Wunder des Weltalls

Totale Mondfinsternis am 15.6.2011

Fotograf: Manfred Holecek

Totoale Mondfinsternis am 15.6.2011

Mit Kamara, Teleobjektiv und Stativ bewaffnet fuhr ich an jenem Abend los, um dieses seltene Naturschauspiel zu dokumentieren.

Anfänglich vereitelten horizontnahe Wolkenschichten mein eigentliches Ziel, den verdunkelten Mond während seines Aufganges über den Bergen zu fotografieren. Erst um 21:35 Uhr MESZ konnte ich den Mond visuell am noch hellen Himmel ausfindig machen. Die ersten zufriedenstellenden Aufnahmen dieses Abends gelangen mir dann eine gute viertel Stunde später, als der total verfinsterte Mond endlich in voller Pracht oberhalb der Wolken stand (Bild 1, links).

Was für ein Anblick, wenn man bedenkt, dass der Vollmond in diesem Moment eigendlich alles überstrahlen müsste, wäre da nicht die Erde sozusagen im Weg!

Das mittlere Bild (Bild 2) entstand um 22:38 Uhr MESZ. Der Himmel war immer noch etwas aufgehellt und zeigte sich in einem zarten Dunkelblau. Dennoch traten auf den Rohdaten bereits viele Sterne hervor, deren Sichtbarkeitsgrenze in dieser Kompositaufnahme bis etwa 11 mag reicht. Der Mond hatte zu diesem Zeitpunkt das Zentrum des Kernschattens der Erde schon passiert, was daran zu erkennen ist, dass er links heller und gelblich erscheint, und rechts dunkler und rötlich.

Das rechte Bild (Bild 3), aufgenommen um 23:17 Uhr MESZ, zeigt ein recht aufwändig komponiertes HDR-Komposit bestehend aus insgesamt 13 Einzelbelichtungen. Der Rand des Kernschattens der Erde ist hier anhand der Schattenlinie gut zu erkennen. Während der linke, helle Bereich der Mondscheibe sich bereits im Halbschatten der Erde befand, verdunkelte ihr Kernschatten die linke Seite des Mondes weiterhin gespenstisch rot. Der Helligkeitsunterschied zwischen Halbschatten und Kernschatten erreichte laut Daten der Einzelbelichtungen etwa den Faktor 4000! In diesem Bild sind Sterne nur bis etwa 9 mag zu erkennen, da die mittlerweile wieder recht hell beleuchtete Mondkante es äußerst schwierig machte, fotografisch tiefer in den Kosmos vorzudringen. Dennoch lässt sich anhand der Bilder 2 und 3 die relative Bewegung zwischen Mond und Sternenhimmel deutlich nachvollziehen. Der Mond ist subjektiv deutlich langsamer als die Sterne.

Alles in allem war dies eine wunderbare Fotosession, die kurz nach 23:30 Uhr MESZ endete. Schnell machten sich wieder ausgedehnte Wolkenfelder breit, die mir die Heimfahrt moralisch erleichterten. Daheim angekommen, zeigte sich der bereits wieder voll beleuchtete Mond in einigen Wolkenlöchern. Dies nutzte ich dazu, noch einige Luminanzbilder aufzunehmen, ohne die diese drei gezeigten Aufnahmen nicht zustande gekommen wären.

Selbst wenn das mitteleuropäische Wetter den Fotografen oft einen Strich durch die Rechnung macht, so muss ich dennoch eingestehen, dass dieser Wetterkrimi am 15. Juni 2011 durchaus seine Reize hatte.
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