Lesermeinung - Sterne und Weltraum

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
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  • Galaktischer Umlauf der Sonne

    12.04.2010, Thomas Dreiseitel, Wien
    Als langjähriger Leser Ihrer Zeitschrift möchte ich mich mit folgender Frage an Sie wenden:
    In einem Fernsehbericht wurde gezeigt, dass das Klima der Erde in großen Zeiträumen auch maßgeblich von der kosmischen Höhenstrahlung abhängt. Wenn ich das richtig verstanden habe, trägt viel Höhenstrahlung zur vermehrten Wolkenbildung bei und damit zu einem Temperaturrückgang und umgekehrt. In der Sendung wurde nun berichtet, dass sich die Sonne in etwa 250 Millionen Jahren einmal um das galaktische Zentrum bewegt. Dabei werden verschieden dichte Sternansammlungen durchlaufen und dadurch kommt es nun zu unterschiedlich starker Höhenstrahlung. Ich dachte, der Umlauf der Sterne ist mehr oder weniger gleichmäßig, und der Standort der Sonne in der Milchstraße ändert sich nur geringfügig. Soll das heißen, unser Sonnensystem durchläuft auch die Arme der Milchstraße? Für eine Aufklärung wäre ich dankbar.

    Antwort der Redaktion:
    Ja, genau, die Sonne durchläuft die Spiralarme. Das tun auch solche Sterne, die auf nahezu kreisförmigen Bahnen um das Zentrum umlaufen, also im immer gleichen Abstand. Denn die Spiralarme sind nichts Statisches, sondern ein Wellenphänomen, das durch den Strom der gleichmäßig kreisenden Sterne der galaktischen Scheibe hindurchläuft. Das Spiralmuster bewegt sich ebenfalls um das Zentrum der Milchstraße herum, aber mit einer ganz anderen Geschwindigkeit als die Sterne. Je nach Sterndichte und einigen anderen Parametern der Scheibe kann es sein, dass die Spiralarme langsamer oder schneller um die Galaxie laufen als die Sterne. Im einen Fall laufen die Sterne "von hinten" in die Spiralarme hinein, im andern Fall "von vorne"

    Man muss sich das ähnlich vorstellen wie Wasserwellen auf einem kleinen Fluss, die durch das Hineinwerfen eines Steins
    erzeugt worden sind. Die Wassermoleküle laufen mit einer
    anderen Geschwindigkeit als die Wellenkämme. Das Wasser durchströmt in diesem Fall die flussaufwärts laufenden Wellen "von vorne" und wird von den flussabwärts laufenden von hinten überholt. Je nach Fließgeschwindigkeit des Wassers und der Wellenlänge können die flussaufwärts laufenden Wellenkämme sich gegenüber dem Ufer sowohl flussaufwärts oder flussabwärts bewegen.
  • Merkur

    01.04.2010, Tibebu Ashenafi
    Wieso gibt es bis jetzt keine Bilder von Merkur, abgesehen von Mariner (1974/1975) . Wieso gibt es bisher kein Bild des HST von Merkur, und auch keine Untersuchung durch erdgebundene Teleskope?
    Antwort der Redaktion:
    Es gibt durchaus neuere Bilder von Merkur, z.B. von der Raumsonde Messenger, die schon drei mal dicht an Merkur vorbeigeflogen ist und letztendlich in eine Umlaufbahn um Merkur eintreten soll, siehe z.B SuW 10/2009, S. 18 und SuW 12/2009, S. 16. Eine Bildersuche im Internet liefert eine ganze Menge öffentlich zugänglicher Bilder von Messenger: Einfach "Merkur Messenger" in die Google-Maske eingeben und nach Bildern suchen lassen. Das Hubble Space Telescope (HST) soll aus Sicherheitsgründen nicht so nahe an der Sonne beobachten, und erdgebundene Beobachtungen des Merkur sind nach Mariner wissenschaftlich nicht mehr wirklich lohnend. Es gibt aber dennoch auch viele erdgebundene Aufnahmen des Merkur seit 1976, siehe z.B. http://www.meta-evolutions.de/images/ssdc/ssdc-planet-merkur-buist.jpeg; oder für mehr Information http://sirius.bu.edu/planetary/mercury/
  • Doch Mond-Monde ?

