SZENEnews | 10.06.2011

Beobachtungstipp

Totale Mondfinsternis am 15. Juni 2011

Am 15. Juni 2011 gegen 21:30 Uhr MESZ geht ein total verfinsterter Mond über Deutschland auf! Im Alpenraum lässt sich das Ende der Totalität um 23:02 Uhr MESZ tief im Südosten bei schon fast dunkler Nacht recht gut verfolgen, aber im Norden Deutschlands stört die noch helle Dämmerung.
Die Mondfinsternis vom 15. Juni 2011
  Die Mondfinsternis vom 15. Juni 2011
Eine totale Mondfinsternis ist immer ein sehenswertes Ereignis: Schon mit bloßem Auge oder einem Fernglas lässt sich das langsame Fortschreiten der partiellen Phasen verfolgen. Im Teleskop macht der diffuse Erdschatten auf dem konturlosen Mondboden einen gespens­tischen Eindruck. Vor allem aber die kupferrot glimmende, unnatürlich dunkel vor dem ungestört sichtbaren Sternenhimmel stehende, total verfinsterte Mondscheibe fasziniert ihre Beobachter.

Ein großer Feldstecher oder ein kleines Fernrohr mit nur etwa 20-fa­cher Vergrößerung ergibt dabei den schönsten Anblick. Durch umstehende Hintergrundsterne entsteht der Eindruck einer immensen Tiefe des Raums! Schon ein stabiles Fotostativ bietet kleinen Teleskopen einen ausreichenden Halt, das heißt die Ausrüs­tung des Mondfinsternisbeobachters darf gerne bescheiden und somit transportabel sein.

Die totale Mondfinsternis in diesem Monat hat für Beobachter in Mitteleuropa leider einen Haken: Sie beginnt schon deutlich vor Mondaufgang! Alles, was sich beobachten lässt, passiert tief am Südosthimmel und dazu anfangs noch in der jetzt sehr späten Abenddämmerung. Gute Sicht gen Südost ist dabei erforderlich und natürlich eine sehr transparente Atmosphäre.

Der Mond tritt um 20:23 Uhr MESZ in den Kernschatten der Erde ein und ist ab 21:22 Uhr völlig von ihm erfasst, aber der Mondaufgang erfolgt beispielsweise in Frankfurt am Main erst um 21:29 Uhr. Etwa eine Viertelstunde später sollte man den rötlichen Erdtraban­ten dann tief am südöstlichen Horizont sichten können. Um 23:03 Uhr verlässt der Mond den Kernschatten und um 0:02 Uhr ist dann auch die partielle Phase beendet.

Eine derart große Horizontnähe wie bei dieser Finsternis ist nicht unbedingt von Nachteil – ganz im Gegenteil: Es bietet sich die Gelegenheit zu besonders reizvollen Fotoserien des aufgehenden und dabei noch mehr oder weniger verfinsterten Mondes. Wählen Sie in jedem Fall Ihren Standort mit Bedacht so aus, dass das Panorama am erwarteten Mondaufgangspunkt attraktiv ist, also beispielsweise Berge, Bäume oder eine ferne Kirche enthält. Das Panorama sollte zudem nah an den mathematischen Horizont heranreichen. Sie sollten dies vorher auskundschaften, denn der Mondaufgang erfolgt unglaublich rasch: In nur zwei Minuten bewegt sich die Scheibe des Mondes um ihre eigene Breite weiter! Wenn Ihnen schöne Bilder von der Mondfinsternis gelingen, können Sie diese auf unserer Leserbildseite einstellen und einem größeren Publikum vorstellen. Die attraktivsten Aufnahmen werden dann in einer Auswahl auch im gedruckten Heft von "Sterne und Weltraum" erscheinen.

Reizvolles im Mondumfeld
Am 15. Juni steht der Mond am Ostrand des Sternbilds Schlangenträger, kurz vor seinem Eintritt in den Schützen. Trotzdem ist der Himmelshintergrund in seiner unmittelbaren Umgebung nicht sehr reich an hellen Sternen. Dafür lässt sich mit einem größeren Teleskop aber vielleicht der winzige Kugelsternhaufen NGC 6401 ausmachen. Er ist weniger als eine Bogenminute groß und nur 9,5 mag hell. Kurz nach 23:30 Uhr MESZ, wenn der Mond noch zur Hälfte verfinstert ist, tritt der kleine Kugelsternhaufen am dunklen Nordwestrand der Mondscheibe hervor. Eine höhere Vergrößerung, ein Teleskop mit mindestens acht Zoll Öffnung und ruhige durchsichtige Luft sind erforderlich, um ihn in dieser ungewöhnlichen Situation einwandfrei zu erkennen.

Klaus-Peter Schröder / Red.
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