemacht werden. Darauf haben Thomas Nagel und viele andere Philosophen hingewiesen. Hirnforscher wollen das nicht hören oder sich argumentativ damit auseinanderzusetzen, weil es die Begrenztheit des naturalistischen Weltbilds zeigt, dem sie verpflichtet sind.

    Damit ich nicht missverstanden werde: Ich will mit meinen Argumenten keineswegs einer religiösen Weltanschauung das Wort reden. Das kann jeder halten wie er will.

    Ich will nur sagen, dass das Universum, in dem wir uns vorfinden, anscheinend sehr viel mysteriöser ist, als die meisten Hirnforscher sich das vorstellen können oder wollen. Bereits in seinem berühmten Aufsatz "What Is it Like to Be a Bat?" von 1974 hat Thomas Nagel gezeigt, dass es Dinge gibt, die einer physikalistischen Analyse prinzipiell nicht zugänglich sind. Wenn das von den 'Willusionisten' unter unseren Hirnforschern erstmal anerkannt werden würde, würde die Diskussion ganz anders verlaufen, als sie est tut.
  • Begriffsverwirrung?

    21.08.2015, Ein Verwunderter Leser
    Hier mal ein paar Zitate aus dem Artikel:
    "Anscheinend trifft das Gehirn die Entscheidung vor der Person."
    und
    "Anscheinend fanden sie nicht, dass Jills Gehirn ihr etwas aufzwingt – und sie keinen freien Willen hat –, sondern dass der Hirnscanner einfach nachweist, wie der freie Wille im Gehirn arbeitet."

    Alle diese Sätze ergeben nur aus einer dualistischen Perspektive einen Sinn, denn sie enthalten eine Unterscheidung zwischen dem Gehirn (oder meinetwegen auch dem Nervensystem oder dem ganzen Körper) und einer "Person", die etwas anderes sein soll. Ohne Dualismus ergibt diese Unterscheidung keinen Sinn und man kann bloß allgemein die Frage stellen, ob unsere Welt (von der Vorgänge in Lebewesen nur ein Spezialfall sind) deterministisch funktioniert oder nicht.

    In so fern ist das Ganze mehr Begriffsverwirrung als eine inhaltliche Debatte.
  • Hilfreich aber nicht hinreichend

    21.08.2015, Dr. Josef König
    Der Dualismus, also die Trennung von Geist und Materie (seit Decartes - siehe auch Damasio, "Decartes Irrtum") ist ebenso wenig hilfreich, wie die Annahme eines physikalischen Determinismus in der Naturwissenschaft.
    Die Diskussion des "Freien Willens" ist eine philosophische, und keine, die mit wenig aussagekräftigen Experimenten, wie das von Libet, entschieden werden kann. So hatten z.B. die Probanden von Libet die Aufgabe bekommen, die Hand zu bewegen - und gemessen wurde, wann sie die Ausführung im Hirn und in der sichtbaren Form vollführen. Damit waren sie in ihren Handlungsoptionen bereits eingeschränkt. Die Interpretation von Libets Experimenten beruht daher auf einem fragwürdigen Dualismus, nämlich der Trennung des Hirns vom Körper der Person. Beide sind aber eins: Mein "Ich" ist nichts ohne meinen Körper, mein Hirn ist dessen Teil.
    Wenn man sich also der Diskussion des "Freien Willens" stellt, sollte man philosophisch zuvor klären, was man unter dem "Freien Willen" verstehen will. Schon Kant schrieb in der "Kritik der reinen Vernunft", dass, hätte man nur alle Parameter zur Verfügung, man die Handlungen eines Menschen so wie eine Mondfinsternis vorhersagen könne. Nur: Die tatsächliche Anzahl der Parameter kann beliebig erweitert werden und somit ins tendenziell unendliche gehen. Da helfen uns leider die noch immer sehr groben Instrumente der Hirnforschung keinen Deut weiter, erst recht nicht, wenn diese versucht, philosophische Probleme mit physiologischen Messungen zu beantworten. Bei allem Interesse, das ich für die moderne Hirnforschung und die Neurowissenschaften aufbringe, sehe ich nicht, dass sie bislang auch nur eine vernünftige Antwort auf philosophische Fragen befriedigend gegeben habe.
  • Vielleicht?