    24.03.2010, Joachim Voigt, Darmstadt
    Mit Interesse habe ich die Diskussion um „Mond-Monde“ verfolgt. Die in der Februar-Ausgabe von Sterne und Weltraum (S. 12) gegebene „Experten-Antwort“ ist nach meiner Ansicht nicht zutreffend.
    Im System des Saturn umkreisen sich zwei Monde. Zitat aus BR-Wissen:

    Epimetheus und Janus sind ein ganz besonderes Hirtenpaar. Ihre Umlaufbahnen um Saturn liegen nur 50 Kilometer auseinander. Und sie umkreisen den Planeten in unterschiedlicher Geschwindigkeit. So überholt immer wieder der eine Mond den anderen. Das Verblüffende: Beim Überholen tauschen die beiden Monde ihren Orbit! Und dann eilt plötzlich der Andere voraus ...

    Genau so würde doch das System Erde-Mond von „Außen“ betrachtet erscheinen.
    Antwort der Redaktion:
    Das ist kein Fall von Mond-Monden im Sinne der Fragestellung in SuW 2/2010. Diese beiden Monde laufen nicht wirklich umeinander um. Sie bleiben vom Saturn aus gesehen nicht stets nahe beieinander; sie sind nicht aneinander gebunden. Zwischen ihren engen Begegnungen entfernen sie sich bis zu 180 Grad voneinander, und laufen selbst dann noch relativ zueinander in der gleichen Richtung weiter bis die Differenz ihrer Bewegung sich zu einem vollen Saturnumlauf aufsummiert hat.



    Insofern ist ihre Bewegung im heliozentrischen Vergleich eher der von Erde und Venus als der von Erde und Mond vergleichbar. Der interessante Unterschied zum Fall von Erde und Venus liegt darin, dass Epimetheus und Janus im langfristigen Mittel gleiche Umlaufzeiten haben.



    Es gibt in der Himmelsmechanik neben dem Fall von
    Epimetheus und Janus noch einen weiteren derartigen stabilen Speziallfall, in dem zwei Körper im Mittel mit der gleichen Periode um einen dritten umlaufen, und in dem doch nicht der eine als Mond des anderen angesehen wird: Die sogenannten Trojaner.
    In diesem Fall sind die beiden Körper von dem dritten aus gesehen stets ca. 60 Grad voneinander entfernt. Ein gegenseitiges Überholen kommt nicht vor.
  • Materieteilchen

    06.03.2010, T. Förste, Altena
    Als relativ neuer Leser von SuW muss ich offensichtlich noch viel über die kleinsten Bausteine der Materie lernen. So lese ich von nie zuvor gehörten Teilchen (in der aktuellen März-Ausgabe) und denke unter anderem: was ist aus den Quarks geworden?
    Daher die Frage: Welche Materie-Teilchen kennen wir inzwischen, und wie wechselwirken diese miteinander?
    Antwort der Redaktion:
    Über diese Fragen gibt es eine große Vielfalt von populärwissenschaftlichen Büchern, Zeitschriftenartikeln und Internetseiten. Letzere kann man leicht mit geeigneten Stichworten "ergoogeln", oder zum Beispiel bei Wikipedia mit den entsprechenden Stichworten einsteigen. In SuW finden sich Darstellungen des derzeitigen "Zoos" von Elementarteilchen zum Beispiel in einem Artikel von H. Nicolai und M. Pössel im Sonderheft "Gravitation" (2001, zweite Auflage 2005) und in einem Aufsatz von B. Povh in SuW 3/2004, S. 28, der im Dossier "Struktur des Kosmos" 2006 nochmals abgedruckt wurde.


