Lesermeinung - Sterne und Weltraum

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
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  • Augenschutz bei Sonnenfinsternis

    27.12.2010, Dr. J. Götz, Dresden
    Geeignet und vergleichsweise leicht zu beschaffen sind Schweißerschutzbrillen. Sie sind zwar nicht farbneutral, weisen aber eine hinreichende Filterwirkung auf. Man kann sie in den entsprechenden Fachabteilungen der Baumärkte finden. Mit einer Schutzbrille für das Autogenschweissen (im Unterschied zum Elektro- oder Lichtbogenschweissen) konnte ich frühere Sonnenfinsternisse - sofern das Wetter mitspielte - gut beobachten.
  • Das größte Radioteleskop

    15.12.2010, C. Lidke
    Zu dem Artikel "Pulsare mit dem Heimcomputer entdeckt" aus "Sterne und Weltraum" Heft 12/2010 (Seite 80) möchte ich Folgendes anmerken: Im erwähnten Artikel wird das Arecibo-Radioteleskop auf Puerto Rico (Durchmesser 305 m) als das größte der Welt beschrieben. Ich möchte bemerken, dass das Radioteleskop RATAN 600 in Selentschukskaja einen Durchmesser von ca. 600 m besitzt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Antwort der Redaktion:
    Es ist eine schwer zu beantwortende Frage, was das "größte Radioteleskop" ist. Das Arecibo-Teleskop ist das größte mit einer kompletten Parabolschüssel, also einer komplett gefüllten kreisförmigen Sammelfläche. Es kann aber nicht an einen beliebigen Punkt des Himmels geschwenkt werden, sondern liegt unbeweglich in einer Talmulde. Es kann deshalb nur einen sehr kleinen Himmelsbereich nahe des Zenits beobachten.



    Das größte frei schwenkbare Teleskop mit gefüllter Sammelfläche - also das, was ein Unbedarfter als normales Teleskop ansehen würde - ist das 100m-Teleskop in der Eifel.



    RATAN 600 ist das größte Radioteleskop, bei dem die gesamte gesammelte Strahlung in einen gemeinsamen Brennpunkt gelenkt werden kann. Aber es ist keine gefüllte Kreisfläche von 600 Metern Durchmesser, sondern nur ein schmaler Ring, der flach auf dem Boden liegt. Es kann mit Einschränkungen auf einen großen Teil des Himmels gerichtet werden, indem viele einzelne Segmente des Rings geeignet geschwenkt werden. Seine Fläche ist kleiner als die des 300m-Teleskops.



    Es gibt noch wesentlich größere Radioteleskope mit nicht gefüllter Sammelfläche, sogenannte Interferometer, bei denen vollständig getrennte, komplett schwenkbare einzelne Parabol-Teleskope die Strahlung auffangen, die dann erst nach Umwandlung in elektrische Signale in einem Rechner kombiniert wird. Dazu gehört zum Beispiel das VLA (Very Large Array) in New Mexico (USA), das 36 Kilometer Durchmesser erreicht, aber insgesamt nur die Sammelfläche eines 130-Meter-Spiegels aufbringt.



    Noch größer ist LOFAR (Low-Frequency Array), mit einem Durchmesser von über 1000 Kilometer, dessen Grundversion in diesem Jahr eröffnet wurde. Es ist derzeit ein deutsch-niederländisches Gemeinschaftsprojekt und erstreckt sich über wesentliche Teile der beiden Länder. Im weiteren Ausbau soll es auch noch Empfänger in Frankreich, Schweden, Polen und Großbritannien erhalten.
    LOFAR ist ebenfalls ein Interferometer, aber in diesem Fall sehen noch nicht einmal die einzelnen Teilstationen wie ein "Radioteleskop" aus. Es sind lediglich Drahtgestelle, die als Antennen wirken. Deshalb kann LOFAR nur bei ziemlich großen Wellenlängen (d.h. niedrigen Frequenzen, daher der Name) arbeiten.



    Das in jeder Hinsicht größte Radioteleskop soll einmal das SKA (Square Kilometer Array) werden, das einen Durchmesser von 3000 Kilometern und eine Sammelfläche von einem vollen Quadratkilometer (daher der Name) erhalten soll. Es wird in internationaler Zusammenarbeit entweder in Südafrika oder in Australien gebaut werden.



    U. Bastian
  • Klassifikation der Monde

    28.11.2010, Wolfgang Haendler, Bonn
    Warum führt man nicht wie bei den Planeten auch bei den Monden eine Klassifizierung ein?

