Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Keine Mykophobie in Deutschland

    14.01.2015, Thomas Pruß
    Rengenier Rittersmas These, dass es in Deutschland eine allgemeine Mykophobie gibt, kann ich nicht bestätigen. Ich biete Pilzexkursionen an, und da stelle ich immer wieder fest, dass das Interesse an Pilzen enorm groß ist. Und das im waldärmsten Bundesland Deutschlands, Schleswig-Holstein.
    Freilich: Viele Menschen haben Angst vor Vergiftungen. Aber auf der anderen Seite gebiert sich aus dieser Furcht auch immer wieder der Wunsch, mehr über Pilze zu erfahren.
    Wir hatten vor etlichen Jahren im Forum der Pilzseite pilzepilze.de eine Umfrage gestartet, wie viele Menschen in Deutschland Pilze sammeln. Dabei wurden etliche Hochrechnungen präsentiert, und die lagen überwiegend in einem Rahmen von ca. 8 Millionen Menschen. Das wären also 10 % aller Einwohner Deutschlands. Das sind natürlich nicht alles "Spezialisten": Die allermeisten sammeln nur 2 bis 5 Pilzarten, und das tun sie auch nicht regelmäßig. Aber ich denke, dass eine "allgemeine Mykophobie" doch arg übertrieben ist.
  • Immernoch keine validen Argumente

    14.01.2015, Magnus Reeve
    @ Jens Koberstein
    "...Bauern werden durch das Verbot der Wiederverwendung des Saatguts abhängig von den Konzernen."

    Von Abhängigkeit kann keine Rede sein. Sie müssen nicht das Saatgut kaufen, sie können auch bei der samenfesten Variante bleiben. Nur bringt die eben weit weniger Ertrag, daher benutzen die meisten Landwirte Hybridsaatgut (hat nix mit GV-Saatgut zu tun, kann man aber trotzdem nur einmal anbauen.) Lesenwert dazu auch
    http://www.scilogs.de/detritus/die-m-r-vom-b-sen-hybridsaatgut/

    "Gleichzeitig verweht der Wind die Pollen, sodass auch konventionelle Felder plötzlich gentechnisch veränderte Pflanzen haben, für die die Bauern dann Patentgebühren zahlen sollen."

    Diese Kontaminationen sind nicht nennenswert. (In Deutschland gibt es sogar einen Sicherheitsabstand.) Wegen kleinen Verunreinigungen wird auch nicht gleich verklagt. Haben Sie denn explizite Belege die Ihre Aussage "...das ist in den USA passiert und hat nicht nur viele Landwirte ruiniert,..." bestätigen? Und kommen Sie jetzt bitte nicht mit einem Typen namens Percy Schmeiser. 95 % GVP ist keine Verunreinigung durch Windbestäubung, sondern gezielter Anbau.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Monsanto_Canada_Inc_v_Schmeiser

    "Das Argument, man könne armen und hungergeplagten Ländern helfen, ist sowohl zynisch als auch heuchlerisch. Bereits heute produzieren wir weit mehr Nahrungsmittel als wir verbrauchen."

    Zynisch und heuchlerisch ist es, wenn Greenpeace gezielt Versuchsfelder vom "Golden Rice" sabotiert, indem sie einheimische Stadtbewohner dafür bezahlen und/oder desinformieren und anschließend verkünden, dass es besorgte Bauern gewesen sein.
    http://www.theeuropean.de/bjoern-lomborg/7482-die-toedliche-moralische-opposition-gegen-gen-food

    Ebenso zynisch ist die Aussage von Sambia's Präsidenten, als sein Land Hunger litt und die Hilfslieferung GV-Mais mit den Worten '"We would rather starve than get genetically modified foods without establishing its safety"' im Hafen verrotten lies, während die Menschen verhungerten.
    http://www.newsfromafrica.org/newsfromafrica/articles/art_851.html

    "Bereits heute produzieren wir weit mehr Nahrungsmittel als wir verbrauchen."
    1. bleibt das nicht mehr lange so
    2. warum wird das immer wieder betont, wenn gleichzeitig nie vernünftige Strategien erarbeitet werden? Dann macht es doch mal und verteilt die Nahrung gerechter aber hört auf andere hilfreiche Lösungsmöglichkeiten zu sabotieren.

    "Wenn die Konzerne dieses Argument ernst nehmen würden, dann würden sie die Patente freigeben und der Allgemeinheit zur Verfügung stellen."

    Dann wären sie pleite. Dennoch wird es z.B. bei dem "Golden Rice" gemacht. Die ärmsten der Armen dürfen diese GV-Variante kostenlos in ihre eigenen Sorten hineinzüchten.