    Übrigens: Quarks gibt es noch, und sie sind nach wie vor sehr erfolgreich in der Beschreibung der Starken Wechselwirkung.
  • Weltraumschrott ?

    23.02.2010, Volker Brömmel, Bornheim
    Hallo,
    wie sieht die Planung zur Vermeidung von Weltraumschrott bei dem neuen System aus?
    Sollen die abgetrennten zweiten Stufen verglühen oder wie gewohnt im Orbit verbleiben?

    Mit freundlichem Gruß,
    Volker Brömmel
    Antwort der Redaktion:
    Wir geben diese Frage an unsere Leserschaft weiter.
  • Radioaktiver Zerfall: Alternativ-Hypothese zu den jahreszeitlichen Schwankungen

    06.02.2010, Konrad Marek
    Ein weiterer Vorschlag zur Lösung von Rudolph Kippenhahns "radioaktivem Rätsel" in SuW 2/2010, S. 40-42:
    Die jahreszeitlichen Schwankungen der Messungen des radioaktiven Beta-Zerfalls könnten von dem Einfluss der kosmischen Höhenstrahlung auf die Messungen herrühren. Beide Messreihen (vom Brookhaven Lab und von PTB) sind schließlich nicht in einer unterirdischen Mine durchgeführt worden. Die Intensität der auf die Erdatmosphäre auftreffenden kosmischen Höhenstrahlung wird von dem Sonnenwind moduliert, gedämpft und hat unter anderem eine jahreszeitliche Komponente.
  • Fehler in der pp-II-Kette

    27.01.2010, Dr. Jürgen Clade, Würzburg
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit dem Diagramm zur pp-II-Kette auf Seite 32 wollten Sie wahrscheinlich die Aufmerksamkeit Ihrer Leser testen. Wenn ein Beryllium-7-Kern ein Elektron einfängt, muß sich die Kernladungszahl bei gleichbleibender Massenzahl um 1 verringern. Der entstehende Kern ist daher nicht mehr Beryllium-7, sondern Lithium-7.

    Freundliche Grüße,
    J. Clade
  • Bericht über die Sonnenfinsternis von der indischen Südspitze

    25.01.2010, R. Reisinger
    Ich konnte die ringförmige Sonnenfinsternis am 15.01.2010 an der indischen Südspitze mit Erfolg sehen. Diese Finsternis ist die längste ringförmige Sonnenfinsternis des 3. Jahrtausends gewesen, und zugleich die längste zentrale Sonnenfinsternis bis zum Jahre 3043. Das Wetter war sonnig und klar mit leichter Bewölkung. Die partielle Phase vor und nach der ringförmigen dauerte insgesamt fast 4 Stunden. So hatten wir viel Zeit. Ich habe die Verdeckung einer kleinen Sonnenfleckengruppe durch die schwarze Neumondscheibe in einem Teleskop gesehen, ebenso die Freigabe der Sonnenfleckengruppe bei der zweiten partiellen Phase. Dabei konnte man im Bezug auf die schwarze Neumondscheibe erkennen, dass die Sonnenflecken gar nicht schwarz, sind sondern grau.

    Die ringförmige Sonnenfinsternis dauerte an unserem Standort 10 Minuten und 9 Sekunden. Die Finsternis war sehr hell. Der Finsternishimmel war so hell, dass man - wie ich erwartete - den Planeten Jupiter nicht mit bloßem Auge sehen konnte. Während der ringförmigen Sonnenfinsternis verdeckte kurz einmal eine Wolke den Sonnenring, so dass man den Sonnenring ohne Sofi-Brille sehen konnte. Jetzt hätte man den Planeten Jupiter vielleicht sehen können, aber eine Wolke verdeckte ebenso die Sicht. Interessant war auch noch, dass man den Perlschnureffekt bei Beginn und am Ende der ringförmigen Finsternis nicht mit dem bloßen Auge durch die Sofi-Brille sehen konnte, da der Neumond bei dieser Finsternis sehr weit von der Erde entfernt war. Bei der ringförmigen Sonnenfinsternis in Spanien 2005 konnte man den Perlschnureffekt sehr gut mit bloßem Auge durch die Sofi-Brille sehen.