    Da gibt es jetzt bei den beiden Riesenplaneten jeweils über 60 Monde, und es ist ja abzusehen, dass sich diese Anzahl noch erheblich erhöhen wird. Dazu zählen solche Giganten wie Titan und Ganymed, und dann aber auch Brocken, die es gerade mal auf einen km Durchmesser bringen. Wo soll denn da die Grenze sein? Wird man irgendwann jedem einzelnen Eisklumpen des Saturnringes einen Namen geben? Und über die Anerkennung der sogenannten Schäferhundmonde könnte man dann wohl auch trefflich streiten.

    Die Klassifizierung könnte evtl. folgendermaßen aussehen:

    Monde: z.B. Erdmond, Ganymed, Titan

    Zwergmonde: Irregulär geformte Objekte, z.B. Phobos und Deimos

    Dritte Gruppe: Alles was kleiner als 5 km in der größten Ausdehnung ist, kommt in eine dritte Gruppe, für die noch ein Name zu finden wäre.
  • Blasen aus Gammastrahlen

    14.11.2010, 94249 Bodenmais
    Mysteriöse Blasen in der Süddeutschen Zeitung vom 11.11.10

    Ich frage mich, warum die SZ nicht die Original-Darstellung (wie in dem Artikel in SuW-online) abgedruckt hat, sondern eine unseriöse Darstellung, die an zwei Bubble-Gum-Blasen erinnerte. Ich habe dazu einen Leserbrief an die SZ geschrieben und erwarte, dass die SZ ihn abdruckt.
    Ansonsten finde ich es wunderbar, wie weit die Forschung bisher schon gekommen ist. Ich tippe auch auf den Jet, der beiderseits dem Black Hole entströmt.
    Danke
    Antwort der Redaktion:
    Die Künstlerblasen gibt es nicht nur in der gedruckten SZ, sondern auch bei SZ-online, unter
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/astronomie-raetselhafte-blasen-im-all-1.1022020
  • Messmethode für die Rotation von Exoplaneten?

    01.11.2010, Ludger van Heyden
    Wenn es für mich als astronomischen Laien schon schwer genug ist, die Messmethoden für die Haupteigenschaften von Exoplaneten wie Masse, Größe, Umlaufzeit und Abstand zum Zentralgestirn halbwegs zu verstehen, so ist es für mich völlig schleierhaft, wie man die Rotationsgeschwindigkeit messen kann oder im Fall von Gliese 581 g seine "gebundene Rotation". D. h. er wendet seinem Zentralgestirn stets dieselbe Seite zu.
    Antwort der Redaktion:
    In diesem Fall ist die gebundene Rotation nicht gemessen worden, sondern lediglich als unvermeidbare Folge aus der Nähe zum Stern theoretisch erschlossen worden. Bei sehr engen Umlaufbahnen bewirken Gezeitenkräfte die gebundene Rotation in kosmisch gesehen sehr kurzen Zeiträumen.



    Allerdings kann man im Prinzip durchaus die Rotation von Exoplaneten messen, selbst wenn man den Planeten nicht direkt abbilden kann. Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Die kurzfristig aussichtsreichte besteht wohl darin, die Radialgeschwindigkeit am Rand der Planetenscheibe zu messen, indem man die Absorptionslinien im Sternspektrum beobachtet, die beim Vorübergang des Planeten vor der Sternscheibe entstehen. Auf diese Weise ist zwar noch keine Rotation aber imerhin die chemische Zusammensetzung einer
    Exo-Planeten-Atmosphäre beobachtet worden.



    Nebenbei sei erwähnt, dass die Existenz von Gliese 581 g derzeit sehr ernsthaft bezweifelt wird.
  • Bedeckt der Mond den Kometen Hartley-2?

    25.10.2010, Björn Brezger
    Wird der Mond direkt vor dem Kometen vorbeiziehen oder nur in der Nähe?
    Antwort der Redaktion:
    Nein, der Mond wird den Kometen nicht bedecken, er befindet sich im angegebenen Zeitraum nur in der Nähe und hellt dabei mit seinem Licht den Himmel auf, was die Suche nach Hartley-2 schwieriger macht.
  • Gravitationswellen

    12.10.2010, Andreas Wörner, Gernsbach
    Warum können wir überhaupt hoffen, Gravitationswellen zu messen? Wenn diese den Raum dehnen und stauchen, müssten sie doch auch den Detektor und alle darin befindlichen Teilchen dehnen und stauchen, und wir könnten gar nichts messen.
    Antwort der Redaktion:
    Diese Frage ist sehr schön beantwortet in dem Artikel von Peter Aufmuth in SuW 1/2009, S. 30-39, insbesondere in dem Kasten auf S. 35.
  • Wie dunkel ist das Weltall?