    "Bei der Debatte um "Grüne Gentechnik" geht es nie nur im die Technologie an sich, es geht auch immer um die Konsequenzen weit über ökologische Gesichtspunkte hinaus."

    Stimmt, und zwar um ideologische Gesichtspunkte. Deswegen kann man Gentechnik-Gegner mir schlüssigen und rationalen Argumenten auch nicht überzeugen.
  • Eben nicht

    13.01.2015, Laurent
    @ Jens Koberstein
    Niemand wurde verklagt weil sein Feld durch Pollen verunreinigt wurde und danach gentechnische veränderte Pflanzen dort wuchsen. Das sind grüne Märchen.
  • Vergleich

    13.01.2015, Anette Schütt
    Der Autor hat Recht. Es gibt keine größeren Gefahren durch grüne Gentechnik als durch herkömmliche Rekombination von pflanzlichen Genen in der "klassischen" Landwirtschaft.
    Was nicht stimmt, ist der Vergleich mit "Pegida".
    Denn die Gefahren des Islam sind real.
    Antwort der Redaktion:
    Liebe Frau Schütt,

    ich vergleiche doch nirgendwo die Gentechnik mit Pegida?

    Rätselnd grüßt
    Daniel Lingenhöhl
  • Ahnungslosigkeit

    13.01.2015, RC
    Man sollte sich mal Fragen wer diese Studien, zur Verharmlosung der grünen Gentechnik, im Hintergrund finanziert. Es sind dieselben die am meisten davon profitieren und den Rahmen der Ziele dieser Studien im Vorwege schon festlegen.
    Alternativen wie Elektrokultur werden belächelt, verhönt und vergessen.
  • Interessant

    13.01.2015, Prama
    - aber was für Informationen sollen das denn sein, von Seiten der Eltern oder Erzieher?
    Man gibt ja Kleinkindern kein "Unterricht". Schließlich lernen sie ja in jedem Augenblick
  • Will ausprobieren

    13.01.2015, Christian
    Finde ich cool, gibt's die Software irgendwo frei?

    Zu meinem Vorposer = Spektrum-der-Wissenschaft-Leser, ich würde es aus dem Bauch heraus zu schätzen:

    Neurotizismus: Keine Aussagekraft
    Extraversion: Keine Aussagekraft
    Offenheit für Erfahrungen: Hoch
    Gewissenhaftigkeit: Keine Aussagekraft
    Verträglichkeit: Keine Aussagekraft
  • Einseitige Sicht!

    13.01.2015, Jens Koberstein
    Auch wenn die ökologischen Risiken der "Grünen Gentechnik" nicht größer sein mögen als die der konventionellen Landwirtschaft, übersieht der Autor des Artikels, wie viele Wissenschaftler vor ihm, die ökonomischen Risiken. Firmen, die viele Millionen in die Entwicklung von bestimmten Genvarianten stecken, wollen diese Investitionen auch wieder zurück haben, in Form von Gewinnen. Sie patentieren die Gene und die Bauern werden durch das Verbot der Wiederverwendung des Saatguts abhängig von den Konzernen. Gleichzeitig verweht der Wind die Pollen, sodass auch konventionelle Felder plötzlich gentechnisch veränderte Pflanzen haben, für die die Bauern dann Patentgebühren zahlen sollen. Genau das ist in den USA passiert und hat nicht nur viele Landwirte ruiniert, sondern auch den Konzernen die Kontrolle über die Nahrungsmittelproduktion von der Aussaat bis zum Regal gegeben. Diese Kontrolle nutzen sie schamlos aus. Das Argument, man könne armen und hungergeplagten Ländern helfen, ist sowohl zynisch als auch heuchlerisch. Bereits heute produzieren wir weit mehr Nahrungsmittel als wir verbrauchen. In Europa wird jeden Tag so viel Brot und so viele andere Lebensmittel weggeschmissen, dass es widerlich ist. Wenn die Konzerne dieses Argument ernst nehmen würden, dann würden sie die Patente freigeben und der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Tun sie aber natürlich nicht. Bei der Debatte um "Grüne Gentechnik" geht es nie nur im die Technologie an sich, es geht auch immer um die Konsequenzen weit über ökologische Gesichtspunkte hinaus.
  • Why not both?

    13.01.2015, PasserBy
    Ahnungslosigkeit UND Populismus.
  • Nicht überzeugend

    13.01.2015, Werner Kohl
    Wenn kleinere Vulkanausbrüche Ursache für den derzeitigen Erwärmungsstopp sein sollten, dann müsste man annehmen, dass diese in den letzten 10-15 Jahren häufiger gewesen seien als in den Jahrzehnten zuvor. Leider wurde dies in der Arbeit von Santer et al. nicht untersucht - was etwas unverständlich erscheint.