    21.08.2015, Uta Baranovskyy
    Lieber Herr Schubert,

    ob das für das Gehirn zu viel verlangt wäre, wäre erst noch zu beweisen. Vielleicht gibt es den nächsten Nobelpreis für den Nachweis, dass das Gehirn (nicht das einer Ratte) nicht nur das Plancksche Wirkungsquantum erdenken konnte, sondern dass es sogar in der Lage ist - auch das einer Ratte - einen Ort auf etwa 10–17 Meter und die Geschwindigkeit auf etwa 10–16 Meter pro Sekunde zugleich genau zu erfassen. Ich wette eine Flasche Champagne Armand de Brignac Brut Gold Magnum, derzeit 650 Euro.

    Mit besten Grüßen
    Antwort der Redaktion:
    Wette angenommen. :-)

    Mit besten Grüßen
    Frank Schubert
  • Bewußtsein

    21.08.2015, Dipl.-Phys. Ulrich Schulz
    Letztendlich führen die obigen Diskussionen auf die Frage: Was ist "Bewusstsein" bzw. was bedeutet "Ich"?
    Für interessierte Leser empfehle ich
    1. Penrose "Computerdenken" und
    2. Hofstadter "Ich bin eine seltsame Schleife".
    Während Penrose u. a. über Algorithmen bzw. algorithmisches Denken den Zugang zu finden sucht diskutiert Hofstadter z. B. über Spiegelneuronen u. ä.
    Beide versuchen sich dem "Bewusstsein" auf unterschiedlichen Wegen zu nähern. Bin ich dadurch einer Antwort näher gekommen?
    Ein herzhaftes "Vielleicht". Ob man irgendwann einer Antwort wirklich richtig nahe kommt?
    Aber einem Wissenschaftler vorzuwerfen, er forsche zu einem Thema und speziell an diesem um an Gelder zu kommen ...
    Ich bin sicher, daß dieser in der" freien Wirtschaft" ein Vielfaches mehr erhalten würde. Wo kommt bloß so eine Argumentation her? Fehlt noch der "FerraBenzMW" in der Garage, der auch immer mal wieder von dem einen oder anderen "Kritiker" vermutet wird.
  • Zweifelhafte Verteidigung des freien Willens

    21.08.2015, Johannes
    Die vorgebrachten Argumente sind insofern problematisch, als sie den eigentlichen Kern deterministischer Weltanschauung nicht widerlegen. Dass Handlungen oftmals bewusster Kalkulation unterliegen berührt ja nicht die Hypothese, dass alle, auch bewusste Denkprozesse kausal ablaufen.

    Akzeptiert man dies, so lässt sich nicht mehr von Freiheit sprechen, zumindest nicht in einem Sinne von dem sich moralische Verantwortung ableiten ließe. Bestreitet man hingegen die kausale Natur von Denkprozessen erringt man in der Sache des freien Willens wenig mehr als einen Pyrrhussieg.

    All dies behält seine Gültigkeit natürlich nur innerhalb eines physikalistischen Weltbildes - wird von jenem abgewichen ist allerdings die übergeordnete Frage nach Prüfbarkeit und Sinnhaftigkeit angebracht.
  • Schwieriger Beweis

    21.08.2015, Klaus Wrede
    Wenn jemand spontan addiert statt zu subtrahieren, dann wird man das seinem freien Willen wohl auch dann zuschreiben können, wenn die neurologischen Bedingungen der Wahl erklärbar sind. Jedenfalls sind neurologische Erregungen vor der Rechenoperation (selbst wenn deren Prognosekraft 100% betrüge), schon deshalb kein Beweis, weil damit nicht geklärt ist, ob weiter zurück liegende Erfahrungen und Überlegungen solche neurologischen Erregungen möglicherweise beeinflussen oder formen können.