    Am faszinierensten war am 15.01.2010 der phantastische geometrisch perfekte, gleißend helle Goldring der Sonne, den man außergewöhnlich lange durch die Sofi-Brille sehen konnte.

    Die nächste ringförmige Sonnenfinsternis findet am 20.05.2012 am Abend in Kalifornien statt, und die Wetterstatistik ist gut. Bei dieser Finsternis müsste man dann auch wieder den Perlschnureffekt sehen können. Dafür ist aber der gemetrisch perfekte, gleißend helle Goldring der Sonne bei weiten nicht so lange zu sehen.
    Die nächste totale Sonnenfinsternis mit guter Wetterstatistik findet ebenso in den USA statt, im August 2017.
  • Richtig "Falten" will gelernt sein ...

    07.01.2010, Matthias Kukat, Bensheim
    In Ihrem Artikel „Mit Nebelfiltern den Durchblick gewinnen“ der Ausgabe 12/2009 sprechen Sie von einer Faltung der normierten Intensitätskurven. Weder die Beschreibung der Kurvenfaltung auf Seite 80 noch die gezeigten Beispiele im Kasten und im Text auf Seite 81 verwenden den Begriff der Faltung richtig. Zwar haben die Faltung und das Faltungsintegral, bzw. die Faltungssumme bei diskreten Vorgängen, in der mathematischen und ingenieurwissenschaftlichen Funktionsanalyse von Systemen einen sehr wichtigen Stellenwert, aber mit Ihren Beispielen nicht das Geringste zu tun. Hier handelt es sich um eine einfache Multikplikation zweier Funktionen.

    Eine recht gute Beschreibung und Definition der Faltung zweier Funktionen findet sich schnell unter:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Faltung_(Mathematik)

    Durch die Normierung der Intensitätskurve des Störlichts und die einfache (wellenlängenrichtige) Multiplikation mit einer ebenfalls normierten Empfindlichkeitskurve des Auges wird eine Bewertung oder auch Gewichtung durchgeführt, die als Ergebnis die normierte Wahrnehmungskurve ergibt. Dieses Vorgehen ist auch in der Akustik durchaus üblich, indem man hier mit der Empfindlichkeitskurve des menschlichen Ohrs eine Bewertung durchführt, um z. B. Geräuschphänomene beurteilen zu können.

    Mit der weiterfolgenden Berechnung wird diese Bewertung oder Gewichtung mit der Filterkurve wiederholt, und damit leider ebenfalls der Fehler mit der Faltung.

    Überraschender weise wird der gleiche Sachverhalt bei der Betrachtung der einzelnen Emissionslinien im weiter führenden Text schließlich richtig wiedergegeben.

    Als „Abonnementüberläufer“ der Zeitschrift Astronomie-Heute zu Sterne und Weltraum hat mich das höhere wissenschaftliche Niveau durchaus begeistert. Dennoch sollten meiner Meinung nach die Artikel nicht nur wissenschaftlich klingen, sondern vor allem korrekt sein und enthaltene Fachbegriffe und deren Definitionen richtig verwendet werden. Auch wenn es sich hierbei (nur) um einen einführenden Praxisbeitrag handelt, hat er durchaus ein Anrecht auf Richtigkeit.

    Mit freundlichem Gruß,
    Dipl.-Ing. (FH) Matthias Kukat
  • Schützer des Nachthimmels

    04.01.2010, Dipl.-Ing. J. Woker, Koblenz
    Wir werden derzeit mit Umweltthemen überschüttet, mal ist ein neuer Schadstoff in der Frühstücksmarmelade, dann ein Gift in der Jeans, der Kühlschrank braucht zuviel Strom und die Bundesliga flimmert auf einem stand-by-belasteten Fernseher.

