IYA2009 | 27.01.2009

Internationales Jahr der Astronomie 2009

Komet Lulin kommt in Sicht

Am Anfang der Sichtbarkeitsperiode dieses vielversprechenden Kometen können Sie Lulin mit dem Feldstecher tief am südöstlichen Morgenhimmel entdecken. Aber die beste Vorstellung bietet sich uns bei seiner größten Annäherung in der zweiten Februarhälfte, wenn Komet Lulin wahrscheinlich bis zu 4,5 mag erreicht. Nach dem Überraschungskometen Holmes im Spätherbst 2007 haben wir also endlich wieder einen Kometen, der sogar mit dem bloßen Auge sichtbar wird!

C/2007 N3 (Lulin) wurde schon im Juli 2007 auf fotografischem Wege am taiwanesischen Observatorium Lulin entdeckt. Damals war der Komet noch so weit entfernt, dass er mit nur 18,9 mag Helligkeit zunächst einem Asteroiden ähnelte. Schon sehr bald aber brachten die Bahnparameter, die auf eine offene Parabelbahn hinwiesen, seine wahre Natur ans Licht.

Lulin wurde sofort als vielversprechend eingestuft: Er zeigt eine große Grundhelligkeit und zieht mit 0,41 Astronomischen Einheiten (0,41 AE entsprechend 61,5 Millionen Kilometer) relativ nah an der Erde auf der von der Sonne abgewandten Seite vorbei.
  Die Bahn des Kometen Lulin in den Monaten Januar bis März 2009
Der Komet C/2007 N3 (Lulin) ist ab Ende Januar am südöstlichen Morgenhimmel kurz vor Beginn der Dämmerung mit dem Feldstecher in der Nähe des Sternbilds Waage sichtbar. Seine größte Helligkeit und damit optimale Sichbarkeit erreicht er in der zweiten Hälfte des Februar. Dann könnte er mit etwa 4 mag in klaren, dunklen Nächten auch mit dem bloßen Auge zu sehen sein, anfangs im Sternbild Jungfrau, später im Sternbild Löwe.


Wie hell wird er?
Dank des langen, astrometrisch genau erfassten Abschnitts der Kometenbahn am Himmel ist die Positionsgenauigkeit unserer Karte sehr genau. Die verschiedenen Helligkeitsprognosen reichen allerdings von 4 bis 6 mag für die Phase der besten Sichtbarkeit um den 20. Februar 2009. Die Helligkeitszunahme eines Kometen mit sich verringernder Sonnendistanz hängt immer auch vom Ausgasungsverhalten ab. Die Lichtstreuung am Kometenstaub macht jedoch einen großen Teil der erwähnten Grundhelligkeit aus.

Es gibt einige Beispiele von unerwartet beeindruckenden Kometen, wie Ikeya-Seki im Jahr 1965 und West im Jahr 1976, die eigentlich nur eine kleine Grundhelligkeit aufwiesen, die aber wegen einer geringen Periheldistanz kurzzeitig eine sehr große Helligkeit erreichten. Manchmal aber auch nicht, wenn die Ausgasungsrate plötzlich einbricht, wie beim enttäuschenden Schweifstern Kohoutek im Jahr 1973.

Das aber sollte uns bei Lulin nicht so leicht passieren, denn er durchläuft am 10. Januar 2008 sein Perihel in einem Abstand von 1,2 AE zur Sonne. Damit ist seine Helligkeit grundsätzlich weniger von der Sonnendistanz abhängig. Komet Lulin ist mit diesen Eigenschaften quasi eine weniger spektakuläre Variante des großartigen Kometen Hale-Bopp aus dem Jahr 1997. Lulin wird gewiss nicht so beeindruckend, aber für mehrere Wochen steht er in günstiger Position, und unter einem dunklen Himmel wird er im Februar auch mit dem bloßen Auge zu sehen sein.
  Der Komet Lulin zur Zeit seiner besten Sichtbarkeit
Von Mitte bis Ende Februar 2009 erreicht der Komet Lulin seine größte Helligkeit von bis zu 4,5 mag. Unter günstigen Bedingungen könnte er dann auch mit dem bloßen Auge zu sehen sein. Lulin lässt sich zunächst am südwestlichen Morgenhimmel im Sternbild Jungfrau in der Nähe des hellen Sterns Spika finden, dann wandert er zum Sternbild Löwen und passiert am 24. Februar den Ringplaneten Saturn.


Wo findet man Komet Lulin?
Die Aufsuchkarte zeigt, wo am Sternenhimmel Komet Lulin zu finden ist. Sie können den Kometen derzeit bei Dämmerungsbeginn tief am Südosthorizont in der Nähe des Sternbilds Waage auffinden, allerdings benötigen Sie auf jeden Fall noch einen Feldstecher. Zurzeit ist ein günstiges Zeitfenster zur Beobachtung, das sich bis zum 6. Feb­ruar erstreckt, weil in dieser Zeit der helle Mond nicht stört. Kurz vor Dämmerungsbeginn erreicht Lulin mit bis zu 25 Grad langsam etwas mehr Höhe am Südosthimmel, während er das Sternbild Waage durchquert.

Die beste Sicht haben wir zur Zeit der größten Erdnähe, etwa vom 18. Februar an. Dann ist Lulin mit etwa 4,5 mag nicht nur am hellsten, sondern er erreicht im Sternbild Jungfrau bereits gegen 3 Uhr morgens seine günstigste Beobachtungsposition, etwa 35 Grad hoch im Süden.

Am 24. Februar passiert er Saturn, am 27. Regulus. Allerdings zeigt der Schweif in diesen Tagen genau von der Erde weg. Folglich erscheint der Komet jetzt weitgehend schweiflos, da wir genau auf seine »Nase« sehen – nicht unähnlich dem Anblick, den wir von Komet Holmes im November 2007 hatten. Es zeigt sich im Fernrohr oder Feldstecher eine grünliche und rundliche Scheibe von etwa der Größe unseres Mondes.
  Der Komet Lulin am 19. Januar 2009
Der Amateur-Astronom Michael Jäger nahm den Schweifstern Lulin am 19. Januar 2009 um 5:34 Uhr (MEZ) mit einem 20-Zentimeter-Teleskop auf. Der Komet erschien im Sternbild Waage als rundlicher Fleck ohne Schweif.


Im weiteren Verlauf dieser Neumondperiode wechselt Lulin rasch über den südlichen Löwen in den Krebs, wo er am 5. März der Praesepe begegnet. Dann kulminiert der Komet bereits gegen Mitternacht, wird aber auch schon wieder schwächer, und der helle zunehmende Halbmond beginnt zu stören. In der darauf folgenden Neumondperiode, Ende März, wechselt Lulin endgültig an den Abendhimmel. Als Objekt mit einer Helligkeit von 7 bis 8 mag ist ihm aber dann schon viel von seinem Reiz abhanden gekommen.

Klaus-Peter Schröder, Tilmann Althaus
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