    Der Beweis für die Unmöglichkeit von Willensfreiheit wäre doch erst erbracht, wenn gezeigt würde, dass die Wahl vollständig einer Steuerung unterliegt, die ganz unabhängig von einer freien Entscheidung der Person ist. Erst dann läge eine „Illusion des freien Willens“ vor. Oder einfach gesagt: es kann nur dann keinen freien Willen geben, wenn alle Gedanken und Handlungen vollständig unfrei sind.

    Der Beweis, dass der Wille nicht frei ist, müsste demnach zeigen, dass jede beliebige menschliche Handlunge vollständig beschrieben werden kann, ohne auf das Konzept eines freien Willens zurückgreifen zu müssen.

    Die Forderung der Vollständigkeit setzt übrigens voraus, dass menschliche Sprache überhaupt geeignet ist, vollständige Beschreibungen der Wirklichkeit zu geben. Sollte das nämlich nicht der Fall sein, wäre die Unfreiheit des Willens prinzipiell nicht beweisbar.

    Gerade aufgrund des Problems der Vollständigkeit scheint es mir nicht wahrscheinlich zu sein, dass dieser Beweis in nächster Zeit tatsächlich erbracht werden kann.
  • Alle Jahre wieder

    21.08.2015, Kronberg
    Und nicht nur alle Jahre, sondern über alle Sportarten hinweg wird sich über Doping aufgeregt, ohne den Begriff Doping überhaupt sinnvoll definiert zu haben. Wikipedia entnehme ich den Satz: "Eine einheitliche Logik der Verbote gibt es nicht: In jedem Jahr wird im Spätherbst die Liste der verbotenen Substanzen überprüft; die neue Liste gilt dann ab 1. Januar des folgenden Jahres." Diese Liste enthält auch körpereigene Substanzen, wie zum Beispiel Testosteron, was einen Nachweis von Doping in diesem Fall durch Setzung von Obergrenzen zu einem Willkürakt macht, der naturgegebene Abweichungen von dieser Obergrenze zu einem Vergehen macht. Der Fall Pechstein führt deutlich vor Augen, was solche Willkür (hier natürlich nicht mit Testosteron) für Folgen haben kann. Die Definition selbst (Quelle ebenfalls Wikipedia) "Unter Doping versteht man die Einnahme von unerlaubten Substanzen oder die Nutzung von unerlaubten Methoden zu Steigerung bzw. Erhalt der - meist sportlichen - Leistung." läßt die waltende Willkür noch deutlicher erkennen. Während der großen Radrundfahrten wird über die erlaubten Energiezufuhrmethoden für die Fahrer mit berichtet. Während der Fahrt selbst werden Getränke und und sogenannte Energieriegel einverleibt. Nichts davon hat etwas mit natürlicher Nahrung oder natürlichen Getränken zu tun. Weshalb ist das Eine erlaubt und das Andere nicht? Wenn man das Dopingthema vom Tisch haben will, gibt meines Erachtens nur einen sinnvollen Weg. Laßt die Sportler in Eigenverantwortung entscheiden, was sie ihrem Körper zumuten wollen und was nicht. Sie tun es ja ganz legal auch mit ihren Trainingsmethoden, die gelegentlich auch nicht unbedenklich in gesundheitlicher Sicht sind, wie auch mit ihrer Ernährung, die ganz auf die zu erzielende Leistung abgestimmt ist, und mit dem Eßverhalten des normalen Menschen nichts zu tun hat. Ergänzend sollte ein jährliches Pflichtseminar über die Wirkungen und besonders die Gefahren der zur Verfügung stehenden Substanzen für alle, die an bestimmten Wettbewerben teilnehmen wollen abgehalten werden. Kriminell handelt dann nicht der, der eine besimmte Substanz einnimmt, sondern nur der, der sie ohne Wissen des Athleten verabreicht hat. Selbstgefährdung unter Strafe zu stellen ist ein Unding. Damit müßte jede Teilnahme an den großen Radrundfahrten schon per se strafbar sein, wenn man die Bergabfahrten betrachtet.
  • Der Ausgewogenheit zuliebe ...