    12.10.2010, Andreas Gefeller, Düsseldorf
    Anmerkung der Redaktion: Dieser sehr lange Leserbrief von Andreas Gefeller aus Düsseldorf spricht ein Thema an, das öfters an uns herangetragen wird, d.h. also offenbar von allgemeinem Interesse ist. Wegen der Vielzahl der Aspekte und Fragen war es nicht sinnvoll, wie sonst üblich eine geschlossene redaktionelle Antwort an das Ende zu stellen. Die redaktionellen Kommentare sind deshalb ausnahmsweise in Fettdruck (wie diese Anmerkung) direkt in den Text des Leserbriefs eingefügt

    Ich bin Fotokünstler und beschäftige mich in meinen Fotoarbeiten u.a. mit der menschlichen Wahrnehmung, was mich zu ein paar Fragen, bzw. aufgrund meines begrenzten wissenschaftlichen Wissens, Vermutungen bezüglich der Helligkeit im Weltraum gebracht hat.

    In Science-Fiction-Filmen überspannt die Landschaft des Erdmondes oft ein unglaublicher Sternenhimmel. Die Aufnahmen der Astronauten, die den Mond betreten haben, zeigen hingegen nur eine schwarze Fläche. Was bei näherer Betrachtung auch verständlich ist: Auf den Mond fällt so viel Sonnenlicht wie auf die Erde, die Belichtungszeiten dürften also ähnlich gewesen sein wie die von Urlaubsfotos am Strand. Bei einer Belichtung von 1/250 Sekunde und Blende 8 können keine Sterne mit abgebildet werden. Wie aber war der Eindruck für die Astronauten? Waren sie in der Lage, Sterne zu sehen, beispielsweise im Schatten eines Felsens stehend, der verhinderte, dass sie die umgebende Landschaft blendete?

    Ja. Allerdings reicht ein normaler Schatten dazu nicht; auch im Schatten eines Felsens wäre es wegen der ansonsten beleuchteten Umgebung noch zu hell. Wenn die Astronauten allerdings im Schatten stehend mit einer schwarzen Folie oder Pappe auch das ganze reflektierte Licht der Umgebung von ihrem Helm abhalten würden, dann würden sie in der Tat einen phantastischen Sternhimmel sehen.

    Auch auf dem Weg zu anderen Planeten wird in Filmen gerne das Raumschiff vor Sternen gezeigt, doch gilt hier dasselbe: Ein sonnenbeschienenes Raumschiff kann nie gleichzeitig mit Sternen abgebildet werden, die eine sekundenlange Belichtung bräuchten.

    korrekt

    Unsere Raumsonden zeigen die Planeten unseres Sonnensystems in hellem Sonnenlicht. Wie hell ist es, beispielsweise am Saturn, wirklich? Die Beleuchtungsstärke nimmt mit dem Quadrat der Entfernung zur Lichtquelle ab. Da Saturn etwa 8 Mal weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde, erreicht ihn nur 1/64 des Sonnenlichts, was fotografisch gesehen 6 Blendenstufen entspricht. Statt 1/250 müsste man also 1/4 Sekunde belichten. Das ist eher die Lichtmenge eines trüben Wintertags als die eines sonnigen Sommertags, wie man beim Anblick der Bilder von Cassini meinen könnte.

    korrekt

    Im interstellaren Raum ist es besonders finster. Angenommen, der Mensch wäre in der Lage, zum Orionnebel zu fliegen. Ich denke, viele würden von dem Anblick, der sich einem böte, enttäuscht sein. Selbst vor Ort reicht das Licht des Nebels nicht aus, die Farbrezeptoren des Auges zu aktivieren, es bliebe ein grauer Nebel, ähnlich dem Anblick durch ein Amateurteleskop von der Erde aus.

    völlig richtig

    Womöglich ist es sogar noch dunkler: Da die perspektivische Verkürzung fehlt, wird das Licht des leuchtenden Gases nicht "addiert", was zu einem besonders diffusen Anblick führt.

    nein, die Flächenhelligkeit ist entfernungsunabhängig

    Einen ähnlichen Effekt kennen wir von der Erde: Aus größerer Entfernung sieht eine Nebelbank in einem Tal scharf umrissen aus. Nähert man sich ihr, scheint sie sich aufzulösen.

    ja, aber das würde erst eintreten, wenn man wirklich den Rand des Nebels erreicht.

