Sterne und Weltraum November 2011

In den Fußstapfen großer Forscher

Liebe Leserin, lieber Leser,

mein erstes Teleskop, das ich als junger Schüler von meinem mühsam ersparten Taschengeld erwarb, war gebraucht und fiel in die damalige Qualitätskategorie "Japanramsch". Und doch übertraf dieser 60-Millimeter-Refraktor die Fernrohre, mit denen Galileo Galilei vor 400 Jahren bahnbrechende Entdeckungen gelangen, an optischer Leistung. Mein bevorzugtes Beobachtungsobjekt war Jupiter. Ich sah den Großen Roten Fleck auf seiner Oberfläche, bestimmte mit Hilfe eines Fadenkreuzes die Zeitpunkte seines Durchgangs durch den Zentralmeridian, und ermittelte so die Rotationsdauer des Riesenplaneten. Und ich staunte über die wechselnden Positionen der vier Galileischen Monde, die Jupiter umrundeten wie unsere Planeten die Sonne. Ich war stolz wie Oskar – hatte ich doch selber Dinge beobachtet, die der Menschheit viele Jahrtausende verborgen geblieben waren.

Später lernte ich in der Schule, dass der Däne Ole Römer anhand der Jupitermonde im Jahr 1675 erkannt hatte, dass sich Licht nicht unendlich schnell, sondern mit endlicher Geschwindigkeit ausbreitet. Dies nachzuvollziehen, überstieg damals meine Fertigkeiten. Römer hatte die Zeiten gemessen, zu denen die Monde vom Schatten des Planeten verfinstert wurden. Je nach Stellungen von Erde und Jupiter auf ihren Bahnen traten diese Verfinsterungen wegen der veränderten Lichtlaufzeiten mal einige Minuten früher, mal einige Minuten später auf.

Dabei ist es gar nicht schwer, die Erkenntnisse Römers nachzuvollziehen. Unser Autor Thomas Hebbeker nutzte ein kleines Teleskop und eine Digitalkamera, um aus den Positionsverschiebungen der Jupitermonde die Lichtgeschwindigkeit zu ermitteln (siehe S. 76). Dabei gelangen ihm noch tiefere Einsichten: Er bestimmte die Masse Jupiters, bestätigte das dritte keplersche Gesetz und berechnete den Wert der Astronomischen Einheit. Faszinierend, wie sich mit simplen Mitteln grundlegende Zusammenhänge der Natur erkennen lassen!

Herzlichst grüßt Ihr

Uwe Reichert

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Blick in die Forschung: Kurzberichte

Zentralberg des Mondkraters Tycho

Der Zentralberg des Mondkraters Tycho

 
18
Seit rund zwei Jahren umrundet die US-Raumsonde Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) den Erdtrabanten. Kürzlich gelang LRO eine Schrägansicht des Zentralbereichs des Kraters Tycho auf der...
Helligkeitsschwankungen der Sterne in Keplers Blickfeld

Perlensuche in Keplers Datenrauschen

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Die erfolgreiche Jagd auf Planeten bei fremden Sonnen erfordert nur einen Computer und ein gutes Bauchgefühl. Amateure fanden in den Messkurven des Satelliten Kepler zwei Exoplaneten, die von den...
Kohlenstoffplanet hoher Dichte umkreist einen Millisekundenpulsar

Diamanten am Himmel

 
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Ein jüngst entdeckter Exoplanet erstaunt die Forscher auf zweifache Weise. Er umkreist einen Millisekundenpulsar und hat eine weitaus höhere Masse als bisherige Funde. Darüber hinaus besteht er...
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Eine wacklige Entfernungsleiter

 
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Rund ein Viertel aller Cepheiden sind einer neuen Studie zufolge von Gas- und Staubhüllen umgeben – offenbar wegen eines Masseverlusts während ihrer Pulsationsphase. Das hat Konsequenzen für ihre...

Welt der Wissenschaft

Raumtransporter "Dream Chaser"

Privat in die Umlaufbahn

 
26
Mit der Einstellung der Raumfährenflüge im Juli 2011 steht den USA für mehrere Jahre kein bemanntes Raumfahrzeug mehr zur Verfügung, das vom eigenen Territorium aus die Erdumlaufbahn erreicht. Um...
Kraterdatierungen

Einschläge ohne Rhythmus

 
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Eine neue statistische Untersuchung widerlegt Studien, die ein periodisches Ab- und Zunehmen der Einschlagswahrscheinlichkeit von Asteroiden und Kometen auf der Erde behauptet hatten.

Zum Nachdenken

Eule

Tycho, Chicxulub und Ries

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39
In die Untersuchung von Coryn Bailer-Jones (siehe S. 36) flossen alle irdischen Krater bekannten Entstehungsdatums ein. Dazu zählen auch das Nördlinger Ries und der Chicxulub-Krater auf der Halbinsel...

Welt der Wissenschaft

Coudé, »ellbogenartig geknickt«

Wer war Monsieur Coudé?

 
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Schon bald nach der Erfindung des Teleskops haben hervorragende Astronomen und Techniker die prinzipiell verschiedenen Möglichkeiten entdeckt, die optischen Komponenten ihrer Instrumente anzuordnen....
Pulsar

Hinter den Kulissen von Einstein@Home

  (kostenfrei)
54
Jeder Wissenschaftsinteressierte weltweit kann mit seinem PC von zu Hause aus am Projekt Einstein@Home mitwirken und damit die Astrophysiker bei der Suche nach Pulsaren unterstützen. Am 2. Juli 2011...

Aktuelles am Himmel

Astronomie und Praxis: Beobachtungen

Tanz der Jupitermonde

Der Tanz der Jupitermonde

 
76
Obwohl die Astronomen des 17. Jahrhunderts mit einfachsten Optiken, ohne die Fotografie und Computer auskommen mussten, gelangen ihnen fundamentale Entdeckungen. Mit einem kleinen Teleskop und einer...
Roter Zwerg mit engem Begleiter

Roter Zwerg mit engem Begleiter

 
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Welcher Sternfreund wünscht sich nicht, bei langanhaltendem Nebelwetter ein Weltraumteleskop nutzen zu dürfen? Im Zuge eines Öffentlichkeitsprojekts der Universität Wien erhielt ein Amateurastronom...

Astronomie und Praxis: Orte des Wissens

Globen aus fünf Jahrhunderten

Globen aus fünf Jahrhunderten

 
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Die Österreichische Nationalbibliothek besitzt mit ihrem Globenmuseum in Wien eine weltweit einzigartige Sammlung von Erd- und Himmelsgloben, Mond- und Planetengloben, Armillarsphären, Planetarien und...

Astronomie und Praxis: Wunder des Weltalls

Erwünschtes und unerwünschtes Licht

Erwünschtes und unerwünschtes Licht

 
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Das Sternbild Orion kündet vom herannahenden Winter. Auf den ersten Blick vermittelt das große Bild einen Hauch Lagerfeuerromantik, der orangefarbene Schein zeugt freilich von Lichtverschmutzung....

Astronomie und Praxis: Astroszene

100-Meter-Radioteleskop bei Effelsberg

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Geschützt in einem engen Tal in der Eifel, betreibt das Max-Planck-Institut für Radioastronomie eines der größten frei beweglichen Radioteleskope der Erde. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des...

Astronomie und Praxis: REISEBERICHT

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