    21.08.2015, Gerd Knoll
    ... ein Hinweis auf Ergebnisse aus Großbritannien, nach denen die e-Zigarette eben keine Einstiegsdroge ist:

    "Latest data finds no evidence that electronic cigarettes are a gateway to smoking for young people"

    http://www.ash.org.uk/media-room/press-releases/:latest-data-finds-no-evidence-that-electronic-cigarettes-are-a-gateway-to-smoking-for-young-people

    Allerdings gibt es auch in England Probleme, und zwar in der Wahrnehmung des Gefahrenspotentials der e-Zigarette, die fälschlicherweise zunehmend als ähnlich riskant wie Tabakzigaretten eingeschätzt wird:

    "The authors were concerned, however, about the increase in false perceptions about electronic cigarettes. Although most young people correctly believe that electronic cigarettes are less harmful than smoking tobacco, between 2013 and 2015 the proportion believing that the electronic devices are as equally as harmful increased from 11% to 21%."

    Die Regierungsorganisation "Public Health England" hat eine umfassende Beurteilung zur e-Zigarette erstellen lassen ("latest comprehensive review of the up-to-date evidence on e-cigarettes"). Darin wird festgestellt, dass nach vorsichtiger Einschätzung auf der Grundlage der vorliegenden Evidenz die e-Zigarette mindestens zu 95% weniger schädlich ist als die Tabakzigarette. Das ist schon etwas anderes als ein "immerhin etwas gesünderes – ... – Ersatzprodukt für das Rauchen".

    https://www.gov.uk/government/news/e-cigarettes-around-95-less-harmful-than-tobacco-estimates-landmark-review

    Die gesundheitlichen Vorteile der e-Zigarette sind nach dieser Analyse so weitreichend, dass eine Verschreibung auf Krankenschein für arme Raucher erwogen wird.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Knoll,

    vielen Dank für Ihren Beitrag. Tatsächlich ist unter Medizinern nicht umstritten, dass E-Zigaretten, wiewohl gesunddheitsschädlich, eben auch weniger schädlich als klassisches Zigarettenrauchen ist. Das haben wir ja auch in unserem Beitrag angesprochen.

    Fraglich bleibt aber - und das war Thema unseres des Beitrags - ob E-Zigaretten zur Einstiegsdroge für das Zigarettenrauchen gerade von Jugendlichen werden. Gesundheitsexperten warnen davor, die Forschung dazu ist aber noch nicht abgeschlossen. Sie zitieren dazu ja selbst einen Beitrag der englischen Anti-Raucher-Organisation ASH (die sich, im übrigen gegen den jede Form des Nikotin-Missbrauchs - auch in E-Zigaretten - ausspricht, eine differenzierte Zusammenfassung, die auch die stärkere Schädlichkeit des Rauchens anspricht, findet sich hier: http://www.ash.org.uk/files/documents/ASH_715.pdf).

    "Der Ausgewogenheit zuliebe" könnte man zum eigentlichen Thema des Artikels natürlich viele weitere Beiträge finden - zur Verdeutlichung einige von der Seite der US-amerikanischen Organisation ASH, die das selbe Akronym wie die britische Seite trägt).

    http://ash.org/e-cigarettes-proving-to-be-a-danger-to-teens/
    http://ash.org/use-of-e-cigarettes-rises-sharply-among-teenagers/
    http://ash.org/the-cool-factor-teens-report-positive-feedback-to-using-e-cigarettes/

    Wissenschaftliche Studien zum Thema "E-Zigarette als Einstiegsdroge" - wie die in unserem Artikel zusammengefasste - sind allerdings dünn gesät und ein wissenschaftlicher Konsens daher bisher nicht erreicht.