    Das Gleiche im intergalaktischen Raum: Befände man sich unmittelbar am Andromedanebel, würde sich die Galaxie vor dem Raumschifffenster ähnlich schummerig darstellen wie die Milchstraße an unserem irdischen Nachthimmel (sie ist ja auch nichts anderes).

    korrekt

    Hätte man gleichzeitig Licht im Raumschiff an und unser Auge wäre auf die Helligkeit eines normal beleuchteten Raumes adaptiert, sähe man beim Blick aus dem Fenster sogar gar nichts.

    korrekt

    Und wenn man senkrecht auf eine Galaxie schaute? Der Anblick wäre noch enttäuschender, da nicht genug Sterne hintereinander stehen, um die Helligkeit zu erhöhen. Auch hier wieder eine Entsprechung zum Anblick des Sternhimmels von der Erde aus: Wir sehen die Galaxie, in der sich unser Sonnensystem befindet, nur beim Blick durch die galaktische Ebene, der Milchstraße. Schauen wir senkrecht aus der Ebene heraus, sehen wir praktisch nichts außer wenigen Sternen, die sich, im stellaren Maßstab gesehen, in unmittelbarer Umgebung befinden.

    genau!

    Und zwischen den Galaxien, beispielsweise auf halber Strecke zur Andromedagalaxie? In einer Umgebung von 100 Millionen Lichtjahren gibt es nichts, das leuchten würde. Die Milchstraße und der Andromedanebel: zwei diffuse Flecke auf schwarzem Grund. Und sonst nichts.

    korrekt

    Das bedeutet: Unsere Wahrnehmung ist auf irdische Verhältnisse geeicht. Nur in der unmittelbaren Nähe von Sternen können wir ohne technische Hilfe sehen. Die Hilfsmittel und Methoden, die in der Astronomie verwendet werden, gaukeln uns ein – aus menschlicher Sicht – falsches Bild des Weltalls vor. Sie machen sichtbar, was eigentlich nicht sichtbar ist. Zwar sind die Gebilde, die auf Fotografien zu sehen sind, wirklich vorhanden; so gesehen, handelt es sich um "wahre" Bilder. Doch nicht in der dargestellten Helligkeit. Extreme Belichtungszeiten und riesige Spiegel fangen derart viele Photonen ein, dass ein völlig verzerrtes Bild des uns umgebenden Raumes entsteht.

    Richtig. Wie es wirklich aussieht, kann aber jeder beim Blick in ein Fernrohr selbst feststellen. Denn kein Fernrohr kann die Flächenhelligkeit erhöhen (aber sehr wohl verringern - nämlich wenn die Vergrößerung höher ist als der Objektivdurchmesser geteilt durch 5 mm). Wenn Sie den Orionnebel bei 20facher Vergrößerung im 100mm-Fernrohr sehen, dann haben Sie exakt das Bild vor sich, das der Orionnebel aus nächster Nähe (25 pc Distanz!) böte. Ebenso für M31 usw, jeweils bei einem Zwanzigstel der wahren Entfernung.

    Zwar finde auch ich die Bilder, beispielsweise von Hubble, extrem faszinierend, doch mir scheint, dass das unreflektierte Konsumieren dieser Bilder bei einigen Betrachtern den Eindruck entstehen lässt, das Weltall würde vor Licht nur so sprühen. Manch einer mag denken, wäre man erstmal "dort draußen", würde sich einem derselbe Anblick bieten, wie die Fotos suggerieren. Was aber (leider) nicht so ist.

    genau!

    Möglicherweise habe ich in meinen Ausführungen ein paar Denkfehler gemacht und ich würde mich gerne korrigieren lassen. In jedem Fall halte ich das Thema "Wie dunkel ist das Weltall wirklich?" für so interessant, dass ich mir einen Artikel, der sich diesem Thema wissenschaftlich nähert, vorstellen könnte. Nicht um das Weltall zu "entzaubern", aber um der Wahrheit ein Stück näher zu kommen. Oder um deutlich zu machen, dass es nicht nur eine, sondern verschiedene Wahrheiten gibt, was vielleicht zu einem bewussteren Umgang mit (Ab-)Bildern der Welt führt.