    Und dann kommen noch die Sterngucker und meutern wegen des zu hellen Himmels, untermauern das auch noch mit zweckdienlichen Argumenten wie Umweltschutz, Energieverschwendung usw.

    Damit sind wir wohl, um ein weiteres Bild zu bemühen, eher Mitläufer in einem Umweltmarathon mit vielen, vielleicht zu vielen, Teilnehmern, die Wahrnehmung des Einzelnen leidet darunter. Wenn man die Geschichte der Lichtschutzpetition verfolgt hat kann man schon den Eindruck bekommen, dass das Wohlwollen der Ausschußteilnehmer, ausser der Industrielobby, die jede Reglementierung die die technische Entfaltung begrenzt, ablehnt, durchaus gegeben war, aber auch eine gewisse Hilflosigkeit herrschte, wie man damit umgehen sollte.

    Trotzdem verbuche ich das Geschehen als Teilerfolg, verbunden mit der Aufgabe dran zu bleiben, Hartnäckigkeit zu zeigen und entsprechend präsent zu sein, damit das Thema nicht untergeht. Die entsprechenden Aktivisten gibt es, unterstützen wir sie, nehmen wir ihre Themen auf und tragen sie in die Kommunalparlamente und Kreistage, dort wo wir als breitere Bevölkerung Einfluss nehmen können. Und untermauern so die Initiative, damit diese eine Wertigkeit erlangt, auf deren Basis der Gesetzgeber tätig werden kann!

    In diesem Sinne ...
  • Himmelsjahr 1945

    20.12.2009, Dr. Walter Carnuth, 94501 Aldersbach
    In dem Aufsatz über das "Kosmos Himmelsjahr" von Michael Gottwald (in SuW 1/2010, S. 92) wird behauptet, dass 1945 wegen des Zweiten Weltkriegs keine Ausgabe des "Himmelsjahrs" erschienen sei. Dies ist so nicht richtig. Ich besitze eine Wehrmachtsausgabe 1945 dieses Jahrbuchs, ein kleines, auf schlechtem Papier gedrucktes Heftchen im Format 14cm x 18cm. Meine Mutter hat es kurz nach dem Krieg, als es kaum astronomische Literatur gab, in einer Münchner Buchhandlung aufgestöbert.
  • Zum Astronomie-Defizit an den Schulen

    16.12.2009, Karl-Ludwig Bath, Emmendingen
    Den in SuW 01/2010 geäußerten Meinungen stimme ich weitestgehend zu. Es folgen einige ergänzende Anmerkungen.

    Zur Belastung der Schüler:
    Die Schüler haben bereits jetzt eine hohe Stundenbelastung, und durch die Einführung von G8 ist die Belastung noch größer geworden. Da ist ein weiteres Unterrichtsfach mit zusätzlichen Stunden nicht zu verantworten und auch nicht durchzusetzen. Welchem Unterrichtsfach sollen also zu Gunsten der Astronomie Stunden abgezogen werden? Die zugehörige Diskussion dürfte zu einem Aufschrei führen, aber kaum zu einem Ergebnis. Hierzu wären Ausführungen von Kollegen aus den neuen Bundesländern interessant.

    Lehrer für das Fach Astronomie?
    Deshalb sehe ich die Astronomie zumindest für die alten Bundesländer kurzfristig nicht als Pflichtfach, selbst bei Interesse und Engagement nicht. Ein weiterer Grund ist das Fehlen von Astronomie-Lehrern: (1) Es gibt fast keine astronomiekundigen Lehrer. Nach meinen Erfahrungen hat kaum ein Lehrerkollege, selbst unter den Naturwissenschaftlern, auch nur rudimentäre Kenntnisse der Astronomie. Entsprechend groß sind die Hemmungen, sich hier sozusagen auf Glatteis zu begeben. Um sich in die Astronomie einzuarbeiten, fehlt es fast allen an Zeit, Mut und Anleitung. (2) Selbst im Physikstudium kommen astronomische Themen praktisch nicht vor. So dass die künftigen Physiklehrer derzeit auch keine astronomischen Kenntnisse mitbringen, die sie weitergeben könnten. Von Kollegen anderer Fächer ganz zu schweigen. (3) Vermutlich gebiert sich die Unkenntnis fort, so dass auch die meisten Physik-Professoren nicht die wünschenswerten Kenntnisse in Astronomie/Astrophysik haben, die sie ihren Studenten weitergeben könnten.