    Mit freundlichem Gruß
    Jan Osterkamp
    Redaktion Spektrum.de

  • Bewegung und Ort

    21.08.2015, Uta Baranovskyy
    Ich hoffe, ich habe es richtig verstanden: Das Gehirn besitzt ein neuronales Abbild der Orts-Position als auch der Bewegungsabläufe des Selbst in seiner Umwelt. Wenn es beides zugleich kann - was ja offensichtlich ist - hat es der von Heisenberg gefundene physikalischen Energie-Zeit-Unschärferelation etwas voraus. ;-))
    (Die Unschärferelation ist ein fundamentaler Satz der Quantentheorie und besagt, dass einer Materiewelle nie gleichzeitig ein Ort und ein Impuls mit beliebiger Genauigkeit zugeordnet werden kann.)
    Antwort der Redaktion:
    Liebe Frau Baranovskyy,

    obgleich offenbar scherzhaft gemeint, ist Ihr Einwand grundsätzlich nicht von der Hand zu weisen. Allerdings: Laut Unschärferelation kann das Produkt aus Orts- und Impulsunschärfe nicht kleiner sein als das Plancksche Wirkungsquantum. Damit das bei einem makroskopischen Objekt wie einer Ratte gegeben wäre, müsste deren Gehirn den Ort auf etwa 10-17 Meter und die Geschwindigkeit auf etwa 10-16 Meter pro Sekunde genau erfassen. Das Gehirn leistet zwar Erstaunliches - aber dies wäre dann doch etwas viel verlangt ;-)

    Mit freundlichem Gruß
    Frank Schubert
  • Der Mond beeinflußt irdisches Leben! - Wie er das aber tut, ist noch nicht sicher

    21.08.2015, Steffen Seidel
    Der Mond beschreibt eine elliptische Bahn um die Erde. An seinem erdfernsten Punkt ist er zirka 1½ Lichtsekunden (ca. 450 000 km) von der Erde entfernt. An seinem erdnächsten Punkt dagegen nur eine Lichtsekunde (ca. 300 000 km). Bei Ebbe und Flut bewegt sich keineswegs nur das Wasser. Auch der Festlandsboden hebt und senkt sich. Ist der Mond an seinem erdfernsten Punkt, um 30 cm. An seinem erdnächsten Punkt um ca. 80 cm. Im Durchschnitt sind es ca. 50 cm.
    Bei Voll- und bei Neumond sind die Gezeitenkräfte besonders stark, da Erde, Mond und Sonne auf einer Linie stehen. (Springtide/Springflut)

    Das Erde-Mond-System ist ein Zwei-Körper-System, das um eine gemeinsame Achse rotiert. Dabei befindet sich das Rotationszentrum noch innerhalb der Erde. (Die Bewegung eines Leichtathleten beim Hammerwurf oder eine Einarm-Zentrifuge [mit Gegengewicht] könnten das bildlich darstellen.) Die tatsächliche Auswirkung des Mondes ist darüber hinaus deshalb so schwierig aufzuzeigen, weil der Mond ca. 19 Erdenjahre benötigt, um die gleiche Position wieder einzunehmen. Da externe Störungen auftreten können, ist aber selbst eine Beobachtungsdauer von 19 Jahren nicht sicher genug. 3x19 Jahre (ohne offensichtliche Störeinflüsse) sollten es schon mindestens sein. Das wären knapp 60 Jahre.

    Die 'Gezeiten-Berge' und '-Täler' laufen dem aktuellen Mondstand um ca. 3 Stunden (soweit ich mich erinnere) hinterher. Wenn sich also der Boden hebt, ist der Mond schon 3 Stunden weiter gezogen. Die Schwerkraftwirkung des Mondes steht also nicht annähernd mehr Senkrecht über der Stelle, die sich gerade hebt. (Nicht mehr auf der gleichen Linie, die durch Erdzentrum und die sich hebenden Position des Bodens führt.) Ein dort befindlicher Gegenstand erfährt dadurch eine Beschleunigung. Diese scheint vernachlässigbar klein zu sein. Wie gravierend solche 'Kleinigkeiten' aber sein können, zeigt ein Experiment, das nicht nur rechnerisch sondern auch mehrfach praktisch durchgeführt wurde.