    PS: Ich habe einen 100 mm Refraktor mit 1000 mm Brennweite. Schaue ich mit niedriger Vergrößerung, wirkt sich der helligkeitsverstärkende Effekt voll aus und ein Gasnebel, den ich mit bloßem Auge nicht sehen kann, wird sichtbar. Betrachte ich mit starker Vergrößerung einen Planeten, werden zwar Details sichtbar, die Helligkeit nimmt jedoch stark ab und aus Jupiter z.B., der mit bloßem Auge gleißend hell erscheint, wird ein mäßig heller Körper. Also: Niedrige Vergrößerungen verstärken das Licht, starke Vergrößerungen reduzieren es. Ein bestimmter Vergrößerungsfaktor dazwischen würde uns genau den Helligkeitseindruck vermitteln, den wir hätten, wenn es uns möglich wäre, das beobachtete Objekt aus nächster Nähe mit bloßem Auge zu betrachten. Welche Vergrößerung wäre das? Gibt es hierfür eine Formel?

    Ja, siehe weiter oben. Bei geringerer Vergrößerung als "Teleskopdurchmesser geteilt durch 5 mm" bleibt die empfangene Flächenhelligkeit auf der Netzhaut gleich! Sie wird nicht größer. Bei höherer Vergrößerung fällt sie mit dem Quadrat der Vergrößerung ab.

    Und was bedeutet die anscheinend magische Zahl "5 mm" in dieser Formel? Ganz einfach: Sie ist der typische Durchmesser der entspannten Pupille eines nicht mehr ganz jungen Menschen.




  • Doch nicht so Ultraweitwinkelig

    30.09.2010, Ernst Schöberl
    Herr Oldenburg gibt in SuW 10/2919, S.88-93, die auffällige kissenförmige Verzeichnung an, die bei solchen Ultraweitwinkel-Okularen wohl unvermeidlich ist. Wenn man mit seinen Angaben des tatsächlichen Bildwinkels an drei verschiedenen Teleskopen die Feldblendengröße und den tatsächlichen Bildwinkel, bezogen auf die Okularbrennweite, ermittelt, so kommt man auf 68 bis 71,5 Grad, die durch die Verzeichnung auf 82 Grad schenbaren Bildwinkel aufgebläht werden. Mindestens die Feldblendengrößen hätte angegeben werden müssen. Das ist wohl systembedingt, denn die von ihm erwähnten Vergleichsokulare von Tele Vue, Panoptic, Nagler und Ethos haben haben bei 68, 82, 100 und 110 Grad scheinbarem Bildwinkel tatsächlich nur ca 60, 69, 83 und 89 Grad Bildwinkel. Die optischen Zusammenhänge wurden in einem sehr guten SuW- Beitrag von R. Claus und E. Rennert in SuW 5/1996 gut verständlich und genau dargelegt.
    So beeindruckend die scheinbaren Bildwinkel beim Hineinschauen und in der Werbung sind, tatsächlich sind sie doch nicht ganz so ultraweitwinkelig.
  • Merkwürdige Mondoberfläche