    In der Grafik (*)
    https://wattsupwiththat.files.wordpress.com/2015/01/annual-count-of-recent-eruptions.jpg
    erkennt man zwar, dass es zwischen 2002 und 2008 eine leichte Anhäufung vulkanischer Eruptionen gegeben hatte. Anschließend ging deren Zahl aber drastisch zurück.

    Wichtiger als die pure Zahl der Eruptionen ist jedoch die nach Stärke gewichtete Zahl, die in dem sog. "Volcanic Explosivity Index" (VEI) beschrieben wird. Trägt man diese über die Zeitskala auf
    https://wattsupwiththat.files.wordpress.com/2015/01/annual-logmean-of-recent-eruptions.jpg
    dann erkennt man, dass es in den letzten 20 Jahren keinen Anstieg vulkanischer Aktivitäten gegeben hat.

    Vulkaneruptionen beeinflussen die Transmission bzw. die optische Tiefe der Aerosole in der Stratosphäre. Die der Arbeit entnommene Grafik der optischen Tiefe
    https://wattsupwiththat.files.wordpress.com/2015/01/near-global-saod-and-ceres-sw.jpg
    mag vielleicht auf einen vulkanischen Einfluss seit ~2004 hindeuten. Jedoch fehlt die grafische Darstellung der davor liegenden Jahrzehnte. Auf der NASA-Homepage findet man diese Darstellung:
    http://data.giss.nasa.gov/modelforce/strataer/
    Hier ist unschwer erkennbar, dass die großen Vulkanausbrüche (z.B. Pinatubo 1991, El Chichon 1982, Mt. Agung 1963 oder Krakatau 1880) die Grafik dominieren und die Effekte nach Pinatubo vergleichsweise vernachlässigbar sind.

    Ergänzend könnte man noch auf die Transmissionsmessungen auf Mauna Loa hinweisen:
    http://www.phy.duke.edu/~rgb/mlo-tran.jpg
    Diese zeigen auch kaum Variation nach der Pinatubo-Eruption.

    Kleine Vulkaneruptionen als mögliche Ursache des derzeitigen Temperatur-Stillstands halte ich daher für nicht plausibel.


    (*) Leider sind beide Arbeiten von Santer et al. pay-walled, so dass für die Grafiken und die Diskussion nur sekundäre Seiten zur Verfügung stehen - hier der betreffende Artikel auf WUWT:
    http://wattsupwiththat.com/2015/01/09/volcanoes-once-again-again/
  • "… entschuldigt aber nicht das Fehlverhalten von Greenpeace, das einen hohen moralischen Anspruch vor sich her trägt."

    13.01.2015, Peter Reer
    Wer weniger moralischen Anspruch hat (als Greenpeace), darf also Dinge in dieser Welt zerstören? Ich denke wir werden in Zukunft nicht so sehr von dem Problem stehen, Leuten wie von Greenpeace ihre Fehler bei der Verkündung ihres Protestes vorzuwerfen, als uns selber zu fragen, weshalb wir nicht den Mut aufbrachten dort tätig zu werden, wo es notwendig gewesen wäre.
  • Hab´ den Artikel geliked

    13.01.2015, David
    ... was bedeutet das nun für mich?
  • Missachtete Zusammenhänge

    12.01.2015, Roland Maier, Riemerling
    Wann geht uns das Kupfer aus? Richard A. Kerr führt zur Beantwortung dieser Frage eine Reihe von Gesichtspunkten auf. Der Kupfergehalt der Erze geht offensichtlich stark zurück. Andererseits steigt die Zahl der ausbeutbaren Mienen. Die Abbauverfahren werden durch technischen Fortschritt billiger. Es steigt jedoch auch die Nachfrage, durch mehr Menschen und einem höheren Lebensstandard. So weit ist das alles plausibel.

    Rohstoffe werden jedoch nicht nur für Konsumzwecke genutzt. Ein Großteil wird dafür gebraucht, um andere Bodenschätze zu gewinnen. Das ergab eine Studie der australischen Forschungsorganisation CSIRO (SZ 17. 10. 2013). Auch Richard A. Kerr bestätigt dies. Er schreibt: „So bewegen immer größere Bergbaumaschinen immer mehr Erz, während Chemieingenieure Prozesse wie Haldenlaugung entwickelt haben, um auch geringe Kupferanteile günstig zu extrahieren.“ Er zitiert auch australische Forscher, die den hohen Verbrauch an Energie und Wasser beim Abbau aus mehreren hundert Metern Tiefe monieren. Es werden also immer mehr Rohstoffe und Energien eingesetzt, um Kupfer aus Mienen mit immer kleinerem Metallanteil zu fördern.