    Kurzfristige Abhilfen:
    Soll kurzfristig Abhilfe geschaffen werden, so sind die vorhandenen Ressourcen verstärkt zu nutzen und zu fördern. Das sind: (1) Eine verstärkte Unterstützung des ohnehin großen Engagements der Planetarien und Volkssternwarten durch die öffentliche Hand. (2) Ein Intensivieren der Lehrerfortbildung in Sachen Astronomie und Astronomie-Unterricht durch die etablierten astronomischen Institute. (3) An den Universitäten könnten die Angebote an Vorlesungen durch Fachastronomen ausgeweitet werden. (4) Dann könnten Astronomiekurse zumindest für Physik-Studenten zur Pflicht gemacht werden.

    Ich selbst habe in meinem Physikunterricht astronomische Themen ständig und mit großem Erfolg eingebunden. Das klappt in fast allen Teilgebieten der Physik. Insbesondere werden unsere alltäglichen Maßstäbe ganz erheblich ausgeweitet: Längenskalen, Zeiträume, Temperaturen, Dichten, Magnetfelder und anders mehr.

    Etwas zum Lachen? „Sonnenfinsternis ist dann, wenn die Sonne zwischen Erde und Mond steht.“ ...

    Karl-Ludwig Bath, Emmendingen
    www.sternfreunde-breisgau.de, www.ias-observatory.org
  • Amateurastronomen und das Finanzamt, Teil 2

    10.12.2009, Manfred Holl, Hamburg
    Antwort auf den Leserbrief von Thomas Klette vom 9.11.2009

    Das Thema Finanzamt kommt spätestens dann ins Spiel, wenn man beispielsweise Artikel oder Bilder in SuW veröffentlicht und dafür ein Honorar bekommt. Dieses muss als steuerliche Nebeneinkunft abgerechnet werden, mit der Möglichkeit, dann auch damit im Zusammenhang stehende Aufwendungen absetzen zu können.

    In allen anderen Fällen, also wenn man nicht für irgendwas ein Honorar bekommt, hat man keine Aussichten, sein Hobby von der Steuer abzusetzen.

    Allerdings sollte man auch nicht auf die Idee verfallen, dass man die Honorare gegenüber dem Finanzamt einfach nicht angibt. Bei einer Betriebsprüfung beim Verlag können im Nachgang auch schon mal die Steuerbescheide derjeniegen geprüft werden, die vom Verlag Geld bekommen haben!
  • Wer mehr möchte, muss nicht Profi werden…

    20.11.2009, Thomas Eversberg, Bonn
    Dass Amateurastronomen mittlerweile auf sehr hohem Niveau arbeiten, wird auch von der bezahlten Forschung erkannt. In diesem Sinne spiegelt das Editorial diese Entwicklung korrekt wider. Ob jemand sich als Hobby- oder Amateurastronom bezeichnet, ist innerhalb der Hobby/Amateurgemeinschaft nachrangig, da dies nichts über die Fähigkeiten und Leistungen der entsprechenden Person aussagt.