    24.09.2010, Hans Peter Lissen, 44265 Dortmund
    Seit vor ca. einem Jahr immer wieder sporadisch Meldungen
    erscheinen, daß auf dem Mond Wasser gefunden wurde,
    verfolge ich diese Angelegenheit mit großen Interesse.
    Ich habe mir Bücher über Astronomie und Astrophysik be-
    sorgt und meine Denkmuskeln angeschlaut. Auf diese Wei-
    se hat sich bei mir schon einiges Wissen angesammelt.
    Vor ca. 3 Wochen habe ich mal wieder bei Wickipedia im
    Suchfeld "Mond" eingegeben, um etwas nachzusehen. Am Ende der sehr ausführlichen Beschreibung sind verschiede-
    ne Web Links aufgeführt. Dabei befindet sich auch eine
    Bildsmmlung. Es handelt sich dabei um Bilder, die von Raum-
    sonden während der Apollo Missionen 15 bis 17 aufgenom-
    men wurden. Bei der Betrachtung dieser Bilder fiel mir etwas sehr merkwürdiges auf. Ich habe mir diese Bilder
    (Es sind insgesamt ca. 7000 ) eingehend angesehen und
    möchte meine Eindrücke folgendermaßen zusammenfassen:
    1) Auf allen Bildern, wo die Raumsonden über Gebiete
    fliegen, wo die Sonne ungefähr senkrecht steht,
    macht die Oberfläche auf mich einen glasigen Ein-
    druck. Diesen Eindruck habe ich auch schon früher
    bei Bildern, welche von Raumsonden aufgenommen
    wurden, gewonnen. Dabei bin ich aber noch nicht so
    sicher, ob dieser Effekt auf Fotos überhaupt richtig
    zum Tragen kommt. Ein professioneller Astrofoto-
    graf kann diese Frage sicher besser beantworten.
    2)Beim Überfliegen von Gebieten, die starke Uneben-
    heiten aufweisen,(Kratergebiete) ist eine außerge-
    wöhnlich starke Reflexion der Sonnenstrahlung zu
    erkennen. Außerdem ist bereits hier erkennbar,
    daß sich die Sonne auf der Oberfläche spiegelt,
    was wegen der Unebenheit und Rauheit allerdings
    nicht so gut gelingt
    3)In den dunklen Regionen, die relativ eben sind,
    (Maregebiete) tritt diese Spiegelung nun so deut-
    lich hervor, daß es mich nachdenklich macht. Sollte
    es tatsächlich möglich sein, daß eine wie auch im-
    mer beschaffene Gestein- und/oder Stauboberflä-
    che so die Sonne spiegeln kann?
    Ich habe erhebliche Schwierigkeiten, die genannten
    optischen Effekte mit einer Mondoberfläche in Verbin-
    dung zu bringen, welche unserer wissenschaftlichen
    Lehrmeinung entspricht. Für eine Erklärung dieser Er-
    scheinungen wäre ich dankbar.
    Antwort der Redaktion:
    Ich habe den von Herrn Lissen beschriebenen Effekt noch nicht auf Mondfotos gesehen, aber ich kenne ihn von anderen rauen, staubigen - und noch mehr von "perlenbesetzten" - Oberflächen: Es ist vermutlich der Heiligenschein-Effekt. Man kann ihn überdeutlich sehen, wenn man den
    Sonnenlicht-Schatten des eigenen Kopfes auf einer bereiften Grasfläche betrachtet. Direkt um den Kopf herum ist es sehr hell! Weniger deutlich gibt es diesen Effekt auch bei trockenen Sand- und Staubflächen, besonders bei etwas dunklerem Sand. Die Ursache liegt darin, dass man beim
    Blick exakt in Richtung des einfallenden Lichtes ausschliesslich sonnenbeleuchtete Teile der Oberfläche sieht, waehrend man bei schrägem Blick stets auch auf viele Schatten blickt, die die Sandkörner aufeinander werfen. Beim Blick auf den Mond von der Erde aus zeigt sich dieser Effekt in einer scharfen Helligkeitszunahme des Gesamt-Mondlichts in einem kurzen Zeitraum um den genauen Vollmondmoment herum.



    Es ist also keine Spiegelung, sondern ein spezieller Effekt der diffusen Reflexion.



    Ulrich Bastian
  • Ist "datieren" der richtige Ausdruck?

    20.09.2010, Ralf Seidler, Bingen
    Bei der Untersuchung von Mondkratern kann meines Erachtens nicht von einer Datierung sondern eher von einer Reihenfolge von Einschlägen gesprochen werden. Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine Datierung auf ein Alter machbar ist. Dies ist eher auf Basis von Referenzen möglich - die auf "irgendeine" Weise "datiert" worden sind.

    Netter Gruß aus Bingen am Rhein
    Ralf Seidler
    Antwort der Redaktion:
    Richtig, durch Kraterstatistik lassen sich nur relative Datierungen durchführen. Zu absoluten Zahlen kann man nur durch Isotopenanalysen von Gesteinsproben kommen. Die relative Datierung der Mondoberfläche konnte mit Hilfe der Apollo-Proben zu wesentlichen Teilen in eine absolute überführt werden, die aber wegen der wenigen Landeplätze naturgemäß bisher unvollständig ist.
  • Zentralstern von M57 erst ab 20 Zoll Öffnung?

    30.08.2010, Heiko Mehring, Korbach
    Guten Tag,

    als immer wieder interessierter Leser der "Sterne und Weltraum" möchte ich mich hier zu einem Beitrag der aktuellen Ausgabe äußern. Und zwar wird auf Seite 62 der Augustausgabe 2010 darauf hingewiesen, dass die Sichtung des Zentralsterns von M57 erst mit Teleskopen "ab etwa 20 Zoll" möglich wäre. Dies möchte ich dementieren. Ich habe den Zentralstern von M57 mit meinem 16" f/4,5 Meade Starfinder Volltubus-Dobson mit meinem 4mm HR-Planetary Okular indirekt beobachten können. Das war in der Nacht vom 17. auf den 18. April dieses Jahres, als das große Flugverbot wegen der Aschewolke vorherrschte. Auf meiner Internetseite (www.Heiko-schaut-ins-All.de) habe ich dies in einem Beobachtungsbericht dokumentiert.