    Die Optimisten mögen insofern Recht behalten, dass knapp werdende Ressourcen durch bessere Technologien noch eine Weile kompensiert werden können. Mit den neuen Verfahren werden aber meist mehr anderen Materialien verbraucht. Wenn eins von diesen knapp wird, so wird man auch dort nachrüsten. Tendenziell werden dann die Vorräte noch zügiger reduziert. Letztlich ist das ein Teufelskreis.

    Die Anteile der gewonnen Grundstoffe, die im Fördersystem bleiben, sind praktisch Verluste. Es gibt also einen Nutz- und einen Verlustanteil. Interessant wäre die zeitliche Entwicklung dieses Verhältnisses oder eines damit definierbaren Wirkungsgrads.

    Die Verlustanteile – also die Rohstoffe zur Rohstoffgewinnung – entwickeln sich völlig anders, als die Nutzanteile. Während man bei Verbrauchs- und Produktionsgütern bisweilen sogar mit weniger Material auskommt, um das gleiche zu erreichen, ist das bei Förderausrüstungen wohl kaum der Fall. Der Werdegang bei der Ölgewinnung zeigt es deutlich: Vor wenigen Jahrzehnten gab es noch Ölquellen, die selbsttätig sprudelten, wogegen seit einigen Jahren Offshore-Bohrungen, Ölsande und Fracking im großen Stil genutzt werden. Der Materialaufwand stieg beträchtlich. Der rasante Anstieg der Masse der Verlustrohstoffe ging bisher wohl deshalb unter, weil er sich in der Gesamtmenge weniger bemerkbar machte. Um die Verfügbarkeit der Bodenschätze taxieren zu können, müsste deshalb zwischen den beiden Anwendungsgebieten unterschieden werden.

    Weniger unterscheiden sollte man zwischen den einzelnen Grundelementen. Auf Grund der oben aufgeführten Zusammenhänge ist es fraglich, ob es überhaupt sinnvoll ist, eine einzige Rohstoffsorte wie Kupfer getrennt zu betrachten. Ein Mangel von einer Kategorie kann Auswirkungen auf eine andere haben. Auch wenn es alles andere als einfach sein sollte, wird man wohl um einen integralen Ansatz nicht herumkommen, der die Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Grundstoffen berücksichtigt.
  • Neues Antibiotikum - neue Symptombefriedung

    11.01.2015, h. krzak
    Der Autor spricht von Fehlentwicklungen anderer Antibiotika. Hier ist absolut nichts anders. Statt die Ursachen - geschwächte Stoffwechsel beim Menschen - zu beseitigen,liefert Teixobactin nur eine neue Waffe auf dem Schlachtfeld der Erreger auf ihrer Suche nach Nährstoffen - menschlich nicht (mehr) abbaubarer Enzymsubstrate.
  • Strategie und Wirklichkeit in der Antibiotikaforschung

    10.01.2015, Peter Altreuther
    Sie haben ja recht, verehrter Herr Fischer, mit Ihrem Untertitel: Die falsche Strategie hat die Erforschung neuer Antibiotika um Jahrzehnte verzögert - wenn es nur die Verzögerung der Forschung wäre. Gründe dafür gibt es genug, und wenn es nur behördliche Vorstellungen über Wirkung und Sicherheit eines Wirkstoffs wären. Eine neuere Publikation (www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4159373) beziffert den Entwicklungsaufwand für ein (schon verfügbares) aktives Molekül auf 1,7 Milliarden Dollar. Auch große Firmen müssen sich das gut überlegen - das neue Produkt wird vermutlich ein Reserveantibiotikum mit - gewollt - minimaler Verfügbarkeit. Trotzdem braucht man nicht aufzuhören mit der Suche: Noch längst sind nicht alle Actinomyces-Stämme untersucht: 1 von 100 macht Streptomycin, 1 von 250 Tetracyclin, 1 von 66000 Vancomycin usw. - für etwas Neues brauchte man rechnerisch 10 Millionen Stämme... Trotzdem, ja, es gibt noch Material aus der Tiefsee und neue Methoden zu Kultivierung von Antibiotika-produzierenden Bakterien - das neue Teixobactin stammt aus solchen Ansätzen. Vielleicht ist es ja kein Zufall...
    Die synthetische Veränderung bekannter Moleküle und mehr Forschung auf dem Gebiet mögliche neuer Angriffspunkte bei den Bakterien hat schon und könnte noch mehr neue Moleküle liefern - aber ohne neue Anreize geht das nicht, nicht nur bei der Industrie, sondern auch bei den Universitäten.
    Freundliche Grüße