    Man muss Begriffe aber auch in ihren etymologischen Kontext einordnen. Sobald man mit der eigenen Arbeit in einen Dialog mit einem anderen Umfeld (z.B. der Profiastronomie) tritt, spielt die Etymologie eine Rolle; man muss sich auf Begrifflichkeiten einigen. Das ist schwer, und noch heute werden „Amateurbeobachtungen“ skeptisch auf den Prüfstand gestellt, von einem „Hobby“ ganz zu schweigen (Herr Klette bestätigt in seinem Leserbrief dieses Problem implizit mit seiner Unterscheidung, hier allerdings zugunsten des „Hobbyastronomen“). Insofern, und nur hier, ist die Unterscheidung zwischen Hobby- und Amateurastronom hilfreich und notwendig. Dass es eine Grenze in der Arbeit von Astronomen und Hobbyastronomen geben muss, ist nach meiner Erfahrung falsch (ich arbeite als Amateur mit den Profis zusammen). Ich erinnere daran, dass die Unterscheidung zwischen Amateur- und Profiforscher erst im 19. Jahrhundert mit dem Aufbau von Forschungseinrichtungen etabliert wurde (siehe z.B. Alexander v. Humboldt). Für den Hobbyfotografen gilt oben Genanntes i.d.R. nicht, weil es (bisher) kaum eine Zusammenarbeit mit den Profis gibt.

    Die berechtigte Frage, ob die amateurastronomische Arbeit von der Steuer abgesetzt werden kann, wird wohl ungelöst bleiben. Immer mehr Vereinigungen stellen sich aber aktiv auf das vorhandene Steuersystem ein und nutzen die Gemeinnützigkeit als adäquates Hilfsmittel.

    Wenn jemand mehr möchte als nur in den Himmel zu schauen, ist das auch als Amateur auf höchstem Niveau möglich und es ist daher nicht hilfreich, auf den regulären Weg zum Profi zu verweisen. Wie öde wäre unsere Theaterlandschaft, würden wir nur studierte Schauspieler auf den Bühnen sehen…
  • War es nun Zufall oder Plan?

    15.11.2009, Maximilian Bahnmüller, Stabio Schweiz
    Rudolf Kippenhahn, ein ganz Großer seiner Gilde, hat vor einigen Jahren einen grandiosen Aufsatz in SuW geschrieben, den ich nie vergessen habe. Es ging dabei um das, was kurz nach dem Urknall im Universum geschah. Speziell hat Kippenhahn die unfassbare Präzision der kosmischen Konstanten geschildert, die das Universum zu dem werden ließ, was es heute ist. Weiterhin schrieb er, dass selbst die minimalste Abweichung in der Präzision dieser Parameter den totalen Kollaps des ganzen bedeutet hätte, und das Universum zu einer wüsten Öde verkommen wäre.

    Zum Schluss schrieb Kippenhahn noch sinngemäss folgendes: "Natürlich kann ich mir vorstellen, dass das ganze nach einem Schöpferplan abläuft. Ich respektiere die religiöse Betrachtungsweise. Aber sie gehört nicht hierher, es ist eine andere Fakultät". Vor 50 Jahren hätte ihn die Zunft der Wissenschaften für so eine Aussage wohl geteert und gefedert. Aber das tat man heute offenbar nicht.

    Was ist also in der Zwischenzeit geschehen? Hat Gott in unser wissenschaftliches Denken Einzug gehalten? Fast sieht es danach aus. Immer mehr hochkarätige Wissenschaftler reden vom "Mind of God", von einem "Schöpferwesen" das nicht mehr ernsthaft auszuschließen ist, usw. usw.

    Es entsteht unweigerlich der Eindruck, dass unser momentanes Bestreben nur darin liegt, IHN zu finden und nachzuweisen. Aber woher kommt diese Gottgläubigkeit? Ist das Überzeugung oder Ohnmacht, weil wir vor verschlossenen Türen stehen, die wir so gerne öffnen würden, aber nicht können? Hat das, was wir uns in den letzten 50 Jahren an Wissen erarbeitet haben, zu der Überzeugung geführt, dass das ganze möglicherweise kein Zufall ist, sondern ein ungewöhnlich raffinierter Plan?

    Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Aber wahrscheinlich ist es so, dass wir in den letzten Jahren wohl etwas nachdenklicher geworden sind. Und vielleicht auch ein bisschen ohnmächtiger.

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