    Hier der entsprechende Auszug aus meinem Bericht, den ich am Tag danach verfasst habe:

    "Danach wollte ich mir noch einen faint fuzzie genehmigen, den ich auch noch nie bewußt beobachtet habe, der aber schon länger auf der Abschußliste steht: Den Zentralstern vom berühmten Ringnebel M57. Erstmal ließ ich aber den zitronenförmigen Nebel mit 230facher Vergrößerung ein wenig auf mich wirken. Im Gegensatz zum ATB im letzten Sommer, konnte ich diesmal wieder keine Farbe am Nebel feststellen. Auch mit dem 14er Speers nicht. Dann gings aber los. Ich zoomte mich mit dem Speers 5-8mm Zoomokular bis auf 366fach an den Nebel heran. Ein Zentralstern war aber nicht zu erkennen. Bei dieser hohen Vergrößerung ist der Innenbereich des Nebels noch immer relativ hell, sodass ich mir dachte, dass ich mit dem 4mm Planetary ja mal bis auf knapp 460fach vergrößern könnte, um vieleicht den Kontrast zum Zentralstern dadurch etwas steigern zu können. Und tatsächlich. Das kleine Sternchen ließ sich nicht lange bitten. Mehrmals konnte ich ihn indirekt über ca. 2-3 Sekunden am Stück halten - Beobachtung gesichert. Ich bin äußerst zufrieden."

    Beobachtet habe ich in der Nähe der Stadt Korbach, ca. 60km westlich von Kassel. Die Grenzgröße die ich dort an meinem Beobachtungsplatz erreichen kann, liegt bei ca. 6m3 - 6m5. Wie sie in dieser Nacht war kann ich leider nicht mehr sagen. Ich weiß nur, dass ich keine negativen Beinträchtigungen durch die Aschewolke feststellen konnte und dass die Bedingungen ziemlich gut waren. Das ich den Zentralstern nicht dauerhaft indirekt halten konnte schiebe ich zum einen auf das Seeing, zum anderen auf die fortgeschrittene Stunde und damit einhergehende erste Konzentrationsbeeinträchtigungen.

    Ich fand die Beobachtung auch nicht sonderlich schwer (ich verfüge noch nicht über sooo viel Beobachtungserfahrung, da ich erst seit gut 2 1/2 Jahren intensiver beobachte). Daher könnte ich mir vorstellen, dass evntl. auch eine Sichtung mit 14" von erfahreneren Beobachtern vieleicht sogar mit 12" (Alpenhimmel?) möglich wäre. Das sind aber nur Vermutungen. Ich kann nur von meiner sicheren Beobachtung mit 16" f/4,5 und knappen 460fach Vergrößerung berichten. Wichtig ist - und das wurde ja in ihrem Bericht erwähnt - dass man eine ausreichend hohe Vergrößerung wählt, um ausreichend Kontrast zwischen dem Zentralstern und dem hellen Innenbereich des Ringnebels zu bekommen. Mit meinem 4mm Planetary hat´s geklappt. Mit meinem 5-8mm Speers Waler Zoom hingegen nicht.

    Auch in der Nacht vom 14. auf den 15. August konnte ich den Zentralstern wieder mit gleichem Teleskop und gleichem Okular indirekt beobachten. Da die Bedingungen in der Nacht aber nicht so gut waren, wie in der Aprilnacht, "blitzte" der Stern immer nur mal kurz auf.

    Mit freundlichen Grüßen
    Heiko Mehring
  • Hintergrundstrahlung

    25.08.2010, Willy Mahl Ditzingen
    Die kosmische Hintergrundstrahlung entspricht der Wärmestrahlung eines Körpers von 2,7K. Sie ist isotrop und kann daher, wie ich gelesen habe, als ausgezeichnetes Bezugssystem dienen. Die Bewegungen von Galaxien können darauf bezogen werden; so hat die lokale Gruppe eine Geschwindigkeit von ca. 600 km/s auf dieses Bezugssystem. Ich habe nicht verstanden, wie ein isotropes System ohne Koordinatensystem zur Geschwindigkeitsermittlung dienen kann. Können Sie mir bitte behilflich sein?
    Antwort der Redaktion:
    Wir beobachten die Strahlung nur als fast isotrop. Genau betrachtet erscheint sie uns in einer Hälfte des Himmels ein kleines bisschen heller und wärmer als in der anderen Hälfte. Dies wird als Auswirkung des Doppler-Effekts unserer Bewegung relativ zu dem von Herrn Mahl erwähnten kosmischen Bezugssystem interpretiert. Die Stärke der kleinen Asymetrie (etwa zwei Tausendstel) gibt den Betrag unserer Relativgeschwindigkeit an, die Richtung der stärksten Temperaturerhöhung zeigt die Richtung unserer Bewegung relativ zum "Durchschnitt des fernen Universums" an.