    Ein Fluss fließt immer bergab. Gibt man einem Schiff einen Antrieb, der die Fließgeschwindigkeit des Flusses exakt neutralisiert, sollte man annehmen, das Schiff bleibt unverrückbar auf seiner Position stehen. Der geringe Schwerkraftunterschied zwischen den beiden Enden des Schiffes reicht jedoch aus, dass sich das Schiff trotzdem und sogar gegen den Wasserwiderstand in Bewegung setzt. Ohne jeglichen Antrieb bedeutet das, dass das Schiff trotz Wasserwiderstand schneller als die Strömung flussabwärts fährt. Das gilt für kleine Boote wie für große Schiffe. Ermittelt man den den Höhenunterschied zwischen Bug und Heck des Bootes gegenüber dem Meeresspiegel, und rechnet diesen um, auf ein Boot mit der Größe einer Pflanzenzelle so ist die beschleunigende Kraft sicher deutlich kleiner, als die, die auf eine Pflanzenzelle wirkt, die vom Heben auf einen Gezeiten-Berg oder oder dem Senken in ein Gezeiten-Tal auf so eine Pflanzenzelle wirkt.
    Die Pflanzen haben Mechanismen, die dafür sorgen, das Wasser in einem Stängel nicht zurückfließen kann, sondern nur vor- bzw, aufwärts. Das Heben eines Gezeiten-Berges sollte auf den Wassertransport im Pflanzenstängel keine Auswirkung haben. Senkt sich jedoch der Gezeiten-Berg, senkt sich der mit dem Boden verbundene Pflanzenstängel gezwungenermaßen mit gleicher Geschwindigkeit. Das enthaltene Wasser kann jedoch träger reagieren. Es wird scheinbar nach oben gedrückt und gelangt in die höheren Pflanzenteile.

    Die Verhältnisse in einer Raumstation sind etwas komplizierter als auf der Erde. Das ganze zu berechnen, liegt nicht innerhalb meiner Möglichkeiten und ganz sicher nicht in dem Zeitrahmen, den ich für einen Leserbrief aufwenden kann.

    Da die auftretenden Kräfte zwar fast unmessbar klein scheinen, aber immer noch größer sind als nötig, um ein Kreuzfahrtschiff oder einen Supertanker in Bewegung zu versetzen, kann man mit Sicherheit annehmen, dass sie sich auch auf Tiere und Menschen auswirken.

    Wir haben nun außer dem Lichteinfluss eine direkte und eine indirekte Gravitationswirkung des Mondes. Ob die unterstellten Phänomene aber tatsächlich diejenigen sind, die durch die Mondkräfte bewirkt werden, und welchen Anteil die einzelnen Kräfte daran haben, wird noch jede Menge Forschungsarbeit erfordern.

    Zusätzlich kann man nicht zwingend anscheinend offensichtliche Kausalitätsketten in biologischen Systemen unterstellen. Interne Taktgeber, so hat die Forschung gezeigt, können an ganz anderen Orten zu finden sein, als erwartet. Hier Spektrum war kürzlich ein Artikel, dass der Jagderfolg nachtaktiver Beutegreifer (Löwen) um so höher ist, je dunkler es ist, also bei Vollmond nahe Null.
    Für potentielle Beutetiere bedeutet das, sie können mögliche Jäger bereits auf große/sichere Distanz entdecken. Vollmond ist für sie also eine Zeit, bei der eine hohe Aktivität bei minimalem Risiko möglich ist und die es deshalb zu nutzen gilt.
    1. Ist das (das Vollmondlicht) die Ursache für die menschliche Unruhe bei Vollmond, (die übrigens 3 Tage vor dem eigentlichen Vollmondtermin beginnt) so geht das bereits weit über die bisher allenfalls unterstellte Lichtwirkung hinaus.
    2. Ich hatte eben die internen Taktgeber erwähnt. Es spricht nichts prinzipiell dagegen, dass zwar das Ziel (die Ausnutzung des Vollmondlichtes), das Gleiche ist wie oben, die Steuerung jedoch nicht durch das Mondlicht erfolgt, sondern der Taktgeber auf direkte oder indirekte Gravitationswirkungen z.B. Springtide/Springflut reagiert. Dafür könnten auch marginal geringen Kräfte hinreichend sein.
  • Wille Ja, Frei Nein