    Dass diese Interpretation richtig ist, zeigt sich am einfachsten daran, dass die Unsymmetrie zwischen den beiden Himmelshälften nicht konstant ist, sondern sich im Jahresrhythmus deutlich messbar ändert, und dass die Größe und Richtung dieser Änderungen exakt zu der bekannten Umlaufbewegung der Erde um die Sonne passt.
  • Theorie und Wirklichkeit

    09.08.2010, Weiche, Garbsen
    Ich pflichte Herrn Knapps Online-Leserbrief voll und ganz zu: Es ist gut sich daran zu erinnern, dass Theorien ein Abbild der Wirklichkeit sind. Wenn ein neuer Blick auf die Wirklichkeit nicht mit der Theorie übereinstimmt, dann ist nicht die Wirklichkeit schuld. In diesem speziellen Fall der "dunklen Materie" scheint mir ein besonderer Schritt gelungen zu sein: die Verwischung von Hypothese und Theorie. Denn zunächst gibt es lediglich die Beobachtung von Sternenbewegungen und der Raumkrümmung, die mit der Annahme zusätzlicher Materie auf "natürliche" Weise erklärt werden konnte. - Äh, gesehen hat man sie noch nicht. Und meines Erachtens wäre dies eben der notwendige Schritt, um der "dunklen Materie" hinreichend Substanz zu verleihen, sie als theoretische Ursache für die genannten Phänomene zu begreifen.

    Was den respektloseren Umgang mit heiligen Kühen betrifft, möchte ich nur anmerken: Die ART und die QED sind sicher nicht der Stein der Weisen, aber im Gegensatz zur "dunklen Materie" haben sie das Fundament einer Gültigkeit in ihrem Rahmen. Und das hat nichts mit Respekt zu tun, sondern mit der Unumgänglichkeit der Stimmigkeit von Theorie und Wirklichkeit. Sollte es hier zu einer fundamentaleren Erklärung kommen, werden sie in ihrem Rahmen trotzdem erhalten bleiben. Die "dunkle Matrie" könnte im Gegensatz dazu - zur Zeit - im Licht neuer Erkenntnisse sich einfach auflösen.

    Schön wäre es nicht, denn sie ist recht praktisch. Und wer weiß, vielleicht fällt sie ja in ein paar Jahren einfach aus dem LHC, neben ein paar Extradimensionen des Raumes.

    Abzuschätzen, wo die Grenzen unserer Erkenntnis liegen, ist meines Erachtens ebenso Kaffeesatzleserei, wie zu behaupten, noch ein bischen mehr Energie im LHC und wir haben das Fundament der Physik freigelegt. Aber es steht nirgendwo geschrieben, dass es nicht so ist.
  • Dunkle Materie in SuW August 2010

    24.07.2010, Wilfried Knapp, Wien
    Danke, dass Sie im Editorial die mögliche Nichtexistenz "dunkler Materie" zur Diskussion gestellt haben. Es mag sein, dass die Allgemeine Relativitätstheorie derzeit unsere einzige "gute" Grundlage für die Kosmologie darstellt und man daher versucht ist, bei widersprüchlichen Beobachtungen alles zu tun, um diese Theorie zu "retten" - und sei es durch die Einführung solch mystischer Konstrukte wie dunkler Materie und dunkler Energie. Wir könnten aber auch feststellen, dass wir hier klar an der Grenze unserer aktuellen Erkenntnismöglichkeit sind und mit unserem bisherigem Erklärungsmodell einfach etwas nicht stimmt (dass dem so ist, zeigt ja auch der nach wie vor bestehende Gegensatz mit der Quantenphysik). Das ist um so leichter möglich, als wir ohnehin davon ausgehen müssen, zur Formulierung eines "endgültigen" Modells für die vollständige Erklärung der Realität grundsätzlich unfähig zu sein. Das ist kein Aufruf zum wissenschaftlichen Fatalismus, sondern zum respektloseren Umgang mit vermeintlich heiligen Kühen der Wissenschaft.
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