    20.08.2015, Sylvia
    Ich finde der Autor hat viele wichtige wissenschaftliche Fakten nicht beachtet. Ja es gibt die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen und zwischen alternativen zu wählen, Verhalten "willentlich" zu verändern und zu steuern. Was der Autor aber vergisst ist dass die Fähigkeit sich für eine alternative zu entscheiden stark von "der Biochemie" in unserem Gehirn abhängt. Da man mit Medikamenten oder ähnlichen Wirkstoffen die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen beeinflussen kann oder im Tierversuch sogar komplett inhibieren kann, kann man nicht vom freien Willen sprechen. Das wird auch sichtbar wenn man Fälle von Hirnverletzungen betrachtet, bei denen sich der Charakter eines Patienten komplett verändert. Es gibt einen Willen, aber frei ist dieser Willen nicht, sondern abhängig davon, welche Neurotransmitter sich gerade wo in unserem Gehirn befinden.
  • Freier Wille kommt aus der Seele

    20.08.2015, hahoyer
    Kann man am Konzept der Willensfreiheit festhalten, ohne so etwas wie eine Seele anzunehmen? Eine Seele wäre etwas, was außerhalb der materiellen Welt exisitiert. Ich kann mir das schwer vorstellen. Deshalb ist der Glaube an die Willensfreiheit für mich so etwas wie Religösität. Vermutlich ist es sogar äquvalent zum Glauben an höhere Wesen.
    Somit ist es vermutlich auch müßig für Libet und Co. die Existenz des freien Willen zu widerlegen, noch ist es für die "Antiwillusionisten" erfolgversprechend, seine Existenz zu beweisen.

    Jedoch wäre es schon ein Fortschritt, wenn man aufhören würde, das Konzept des freien Willens im Bereich der Wissenschaft verorten zu wollen.

    Aber natürlich ist selbst das nicht so einfach, da Rechtssysteme gewöhnlich ziemlich auf der Existenz der freien Willens basieren. Das muss dann getrennt werden. Ist nochmal so ein Akt, wie die Trennung von Kirche und Staat, denke ich.
  • Weltanschauung statt Wissenschaft

    20.08.2015, Tobias
    "Mit den künftigen Fortschritten der Neurowissenschaft wird sich präziser klären lassen, inwieweit wir bewusste Kontrolle ausüben und in welchem Maß unbewusste Prozesse unsere Aktionen beherrschen."

    Im letzten Satz wird meiner Meinung nach das Dilemma deutlich. Die Neurowissenschaft zu fragen, inwieweit "wir" bewusste Kontrolle ausüben ist nicht zielführend. Die Neurowissenschaft bestreitet ja eben, dass es so etwas wie ein "wir" (Singular: Ich) überhaupt gibt.

    Einigte man sich darauf, dass Entscheidungsprozesse vollständig auf neuronale Aktivität zurückzuführen sind, dann sind "wir" nichts anderes als unser Gehirn. Definiert man das "ich" auf diese Weise, dann obliegt ihm der Wille vollständig. Allerdings wäre jeder Prozess determiniert, also mit Kenntnis aller Umstände theoretisch vorhersehbar. Ob man da von Freiheit sprechen möchte bleibt am Ende immer eine Frage der Weltanschauung.
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